»Thomas Knüwer 19. November 2007, 12:16 Uhr

Und wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt plötzlich die “Aargauer Zeitung” daher

Wo findet man eine frisch gemachte, ansprechende und höchst moderne Tageszeitung? In äußersten Winkel der Schweiz. In der vergangenen Woche hielt ich einen Vortrag in Badenweiler, einem Örtchen weit draußen am deutsch-französisch-schweizer Dreiländereck. Dabei erwähnte ich auch, wie unattraktiv ich deutsche Zeitungen finde. “Also, ich lese sehr gerne meine ,Süddeutsche’” sprach mich einer der Zuhörer anschließend an. Und ich gab ihm recht – ich lese die “SZ” auch sehr gerne, ich schaue sie aber nicht gerne an.

Leider entdeckte ich erst am Flughafen, einen Tag später, eine der Lokalzeitungen der Region: die “Aargauer Zeitung”. Und ich war – besser: bin immer noch – zutiefst erstaunt. Denn die “AZ” ist die optisch bestgemachte Zeitung, die ich im deutschsprachigen Raum kenne.

Klar aufbereitet und trotzdem durch Fotos emotionalisierend, leicht zu überblicken, gute Wahl von Schriftbild und Zusatzelementen.

Innendrin drei Tabloide: Zwei Lokalteile, je einen für die Schweizer und die deutschen Leser, dazu eine Kulturbeilage.

Ob die “Aargauer Zeitung” inhaltlich mithält, lässt sich schwer beurteilen, bekommt man nur eine Ausgabe in die Finger. Viele Schweizer Zeitungen sind ordentlich gestaltet, stilistisch aber hartes Brot. Was jedoch die Optik betrifft, werde ich die “AZ” künftig als leuchtendes Beispiel dafür sehen, dass sich auch in Mitteleuropa einfach schöne Zeitungen machen lassen.

»Thomas Knüwer 19. November 2007, 12:16 Uhr

    12 Kommentare zu “Und wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt plötzlich die “Aargauer Zeitung” daher”


  1. Ups, Aargauerzeitung.ch ist wirklich unerträglich. Ehrlich gesagt ist Azonline auch nicht viel besser – da ist noch viel Luft nach oben, höflich formuliert.

  2. Danke für das Kompliment. Zur “Ehrenrettung” unseres Onlineauftrittes sei hier festgehalten, dass es sich bei http://www.aargauerzeitung.ch um einen reinen Marketing- und Serviceauftritt handelt. Der multimediale Hauptauftritt findet auf http://www.azonline.ch statt.

  3. Martin Hitz says:

    Aber, lieber Indiskreter, hast Du Dir den Online-Auftritt (http://www.aargauerzeitung.ch/) des Blattes angeschaut?

  4. Alex says:

    Und jetzt passt doch als Gegenstück ein Verriss des Layouts der NZZ als deutschsprachige Tageszeitung mit dem schlechtesten Layout. ;-)

  5. Mike says:

    Hat das bei der Aargauer Zeitung Kircher Burkhardt gemacht. Erinnert mich an den frisch relaunchten Mannheimer Morgen (http://www.in-30-minuten.de/mannheimer_morgen/index.html)

  6. PS says:

    Bei Design kann man dann auch die Pforzheimer Zeitung positiv nennen.
    Das Problem ist nur, dass eine Ausgabe von dem Blatt ungefähr genausoviel Flüchtigkeitsfehler enthält, wie ein Stern.de-Artikel vom Samstags-Praktikanten…

  7. Ronnie Grob says:

    Naja. Wenn die Gestaltung mal ausreicht. Die Inhalte dieser Zeitung sind jedenfalls oft lahm bis fragwürdig. Und der Onlineauftritt ist vermutlich einer der Fürchterlichsten, die ich überhaupt kenne (schau dir doch den mal an, vorausgesetzt, du findest ihn, denn das ist gar nicht so einfach…). Aber davon abgesehen ist die Aargauer Zeitung natürlich eine wunderschöne Zeitung. So zum Anschauen.

    Als Nachfrage: Welche Schweizer Zeitungen sind denn stilistisch hartes Brot?

  8. neuraum says:

    “Trierischer Volksfreund” hat ein sehr schönes Design.

  9. Was die optische Gestaltung angeht, sehen die Aargauer ja ein bisschen aus, wie die VDI-Nachrichten. Und außerdem scheint mir diese “Viel-Weißraum-Ästethik” auch massiv durch die Entwicklung im Web beeinflusst (siehe faz, aber auch des tagesspiegel). Solange es gut zu lesen ist, sehr gerne.

  10. Manu says:

    Ich find’ die FTD ganz nett… (nur diese Lachsfarbe… Herrje…)

  11. Ich bin bisher noch nicht auf die Idee gekommen, Zeitungen unter ästhetischen Gesichtspunkten anzusehen, werde das aber mal probieren. Wie eine schöne Zeitung aussieht, weiß ich ja nun schon mal. Und wenn ich mich recht entsinne, hast du aus gegebenem Anlass die Ästhetik des Blattes, hinter dem jeden Morgen mein Kopf steckt, auch schon scharf kritisiert. Mit diesen Maßstäben werde ich nun den Zeitungmarkt mit ganz neuen Augen sehen.