Kaum bin ich bei den Münchener Medientagen sinkt mein Kopf schon entsetzt auf die Stuhllehne des Vordermanns.Gestern noch 2.0-Konferenz, heute Kongress 0.0. Zumindest ist das meine Erwartung an die Medientage München nach den Erfahrungen im vergangenen Jahr.
Und schon fünf Minuten nach Beginn des ersten Vortrags, der Eröffnung durch den neuen bayerischen Landesvater Günther Beckstein, sind wir auf gutem Weg zu einem rückwärtsgewandten Kongress. “Das Internet”, sagte er, sei ein “neues Medium”.
“Konservativ sein heißt für mich, an der Spitze des Fortschritts zu stehen”, sagte Beckstein auch. Und ich weiß nicht, welche Pointe mir besser gefällt: Dass Günther Beckstein sich selbst als nicht-konservativ bezeichnet, oder dass er im fortschreiten stehen will.










12 Kommentare zu “Erster Koller auf den Münchener Medientagen”
Ich hatte den Vortrag von Herr Beckstein inklusive anschließender Elefantenrunde live im BR geschaut statt hinzugehen. Ja ja, man macht es sich einfach.
Noch besser als Beckstein fand ich allerdings seinen Vorredner, einen Herrn von der bayerischen Landesmedienanstalt (oder so ähnlich). Der hat nicht nur Schwierigkeiten mit der Kontrolle von 9Live, sondern auch beim Aussprechen der Wörter “Social Networks” und “User Generated Content” die ihm jemand in sein Redemanuskript geschrieben hatte. Was das genau sein soll wusste er offensichtlich nicht aus eigenem Erleben. War ihm sicher nicht so wichtig.
Hatte ich doch glatt vergessen zu schreiben:
„… ich vertraue nicht darauf, daß die Gesellschaft uns schützt; ich habe nicht die Absicht, mein Schicksal in die Hände von Männern zu legen, deren einzige Qualifikation für ihr Amt darin besteht, daß sie es geschafft haben, eine Gruppe von Menschen so lange zu bearbeiten, bis sie für sie gestimmt haben.“
Das lässt der Autor Mario Puzo den Sohn Don Corleones, Michael, in dem Buch „Der Pate“ sagen.
Warum messen sog. Journalisten Politiker zuerst an ihren Worten? Es ist einfach und deshalb schnell getan.
An ihren Taten sollt ihr sie messen und gebt ihnen einfach kein Podium zum Unsinn-Schwätzen und zum Lügen, sondern schreibt nur auf, was Politiker getan oder unterlassen haben. Das ist natürlich schwer. Doch endlich würde es still in Deutschland und ein jeder könnte sich viel besser auf sein Tun besinnen.
Ich habs befürchtet – dann leg mal los morgen
Apropos Fortschritt. Lieg ich falsch oder war nicht ein WebTV Angebot geplant, dass live von den MM streamt? (Homepage der MM ist keine Hilfe)
Viel Spaß in Muc!
Das solltet ihr unbedingt tun. Um der Sache willen
Ich sitze hier morgen selbst auf nem Podium. Und vielleicht mischen der Kollege Range von Welt.de und ich den Laden ein wenig auf.
Mal ehrlich, Thomas, warum tust du dir solche Verunstaltungen überhaupt an? Doch wohl nicht, um mal bisschen raus zu kommen, oder?
Ja oba siherlich! Wo wir hier in Bayern doch bis vor 10 Jahren noch von Berg zu Berg jodeln mussten, um uns zu verständigen. Der letzte hiesige Medien-Meilenstein war das Alphorn!
Der arme Beckstein weiß doch garnicht, was ihm sein Sekretär da auf das Papier geschrieben hat. Leere Worthülsen und eine Aneinaderreihung solcher findet der aufmerksame Zuhörer in zunehmendem Maße, besonders während öffentlicher Auftritte, nicht nur von Beckstein. Der Redner wird zum Instrument, aus dessen Corpus der Wortmüll quillt.
Wäre es Ihrer eigenen Gesundheit nicht zuträglicher, solche Kongresse einfach zu meiden? Zu Schulzeiten gab es einen Arzt in meiner Heimatstadt, der sicher auch Bescheinigungen für den Arbeitgeber über “Konferenz-Allergien” ausgestellt hätte.
Und Second Life sei der neueste Schrei, oh ja. Günni versteht Bildschirme nur, wenn daran eine Überwachungskamera hängt.