In Zeiten, da verblendete Unternehmenskommunikatoren aus Häusern wie Telekom, Lufthansa, Bahn oder Post Journalisten als Spitzelobjekt betrachten, löst eine britische Seite namens Journalisted in mir zwiespältige Gefühle aus. Es passiert mir selten, dass ich auch nach Tagen zu einem Thema keine klare Meinung habe. Um genau zu sein, öffnet sich in meinem Firefox seit zwei Wochen schon eine Seite namens Journalisted.com.
In Ihr protokolliert eine nach eigenen Angaben unabhängige und nicht gewinnorientierte Gesellschaft aus Großbritannien die Tätigkeit von Journalisten auf. So kann der Interessierte beispielsweise sehen, für wen die höchst kluge Emily Bell vom “Guardian” arbeitet, welche Artikel sie veröffentlicht hat, wie viele es waren und welche Schlagworte besonders häufig auftauchten. Auch lässt sich ein E-Mail-Alarm einrichten, der den Nutzer über neue Artikeln Bells informiert. Auch anders herum geht das: So lässt sich prüfen, wer für ein Blatt schreibt und wer über welche Themen schreibt.
Allerdings: Adressdaten sind bei Journalisted nicht zu finden – und das ist gut so.
Einerseits ist das der Traum jedes Überwachers: ein hübscher Einstieg in die Frage, wen zu überwachen es sich lohnt.
Andererseits meckere ich selbst ja immer herum an den ungepflegten Adressverteilern der PR-Tanjaanjas. Journalisted wäre ein guter Ausgangspunkt für Kommunikatoren, um ihre Verteiler zu pflegen.
Und vergessen wir auch nicht: Wir Journalisten berufen uns auf eine öffentliche Aufgabe. Und so lange wir das tun haben wir in einem gewissen Umfang auch Rechenschaft abzulegen. Journalisted hilft Lesern, die Autoren von Artikeln einzuordnen und das ist eine nötige Hilfe in einer Demokratie.
Sie sehen schon: Dieser Blog-Eintrag führt nicht zu einem Urteil. Ich finde einfach keines. Aber es ist nötig, auf diese Seite einfach mal hinzuweisen. Vielleicht liefern Sie mir ja Argumente dafür diese Seite gut oder schlecht zu finden?










3 Kommentare zu “Journalisted – ein mulmiges Gefühl”
Der web2.0-Lobbyisten-Traum
Ich verstehe diesen Zwiespalt sehr gut: In Polizeisprech heißt das Rasterfahndung.
Solange ein Einzelner es macht, kann man dem nichts negatives anlasten, wenn es jedoch so gebündelt geschieht, wie hier, ist es bedenklich. Andererseits ist es natürlich bei Recherchen und Autorensuche sehr hilfreich.
Es ist wohl wie bei allen modernen Kommunikationsmitteln, sie können zum Nachteil der davon Betroffenen missbraucht werden. Wenn man sich dessen bewusst bleibt, ist es möglichweise o.k.
hört sich interessant an.
von überwachung, denke ich, kann man hier nicht reden. journalisten veröffentlichen ihre sachen, damit man sie lesen kann.
einzelne journalisten dann in ihren veröffentlichungen zu bündeln, nimmt ja nur jedem einzelnen die arbeit ab, es selbst so zu machen.
vielleicht wäre das ja ein sinnvolles mittel, die korruption im journalismus herausfiltern zu können?