»Thomas Knüwer 08. December 2007, 18:18 Uhr

Die zu späte Pensionierung des Dr. Bernd Graff

OK, liebe “Süddeutsche Zeitung”, wir haben es begriffen. Immer wenn Euer auf “Bild”-Niveau verkommener Online-Auftritt ein paar Klicks braucht, lasst Ihr einen Eurer Feuilletonisten einen Artikel über das Internet schreiben. Jeder darf mal ran, heute ein Bernd Graff, denn Recherche ist ja nicht nötig.Bernd Graff ist Feuilletonist. Und er ist stellvertretender Chefredakteur der “Süddeutschen Zeitung, ein Titel, den er sich mutmaßlich wegen seiner Meriten in der Vergangenheit erschrieben hat. Damals, als er noch recherchierte, nachdachte, sich quälte. Heute ist er nur noch Feuilletonist.

Feuilleton, das war einmal der Teil der Zeitung, der beigelegt wurde, abgetrennt vom politischen Teil. Leicht konnte ihn der Leser herausnehmen, diesen Part mit Theaterkritiken und Literatur. Und angeblich wurde er sehr oft herausgenommen, um ihn zu lesen, weil er so beliebt war. Den Rest der Zeitung fanden die Menschen dann weniger interessant. Heute ist es genau anders herum. Viele Menschen nehmen das Feuilleton heraus um es direkt wegzuwerfen.

Schuld daran sind krude, selbstreferenzielle Stücke, die keinen Leser mehr mitnehmen, sondern sich onanistisch daran erfreuen, jeden, der anderes zu tun hat, als sein Leben lang “Faust II” zu ergründen, zum Idioten zu erklären.

Bernd Graff also ist Feuilletonist. In dieser Funktion hat er einen Artikel geschrieben, der sich in von der “Süddeutschen” bekannten Zukunftsfeindlichkeit mit dem Internet beschäftigt. Es ist eine lange Schmierschrift ohne ein einziges Argument, angefüllt mit Denkansätzen, die die intellektuelle Tiefe von Kevin Kuranyi haben. Wenn überhaupt.

Erstaunlicherweise aber muss ich Graff sogar in einem Punkt Recht geben. Das Internet kann gewaltig rufschädigend sein. Wenn nämlich die letzte “Süddeutsche” gedruckt wird, dann werden Artikel wie jener Unsinn, den der Herr Vize-Chef verzapft hat noch immer im Netz stehen. Und wir werden wissen, warum sich die Leser abgewendet haben von der “SZ” – weil ihre Lebenswelt längst eine andere war. Und weil journalistische Tugenden wie Recherche, Um-die-Ecke-Denken und Innovationsfreude verloren gingen. Dann werden wir ein letztes Mal das Feuilleton aufschlagen und giften: Ach, hätten sie den Graff doch früher pensioniert.

»Thomas Knüwer 08. December 2007, 18:18 Uhr

    33 Kommentare zu “Die zu späte Pensionierung des Dr. Bernd Graff”


  1. Tim Cole says:

    Herr Graffs Problem ist nicht, dass er keine Ahnung vom Internet hat. Sein Problem ist, dass er sich damit bei der SZ in bester Gesellschaft befindet. Man muss doch nur den so genannten Online-Auftritt der Zeitung ansehen. Ich sage nur “ePaper”! Weiter daneben kann ein Verlag nicht mehr liegen. Was mir eigentlich egal wäre. Aber zufällig lese ich die SZ seit 30 Jahren und möchte, dass sie mindestens noch 20 Jahre weiterlebt. Bis dahin ist nämlich meine Haltbarkeitsdauer vermutlich abgelaufen. Aber im Ernst: Irgend jemand muss denen schnellstens erklären, was Internet ist und wie Zeitungen es nützen müssen, wenn sie überhaupt noch eine Überlebenschance haben sollen. Ein guter erster Schritt wäre, Herrn Graf in den Ruhestand zu schicken und sich fortan zu weigern, Texte von ihm zum Thema Internet abzudrucken.

    PS: Er hat heute (4.12.) wieder zugeschlagen. Und sich über “Second Live” ausgelassen. Sagt alles…

  2. /sms ;-) says:

    wie gefällt dir die verlinkungstmethoden von wirtschaftsblatt.at? http://blog.rebell.tv/p10228.html

  3. Trithemius says:

    Man fragt sich, ob denn bei der Süddeutschen keiner mehr gegenliest und die Standards einfordert, die Bernd Graff im Internet so schmerzlich vermisst. Muss man nicht mehr recherchieren, um über ein Thema zu schreiben, geht alles nur noch aus dem hohlen Bauch? “Web 0.0″, das ist die Betrachtung eines Mediums durch die Abtrittsbrille. Wer das tut, sieht nur Anrüchiges, und das in Mengen. In diesen Topf muss sich der bloggende “Idealist” nicht werfen lassen und auch nicht, wer „sonst keine Beschäftigung“ hat. Denn unabhängig von den je subjektiven Beweggründen nutzt er ein neues Medium, testet dessen Möglichkeiten aus und erkundet schreibend, gestaltend und lesend publizistisches Neuland. Das ist weit mehr als keine Beschäftigung zu haben, mehr als die morgendliche Bevormundungsration aus der Tageszeitung wiederzukäuen und noch mehr als sich täglich über viele Stunden vom Fernsehen das Gehirn waschen zu lassen.
    http://abcypsilon777.blog.de/2007/12/14/aua_web_0_0_im_kopf~3443485

  4. In einem Punkt habe ich mich jedenfalls getäuscht: Die x-te unqualifizierte Provokation von Bloggern durch Web-ferne Redakteure entfacht immer noch einen Sturm der Entrüstung. Aber da muss ich mich selbst an die Nase fassen:

    http://sommergut.de/wp/archives/001393.shtml

  5. Peterchen says:

    Man findet in dem, was gemeinhin als Blogosphäre bezeichnet wird, sicherlich haufenweise anonyme Schmutzfinken und unprofessionelle Möchtegern-Journalisten, da hat Herr Graff schon recht. Bei ihm geht es aber so weit, dass er nur Journalisten zugesteht, eine eigene Meinung öffentlich zu machen, zu publizieren. Dass auch Nicht-Journalisten durchaus in der Lage sind, Medien zu nutzen, sich eine eigene Meinung zu bilden, ist ihm sicherlich auch klar (oder?). Diese Meinung in einem Blog oder Forum zur Diskussion zu stellen, ist für mich nur ein kleiner und logischer Schritt – er scheint dies als Angriff auf seinen Berufsstand zu verstehen. Was dieser Tage nicht unüblich ist.

    Weiterhin macht er den für viele Journalisten typischen Fehler, zu pauschalisieren und zu verschlagworten. Das ist bis zu einem gewissen Punkt normal: für ein differenziertes Bild hat ein Journalist heutzutage wenig Zeit, ausserdem müssen Gedanken den Lesern vorgekaut werden, damit sie verstanden werden. Ganz nebenbei hilft ein klares Profil mit markigen Sprüchen der Selbstvermarktung, auch wenn man die Dinge, die man erzählt, nicht unbedingt selber glaubt. Die Hinterbänkler eines jeden Parlaments machen es doch genauso: man sucht sich ein Thema, das einem halbwegs liegt, wartet auf das Sommerloch und vertritt dann eine provokante These, die Widerspruch provozieren muss. Richtig in die Suppe hauen – so wird man ministrabel.

    Einen wesentlichen inhaltlichen Aspekt blendet er auch aus: ohne Blogosphäre wäre die Diskussion über Vorratsdatenspeicherung (inklusive dem gerade für Journalisten so wichtigen Zeugnisverweigerungsrecht) deutlich leiser. Dass sich auch daran ein großer Haufen Schreihälse beteiligt – mein Gott, warum soll es in der Blogosphäre anders zugehen als im Bundestag oder bei der DJV-Tagung? Das muss man abkönnen in einer Demokratie.

    Und dann ist da noch die Sache mit dem Glashaus (ich pauschaliere hier auch ein bisschen :) . Wenn man objektiv die Qualität von Journalismus messen könnte, würde ich mal behaupten, dass sich die Profis auch nicht immer mit Ruhm bekleckern. Schlampige Recherche, miserable Rechtschreibung und Verleumdungen sind da eben auch an der Tagesordnung. Und führen zu dem interessanten Effekt, dass ich lieber Niggemeiers BILDblog lese als die BILD.

    Ach ja, die SZ ist künftig auch nicht mehr auf meiner Leseliste. Gute Nacht.

  6. Haittersinign says:

    Hi! I can’t post messagte here…
    :-(
    google

  7. Klopstock says:

    (angesichts des fehlenden Halbsatzes nach dem Bindestrich: “- von der eigenen hohen Qualität fabuliert” sollte ich den Begriff besser vorübergehend ebenfalls meiden …

  8. Klopstock says:

    Ein unterschätzter zweiter Satz: … der auf Bild-Niveau verkommene Online-Auftritt. Herrn Graff ist eine enorme Hybris zuzuschreiben, wenn er angesichts der endlosen Bildstrecken (derer manche von ihm selbst kommentiert wurden, und über den die Online-SZ selbst die Frage aufwirft, ob der Verfasser auf Drogen war), dämliche Quiz-Spielchen, peinliche redaktionelle Ausrutscher (interessant die konträre Berichterstattung zu Eva Hermans Kerner-Rauswurf), abgeschriebene Presseerklärungen (Pin-Entlassungen), Artikel ohne Tiefgang, … – die Online-SZ ist im Vergleich zu ihrer Print-Schwester tatsächlich auf einem Niveau, auf dem sich eine zu häufige Nennung des Begriffs “Qualität” selbst verbieten sollte.

  9. blogfrog says:

    Nach sporadischen Recherche hie und da im Netz, ob und wer sich nun zum reaktionärem Geschwafel des Bernd Graff, der sich als Mitglied der SZ-Redaktion im Stile eines Julius Evola gebährden darf, finde ich, entspricht der Beitrag des Herrn Damascke (http://www.damaschke.de/notizen/index.php/quatschopf-der-woche-bernd-graff-suddeutsche-zeitung/) am ehesten meinem Gusto. Punktiert besänftigt er meine emotionale Bereitschaft, sich mit Herrn Graff physisch auseinanderzusetzen. Die SZ ist durch den Artikel des Bernd Graff der gewöhnlichen Journaille ein gutes Stück näher gekommen. Aber vielleicht wird der verantwortungsvolle Premiumjournalismus von den sich unter ökonomischen Zwängen windenden Verlegern dazu gezwungen, sich auf solch perfide Art und Weise zu prostituieren.

  10. @Grins: Da reicht das Impressum nicht so richtig. Denn oft teilen sich ja Leute Positionen in Online und Print und jedes Blatt hat (leider) seine eigenen Regularien in Sachen Impressum. Vielleicht ja auch mal was, woran man arbeiten könnte. Ich gebe aber gerne zu: Der erste Reflex ist immer Googeln, weil es mir eben nicht allein um die Position geht.

  11. Grins says:

    Warum “Google bemüht”? Ein schlichter Blick ins Impressum hätte gereicht. Graff ist Stv. Chefredakteur der SZ Onlineausgabe. Aber was solls, schrieb doch Herr Knüwer (aus eigener Erfahrung als Dauer-Schnellschuss-Blogger??), “denn Recherche ist ja nicht nötig” :) ) Wer im Glashaus …..

  12. Oswald Poplas kommentierte:

    “Anscheinend hat er [Dr. Graff]überhaupt nicht gemerkt, daß immer
    mehr Journalisten zu PR-Agenten von Großunternehmen
    und Parteien mutieren .”

    Wie wahr. Mag sein, lieber Herr Dr. Graff, dass nicht jeder Blog journalistische Qualität erreicht und mehr einem ins Netz gestellten Poesiealbum gleicht. Aber zum einem: Woraus besteht denn der Großteil vieler Lokalzeitungen? Und zum anderen: Wo war denn die Süddeutsche, als mit Vorratsdatenspeicherung und Online-Durchsuchung der unzweifelhaft größte Eingriff in die Bürgerrechte seit dem Zweiten Weltkrieg vorbereitet wurde? Wer außer dem immer noch großartigen Heribert Prantl hat das denn wirklich kritisch betrachtet? Warum erfahre ich darüber in Blogs und in einem Online-Portal wie Heise mehr fundierte Fakten als in der Süddeutschen?

  13. Thomas says:

    Mein erster Gedanke beim Lesen des Artikels war: niveaulos.

    1. Bekenntnis: Ich gebe zu, nicht gewusst zu haben, wer Bernd Graff ist. Also an den Rechner und Google bemüht: Stellvertretender Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung. Erschrockenheit stellte sich bei mir ein.

    Ein Chefredakteur einer großen deutschen Zeitung spricht sich für kontrolliertes Wissen aus, für das es im Zweifel auch einmal undemokratisch zugehen darf. „Was aber wiegt dann mehr? Dass das immer elitäre Denken der Mainstream-Medien im Zweifel undemokratisch ist? Oder, dass daraus Qualität entsteht?“.

    2. Bekenntnis: Ich bin kein Experte in Geschichte. Noch habe ich Politik oder eine sonstige Geisteswissenschaft studiert. Aber vielleicht findet sich ja jemand mit einer solchen Qualifikation, der folgende These einmal überprüfen kann.

    Dieser Artikel steht in der langen Tradition jener die haben, die Besitztümer zu verteidigen suchen. Der Katholischen Kirche, die wollte, dass nur ihre Priester das Wort Gottes verstehen und sich deshalb gegen eine Übersetzung der Bibel in die Sprache des Volkes wehrte. In Tradition jener Landesfürsten, die sich gegen Bildung „ihres“ Volkes werten und Lesen und Schreiben dem gemeinen Volk versagten. Und vielleicht sogar ein wenig in Tradition jener, die Bücher verbrannten und verbrennen.
    Demokratie und Meinungsfreiheit sollte das höchste Gut sein, und ja, Herr Graff, dafür darf gerne auch mal die Qualität leiden und der eine oder andere Chefredakteur ein wenig Konkurrenz erhalten im Wettkampf um Meinungsbildung.

    Nachtrag: Ich stimme Ihnen zu, die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen müssen gewahrt werden. Das gilt für Print- wie auch Online-Medien.

  14. beerwish says:

    Niemand kann Experte in allem sein. Die großen Experten im “Kulturbetrieb” kennen sich deshalb sehr oft in technischen Dingen nicht so gut aus. Damit muss man leben.

    Herr Graff hat meiner Ansicht nach das Internet noch nicht so richtig verstanden. Das Diskussionsforum einer Onlinezeitschrift ist eben keine Leserbriefseite wo die Redaktion entscheidet wer was schreibt und was wie gekürzt werden muss. Da steht immer auch viel Unsinn drin und es gehört zur Internetkompetenz des Lesers die Inhalte schnell zu filtern.

    Ich lese oft länger in den Beiträgen der Leser als in den Artikeln selber. Ich bin mir fast sicher viele andere machen das auch. Möglicherweise ist Herr Graff ja nur sauer, weil die Statistiken zeigen, dass mehr Leute auf SZ-Online durch die Seiten der Leserbeiträge klicken als durch seine mehrseitigen Artikel.

  15. Harald says:

    @Simon, stimmt im engeren Sinne, es gibt aber eine Hotlist Funktion die populäre Bookmarks jetzt auf der Titelseite anzeigt, und der Effekt ist dann so ähnlich wie bei den bekannten News-Aggregatoren Digg oder Reddit. Und Herr Graff hatte die drei eben in seinem Artikel unter dem Begriff “User-News-Sites” auch zusammengefasst und eine Pew-Studie zitiert der ich durchaus zustimmen würde.

    In den beiden Abschnitten davor hatte Herr Graff ohne Überleitung zu den “News-Sites” noch über Wikipedia geschimpft, anscheinend sein “Lieblings-Haßobjekt” das sich durch den ganzen Artikel zieht. Darauf wollte ich aber nicht eingehen, da ich hier seiner Meinung wenig abgewinnen kann und mir die ewige Kritik an den Problemen von Wikipedia im Vergleich zu herkömmlichen Lexika nicht besonders fundiert und zielführend erscheint. Ich sehe es eher so: “All encyclopedias fail, but Wikipedia fails gracefully” ;-)

  16. walmo says:

    @ Thomas Knüwer:

    Wieso da steht doch: Süddeutscher Verlag GmbH, sueddeutsche.de und darüber “Stellvertretender Chefredakteur, Leiter der Kulturredaktion” – und genau das ist seine Position.

  17. Ups, zu Graffs Position: Man soll halt nicht alles glauben, was im Internet steht. Erst recht nicht, wenn es von angestammten Mediendiensten wie Kress kommt:
    http://www.kress.de/cont/koepfe_vk.php?vknr=BDGF208125

  18. Simon says:

    @Harald:

    del.icio.us ist doch überhaupt kein News-Aggregator, sondern ein Social-Bookmark-Dienst, oder?

    Ich hab in meiner del.icio.us-Liste jedenfalls keinen einzigen tagesaktuellen Artikel, sondern meist nur Links, die ich für meine Arbeit oder meine Hobbies brauche.
    Insofern läuft meiner Meinung nach dieses Argument von Graff sowieso ins Leere.

  19. walmo says:

    Das Paradoxe ist ja: Bernd Graff fördert als stell. Chefredakteuer von Sueddeutsche.de selbst diese niveauarmen Internet-Diskussionen, die er in seinem Beitrag kritisiert. Die Kommentare bei suedeutsche.de werden in ihrer Sinnlosigkeit nur noch von den Heise-Trolls übertroffen und das liegt zum Großteil an der Art wie die Kommentare dort funktionieren (sie stehen prominent unter dem jew. Artikel, “Community”-Bilder der User, erwecken den Anschein und die Atmosphäre eines Forums, mit der entspechenden Debatten(un)kultur, es gibt keine eingreifende Moderation oder ein Rankingssystem für die Kommentare wie bei Slashdot).

    Wenn ich das den ganzen Tag beruflich lesen müsste, würde ich auch zum Kultupessimisten. Man könnte sich natürlich überlegen, ob man mit niveauvolleren Themen auf der Webseite auch niveauvollere Leser mit einer anderen Gesprächskultur anlocken würde – gerade im “Kultur”-Teil von sueddeutsche.de, den Bernd Graff leitet.

    NZZ-Online etwas macht das bewusst anders, aber das macht natürlich mehr Arbeit und bringt nicht so viele Klicks. Und man kann hinterher nicht so schön jammern.

  20. Nö, Kollege Knüwer, das ist nun wirklich kein “krudes, selbstreferentielles Stück”, sondern ein ziemlich typisches Plädoyer für die Elite im jahrtausendealten Streit zwischen Elite und Masse, oder Platon und Aristoteles, oder Sulla und Marius oder Aristokratie und Demokratie oder wie immer die Gegensatzpaare gerade heißen mögen. Man darf gerne auf der anderen Seite des Gegensatzpaares stehen, und man darf deshalb auch gerne auf die andere Seite herabpolemisieren, aber man wird sie deshalb nicht abschaffen können.
    Man wird auch einen Wolf Schneider nicht mehr davon überzeugen können, dass Internet, E-Mail und Blogs die deutsche Sprache bereichern, weil er den (gut begründeten) Verdacht hat, dass viele Köche den Brei verderben, und weil vermutlich die deutsche Sprache am besten und reinsten wäre, wenn eine Gilde von vielleicht zwei Dutzend Spracharistokraten über sie wachen würden. Und wenn die Schneiders und Graffs aussterben, werden andere ihre Rolle einnehmen. Vermutlich geht es dann um andere Kriegsschauplätze, aber es wird dabei bleiben: Esst Scheiße, Millionen Fliegen können nicht irren.

  21. Oswald Poplas says:

    Mußte sich Herr Dr.Bernd Graff, ehemaliger Student
    der Germanistik und Philosophie an der Uni Trier,
    wieder einmal seine Frustationen über Wikepdia,
    Blogs etc., von der Seele schreiben ?
    Wie gut oder schlecht steht es um den geistigen
    Zustand von Herrn Dr.Bernd Graff, wenn er bei
    Herrn Schirrmacher( ” Der Methusalem-Komplex )
    Trost suchen muß ? Fragen über Fragen .
    Anscheinend hat er überhaupt nicht gemerkt, daß immer
    mehr Journalisten zu PR-Agenten von Großunternehmen
    und Parteien mutieren .

  22. Nach dem Lesen des Artikels habe ich den Eindruck, dass Herr Graff noch nie einen Zeitungskiosk oder einen Bahnhofsbuchladen von innen gesehen hat. Dann wäre ihm nämlich aufgefallen, das alles, was er anprangert, auch schon vorher da war – nur eben auf Papier im Laden und nicht direkt auf dem Bildschirm auf seinem Schreibtisch.

    Die angebliche Qualität und filternde Vorauswahl hat vor allem immer er selbst als vermeintlich gebildeteter Leser getroffen – das Angebot der ach so qualitativ hochwertigen Printmedien war und ist (vorsichtig ausgedrückt) erheblich breiter, und sicher im Schnitt bei weitem nicht so hochwertig, wie er gerne behauptet.

    Wenn das als Argument wegfällt, bleibt kein Argument.

    Alles andere ist dann nur noch das Gezeter eines (womöglich klerikalen) Kulturpessimisten, der das erste Mal seine Gedanken auf die möglichen Konsequenzen der Druckpresse richtet und tief erschrocken ist angesichts des Chaos, in das die Welt durch diese neue Maschine sinken wird; eines Typus also, der ebenfalls mindestens so alt sein dürfte wie das gedruckte Wort.

  23. rrho says:

    Ich würde das mit dem Graff seinem Text jetzt echt mal etwas tiefer hängen. Entspannt Euch, Folks.

    Ich nehme übrigens immer noch jeden Morgen den Feuilletonteil heraus, um ihn besonders aufmerksam zu lesen. Den von der SZ.

  24. peter says:

    Mist, Niggemeier war schneller.

  25. peter says:

    Graff ist stellvertretender Chefredakteur der ONLINEausgabe. Nur mal so.

  26. Graff ist, wenn mich nicht alles täuscht, nur stellvertretender Chefredakteur von sueddeutsche.de. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das die Sache besser oder schlechter macht.

  27. Hokey says:

    Großartig, diese Graff-Kritik. Wie er fein alles zu einem Brei vermatscht. Blogs, Wikipedia und überhaupt. Gerade Wikipedia! Wenn man bedenkt, wieviele Qualitätsmedien schon beim gescholtenen Wikipedia ohne Nennung der Quelle abgepinnt haben… köstlich.

  28. Marcel says:

    gehört die wochenendbeilage ueberhaupt zum feuilleton? dort ist der artikel nämlich heut im druck verwurstet worden.

    aber wie harald schon sagt, manche punkte sind schon nicht soo falsch. aber am ende überzieht er das ganze medium mit einer generalkritik, die eigentlich nur auf eine teilmenge zutrifft.

  29. Peter Turi says:

    Aber Thomas, ein Meister der forcierten Polemik wie Du sollte über einen zugespitzen Meinungsartikel doch nicht gleich die Contenance verlieren.

    Was hast Du gegen Kevin Kuranyi? Nur weil er nicht bei Preußen Münster spielt, brauchst Du ihn nicht Minderleistung auf einem Spielfeld vorwerfen, das nicht das seine ist.

  30. Harald says:

    Der Artikel ist selbst ziemlich polemisch, ganz unrecht hat Herr Graff mit einigen Punkten allerdings nicht, und auch Recherche scheint in den Artikel eingeflossen zu sein. Wie viel ist allerdings schwer abzuschätzen.

    Man kann sich z.B. schon gelegentlich wundern, wenn man nachschaut welche Artikel auf Webseiten wie reddit, del.icio.us oder digg (das ich selbst gerne verwende) an manchen Tagen ganz oben stehen. Das sind eben oft nicht die WICHTIGEN Themen des Tages wie sie z.B. Google News automatisch aus den Zeitungen herausfiltert, sondern POPULÄRE oder UNTERHALTSAME Dinge wie lustige Photos oder Videos, teilweise ziemlich alte. Daraus sollte man aber nicht wie Herr Graff den Schluss ziehen dass diese Seiten ungeeignet sind etablierte Nachrichtenmedien zu ersetzen weil sie nur von “Idiotae” besucht bzw. mit Inhalten versorgt werden. Das wollen und sollen diese Angebote gar nicht, und die meisten Benutzer wissen dass sie für tiefgründig recherchierte News eher zu CNN oder NYT surfen sollten.

  31. Sanníe says:

    Ich weiß auch nicht, warum sie den immer wieder ins Internet lassen. Ein Ärgernis.
    http://mosaikum.org/log-10-04.shtml#21

  32. Marcus says:

    “Gemeint ist auch pures Meinungswissen: unüberprüfbar, kühn, behauptend, flatterhaft und vor allem: anonym in die Welt gesetzt, was Spaßvögeln und aber auch Denunzianten besonders entgegenkommt. “

    Was für ein erbärmlicher Versuch die überholte Meinungsführerschaft des ach so qualitativ hochwertigen Journalismus zu sichern. Ich hätte ja gerne einen unterschriebenen Kommentar bei der SZ hinterlassen. Ist nur leider Wochenende, da ist bei denen dieses Internet geschlossen…