»Thomas Knüwer 10. March 2008, 09:34 Uhr

BMW – Konzern ohne Lernfähigkeit

Unternehmensberater faseln gern von lernenden Unternehmen. Dann tun sie so, als könne ein Konzern so etwas wie ein Gedächtnis entwickeln. Vielleicht stimmt das ja. Das Beispiel BMW aber zeigt: Manchmal speichert ein Wirtschaftsorganismus nicht mal dösbaddeligstes Fehlverhalten hab. Folge: Es wiederholt sich.Das ganze Wochenende über hatte ich so ein Pochen im Hinterkopf. Das lag nicht (nur) am guten Rotwein von Samstag Abend (“Petit Noir” von Castel Peter – empfehlenswert). Nein, jene Geschichte über die spammende PR-Agentur und Serviceplan-Tochter Brand PR aus München im Auftrag ihres Kunden BMW trieb mich um.

Zur Erinnerung: Brand PR veröffentlicht Werbe-Kommentare für ein neues BMW-Produkt unter Blog-Artikeln, die nichts mit dem Thema zu tun haben. Dabei wird verwiesen auf ein Youtube-Video von monströser Schlechtigkeit.

Diese Sache ließ mich nicht ruhen, weil einer der Geschäftsführer sich per E-Mail zu Wort gemeldet hat. Seine Stellungnahme ist genauso unglaublich wie das Vorgehen seiner Vasallen:

“Wir betrachten Public Relations als Öffentlichkeitsarbeit und Blogautoren entsprechend als Multiplikatoren. Daher halten wir es für legitim, Multiplikatoren mit Informationen (offen gekennzeichnet als PR) zu versorgen. Was diese damit machen, wegklicken, löschen, für die Kommentierung verwenden und oder sich aus dem Verteiler streichen lassen ist dann deren Ding.”

Dieser Text hinterließ mich erstmal sprachlos. So langsam glaube ich wirklich, da spielt jemand “Verstehen Sie Spaß?” mit mir. Das können die doch nicht ernst meinen? Hallo Frank Elstner, bitte treten Sie aus den digitalen Kulissen und sagen mir, dass im Jahr 2008 nicht wirklich jemand so etwas ernst meinen kann. BITTE!

In meinem Hinterkopf aber arbeitete es. Denn ich wusste, dass ich mich an etwas erinnern müsste – aber nicht an was. Immerhin ist das hier der 1720. Blog-Artikel, da fällt es schwer, sich an alles zu erinnern.

Der Tripple Grande Non-Fat-Latte löste heute morgen aber die Denksperre. Nicht an Brand PR müsste ich mich erinnern – sondern an BMW. BMW und das Internet. Und eine fast deckungsgleiche Geschichte, die sich vor rund zwei Jahren abspielte.

Damals nämlich listete Google BMW mal eben kurz aus. Weil die bei Internet-Auftritten mit Doorway-Seiten gearbeitet haben. Das sind Internet-Seiten, bei denen im Hintergrund lauter Text versteckt ist, der nur für die Roboter der Suchmaschinen gedacht ist – und somit die Platzierung der Seite bei Google & Co. verbessern soll. Damals verbrach diese Dummheit ein Dienstleister namens Net Booster.

Die Reaktion der Offliner aus der Hai-Teck-Metropole Minga ist fast deckungsgleich mit der heutigen von Seiten Brand PR: Die Trickserei sei nicht “Manipulation von Seiten, sondern um einen Dienst am Kunden”.
Womit wohl der Beweis geführt ist, dass zumindest BMW nicht in der Lage ist hinzuzulernen. Oder wenn, dann nur in einer Lernkurve, die so flach ist wie der Tegernsee bei Windstille. Denn immer wieder beweisen die 3er-Bauer und anscheinend 0er-Denker, dass sie im Web von hoher Inkompetenz geprägt sind. Zum Beispiel ein Segelteam-Blog, dass anfangs langweilig und heute offline ist. Und vergessen wir nicht, die im Stile einer Rentner-Postkarte beschriebene BMW Style Tour.

Für eine Marke, die so am Puls der Zeit zu sein behauptet, sind die Online-Aktivitäten des Hauses BMW von einer unglaublichen Ahnungs- und Kompetenzlosigkeit. Ja, sie sind so schlimm, dass mir nicht mal mehr Beschimpfungen einfallen würden. Und das kommt wirklich nicht oft vor.

»Thomas Knüwer 10. March 2008, 09:34 Uhr

    8 Kommentare zu “BMW – Konzern ohne Lernfähigkeit”


  1. Der Wobbler says:

    @satyasingh: Ja, die Quandts sind sehr verdienstvolle Firmenlenker, die bereits vor dem 2. Weltkrieg reich waren, im 2. Weltkrieg mit Zwangsarbeitern noch reich wurden und im gegensatz zu anderen damit durchkamen

    http://medienlese.com/2007/09/30/das-schweigen-der-quandts/

    Klar, dass die nun auch spammen dürfen, oder?

  2. satyasingh says:

    Sagt mal, kennt ihr einen großen Konzern, der aus der alten Welt, aus dem alten Europa kommt, vor dem zweiten Weltkrieg bereits existierte und (jetz kommz) gut und erfolgreich im moderenn Web (sog. Web2.0) unterwegs ist?

    Mir fällt jetzt keins ein, aber vielleicht Euch?

    Also nicht so auf BMW schimpfen. Die geben sich ernsthaft Mühe, so wie die anderen auch. Kriegen es aber halt nicht hin. Gebt den BMWis doch ein paar Tips, wie ihr es besser machen würdet? Hat BMW ein BMW-Blog oder was ähnliches, wohin man sich an die mit hilfreichen Tips wenden kann?

  3. Onyro says:

    “Virales Marketing im Todesstern Stuttgart” würde mir das Unternehmen gleich viel symphatischer machen, wenn es wirklich so betrieben würde.

  4. Habe gestern mit Brand PR telefoniert. Eine Frau U. meinte, sie “hätten es schon gemerkt, dass das nicht so gut ankommt” und würden die Aktion auch bereits “runterfahren”. Diesen Satz sagte sie mir eine halbe Stunde nachdem sie in einem von mir betreuten Blog ihren Spam-Kommentar absetzte. Auf die Idee, dass das BMW-Angebot ja vielleicht wirklich interessant sein könnte, kam sie nicht. Es sei nur eine “allgemeine Information, die wir im Netz verbreiten wollen”. Aha.

    Auf der Website von BrandPR heißt es unter der Referenz BMW übrigens: “Entwickung und Umsetzung einer Kommunikationskampagne zur verstärkten Wahrnehmung der Services von BMW ConnectedDrive”. Nunja, verstärkt wahrgenommen wird nun eher die dilletantische Arbeit der Agentur. Angesichts der Referenzen und der doch großen Agentur ServicePlan, die dahintersteht, frage ich mich wirklich, warum die so arbeiten.

  5. gerrit says:

    Freuen darf man sich ja dann auf die nächsten Kampagnen von Daimler, dies hier http://www.youtube.com/watch?v=uF2djJcPO2A
    soll total authentisch sein…

  6. Ugugu says:

    Man kann es drehen und wenden wie man will, Corporate Blogging, Podcasting, Youtubing ist und bleibt Netzverschmutzung. Die einen mögen es besser verschleiern, die andern machen es dummdreist wie BMW. Das Resultat bleibt das gleiche.

  7. Noch ein weiteres schönes Beispiel der ungeheuren Online-Kompetenz der BMW-Marketer:

    http://vongwinner.wordpress.com/2007/04/30/im-prinzip-die-reine-freude-bmw-stumpert-im-web-herum/

    Gruß, Lucas von Gwinner

  8. Stefan says:

    Vielleicht nicht ganz passend, aber trotzdem ein persönlicher Eindruck zur BMW-Online-Kompetenz:

    Ich hatte vor etwa drei Monaten eine e-mail-Anfrage an die Bahn-AG wegen eines Tarifs gestellt und war erzürnt über die siebentägige Wartezeit.

    Vor ein paar Wochen hatte ich eine e-mail-Anfrage an BMW wegen eines Konditionendetails zu meinem Online-Konto gerichtet. Zuerst kommt ja wie üblich das automatische e-mail, daß sich schnell jemand um meine Anfrage kümmern würde. Nach einer Woche drücke ich auf resend. Nach vierzehn Tagen noch immer nichts – ich rufe an. Ich bekomme keine ausreichend fachkundige Antwort. Man wird mich zurückrufen. Nach einer weiteren Woche, kein Anruf, kein e-mail. BMW Financial Services. Das war´s. Zumindest für mich.