Es gibt Dinge, mit denen sich Berufskommunikatoren inzwischen so richtig lächerlich machen können. Und ich habe auch kein Problem, ihnen das ins Gesicht zu schreiben. Beispiel: Sperrfristen. Liebe Berufskommunikatoren von Faktor3,
eine Sperrfrist ist ein manchmal durchaus geeignetes Mittel, um den Nachrichtenfluss zu steuern.
Nehmen wir an, ein börsennotiertes Unternehmen möchte Journalisten oder Analysten vorab von etwas informieren, was kursbeeinflussend sein könnte. Oder aber es geht um eine wichtige politische Entscheidung, die durch den Mund des Volksvertreters die Runde machen soll.
Eine Sperrfrist aber für eine Pressekonferenz, auf der Sie ein neues Internet-Netzwerk vorstellen, ist schlicht und ergreifend lächerlich. Bitte erwarten Sie nicht, dass ich mich an so etwas halte.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Knüwer










18 Kommentare zu “Die aufgeblasene Lächerlichkeit der Sperrfrist”
@Digital Tom: Noch besser ist es, PMs zu mailen mit einem Footer “Der Inhalt dieser E-Mail ist streng vertraulich und darf nicht weitergegeben werden”…na so was Dummes aber auch! ;o)
@augenweide: sehr lustige Idee. Ich mach Print UND Online (wie übrigens alle meine Kollegen auch). Soll ich mir vielleicht zwei E-Mail-Adressen und eine schizophrene Persönlichkeit zulegen, damit der Online-Tom nix merkt, wenn der Print-Tom eine NDA-Nachricht bekommt????
@Unwissender: NDAs sind gut und schön, wenn es sich um eine individuelle Vereinbarung zwischen mir und der PR-Agentur / dem Hersteller handelt. Wer mir ungefragt eine PR-Meldung mit NDA schickt, braucht sich nicht wundern, dass ich mir darauf ein Ei pelle.
Übrigens: noch krasser als NDA-Meldungen finde ich die mit dem Vermerk “Bitte sofort veröffentlichen!”
Ich als Außenstehender verstehe die ganze Diskussion und vor allem Herrn Knüwer nicht so ganz: Da gab es also eine Einladung an ausgewählte Journalisten für eine Veranstaltung, auf der ein neues Netzwerk angekündigt werden soll. Die Betreiber wollen aber nicht, dass die breite Öffentlichkeit den Start dieser Plattform erfährt, darum die Sperrfrist. Sonst hätten die ja auch gleich eine Pressemeldung raushauen können… Richtig?
Das ist dann doch quasi so, als wenn mir ein Kollege ein “Geheimnis” anvertraut und mich gleichzeitig darum bittet, es solange für mich zu behalten, bis er es selbst der gesamten Belegschaft kund tut… Daran halte mich dann doch auch! Und selbst wenn ich diese Information als nicht besonders wichtig emfinde und nícht weiß, warum das ein solches Geheimnis sein soll, ist es doch Ehrensache, das ich diese Bitte respektiere. Da weiß ich nicht, was daran lächerlich sein soll…
Einige “Journalisten” wie Herr Knüwer scheinen es jedoch besser zu wissen…
Lieber Rainersacht, Sie bringen es auf den Punkt. Wenn man als PR-Praktiker erkennt, dass nur bestimmte Themen interessant sind und das nur bestimmte Journalisten zu bestimmten Zeitpunkten ihre Leser damit füttern möchten, dann kann man seinen Job gut machen. Dies sollte nicht nur in der PR-Ausbildung gelehrt werden, sondern einem schon der gesunde Menschenverstand flüstern. Aber sie wissen ja, wie das mit den schwarzen Schafen ist. Und manchmal ist ja auch der Großteil der Herde schwarz…
@Sebs: Das klingt ja schön romantisch
Sperrfristen wurden eingeführt, um Journalisten vorab informieren zu können, sprich: ihnen mehr Zeit für die Recherche geben zu können. Dass Sie das als Rezipient nicht verstehen, kann man Ihnen nicht vorwerfen.
Als Mensch, der ich mein Geld Ihrer Ansicht nach nicht mit “ehrlicher Arbeit” verdiene, habe ich noch eine Frage: Was sind Sie denn? Holzfäller?
@Berufskommunikator: also als Mensch der ich mein Geld mit echter Arbeit verdiene, hört sich Ihre Erklärung an wie eine kleingeschnittene Bildzeitung in Hundekot.
News ist News; Und ich als Leser dieser Medien, gehe fest davon aus das sich die Schtreiber BITTE NICHT an solche Pseudofristen halten: Ich will die news wenn sie NEU (NEU) ist.
Lieber Herr Berufskommunikator: So lange sich PR-Fuzzis und -Tanjaanjas nicht PERSÖNLICH mit Journalisten auseinandersetzen und mal genau nachfragen, wie denn eine ZUSAMMENARBEIT so funktionieren könnte, dass es für beide Seiten ersprießlich und erfolgreich ist, ohne dass Grenzen verletzt werden, so lange wird das Verhältnis zwischen PRlern und Journalisten dem von Hund und Katz ähneln. Wie Sie richtig sagen – Vetrauen ist der Anfang von allem (Wo hab ich das schonmal gehört?).
Hmmm, harte Töne… Aber durchaus berechtigt. Dann möchte ich an dieser Stelle doch bekräftigen, dass ich diesen Usus mit der Sperrfrist ja nicht verteidigen möchte (zur zeitlichen Organisation hat Augenweide schon eine Lösung kommentiert). Ich wollte nur einen Erklärungsversuch liefern, warum diese ausgesprochen wurde.
Im Allgemeinen sollte der Umgang mit Sperrfristen halt einfach nicht so leichtfertig abgehandelt werden. Von beiden Seiten.
Im Übrigen werde ich mich weiterhin für die Akzeptanz von PR-Abteilungen einsetzen. Ich sehe mich als kommunikative Schnittstelle – nicht als persuasiver Kommunikator (PR-Fuzzi…). Und bei vielen Kontakten spielt Vertrauen sehr wohl eine Rolle.
@Rainersacht: Ich werds nicht lassen.
Und ich gebe Ihnen in Bezug auf Ihr Abschlussstatement Recht: Wenn man als Informanten nur Bankdatenbeschaffer bezeichnet.
@Thomas Knüwer: Können Sie mir das neue Internet-Netzwerk denn mal kurz nennen?
Das hört sich ja fast an, als könne (wolle) man als Journalist auf die lästigen PR-Leute am liebsten komplett verzichten….
Ist das denn so?
Danke, Rainer, das erspart mir eine praktisch wortgleiche Reaktion.
@Berufskommunikator: Deine Erklärung belegt bloß, wie weit ihr, liebe Exkollegen, mittlerweile von der wirklichen Medienwelt entfernt lebt. …”alle Journalisten die gleiche Möglichkeit” – als ob’s einen interessiert. Entweder die Meldung ist heiß, dann wird der erste, der sie kriegt diese öffentlich machen. Oder sie ist uninteressant, dann berichtet mit oder ohne Sperrfrist nur der Grölitzer Landbote in der Wochendausgabe. Und was PR-Agenturen erreichen wollen, interessiert eigentlich überhaupt niemanden mehr; die Zeiten sind final perdu. “Vertrauen zwischen Informant und Journalist” find ich klasse – soll man als Journalist einen PR-Fuzzi ernsthaft als Informant betrachten? Kannichdeinernstsein.
Da lobe ich mir doch wieder ordentliche Presseverteiler, man schicke die PM erst an die Print- und dann an die Online-Journalisten(eben entsprechend kurzfristiger). Und nicht an Journalisten, die mit dem Thema der PM eh nix anzufangen wissen.
Herr Knüwer, warum haben Sie die PM eigentlich erhalten?
@Berufskommunikator
Ich vermute eher das Gegenteil: Da wird “Sperrfrist” draufgepinselt sein, damit möglichst schell jemand darüber bloggt.
@Knüwer: Cooles Hobby, Sperrfrist brechen
Liebe Journalisten,
Faktor3 wird die Sperrfrist in diesem Fall gesetzt haben, damit alle Journalisten die gleiche Möglichkleit haben, über die News zu berichten. Sie glauben gar nicht, wie oft man am Telefon aus Zeitungsredaktionen hört: “Darüber brauche ich doch jetzt nicht mehr schreiben, das habe ich schon im Netz gelesen.” Vermutlich auch deshalb, weil Online- und Printredaktionen nicht ausreichend miteinander kommunizieren.
Hintergrund: PR-Agenturen wollen mit der Sperrfrist erreichen, dass online über die News erst dann berichtet wird, wenn die Tageszeitungen das Thema aufgegriffen haben.
Andere Möglichkeit: Die neue Website ist erst zum Zeitpunkt der Pressekonferenz online und der Leser hätte vorher gar nicht die Möglichkeit, diese im Netz zu erreichen.
Deshalb sollte das Mittel der Sperrfrist als Teil des Pressekodex’ durchaus eingehalten werden. Auch wenn die zugrunde liegende Information subjektiv eine solche nicht rechtfertigt. Hier geht es um Vertrauen zwischen Informant und Journalist; nicht um eine rechtliche Norm.
Sperrfrist, hach, da kann man nostalgisch werden. Mitte der Siebziger kamen sperrbefristete Nachrichten mit so einem besonderen Klingelton auf dem Fernschreiber an, das klang sehr lustig. Später erfuhr ich, dass das eigentlich ein Zeichen war, ne andere Papierrolle (zB hellblau) zu benutzen, aber da hielt sich wohl niemand dran.
@Max: Problematisch wird’s erst dann, wenn man die (Insider-)Infomationen verwendet – besitzen darf man sie von Berufs wegen durchaus, auch als Analyst bzw. Journalist. Gehört in unserer Branche zum Alltag, nur dass wohl leider nicht jedem Kollegen die damit verbundene Verantwortung bewusst ist….
Dabei ist Faktor 3 doch die “PR Agentur des Jahres” gemäß PR Report Award 2007 (wer kennt ihn nicht), wie die Webseite jedem gleich entgegenruft. Was machen da erst die nicht so preiswürdigen Berufskommunikatoren für Sachen?
wäre das bei kursbeeinflussenden Nachrichten gegen § 15 WpHG? So von wegen Ad-Hoc-Meldung, ich dachte ich bin hier immer noch beim Handelsblatt.
Da spricht mir jemand aus der Seele! Und da “Sperrfrist” zu unsexy klingt, nennt man das auch gerne “NDA” (non disclosure agreement). Die Unsinnigkeit bleibt natürlich gleich …