Der Intendant des öffentlich-rechtlich subventionierten Privatsenders SWR demonstriert wieder einmal, dass Bewusstseinstrübung durch selektive Wahrnehmung die Berufskrankheit Nr. 1 im Reiche von ARD und ZDF ist.Vermutlich wird Peter Boudgoust das hier nicht lesen. Vermutlich bewegt er sich ohnehin selten im Internet, darauf zumindest könnte man schließen angesichts seiner unsicheren Handhabung web-affinen Vokabulars im Gespräch mit Telepolis.
Boudgoust ist jener Intendant, der Zeitungsverlagen Inhalte seiner Sender andient. Dies tut er im Stile eines Hardcore-Lobbyisten unter kräftiger Verdrehung der Tatsachen. Da heißt es dann schon mal, öffentlich-rechtliche Sender seien ja ganz unabhängig, da sie durch Gebühren finanziert würden. Was wohl nur heißt, dass die ARD diese kleinen Filmen, mit denen sie ihre nachmittäglichen Soaps, Telenovellas und eingekauften “Drama, Baby”-C-Promis unterbricht, einfach verschenkt.
Leider lassen sich die Zeitungsverlage locken. Zum Beispiel die “Waz”. Traurig. Denn dies zeugt nicht von Anstand oder Gefühl für Marktwirtschaft oder Rückgrat. Hier wird eben ein Makel des Marktes, die öffentliche Subventionierung eines privatwirtschaftlich arbeitenden Unternehmens, noch dadurch verstärkt, dass mit den Produkten dieses Unternehmens nun der Markt für freie Anbieter, die TV-Produktionsgesellschaften, verengt wird.
Es macht fast Hoffnung, dass Boudgoust sich in wildeste Verschwurbelungen flüchtet, die demonstrieren, wie denkfrei diese Pläne der ARD sind. Da heißt es allen Ernstes:
“Wir haben uns darauf verständigt, dass jetzt konkrete Verhandlungen mit interessierten Verlagen möglich sind. Und wir haben uns auch auf bestimmte Kriterien und Beurteilungsmaßstäbe geeinigt, wobei in jedem Fall Einzelprüfungen notwendig sind. Man kann also nicht sagen, dass daraus jetzt ein Handbuch entstanden ist, wie es weitergeht, sondern es sind eher die Leitlinien formuliert worden.”
Einzelfallentscheidung? Ich glaube, das könnte eine hübsche Verfassungsklage werden. Findige Juristen könnten argumentieren, dass die Inhalte der ARD im Bereich Nachrichten mit öffentlichen Geldern bezahlt wurden und somit allen Anbietern offen stehen müssten – oder es eine Ausschreibung geben müsste.
Boudgoust schwurbelt aber noch weiter:
“Wir haben bislang abstrakte Fragenkataloge beantwortet und sehen jetzt der Aufnahme von konkreten Gesprächen und Verhandlungen entgegen, wobei auch klar ist: Wir drängen uns nicht auf, wir gehen ohne Hybris in diese Gespräche. Da muss ein Interessengleichgewicht auf beiden Seiten vorliegen, und das bedeutet eben, dass die Verlage klar erkennen müssen, dass sie Vorteile in einer solchen Kooperation sehen. Wie wir übrigens auch.”
Auch dies ist eher ein Hoffnungsschimmer für den freien Markt. Da sitzen sich Technokraten in elendig lagen Runden bei Besprechungskeksen und kälter werdendem Kaffee gegenüber und besprechen, was sich – wir reden hier ja über das Internet – auch innerhalb von zwei Stunden klären ließe. Es besteht also die Hoffnung, dass “Waz”- und ARD-Delegation sich zu Tode verhandeln. Geistig lebendig scheinen sie ja jetzt schon nicht mehr.
Dann aber wird es ganz, ganz lustig. Wie wenig Ahnung Boudgoust von dem hat, was da verhandelt wird, zeigt der folgende Wortwechsel:
“Gibt es schon irgendeine konkretere Form der Zusammenarbeit, die sich bei diesen Verhandlungen herauskristallisiert?
Peter Boudgoust: Es wird, glaube ich, immer zu Mischmodellen zwischen Verlinkung und Lizenzierung bzw. Verwertung kommen. Im Grunde bedeutet das, dass solche Inhalte, die auf unseren Internetseiten angeboten werden, auch für alle anderen Interessierten – also nicht exklusiv – per Verlinkung zur Verfügung stehen müssen. Wenn es in Richtung exklusive Nutzung gehen soll, muss es eben zur kostenpflichtigen Lizenzierung kommen.
Das heißt, sie wollen das Verlinken auf bestimmte exklusive Inhalte verbieten?
Peter Boudgoust: Nein. Das können wir gar nicht und wollen wir auch nicht. Es ist eben nur die Frage, wie viel Exklusivität der jeweilige Verlag wünscht. Dort wo eine Verlinkung erfolgen soll, kann es keine Exklusivität geben – ganz im Gegenteil: Da müssen wir ganz besonders auf Wettbewerbsneutralität und -transparenz achten.
Wie soll denn solch ein Exklusivität dann konkret aussehen?
Peter Boudgoust: Wenn ein Verlag einen exklusiven Zugriff auf einen bestimmten Inhalt will, dann kann das nicht per Verlinkung erfolgen, sondern durch eine Lizenzierung, eine Verwertung – im Übrigen ist das auch gar keine neue Form.”
Also, lieber Intendant. Es gibt Verlinkungen. Die können sie nicht verhindern, die gehen einfach so.
Und es gib Einbettungen. Die gehen auch ganz einfach, die könnten aber reguliert werden. Das sieht dann am Beispiel von ARD-Qualitätsinhalten so aus:
Danach gibt Boudgoust zu, dass er über die Verhandlungen zwischen WDR und “Waz” nur “abstrakt” Bescheid weiß. Bemerkenswert sind sie ja, die Kommunikationswege der ARD. Immerhin läuft da ein Pilotprojekt – sollte der, der es angestoßen hat, nicht Zwischenstände geliefert bekommen?
Vielleicht aber verrät uns Herr Boudgoust auch einfach nicht, was er weiß. Schließlich kann ich auch angesichts des ständigen Eigenlobs im Rahmen der Programme des eigenen Hauses nicht glauben, dass er ernst meint, was er noch so von sich gibt:
“Wenn das Gütesiegel “Staatsferne” auf jemanden zutrifft, dann auf die öffentlich-rechtlichen Anstalten, für die Unabhängigkeit das höchste Gut ist…”
Nachtrag: Interessant, was die “Taz” zu dem Thema schreibt. Zum einen hätte Boudgoust ein von den Intendanten verabschiedetes Eckpunktepapier erwähnen können, zum anderen heißt es im Gegensatz zu seinen Behauptungen:
“Exklusiv-Vereinbarungen mit einzelnen Zeitungshäusern wird es nicht geben.”










11 Kommentare zu “Das Schwurbeln des Peter Boudgoust”
Kreativ beleidigen? Beleidigung 2.0? Wassesnichallesgibt.
Nein, für normale Blogger und Webseitenbastler sind die exklusiven Inhalte der ARD doch nicht da. Die verklagt die ARD lieber. Obwohl der NDR versucht, das mit CC-Lizenzen zu umgehen. Naja, den NDR wollte man ja schon mal zumachen, unter Adenauer. Vielleicht droht das ja nun wieder, wenn die nicht auf Linie bleiben.
Abgesehen davon klingt Herr Boudgoust vielleicht verschwurbelt (was aber auch an den verschwurbelten Fragen des Telepolis-Menschen liegen kann), aber sympatischer als sein Vorgänger Voß oder gar der unsägliche Pleitgen, der nicht seine Inhalte anderen zur Verfügung stellen wollte, sondern umgekehrt anderen Inhalte abnahm, um sie selbst zu verwerten und alles und jeden als zu bekämpfende Konkurrenz sah. Da gab es Prozesse um konfiszierte Daten, von Journalisten, Bankhäusern, Fotografen…und dann noch die unsägliche PC-Gebühr, die man jetzt irgendwie andes nennen muss, weil der Begriff abgemahnt wurde, die aber auch nur dazu dient, dass alle anderen Medienschaffenden ARD & ZDF subventionieren sollen!
@Knüllo: Ich habe niemals behauptet, dass es keinen Haftbefehl gab. Vielleicht lesen Sie nochmal genau nach. Ich habe gefragt, ob Zumwinkel tatsächlich verhaftet wurde. Dies ist ein wichtiges juristisches Detail. Wir Journalisten sollten sehr vorsichtig sein bei der Verwendung von Begriffen wie “Verhaftung” und “Festnahme”. Und gerade in diesem Zusammenhang habe ich keine journalistischen Fehlleistungen konstatiert, sondern Fragen gestellt. Da die Antworten fehlten, können Sie sich denken, dass ich selbst keine finalen Antworten besitze.
Ich habe hier übrigens keine Lust auf platte Beleidigungen. Beleidigen Sie wenigstens kreativ. Oder diskutieren Sie.
@Duderella: Tja, willkommen im Internet. So funktioniert das oft hier. Aber Sie werden sich daran gewöhnen, da bin ich mir sicher.
@Peter Boudgoust: Es freut mich, dass Sie sich zu Wort melden. Schade, dass Sie nicht auf meine Argumente eingehen. Wo ist der Nutzen für den Nutzer? Weniger Vielfalt im Videobereich? Mehr Qualität, weil nur öffentlich-rechtliche Qualität liefern? Und selbst wenn es mehr Qualität gäbe – vielleicht auch noch auf dem niedrigen Niveau von “Frontal21″? – rechtfertigt das die Vergrößerung eines Marktmakels?
Die WAZ/WDR-Kooperation wird sich wohl nicht totverhandeln – da ja MP Rüttgers schon nächsten Monat seinen Segen erteilen soll…
Ich überlege ob ich eine Anfrage an den WDR stelle, ob ich bei mir im Blog auch WDR-Inhalte bereitstellen darf. Ich habe ja auch die GEZ-Gebühren bezahlt. Ich würde dann versuchen ein MashUp aus den Lokalzeiten Dortmund, Essen usw. zu machen – das würde ich Lokalzeit Ruhrgebiet nennen.
oder er sein Ego wieder in den Vordergrund schieben kann. So wie beim oberlehrerhaften Vorwurf in Sachen zum Haftbefehl Zumwinkel, den es seiner Meinung nach nicht gab und er anderen eine journalistische Fehlleistung vorwarf. Hätte er nur vorher richtig recherchiert. Kann er er nicht.
Naja, der ist nur bei sich, wenn es schäumt vor dem Mund.
***Hier stand eine platte Beleidigung.***
Schwurbelig ist leider auch dein Artikel, dessen Inhalten man bestenfalls dann folgen kann, wenn man erst einmal die Artikel hinter den Verlinkungen liest.
Lieber Herr Knüver,
doch, ich habe Ihren Blog-Eintrag gelesen – allerdings nur, weil er bei Peter Turi verlinkt war. Schade, dass Sie sich mit soviel Schaum vor dem Mund gegen eine Zusammenarbeit der ARD mit den deutschen Qualitätszeitungen ereifern. Dabei zeigen diese Ideen doch, welche Chancen das Netz bietet: ausgezeichneten Print- und hervorragenden Fernseh- und Radiojournalismus zu verbinden – zum Vorteil der Nutzer. Warten Sie doch erst mal ab, was dabei herauskommt. Und vertrauen Sie auch Ihren Kolleginnen und Kollegen bei den Zeitungen, wenn schon nicht uns
Peter Boudgoust
“Das Internet ist ein Ärgernis. Wer etwas sucht, ertrinkt im Datenmeer. Das Netz vergeudet die Zeit der Surfer sinnlos. Ohne technisches Fachwissen schafft niemand den Anschluss. Geld ist im World Wide Web nicht zu machen. Das globale Dorf ist in Wahrheit ein titanischer Schrottplatz.”
Das Schweizer Nachrichtenmagazin “Facts” vor zehn Jahren über das Internet.