Wir haben erst März, das Jahr ist noch lang. Trotzdem aber ist solche hanebüchene Naiv-PR, wie sie eine Tanja-Anja-Bude namens Brand PR aus München unter der Flagge von BMW hier hinlegt, nur schwerlich zu überbieten.Eigentlich wäre das jetzt hier ein Fall für die kleine PR-Agentur am Rande der Stadt. Nur lebt diese Reihe ja davon, dass ich reale PR-Fehlleistungen übersteigere. Und im Fall dessen, was sich Brand PR aus München, immerhin eine Tochter der nicht unbekannten Agenturgruppe Serviceplan, geleistet hat, fällt mir nichts ein, was noch platter und dümmer sein könnte.
Da hat man sich BMW als Kunden geangelt und BMW ermöglicht jetzt Internet-Zugriff im Auto. Internetzdingsbumens, also. Und in diesem Wepp gibt’s ja Youtube. Also drehen die Damen und Herren ein Video. Und das, so die mutmaßlich von unermesslicher Egomanie geprägte Denke, finden die Leute dann so scheißenheiß, dass sie es selbst verteilen werden. Firal heißt das doch, oder so.
Herausgekommen ist ein Werk, dass sensationell schlecht ist. Wirklich. Sen-sa-tio-nell schlecht. Man beachte vor allem die grauenhafte Synchron-Stimme und das auf Bauerntheater befindliche Niveau der Laiendarsteller am Ende:
Dumm nur: Das will keine Sau sehen. 167 Abrufe in drei Tagen – funzt nicht so richtig. Obwohl es doch ein ganz unabhängiger Mensch da reingestellt hat, der “BMWFan08″. Wow, da käme doch nie jemand darauf, dass das PR ist.
Also muss ein wenig was getan werden für die Abrufzahlen. Und da gibt’s doch diese Kommentarfunktion in diesen, komm, sach schon, Internet-Tagebüchern. Also fand ich gestern Abend in den Kommentaren zu diesem und diesem Beitrag eine Pressemitteilung, die mit den Worten begann:
“Weltpremiere für uneingeschränkte Internet-Nutzung:
BMW ConnectedDrive holt das echte World Wide Web auf das Fahrzeugdisplay eines BMW
Sehr geehrte Damen und Herren,
Freude am Fahren und Spaß am Surfen. BMW führt die Faszination der Mobilität…”
Besonders grandios: Brand PR stand auch noch drunter. Wahrscheinlich ist man in München stolz, dass die eigenen Mitarbeiter was ins Internetz schreiben können. Um eine Fälschung, übrigens, handelt es sich nicht. Die Mitarbeiterin hat im Telefongespräch die Aktion zugegeben. Spam-Werbung? “Ich wusste nicht, dass man das nicht darf.”
Brand PR wirbt selbst so:
“Serviceplan Brand PR ermittelt durch ein spezielles Verfahren als einzige PR-Agentur Ihren Share of Public® in Relation zum Wettbewerb.
Der Share of Public® umfasst den Kenntnisstand, das Interesse und die emotionale Einstellung der für Sie relevanten Meinungsmultiplikatoren im Markt und in den Medien.
Dieses Spiegelbild ist eine seriöse Basis, auf der ein strategisch fundiertes Kommunikationskonzept entwickelt wird, das Sie Ihre Kommunikationsziele erreichen lässt.”
Würde Brand dieses Verfahren bei sich selbst durchführen, wäre das Ergebnis klar: desaströser Wissensstand, null Interesse an grundlegenden Zusammenhängen und Hassobjekt der Meinungsmulitplikatoren. Die Selbstauflösung scheint da keine dumme Idee zu sein.










28 Kommentare zu “Brand PR und BMW – die dümmsten Spam-Werber des Jahres”
gute PR erkennt man woran???
Sie funktioniert.
Selbstherrliche und idealistische Kritiker sollten sich mal Gedanken um das Wesen der PR machen…
In eigentlich seriösen wirtschaftspolitischen Diskussionsrunden bezieht man sich neuerdings immer öfter auf Brand PR. Mir persönlich sind die suspekt, aber PR-mäßig scheinen die irgendetwas richtig zu machen.
schmerz!!!!!
Na ja. Das sind halt die hippen Mäusels von der PR-Agentur. Nicht ganz so ernst nehmen das. Passt schon.
Ich kenne die eher aus der Eventmarketingbranche. Da erlebt man sowas auch. Da wirste als alter Hase mit Qualitätsansprüchen gleich als Langweiler und nicht hip angesehen. Viele coole Anglizismen, neueste Handtäschchen und schon werden sie auf die Kunden losgelassen.
So was von schlecht…dann auch noch diese bekloppte englische Synchronisation…Da fehlen mir die Worte!
Klickt auf Youtube bei dem Video mal auf “Links: 5″ – dort werden jene fünf Sites angezeigt, von denen die meisten Besucher des Videos kommen:
Sites Linking to This Video:
620 clicks from http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/eintrag.php...
110 clicks from http://handelsblatt6.blogg.de/eintrag.php?id=1719
Na wenn das mal nicht alles sagt
Alex Onken macht virales Marketing. Wie viele PR Genies braucht man denn um vorherzusagen dass niemand jemanden auf YouTube sehen will der ansonsten nur noch im Münchner Lokal TV herumgeistert? Zu wenig prominent um als Testimonial zu wirken, und zu bekannt um als “echter” daran interessierter Kunde zu wirken. Grauenvoll.
Was den Synchronsprecher angeht: Kenne den nicht namentlich, aber andere Münchner Firmen wie Siemens nutzen den auch. Scheint der einzige Muttersprachler mit sonorer Stimme in Bayern zu sein. Für das miserable Skript kann der ja nichts.
Wieso “jetzt”? BMW macht doch “Internet im Auto” schon seit Jahren. “Jetzt” ist es nur die ersten drei Jahre kostenlos. Ich schau mir den Film erst gar nicht an.
äußerst schlechte pr einer agentur die es scheinbar nicht nötig hat mit medien vernünftig zu beschäftigen, die sie nutzt.
das nächste mal zielruppe überprüfen und ein medium wählen, dass besser passt. und es dann aber bitte ordentlich machen.
nicht jede schnapsidee st immer die beste!
peinlich, peinlich, peinlich.
Dazu passt auch folgendes: Serviceplan bewirbt gerade eine Aktion im Fernsehen, bei die User Filmchen für deren Kunden produzieren dürfen (http://www.ehreundkarriere.de). Vielleicht können wir in naher Zukunft also noch mehr Filmchen dieser Sorte sehen…
Mein Güte – da kommen doch intensive Erinnerungen an das gute alte Sprachlabor hoch:
Listen to each sentence an repeat… “The Public Relations Agency of Bee Emm Duobleyouu is crap”
BMW ConnectedDrive wurde auf der CeBIT gezeigt. Und die Leute lästerten über das grenzwertige Video. Virales Marketing halt. Die dort verteilte PR-Mappe ist genauso überzogen. “Das echte World Wide Web für ein echtes Auto”….
Also ich fands toll. Nett gemacht. Wie die Mitternachtssendungen, in denen mir Ken und sein Kumpel
ihre total amazing ZEN-Messer verkaufen wollen…
Also, ich mag diese wunderbaren Filmchen in der Machart.
Fast wie dieser hier:
http://www.spiegel.de/spam/0,1518,457321,00.html
Ohne Synchronübersetzung zwar, aber deutsch kennen
ja noch viele aus der Schule.
Auch wenn’s echt ein mieses und lächerliches Stück PR ist – jetzt sind die Zugriffszahlen bestimmt signifikant gestiegen. Ich hab’s übrigens ganz angesehen. Geht aber wirklich hart an die Schmerzgrenze.
Immerhin steigen nun durch den Hinweis hier die Klickzahlen … man spricht darüber … Ziel erfüllt.
Mehr als 30sek hält man nicht aus. Danach ist Waterboarding humaner.
hahaha…köstlich.
kurz: unguckbar!
und für so’n scheiss zahlt auch noch jemand geld?
eieieiei…
Ist das aus der Lehrstunde “schlechte Berichterstattung ist besser als keine Berichterstattung” entstanden? Ich dachte PR-Agenturen sollten besser wissen, wie ihre Kunden sinnvoll platziert werden. Abgesehen von dem unsäglichen Filmchen – wer denkt sich so einen Mist aus? Denkt? Ach, jetzt habe ich das Problem erkannt.
Passt aber zum Produkt, diese Art der Werbung. Na, wie schön ist das denn, wenn werweissnochalles genau sehen kann, wo der moderne BMW gerade fährt, mal abgesehen vom Call-Center natürlich. Und Online-Banking vom Auto aus kommt natürlich besonders gut, wenn der Wagen gerade mal geklaut ist.
Aber sicher macht BMW das noch viiiel besser, als diese Werbeklappe glauben machen kann.
Ich habe ja zuerst gedacht, du haust ein bisschen arg auf die K…
Aber nachdem ich mir diesen Firalfirlefanz selbst angetan habe bewundere ich dich uneingeschränkt für deine moderate Wortewahl. Unglaublich, wie man angesichts eines solchen Machwerks so distanziert berichten kann
Jedenfalls hab ich mir den Link fein und artig für die nächste Diskussion mit Kunden über Viral-Kampagnen ab gespeichert. So gesehen also ein großartiges Beispiel, wie´s nicht geht. Danke.
Ich hab es geschafft etwas mehr als 30 Sekunden des Clips abzuschauen, dann habe ich entnervt und entkräftet aufgegeben, war irgendwer tatsächlich noch masochistischer und hat evtl. sogar die ganze erste Minute gesehen? Grauenvoll!
It´s total garbage.
Das Gleiche gab’s doch auch vor Kurzem auf netzpolitik.org. Nur da war es die FDP…
omg ist das schlecht!
Das hat BMW echt abgenommen, nein, oder? Aua …
So kann man eine an sich interessante Anwendung mit so einem miesen Werbespot verhunzen und der Lächerlichkeit preisgeben. Immerhin Selbsterkenntnis am Ende: It´s totally garbage. Recht hat der Mann.
Durch die Veröffentlichung hier hast Du immerhin wahrscheinlich die Anzahl der Ansichten verdoppelt.
Aber es ist wirklich anstrengend, das Video bis zum ende durchzuhalten. Langweiliger geht es wirklich nur schwer.
Das hört sich an wie die Stimme ab Band, welche im Flugzeug die Sicherheitshinweise vorliest, nach fünf Sekunden klinkt sich da jeder normale Mensch aus, da er diesen Kram von der Wasserweste mit Trillerpfeiffe und der Ogygen-Maske schon tausend Mal gehört hat.
Die spammen grad massiv in Autoblogs, ist mir grad über den Weg gelaufen, klurz bevor Deine Twitter-Message kam.