“Ivy World”. Wow, das klingt nach was. Zumindest für die Freunde des US-Amerikanischen, denn dort ist die Ivy League die Klasse aller Klassen. Burda legt also die Latte hoch für sein neues Online-Projekt – und hoppst problemlos darunter weg.“Lifestyle für eine bessere Welt”. Doch, echt, das ist der Untertitel von Ivy World, sowohl der Web-Seite wie auch dem gedruckten Magazin, das kommende Woche erscheinen soll.
Was bei solch Worthülsen herauskommt dürfte klar sein: wenig. Dass aber die Seite so erschreckend platt ausfällt, wie es nun der Fall ist - das unterbietet selbst niedrigste Erwartungen. Na gut, der Mediendienst Kress, wie immer Burda-freundlich, findet ein paar warme Worte.
Nein, aus meiner Sicht wird hier die Chance grandios vertan, eine interessante Zielgruppe anzusprechen. Ivy World ist voll mit Klischees und Platitüden. Gestern Abend handelte der Aufmacher von einem Holztisch, nun ist es ein Öko-Hotel-Artikel mit alt-bekannten Empfehlungen. Bemerkenswerterweise sind gleich drei dieser Empfehlungen über die gleiche Seite buchbar. Und die Beschreibungen? Könnten die Hotels nicht besser kaufen.
Ein anderer Artikel behauptet, dank Leonardo Dicaprio könne man heute “lässig sein” – eine Vokabel, die jedem unter der Altersgrenze von 75 Jahren untersagt werden sollte.
Ivy World degradiert seine Zielgruppe zu scheuklappigen Konsumwahnsinnigen – Produkttipps werden blindwütigst und ohne zu hinterfragen angereicht. Eine Video-Rubrik gibt es auch – auf unterstem Amateur-Niveau.
In seinem derzeitigen Zustand ist Ivy World ein Rückschritt für das Umweltbewusstsein, das Angebot präsentiert sich als intellektueller Tiefflug gegen den selbst die “Bunte” wirkt wie eine Professoren-Postille. Im Netz gibt es besseres, zum Beispiel Vital-Genuss. .
“Lohas” soll Ivy World ansprechen, das ist eine Zielgruppenbezeichnung die steht für “Lifestyle of Health and Sustainability”. Sustainability bedeutet Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeit setzt eine gewisse Lebensdauer voraus. Diese wird “Ivy World” in seinem derzeitigen nicht beschieden sein.










14 Kommentare zu ““Ivy World”: Bezirksliga statt Ivy League”
Was auch immer hier über ivyworld diskutiert wird: Die dazugehörige Zeitschrift, die jetzt erschienen ist, zählt jedenfalls zum besten was ich seit langem gesehen habe.
@ Dr. Kurt:
Chapeau. Endlich mal jemand, der das Internet 2007 / 2008 versteht. Dieser Community-Wahn muss mal ein Ende haben. Der Geschäftsführer ein renommierten Online-Agentur meinte letztens zu mir: “Mal ehrlich – es gibt zwei Gründe, weshalb User sich registrieren. Entweder weil Sie Geld damit verdienen können oder nicht alleine schlafen wollen.” Banal, traurig…realistisch?
So, ein Nachtrag zu meinem Beitrag vom 23.11.. Ich habe mir jetzt auf Anregung von “martin” (s. o.) auch das Angebot von http://www.Utopia.de angeschaut. Ganz im Gegensatz zu Ihnen, Herr Knüwer, finde ich die Textqualität dort überhaupt nicht überzeugend. Ich weiß auch nicht, inwiefern ich den Produktempfehlungen dort trauen kann. Das wirkt auf mich alles sehr banal und peinlich. Das gleiche gilt für die Themen. Generell ist mir die Seite nicht zugänglich geworden. Die Registrierung habe ich allerdings nach dem Lesen der AGB abgebrochen. Und das ist natürlich ein großer Vorteil, zumindest aus meiner Sicht, für Ivy-World: Dort muss man sich für gar nichts registrieren und kann überall kommentieren. In einem Zeitalter, wo der Erfolg eines Internet-Portals nur an der Mitgliederzahl der Community gemessen wird, mag dies in der Tat kontraproduktiv sein. Für den User ist dies indes eher ein Feature als ein Bug.
Mit besten Grüßen
Dr. Stefan Kurt
Ich finde beide Portale gut. Utopia wirkt etwas seriöser und ernsthafter, IVYworld stylish und frisch. Die Videos bei utopia sind sicherlich professioneller – aber ich finde diese beiden Typen bei IVYworld wirklich witzig.
Was utopia sehr gut macht ist Leute wie Maischberger und Millberg für sich zu gewinnnen und als laufende Litfasssäulen zu nutzen – sehr guter Schachzug.
Die Qualität der Inhalte – da muss ich Herrn Dr. Kurt zustimmen: Ich finde, dass man bei IVYworld kleben bleibt.
Ach ja, zu guter Letzt noch ein Pluspunkt der Burda-Leute: alle Inhalte sind ohne Registrierung zu konsumieren.
Ja, Utopia.de hat (zur Zeit) die besseren Gesichter (Maischberger etc.). Aber die AGB sind auch nicht ohne. Hier z.B. gibts eine interessante Diskussion:
http://www.innovativ-in.de/blog/2007/11/07/lohas-portal-utopia-ist-online/
LOH.ALL – Andere ökorrekt arbeiten lassen *lol*
Also ich habe mir jetzt noch Utopia.de angeschaut. Nach einem kurzen Überblick würde ich sagen, diese Seite hat erheblich mehr Tiefe als Ivy World. Optisch ist sie allerdings deutlich krautundrübenerischer. Trotzem: Utopia gewinnt in diesem Zweikampf deutlich.
Sorry, ich bin nicht Harald, sondern Harald!
Lustig, noch ein Harald (vorletzter Post). Muss mir wohl auch hier ein Pseudonym zulegen um unverwechselbar zu sein, vielleicht “Harald Knüwer”
***Hier stand ein Kommentar, der unter falscher Identität abgegeben wurde. Ich habe auch die sich auf ihn beziehenden Kommentare gelöscht.***
Mit Verlaub, Herr Knüwer, was Sie schreiben, ist sehr einseitig. Ich bin auf die Seite Ivy-World heute über eine Google-Kampagne aufmerksam geworden, der ich leider auf den Leim gegangen bin. Erst habe ich mich geärgert, dann habe ich mir das Angebot angeschaut – und ich finde es im Gegensatz zu Ihnen sehr gut. Nun kann man ja unterschiedlicher Meinung sein – aber die von Ihnen angeführten Beispiele sind kleinlich und einseitig recherchiert. Ich habe auf der Seite eine Fülle von Informationen zum Beispiel zu den Themen Solarstrom und Biosupermärkte gefunden, vieles war neu für mich – und ich würde mich Zielgruppe nennen. Die Hotel-Geschichte ist zwar etwas wenig ausführlich – aber verraten Sie mir doch bitte, inwiefern die Empfehlungen altbekannt sind. Ich jedenfalls kannte keines der Hotels, weder aus der Presse, noch aus eigener Ansicht. Überhaupt kenne ich derzeit kein Portal, auf dem ich so geballt Informationen über grüne oder nachhaltige Produkte bekomme. Kann man denn über ein T-Shirt ein Feuilleton schreiben? Mir reicht die Information, dass ich es kaufen kann, und keines mehr von Zara brauche. Ihre implizite Unterstellung, die Redaktion würde den Herstellern und Anbietern “Gefallen tun” (“drei Empfehlungen über die gleiche Seite buchbar”) muss man sicher ernst nehmen. Hier lauert sicher eine Gefahr für Ivy-World. Aber bislang sehe ich keine Werbung auf der Seite. Zum Video-Blog: In der Tat sehr amateurhaft. Aber ehrlich gesagt sympathischer als Vieles andere, was man sich dieser Tage anschauen kann. Übrigens habe ich auch, etwas versteckt, Blogs auf der Seite entdeckt, die sich wohltuend abheben von dem, was man sonst so im Netz lesen kann: einfach weil sie gut geschrieben sind. Insgesamt finde ich das Angebot von Ivy-World etwas unübersichtlich – aber wirklich gut. Ich kenne Ihr Blog nicht, und bin erst heute, bei der Recherche über Ivy-World via Technorati auf diesen Eintrag gestoßen. Sind Sie immer so unerbittlich? Oder recherchieren Sie nur so einseitig, weil Sie eine ohnehin vorgefertigte Meinung haben?
Mit besten Grüßen
Dr. Stefan Kurt
IvyWorld.de ist ja auch wie im Web 2.0 üblich als “Beta” gekennzeichnet
Die Aufmachung der Seite finde ich beim ersten Besuch eigentlich ganz ansehnlich, über Inhalte und Name kann man geteilter Meinung sein. Das von CNet u.a. Seiten bekannte Prinzip eine Navigation anzubieten in der häufig be- bzw. gesuchte Artikel größer dargestellt werden nervt so langsam, genauso wie das ganze “CO2-neutral-machen”-Business. Mal abwarten.
Der erste Blick auf die Website sagt: Sieht aus wie die vom “Neon”-Magazin als ich das letzte mal drauf war.
na, dann bin ich gespannt was du zu utopia.de sagst.
Ich habe den Eindruck, man stellt immer schneller mal was in Netz und wartet, ob es funktioniert. Geht es schief,schießt man die Seite wieder ab und stellt was neues rein.
Ich kenne ivy zu wenig, um mir eine fundierte Meinung bilden zu können, aber insgesamt scheint in der schönen neuen Internetwelt nur noch wenig mit dem berühmten Herzblut gemacht zu werden.
Das ist schade, aber vielleicht sind die Ressourcen ja auch nur endlich …