»Thomas Knüwer 23. January 2008, 16:18 Uhr

Die Verausterung des FC Bayern München

Ein zu kleines Ego kann man den Verantwortlichen des FC Bayern München nicht unterstellen. Und so verwundert es nicht, dass sie sich nun mit dem Weißen Haus vergleichen.Die Deutsche Fußball-Liga DFL ist mit moderner Kommunikation heillos überfordert, das ist ja nicht neu. Dass sie nun über Leo Kirch bei der Vergabe ihrer Rechte gleich noch die Berichterstattung mitliefern möchte, passt da ins Bild. Diese Negierung der Pressefreiheit setzt sich weiter fort in Medienboykotts von Spielern und Vereinsverantwortlichen und gipfelt nun im Verhalten des FC Bayern München.

Der möchte einen engen Kreis von Medien definieren, die Zugang zum Verein erhalten, berichtet die “FAZ” (der das doch eigentlich gefallen müsste). Beim Weißen Haus sei das ja auch so.

Die “FAZ” nun sorgt sich um die Beschneidung der Berichterstattungsrechte:
“Nach ,Fairness’ und unter Berücksichtigung von ,Größe/Auflage’ solle ein Pool von maximal zwanzig Redaktionen erstellt werden, mit denen in Zukunft enger zusammengearbeitet werden soll.

Weitere Eckpunkte der ,Beschlussvorlage’ (Hörwick) seien eine ,drastische Reduzierung der Einzelinterviews’ und ein konsequentes ,Monitoring der Berichterstattung’, sprich eine ,interne Beurteilung der Medien’.”

Jeder weiß, was das Management des FC Bayern unter fairen Journalisten versteht: Journalisten, nämlich, die die Meinung des Managements des FC Bayern vertreten. Das Ziel dieser Aktion ist klar: Kritiker ausschalten.

Das Ergebnis wird das Gegenteil sein. Journalisten, die aus dem Kreis der Günstlinge fallen, werden umso aggressiver recherchieren, ebenso jene, die gar nicht erst hineingelangen. Und nichts ist schlimmer, als wenn Sportjournalisten mit einem Mal das tun, was sie sonst nur selten machen – recherchieren. So bröckelte auch das Kartenhaus Borussia Dortmund einst zusammen.

Statt sich zu veraustern sollten die Fußball-Clubs ihre Kommunikationsabteilungen stärken und sich öffnen. Zum Beispiel für Fans und deren Form der Berichterstattung. Videos von Fan-Aktionen, die auf Youtube, Sevenload & Co landen, sollten nicht per Anwalt verfolgt – sondern gefördert werden, Blogs sollten auf der Club-Seite verlinkt werden. Nichts besseres kann einem Unternehmen passieren.

Doch machen wir uns keine Sorgen. Der FC Bayern wird mit dieser dünnhäutigen und kurzsichtigen Strategie scheitern. Allein schon der Weg, auf dem jenes Papier zur Medienfreiheitsbeschneidung öffentlich geworden ist, zeigt das: Die Teleobjektive der Fotografen lichteten Trainer Ottmar Hitzfeld mit Unterlagen unter dem Arm ab – und deren Inhalt war zu lesen. Es war das Strategiepapier.

»Thomas Knüwer 23. January 2008, 16:18 Uhr

    5 Kommentare zu “Die Verausterung des FC Bayern München”


  1. Bemerkenswert finde ich es jedenfalls, dass der Artikel seit gestern späten Nachmittag nicht mehr ereicht werden kann. Da hat wohl der Rummenigge mal angerufen …

  2. Lukas says:

    Uli Hoeneß schafft es doch eh nicht, an Mikrofonen vorbeizugehen ohne hineinzusabbeln.

  3. Onyro says:

    Vielleicht haben sich die Bayern Bosse über die vielen Photographen geärgert die mit ungefähr 50 Zentimeter Abstand Bilder von Jürgen Klinsmann bei der Pressekonferenz zur Verpflichtung gemacht haben. Oder über den Kollegen der schreibenden Presse der sich müde in seinen Stuhl fläzte und dann als er endlich wild winkend das Mikro ergatterte zur allgemeinen Belustigung glatt vergessen hatte was er fragen wollte ;-)
    Aber wahrscheinlicher ist wirklich dass sie nur noch mit einigen wenigen ausgewählten Journalisten reden möchten um Aufwand und Botschaft zu optimieren, und Online alle FCB Inhalte und Kurzvideos nur über die eigene Homepage vermarkten wollen. Allerdings dass Spieler und die drei weisen Funktionäre die selbst auferlegten Regeln beim nächsten Wutausbruch glatt wieder vergessen werden ist sowieso klar.

  4. Erik says:

    “öffnen … für Fans und deren Form der Berichterstattung. … Blogs sollten auf der Club-Seite verlinkt werden.”

    Ja das ist traurig, wie wenig sich darüber Gedanken gemacht wird. Spätestens, wenn die Fans in HDTV-Qualität aufnehmen und die Liga in musikindustrieller Manier abmahnt, stellt sich die Frage, “wem gehört eigentlich der Fußball?”, und zwar mit einer Wucht, die den Herren Funktionären, wie die Strafe Gottes vorkommen wird.

    Was sich auf St. Pauli am Stadionnamen oder aktuell an der Einführung des Millerntalers erhitzt, ist dagegen lauwarm.

    vgl. http://ringfahndung.de/archives/millerntaler

  5. Jochen Hoff says:

    Bayern kann doch so schon das Wasser nicht halten. Wenn die sich selbst noch einen Kodex auferlegen mit wem sie reden wollen, können die bevorzugten auf keine Informationen mehr hoffen, während die restlichen Medien praktisch mit in der Kabine sitzen und auch beim Zählen des Festgeldkontos.