»Thomas Knüwer 22. April 2008, 12:14 Uhr

Sebastian Edathy, Werner Sonne und sich verhärtende Fronten

Langsam rückt die Grundsatzentscheidung näher: Wie soll das neue BKA-Gesetz aussehen. Und anscheinend hat so mancher, dem dieses Thema am Herzen liegt seine Nerven nicht mehr im Zaum. Egal ob Politiker oder Journalist. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ist zu bewundern. Nicht für ihre politische Leistung, darüber dürfen andere urteilen. Aber dafür, dass sie heute Morgen ruhig geblieben ist, als Werner Sonne sie befragte.

Der ARD-Mann interviewte die FDP’lerin im Morgenmagazin. Für gewöhnlich stellt er ordentliche und neutrale Fragen. Doch anscheinend stichelt ihn die Angst vor einem Terrorangriff: In bemerkenswert aggressiver Form versuchte Sonne Leutheusser-Schnarrenberger als sorglose Terrorignorantin darzustellen. Selbst als sie ihn bei einer Frage korrigierte, stellte er sich einfach noch einmal. Leider blieben ihre Antworten geprägt von Höflichkeit und weniger von Inhalt. Vielleicht war sie selbst auch überrascht ob dieses pitbullartigen Gehabes von Sonne. Der scheint derart um die Sicherheit Deutschlands besorgt, als explodierten Bomben hier zu Lande im Stundentakt – Wolfgang Schäuble hätte im Bundestag auch nicht anders gefragt.

Die Fronten verhärten sich anscheinend im Angesicht der wichtigen und großen Frage, wie viel Freiheit deutsche Bürger künftig noch besitzen werden. So mancher wird da dünnhäutig. Sebastian Edathy, zum Beispiel.

Der Herr von der SPD ist Vorsitzender des Innenausschusses. Das verleitet ihn nicht zu der Annahme, er als gewählter und Rang besitzender Volksvertreter müsse mit jedem Journalisten sprechen. Zum Beispiel macht er Unterschiede zwischen freien und fest angestellten Journalisten. So zumindest muss man seine Äußerungen deuten im Hinblick auf einen Konflikt mit Zeit.de, dessen Details sie hier nachlesen können.

Nicht nur in diesem Zusammenhang ist Edarthys Medien-Benehmen von begrenzter Souveränität. Als Radio Eins mit ihm über das BKA-Gesetz sprechen wollte und das Interview mit einer morgenradiolockeren Frage eröffnete, antwortete Edathy: “Was soll der Scheiß?” und legte auf. (Gefunden bei Boocompany)

Ja, derzeit sind viele dünnhäutig, geht es um den Staat uns seine Überwachungskompetenzen. Ob dies aber die richtige Stimmungslage ist, um Entscheidungen von gewaltiger Tragweite zu treffen, darf der Bürger bezweifeln.

»Thomas Knüwer 22. April 2008, 12:14 Uhr

    12 Kommentare zu “Sebastian Edathy, Werner Sonne und sich verhärtende Fronten”


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  2. Jochen Hoff says:

    Ein Tänzchen mit Sebastian Edathy kann mir doch keiner verwehren

    http://www.duckhome.de/tb/index.php?url=archives/2460-Ein-Taenzchen-mit-Sebastian-Edathy-kann-mir-doch-keiner-verwehren.html

    Ich glaube nicht, das ich ihn damit wirklich glücklich mache, aber er hat es so gewollt.

  3. McLibboc says:

    Ein funktionierender Link zum Morgenmagazinbeitrag lautet so: http://www.daserste.de/mediathek_blank/play.asp?cid=25439

  4. Ach, was soll ich sagen… Hat Netzpolitik oder der CCC den Ausschnitt vielleicht schon geyoutubed?

  5. eMHa says:

    Der Link zum Interview im Morgenmagazin funktioniert nicht. Er gehört zu daserste.de und kann nicht so einfach hier her kopiert werden (ohne jetzt den knüwerschen Zorn über die öffentlich-rechtlich-subventionierten-usw. Anstalten heraufbeschwören zu wollen).

    Intelligent war die Anmache des Radiokaspers wohl kaum, eher unterirdisch. Die Reaktion von Herrn Edathy dagegen überraschend unprofessionel. Langweiliger wäre es geworden, wenn er dabei geblieben wäre und geantwortet hätte.

  6. Sachar says:

    Nein, nein. Da möchte ich abermals widersprechen. Das Thema mag so wichtig sein, dass es keine Witze verträgt – o.k.

    Aber:

    1. Herr Edathy wird sich ja wohl vor dem Interview von seiner Pressestelle Infos eingeholt haben, mit was für Journalisten er da spricht. Und da wird ihm ja wohl auch mitgeteilt worden sein, dass die Herren von Radio Eins durchaus lachen können, auch wenn sie bei den Öffentlich-Rechtlichen arbeiten.

    2. Das Thema ist sogar so wichtig, dass die Herren Moderatoren es zum einen veranschaulichen und zum anderen Herrn Edathy provizieren wollten. Wie würde er denn reagieren, wenn er gefilmt wird, während er nackt ist?

    Und ob Herrn Edathy das Wort “nackt” so sehr stört? Er ist Mitglied der SPD – nicht der CSU.

  7. Weltenweiser says:

    @Lukas: Freches oder intelligentes Nachfragen muss nicht unter einem gewissen Niveau liegen. Das war mit Sicherheit keine Sternstunde des Journalismus.

    @Sachar: Naja, Humor ist halt Geschmackssache. Es gibt halt Menschen, die sich vor Lachen in die Ecke werfen, wenn sie das Wort “nackt” hören. Ich finde das Thema allerdings so wichtig, dass ich es nicht in Witzchen verbraten würde.

    Insgesamt ist es sehr schade, dass das für mich persönlich deutlich spannendere Thema, die befremdende Haltung zu freien Journalisten im ersten Teil des Artikels und die Zeit Online Reaktion, in einer Aufregung über eine Reaktion zu einer in meiner Sicht nicht gerade journalistischen Glanzleistung untergeht.

  8. Sachar says:

    Was bitte an dieser Frage war dreist? Sie war lustig. Herr Edathy hätte einfach mal lachen können, und die Sache wäre vom Tisch gewesen. Kein Mensch hat ernsthaft vom ihm eine Antwort erwartet.

  9. Lukas says:

    @Weltenweiser: Natürlich war die Frage etwas dreist, aber wie ich finde in dem Kontext völlig berechtigt. Das eher unkonkrete Thema BKA-Gesetz wurde hier sehr konkret in den Alltag eines jeden Menschen (und Politikers) runtergebrochen.

    Wer als Politiker mit ein wenig journalistischer Frechheit nicht umgehen kann, sollte sich vielleicht besser einen anderen Job suchen – das wäre auch sehr in meinem Sinne als Wähler.

  10. Weltenweiser says:

    die Frage, auch wenn als Aufhänger gedacht und von einem beliebten Moderatorenduo auf dem Sender Radioeins vorgetragen ist allerdings auch unter der Gürtellinie. Journalistische Qualität sieht in meinen Augen anders aus.

  11. Sachar says:

    Ich habe gestern das Interview von Edathy live bei Radio Eins gehört und auch direkt was darüber gebloggt. Ich frage mich ja wirklich, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen der Tatsache, dass Herr Beck noch immer Vorsitzender der SPD ist und der schlechten Laune von Sebastian Edathy.

  12. Jochen Hoff says:

    Ich hatte dem Herrn Edahty eine private Mail zu der Sache mit der Journalistin geschrieben. In der Folge meinte er mir mit dem Staatsanwalt drohen zu müssen. Ich hab ihm bis Mittwoch 24 Uhr Zeit gelassen, auf den Boden zurückzukehren. Wird er nicht machen, aber dann kann er bei mir deutlich nachlesen, was ich von ihm halte.