Microsoft will Yahoo kaufen. Und auf den ersten Blick meine ich: AOL-Time Warner, ich hör Dir trappsen.Dunkel ist es noch in Phoenix (wo ich derzeit wegen des Super Bowls weile), der Handelsblatt-SMS-Dienst aber hat meinen Schlaf beendet. Microsoft will Yahoo kaufen – das ist ja mal ne Ansage.
Der Kollege Axel Postinett sieht das Ende von Google nahen. Vielleicht ist es der Jetlag, vielleicht auch meine gesenkte Laune, weil mein Koffer erst heute morgen hier ankam – aber ich sehe das genau anders herum. Zumindest aus dem aktuellen Wissensstand heraus kann ich der Sache nicht viel Begeisterung abgewinnen.
Mich erinnert der Deal fatal an AOL und Time Warner. Auch damals klang die “industrielle Logik” (ein grauenhafts Buzzword) verlockend, Milliarden Konsteneinsparungen wurden verkündet. Das Ergebnis: eines der buntesten Desaster der modernen Wirtschaftsgeschichte. Denn hier versuchten sich zwei Konzerne zu vereinen, die überhaupt nicht zueinander passten.
Ähnliche Strukturen sehe ich bei Microsoft und Yahoo. Auf den ersten Blick klingt alles logisch: Die Marktanteile bei Suche und Werbung steigen, Microsoft könnte Yahoo-Dienste wunderbar auf seine Produkte verteilen, von Windows Mobile bis Flickr bei Fotosoftware. Und eine Milliarde Dollar soll dann auch noch gespart werden. Henry Blodget hat schon mal ein wenig gerechnet.
Doch auch hier treffen zwei völlig unterschiedlich strukturierte und denkende Unternehmen aufeinander. Microsofts Internet-Bereich, so berichten Mitarbeiter, muss in der Zentrale immer zurückstehen hinter Software und Xbox. Deshalb auch hat der Konzern es trotz immenser Ressourcen nie geschafft, im Web mit Google Schritt zu halten.
Und dieser angesichts des Aufwands eher müde Bereich wird nun kombiniert mit einem Internet-Unternehmen, dass zwar über eine großartige Marke verfügt – doch ebenfalls viel zu wenig aus seinen Möglichkeiten macht. Yahoo verfügt über einige der interessantesten und meistgenutzten Dienste im Netz, zum Beispiel Flickr. Doch ist es überhaupt nicht gelungen, diese tatsächlich zu integrieren und aus ihnen Kapital zu schlagen. Yahoo erinnert an einen botanischen Garten, den der Betreiber der Natur überlässt – daraus kann etwas wachsen, muss aber nicht. Irgendwann aber ist das Grün so verfilzt, dass man es nur noch abflemmen kann.
Nun müsste ein Konzern, einen anderen Konzern integrieren, der seine Töchter nicht ordentlich integriert bekommt. Und dessen Mentalität genau jener entspricht, die bisher gedeckelt wurde. Das kann aus meiner Sicht nicht funktionieren. Mindestens ein Jahr lang wird Yahoo nach dem Zusammenschluss lahm gelegt sein, wird zu einem Hort der fruchtlosen Integrationsmeetings und ständiger Personalwechsel. Und ob die Kostenpotenziale verwirklicht werden? Ich zweifle. Sie werden größtenteils durch die einmaligen Aufwendungen zur Integration aufgefressen.
Noch etwas sollte bedacht werden: Die EU-Kartellverfahren haben schon gezeigt, dass es nicht ganz einfach werden dürfte, die Yahoo-Dienste mit Microsoft-Produkten zu verflechten.
Am Ende wird aus meiner derzeitigen Sicht leider das Ende von Yahoo stehen. Und ein gewaltiges Problem für Microsoft: Wenn es nicht gelingt, mit dieser Übernahme im Netz ein ernsthafter Konkurrent von Google zu werden – dann wird zumindest die Aktie wohl den Köpper machen. Ich glaube, Yahoo hat nur eine Chance: Wenn Microsoft die mutige Entscheidung träfe, seine Web-Aktivitäten aus der Zentrale herauszuziehen und ins Yahoo-Hauptquartier zu verlagern.
Für die Weiterentwicklung des Internet wäre ein starker Google-Gegner ein echter Dünger. Doch leider entsteht kein wendiger und innovativer Rivale – sondern ein schwerfälliger und bürokratischer Opponent.










4 Kommentare zu “Microhoo – Microwho?”
Mir fällt das ein:
http://www.blaetter.de/artikel.php?pr=2766
“Insbesondere die Angebote von Suchmaschinen erwecken den Eindruck, ihre Dienste stünden den Nutzern ohne Gegenleistung zur Verfügung. Dabei vollzieht sich mit jeder Suchanfrage ein Tauschhandel: Der Nutzer erteilt, will er eine Antwort auf seine Anfrage erhalten, gleichsam – bewusst oder unbewusst – Auskunft über seine eigene Person.
Diese privaten Informationen wecken Begehrlichkeiten. Doch nicht nur staatliche Sicherheitsbehörden entwickeln derzeit eine beachtliche Sammelwut.2 Auch für den Daten-Multi Google, dessen Börsenwert gegenwärtig über 200 Mrd. US-Dollar beträgt, sind die persönlichen Informationen der Nutzer sprichwörtlich Gold wert, will er seine marktbeherrschende Position im Suchund Anzeigengeschäft ausbauen.”
Grüße + weiter so!
DS
Im großen und ganzen genau meine ersten paar Gedanken, als ich die Meldung sah. Ob sich das zu erwartende Gemeuchel – sorry, die Reorganisation – bei in der entsprechenden Abteilung von Microsoft oder bei Yahoo abspielt, oder bei beiden, ist mir allerdings eher einerlei. Voraussichtlich sind beide für ein Weilchen mit sich selbst beschäftigt, und ob diese beiden Berge mehr gebären werden als eine Maus, das wird sich zeigen.
Bis dahin sehe ich aber eine Marktlücke offen – den direkten Wettbewerb zu Google. Konkurrenz belebt das Geschäft, und allein deshalb schon ist da noch Platz. Geld ist allerdings mitzubringen.
Naja, irgendwie bewerte ich das etwas anders. Zwei Blinde ergeben halt noch keinen Sehenden. MS hat sich schon in harten Wettbewerben durchgesetzt, aber das muss hier nicht genau so klappen. Halte die Sternstunde von yahoo für vergangen. Google hat aktuell die bessere Technik und es dauert noch bis die es schaffen das auf zu holen.
Zustimmung, das könnte tatsächlich ein déjà-vu geben. Andererseits: wenn MS das geschickt anstellt (vgl. Vorschlag im vorletzten Absatz), kommen sie endlich aus der Sackgasse “nur Software” raus. Let’s wait and see, sage ich als Investor…