»Thomas Knüwer 05. June 2008, 10:53 Uhr

Fünf Minuten reichen (jetzt mit Don-Tapscott-Interview)

Gerade erreichte ich das Dresdner Zukunftsforum – und will gleich wieder gehen. Aber glücklicherweise kam nach dem deutschen Redner auch noch ein Amerikaner, Don Tapscott, nämlich.Ziemlich voll ist es hier, auf dem Dresdner Zukunftsforum. Etwas zu spät komme ich an und falle fast direkt die Treppe runter. Da wird der Saarbrücker Professor Wolfgang Wahlster, nach Meinung der Veranstalter der “führende Experte” in Sachen Künstliche Intelligenz gefragt, woher die ganzen Schlagworte bei Flickr denn kommen.

Seine Antwort: “Es gibt international anerkannte Kataloge…”

Ähm… Nein. Gibt es nicht. Und jetzt beschäftigen wir uns noch mal mit dem Thema, gelle?

Na gut, dann kam Don Tapscott. Bisher hatte ich noch nicht die Gelegenheit, ihn zu hören. Und ich muss sagen: Es lohnt sich. Er ist der richtige Redner für ein Anzugträger-Publikum und doch ist er sehr unterhaltsam. Oder wie er sagt: “Ich versuche unterhaltsam zu sein, weil Menschen besser lernen, wenn sie unterhalten werden. Leute die schlafen lernen nicht.”

Hier einige weitere Zitate aus seinem Vortrag:

“Die Welt braucht nur einen Computer – das ist das Web.”

“Kinder nehmen die Zeit, die sie im Web verbringen von ihrem Fernsehkonsum.”

“Mit elf Jahren habe ich mit einer Spielzeug-Eisenbahn gespielt. Heute sind Kinder Experten für die digitale Revolution.”

“Es gibt Überschneidungen zwischen den Songs auf den Ipods der Kinder und der Eltern. Meine Eltern mochten nicht mal die Beatles.”

Zum Technikvorsprung der Kinder gegenüber ihren Eltern:
“Wer ist denn der Systemadministrator in ihrem Haushalt?”

“Kinder haben einen Bullshit-Detektor, weil so viel Bullshit im Internet ist.”

“Lernen, informieren, Unterhaltung ist für sie das gleiche. In dieser Einstellung steckt auch die Zukunft unserer Arbeitswelt.”

Im Anschluss an seinen Vortrag habe ich Tapscott noch interviewt. Ausschnitte daraus gibt es demnächst im Gedruckten und in unserem Medienpodcast bel étage.

Zuvor hatte ich um Fragen für ein Interview 2.0 bei meinen Twitter-Mitlesern gebeten. Tapscotts Antworten darauf habe ich live über Qik gesendet, die Aufzeichnung gibt es hier:

Einen echten Schmunzler am Rande hat nach der Mittagspause des Zukunftstags noch Moderator Rangar Yogeshwar geliefert, dem diese ganze Web-Welt sichtlich fremd war. Er meinte, er habe einen Blick auf den Second-Life-Auftritt des Kongresses geworfen. “Dort wurde schon eifrig diskutiert. Das zeigt: Wir sind auch im Jenseitigen vorhanden.” Ich habe auch darauf geschaut, mehr als zehn Avatare waren nicht gleichzeitig vor Ort. “Jenseitig”, finde ich, passt zu Second Life wirklich gut. Was würde Yogeshwar wohl zur Blog- und Twitter-Aktivität während Veranstaltungen wie der Re-Publica sagen?

»Thomas Knüwer 05. June 2008, 10:53 Uhr

    18 Kommentare zu “Fünf Minuten reichen (jetzt mit Don-Tapscott-Interview)”


  1. gsohn says:

    Es ging beim Vortrag von Wahlster natürlich um Ontologien, siehe u.a. den Beitrag in silicon.de und NeueNachricht http://www.ne-na.de und viele andere Artikel über Konzepte des DFKI für das semantische Web:

    „Das Web 3.0 ist das Web 2.0 plus semantische Technologien“. Das sagte Professor Wolfgang Wahlster nach einem Bericht des Fachdienstes silicon.de http://www.silicon.de beim dritten Zukunftsforum in Dresden http://www.dresdner-zukunftsforum.de. Es gehe nicht mehr um die Suche nach Informationen, sondern um die Beantwortung konkreter Fragen. Die aktuellen Suchlösungen seien limitiert. So könne nur nach Stichworten gesucht werden, der Kontext einer Anfrage werde nicht berücksichtigt. Eine Suche nach komplexen Dokumenten sei nicht möglich.

    Mit dem Web 3.0 verwandeln sich die Suchmaschinen dagegen in Antwortmaschinen, so Wahlster, Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) und Schirmherr der Voice Days http://www.voicedays.de in Wiesbaden. Das Web-2.0-Dilemma will Wahlster ausräumen, indem so genannte Ontologien (Begriffssysteme) in die Web-3.0-Seiten eingebunden werden. „Lädt ein Anwender dann Fotos seines Golf-Kurses in Flickr, wird ihm eine Dialogbox angezeigt – mit der Frage: ‚Welchen Golf meinen Sie?’, und Antworten zum Anklicken, etwa ‚Sportart’, ‚Auto’, ‚Urlaub’. So werden die Objekte einer Webseite mit Informationen zu den Inhalten angereichert“, berichtet silicon.de.

    Beim Web 3.0 könnten nach Erkenntnissen von Wahlster viele semantische Anwendungen kombiniert werden, um eine komplexe Frage zu beantworten oder einen Service anzubieten. So könne ein Autofahrer unterwegs den Bord-Computer mit Internetzugang fragen: „Wo gibt es das günstigste Benzin?” Im Hintergrund arbeiten dann GPS und eine Software für die semantische Informationsverarbeitung zusammen, um die Websites der Tankstellen in der Umgebung abzufragen, den besten Preis zu ermitteln und den Weg zur Tankstelle anzuzeigen. Eine andere Web-3.0-Lösung: Ein Handy-Nutzer sieht auf der Straße ein Kino-Plakat. Er fotografiert das Plakat und fragt die Web-3.0-Anwendung: „Wo und wann kommt der Film?” Die Antwort werde in Sekundenschnelle geliefert und der Weg zum nächstgelegenen Kino angezeigt.

    Viele Informationen würden bereits strukturiert vorliegen, wie Fahrplaninformationen, Telefonnummern, Sportergebnisse, bewertete Restaurants und sonstige Adressen. „Was fehlt, ist eine Art Yahoo des ‚Voicewebs’, über das sich jeder personalisiert seine gewünschten Angebote zusammenstellen und über Sprache oder Multimodale Interfaces abfragen kann“, so Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge http://www.semanticedge.de im Gespräch mit NeueNachricht.

    Dialogsysteme seien nach seiner Auffassung am besten geeignet, den Zugriff auf das vernetzte Weltwissen zu verbessern: „Wie häufig hätten wir gerne im Alltag genaue Informationen zu Sportergebnissen, Telefonnummern oder Adressen. Unendlich viele Dinge, die wir, wenn wir gerade im Internet wären sofort ‚er-googlen’ würden. Da das aber in der Freizeit und von unterwegs selten der Fall ist und der Zugriff über das Handy mit Tastatur oder Touchscreen zu mühselig ist, verzichten wir meistens darauf, unseren Wissenshunger sofort zu stillen. Anders wäre es, wenn wir mit einfachen gesprochenen Suchbefehlen unsere Anfrage starten und die Suche dann bei Bedarf eingrenzen könnten, genauso, wie wir es derzeitig mit der PC-Tastatur und der Maus tun und das ganze jederzeit und von jedem Ort aus”, so Pape. Das Web 3.0 eröffne auch nach Ansicht von Voice Days-Sprecher Bernhard Steimel, Sprecher Voice Days, eine Vielzahl neuer Anwendungen: „Für Call Center, für die Gemeinde der ‚Wissensarbeiter’ und natürlich für Endverbraucher, die sich auch ohne Computer ungehinderten Zugang zu den Informationen des Internets wünschen“, resümiert Steimel.

  2. Sascha Stoltenow says:

    Also ich verstehe Mariana so, dass wir alle ganz undankbar sind, weil wir die enorme Leistung der Informatiker nicht hinreichend würdigen und stattdessen zu wagen, oberflächliche Kritik zu äußern, weil trotz all der gebündelten Intelligenz halt sehr häufig aus Nutzersicht nur Mist rauskommt. Ich vermute die Informatiker sind ihrerseits den ganzen Tag den Quantenmechanikern dankbar, weil sie ihnen das Netzt beschert haben und so ;-)

  3. mariana mayer says:

    Doch, ich habe gesagt, dass es sehr schwierig ist über komplexe Dinge zu schreiben. Vor allen Dingen wenn in der heutigen Zeit möglichst schnell über sehr viele Themenbereiche geschrieben werden soll und sie (allgemeines sie)keine Zeit für aufwändige Recherchen haben.

    web 2.0 oder jetzt 3.0
    Bis es zu dieser ausgereiften Technologie die jetzt “leicht” genutzt wird, ist ein langer Weg beschritten worden. Angefangen dass eigene Programmiersprachen entwickelt werden mussten bis hin zu einfachen Webwerkzeugen usw. die es
    erst ermöglichen, dass diese Technologie für “die Massen” anwendbar ist. Die Entwicklung von Standards, die endlosen Diskussionen darüber, mal abgesehen von der ganzen Hardwareentwicklung.

    und hier an dieser Stelle ist noch nicht einmal aufwändige Grafik im Spiel

    Also: Alle die über German next top Modell schreiben mit eigenem Foto? Das schönste gewählte Gesicht wird dann: der oder die Schönste WebbloggerIn und darf auf die nächste Handelsblatttitelseite.

    sorry, das war ja der andere Beitrag. ich wechsle dann mal wieder.

  4. Natürlich. Aber leider haben Sie keine Argumente geliefert, oder?

  5. mariana mayer says:

    @tomas, nein diese “Meinung” habe ich nicht gesagt und geschrieben.

    Sie dürfen alles kritisieren, andere dürfen jedoch antworten, gelle?

  6. @Marianna: Wenn Sie eine Kritik zu einem anderen Beitrag haben, bitte tätigen Sie diese dort. Kurze Replik: In der Tat meine ich, dass es den Deutschen an Basiswissen in Sachen Wirtschaft fehlt. Das ist keine Herabsetzung, sondern eine Beobachtung – Sie dürfen gerne anders argumentieren.

    Der Rest Ihres Beitrags ist ein wenig merkwürdig. Denn wie gesagt: Ich beziehe mich auf eine spezielle Frage im Anschluss an den Vortrag. Wenn Sie natürlich der Meinung sind, dass nur Informatiker Informatik verstehen und andere Informatiker kritisieren dürfen, dann haben wir beide ein generell unterschiedliches Bild einer Gesellschaft.

  7. @Marcel: Mann, vielleicht sind wir beide nur Halbzuhörer ;-) Bei der Joost-Stelle hab ich nämlich völlig korrekt verstanden, Joost sei Peer-top-Peer-basiert, was ja technisch auch richtig ist.

    Hiermit eine Forderung an Konferenzversanstalter: Videos müssen innherhalb eines Tages online sein!

  8. marcel weiss says:

    Thomas, ich kann mich dunkel an die Frage und die Antwort erinnern. Es ging explizit nicht um flickr. Vielleicht wurde es vom Fragesteller ungünstig mit reingebracht und schlecht formuliert, aber so eine Frage mit der Antwort auf diesen Sachverhalt, wie Du es im Artikel schreibst, hat nicht stattgefunden. Daran würde ich mich genau so gut erinnern wie an Tapscotts Fehler, Joost als peerproduced TV zu bezeichnen.
    Vielleicht kamst Du gerade an und hast die Frage nur zur Hälfte gehört. Ich weiß es nicht.
    Die Videomitschnitte werden bald online gestellt, dann werden wir ja sehen, wer recht hat. :)

  9. mariana mayer says:

    Ihr letzter Beitrag: Wann werden die grundlegenden Zusammenhänge der Wirtschaft endlich in die Köpfe der Deutschen fließen? Egal ob Milchbauernkrise oder hohe Hotelpreise: Es fehlt an Basiswissen.

    Das ist ein herabsetzen der Wirtschaftskenntnisse dieser Menschen
    —-

    Und: obiger Beitrag: Es ging nicht um Tags bei flickr. Es ging um Ontologien für das semantische Erfassen des Webs. usw.

    —informatikthemen und ihre Aufgabenstellungen sind meistens sehr komplex.
    Da kann nicht mal eben mit Begrifflichkeiten darübergehuscht werden.

    Jahrelange Beschäftigung bringt das erforderliche KnowHow, um überhaupt in einigen Bereichen mitreden zu können.

    Das das Bloggen für die Anwender in der Bedienung so einfach ist, ist ein Arbeitsergebnis. Der Aufwand hierfür: Wie hoch schätzen Sie?

    Mariana Mayer

  10. Wie soll ich das verstehen?

  11. mariana mayer says:

    Herr Knüwer, nicht jeder schafft ein Informatik Studium.

    Wer nichts wird wird Wirt, oder?

    Mariana Mayer

  12. Nein, das bestreite ich. Sein Vortrag handelte davon. Es gab danach eine Frage aus dem Publikum, die sich explizit auf Flickr bezog.

  13. marcel weiss says:

    “Da wird der Saarbrücker Professor Wolfgang Wahlster, nach Meinung der Veranstalter der “führende Experte” in Sachen Künstliche Intelligenz gefragt, woher die ganzen Schlagworte bei Flickr denn kommen.

    Seine Antwort: “Es gibt international anerkannte Kataloge…”

    Ähm… Nein. Gibt es nicht. Und jetzt beschäftigen wir uns noch mal mit dem Thema, gelle?”
    -

    Deine Darstellung ist schlichtweg falsch.
    Ich weiß das, weil ich auch auf dem Dresdner Zukunftsforum war, aber nicht angefüllt mit Ressentiments reingebraust bin, um sofort was zum aufmerksamkeitswirksamen Aufregen zu finden.
    Es ging nicht um Tags bei flickr. Es ging um Ontologien für das semantische Erfassen des Webs.
    Deine Frage geht somit wieder direkt zurück an Dich, Thomas.

  14. Was lernen wir daraus? Dass ein “führender Experte” der Künstlichen Intelligenz bei der realen Humanintelligenz ziemlich gründlich scheitern kann.

  15. Dirk Schlei says:

    Vielleicht nicht “international anerkannt”, aber führend – z.B. The Global Language Monitor (http://www.languagemonitor.com)?

  16. Alexander says:

    Heißt das etwa, Thomas, dass Du beim Eingeben von Flickr-Tags nicht die Library of Congress Subject Headings (http://www.loc.gov/cds/graphics/ibmbks-2.jpg) vor Dir hast?

  17. mariana mayer says:

    Web 3.0, da sind die jetzt schon. Ich bin mir sicher der Großteil der Bevölkerung hat nicht mal einen Schimmer was Web 2.0 ist? Oder kann mir das jemand hier erklären?

    Mariana Mayer

  18. man merkts ja schon am Titel dass da nix sinnvolles bei rauskommen kann^^

    interessant fände ich ja den Vortrag 15:30… aber grade heute bin ich nichtmal in der Nähe von Dresden