Nein, ich hätte auch nie gedacht, dass ich das mal schreiben würde: Saubere Arbeit, Herr Kerner.Eigentlich sollte hier etwas über den unsäglich verbohrten Auftritt Eva Hermans in der gestrigen Kerner-Sendung stehen. Für alle die gestern Abend keine Lust auf bizarre Kost hatten: Herman lieferte einen Auftritt ab, der künftig bei allen Medienschulungen für Manager in der ersten Stunde als Unterrichtsmaterial herhalten wird. Und die mit der Bitte Kerners endete, die Show zu verlassen, weil ansonsten die anderen Talk-Gäste dies tun würden.
Link: sevenload.com
Wie gesagt, wollte ich ausführlicher schreiben. Aber Stefan Nigggemeier war schneller – und er hat empfunden, was auch mir durch den Kopf ging.
Wenn ich an diesem Morgen einen Wunsch frei hätte, dann wäre es ein Frühstück allein mit Kerner. Denn zu gern würde ich von ihm hören, was ihm durch den Kopf ging. So ganz ehrlich, nur unter uns beiden. Ob sein Deo versagte, in dem Moment, als er versucht hatte, die unselige Diskussion zu beenden, seine Gäste minus Herman partout nicht zur Tagesordnung übergehen wollten? Ob er befürchtete, die Hinausgebetene würde austicken, eine große Show machen, herumschreien? Ob ihm bewusst war, wie unendlich surreal das sich anschließende Geplänkel über Handtaschenkauf und Reiseerlebnisse war?
Wahrscheinlicher aber wird wohl sein, dass Kerner demnächst bei Beckmann sitzt, um genau über diesen Abend zu berichten. Und ehrlich wird er dort wohl eher nicht sein.
Nachtrag: Schöne Beobachtung vom Kollegen Endert…










75 Kommentare zu “Die Surrealität der Eva Herman”
“Ja wohl, sie hat die NS-Zeit verherrlicht.”
“Nein, das hat sie alles ganz anders gemeint. Sie wird absichtlich mißverstanden.”
Das kann ja wohl nicht angehen!
Als Profi der öffentlichen Selbstdarstellung, der sich zudem anmaßt, Lösungen für die Probleme unserer Zeit zur Hand zu haben, sollte eine Frau Hermans in der Lage sein, sich eindeutig und unmißverständlich zu äußern oder aber – sobald ihr eine (angebliche) Fehlinterpretation ihrer Aussagen bekannt wird – sich eindeutig und unmißverständlich zu distanzieren.
Die Sache wäre doch, wenn alles wirklich nur ein böses Mißverständnis wäre, mit wenigen Sätzen geklärt.
Ja, die individualiserte Gesellschaft ist nicht kinderfreundlich. Neben Familiensinn fehlen auch in anderen Lebensbereichen Rücksichtnahme und Zusammenhalt. Die klassischen Versorgungssysteme nach dem Solidaritätsprinzip scheitern zunehmend, weil jedem Einzelnen seine Jacke näher ist als die Hose. Familie funktioniert im Großen wie im Kleinen immer weniger.
Aber, von wegen ach so schöne Familienwerte in der NS-Zeit. Pustekuchen. Da mussten Eltern Angst haben, dass wegen einer liberalen Gesinnung von ihren eigenen, HJ-infizierten Kindern denunziert werden…
*g*
@Sven: Das ist der Grund, warum ich hier noch nicht die Kommentare abgeschaltet habe…
(irgendwie hab’ ich das Gefühl, hier versuchen tatsächlich Vertreter(innen) einschlägiger Ideologien halbwegs konzertiert, Frau Hermann für ihre Zwecke zu vereinnahmen (Schöpfungen, natürliche Rollenverteilungen, Schwulenfeindlichkeit, sogar der alles steuernde Jude ist schon dabei). Und beweisen damit ja, dass das a) tatsächlich geht mit den Sachen, die sie so von sich gegeben hat und b) dass der Zusammenhang, wie er ihr angekreidet wird, tatsächlich auch vorhanden ist.)
Der zweite Kommentar vom Thomas bringt das für mich entscheidende Zitat: “Was ich zum Ausdruck bringen wollte, war, dass Werte, die ja auch vor dem Dritten Reich existiert haben, wie Familie, Kinder und das Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert wurden, anschließend durch die 68er abgeschafft wurden. Vieles, was in dieser Zeit hochgehalten wurde, wurde danach abgeschafft. Und dazu gehören Werte, die uns auch vor dem Dritten Reich zusammengehalten haben und uns ja auch das Überleben gesichert haben. Familie nämlich.”
Hat sie gesagt. Warum kann man damit nicht umgehen? Weil es in das allseits denunzierte braune Klischee passt und dieses mit einem anderen genau so totem tot gehauen werden muss wie geschehen? Bringt man den Geist nicht zusammen, sich mit diesem Standort historisch, soziologisch, politisch, psychologisch usw. auseinanderzusetzen, um Frau Hermann eine Möglichkeit zu einer erweiterten Standortbestimmung zu geben oder auch nicht? Ist es die Unfähigkeit zur Kultur, die zu dieser Äusserung, dem Umgang damit und der Debatte dazu geführt hat?
@ Friedrich:
Ich sehe schon, die 68er haben doch deutlichere Spuren bei Ihnen hinterlassen!
Es gibt kein selbstverständliches und kein traditionelles Rollenverhältnis. Welche Tradition könnte als selbstverständlich angenommen werden? Die des frühen Christentums? Die der sippengeprägten Großfamilie? Die der proletarischen Kleinfamilie, in der jeder, der konnte, arbeiten musste? Die der bäuerlichen Familie des 19. Jhdt? Oder die bürgerliche Familie der 1920er Jahre, der einzigen Form, in der die Frau keiner Erwerbstätigkeit nachging.
Auf welche Tradition sollte sich eine Familie stützen, in der 1-2 Kinder leben, in der die meisten häuslichen Arbeiten automatisiert sind, in denen weder Feld- noch Gartenarbeit anfallen, keine Kleider genäht oder repariert werden müssen,
an carta:
So unrecht hat die Dagmar wirklich nicht! Sie ist eben von Ihrer Mutter im selbstverständlichen Rollenverhältnis erzogen worden. Bei den heutigen Mädchen ist das doch kaum noch so! Da wurde vieles in der Erziehung versäumt. Die meisten können weder kochen, noch backen und sind in der Mutterrolle völlig überfordert, weil man doch lieber abends auf die “Piste” möchte!
dagmar: die natur hat nunmal leider nicht vorgesehen, dass du im internet deine ideologisch geprägten beiträge verteilst. zackzack, in die küche. das essen brennt an.
p.s.: im ursprünglichen ideal hat eine frau in der öffentlichkeit auch zu schweigen. falls dein ehemann mitliest, kann er es dir natürlich erlauben!
@ Kyra: Was wollt *Ihr* von Euren Frauen/Männern/Familien?
Oh Kyra, Du hast es auch nicht verstanden! Wir wollen das Familienbild im ursprünglichen Ideal! Sprich: Keine gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, sondern die Ehe von Mann und Frau, ferner gehören zur Familie nunmal auch Kinder. Und nicht das Hadern mit mit dem Schicksal, dass die Schöpfung nicht vorgesehen hat auch Männer zu schwängern! Die Rollenverteilung ist im Grunde von der Natur klar geregelt, wie vieles andere auch! Nur der Mensch versucht sie permanent zu ändern!?
@Jörg Friedrich, der schrieb:
“Sind wir so weit gekommen, dass die Männer in öffentlichen Diskussionen die Frauenrechte verteidigen müssen. Bitte, liebe sonst nur mitlesende und nicht kommentierende Frauen, äußern sie sich!”
Na gut:
Ich (weiblich, ledig, jung; kinderlos) kann die Beiträge von Dagmar in diesem Thread nicht ernst nehmen. Wer mit der Schöpfung argumentiert, das Frauen Beruf und Kinder nicht vereinen können oder sollen, entbehrt jeder sachlichen Grundlage und unsachliche Diskussionen führen zu nichts.
Ich finde es super, wenn Männer sich konstruktiv mit Frauenrechten befassen. Ich als Frau kann ja auch reflektieren, dass das eine oder andere für Männer nicht einfach ist. Wenn man die Perspektiven zusammenschmeißt, und zwar sachlich, ist das optimal.
Ich erlebe es so, dass die Verhaltensweisen oder Wünsche, in denen ich mich belächelt fühle, weil ich eine Frau bin, weniger mit “Recht” im Sinne von Gesetzen zu tun haben, sondern mehr mit Gewohnheiten und Rollenverständnis. Das kann man durch kein Gesetz der Welt ändern, und es nützt auch nichts, alle Welt mit Frauenrechten zu nerven, wenn die Umsetzung gesetzen Rechts dann doch am Alltag scheitert. Das ist einfach eine Entwicklung, fertig aus.
Eva Hermann hat ein bestimmtes Frauenbild in die Öffentlichkeit getragen und damit eine Debatte um Frauenrolle und Familie angestoßen. So weit, so gut. Der ganze Overhead wirkt auf mich unnütz.
Eva Hermanns Aussagen habe ich nur rudimentär und mittelbar rezipiert, in Diskussionen von Frauen, die allesamt beruflich aktiv oder sogar selbständig sind. Ich habe mich weder mit ihren einzelnen Aussagen noch mit den hier angesprochenen geschichtlichen Rollenbildern von Frau/Familie befasst, und stoße hier in Thomas Knüwers Blog einigermaßen unbedarft auf die Hermann-Diskussion. So weit zu meinen Voraussetzungen.
Mich langweilen nun spontan sowohl der Hermann-Appell (Mütter/Kinder/Familie werden nicht wichtig genug genommen, irgendwie so) als auch die Übersensibilität für Vergleiche mit dem Dritten Reich, sofern (!) sie rein emotional argumentiert. Das ist beides ein alter Hut. Das hat soo nen Bart. Bringt es uns denn vorwärts?
Dass auch Frauen sich in der meisten Zeit ihres Daseins (aka “beruflich”) verwirklichen wollen, ist klar wie Kloßbrühe. Da gibt es nichts zu diskutieren! Womit will sich “frau” denn nun verwirklichen? Na, es gibt bei den Frauen genau wie bei den Männern solche und solche. Die einen wollen sich in die eigenen vier Wände oder in Hobbys verwirklichen, die anderen wollen mehr Reibung mir der Welt. Die einen fahren voll auf Kinder ab, die anderen finden xyz spannender. What is the f*** question?
Zum Männerdasein kann ich mich nicht äußern. Aus Frauenperspektive ist mir jedenfalls klar, dass ich beruflich im Nachteil bin, wenn ich mindestens neun Monate erstens: hormonell überschwemmt bin, zweitens: in dieser Zeit natürlich nur bedingt in meinen Arbeitsmarktwert investieren kann (Weiterbildung, Erfolge, etc). Dass Mutterschaft also meinen Arbeitsmarktwert nicht erhöht, sondern verringert, ist Fakt.
Wenn dann mein Mann die Einstellung hat, hey, wir federn das zum Beispiel eine Zeit lang durch meinen Verdienst ab, und ich kann zwar nicht selber schwanger sein, aber ich finde es klasse, das bei dir mitzuerleben, und wie wir (wir!) das mit der Erziehung und sowieso prinzipiell im Haushalt machen, besprechen wir jetzt einfach mal, dann können wir immer noch sehen, wer sich lieber und in welchem Maße zu Hause austobt, denn vielleicht will ich ja auch den Erziehungsurlaub nehmen, und wir schauen auch mal, in welcher Form uns die Arbeitnehmerschaft und der Staat unterstützen – ist das Ideal, Fakt oder einfach nur Entwurf xyz?
Um meinen persönlichen Entwurf zu leben, brauche ich keine Eva Hermann – und auch nicht, um festzustellen, dass sich Frauen-/Männerrollen und familiäre Werte ändern. Soweit ich das mitbekommen habe, hat sie mit dem Mutter-Extrem provoziert und m.E. mit beknackten Vergleichen aus dem Dritten Reich argumentiert, was jetzt aufgebauscht wird. Finde ich in der Sache nicht zielführend und geschmacklich daneben. Die Debatte ist nun viel zu personenzentriert. Punkt, aus, Ende.
Worum geht es denn eigentlich im Kern? Um Frauen- und Männerrollen und wie daraus Familien werden, oder? Zum Dritten: Das ist ein Dauerthema und hat nichts mit Eva Hermann zu tun.
Ich habe den Eindruck, die Hermann-Debatte fungiert als neuer Aufhänger alter Themen. Ich finde, diese Person sollte ob ihrer fragwürdigen Argumentation beiseite gelassen und beim Thema geblieben werden: Realität der Arbeitswelt, familienfreundliche Politik und private Familienentwürfe. Zielführend ist die Frage: Wie ist der Stand der Entwicklung, vor allem in unseren eigenen Köpfen? Und nicht: Was sagt oder meint Eva Hermann. Oder die Bibel. Oder von der Leyen.
Was wollt *Ihr* von Euren Frauen/Männern/Familien?
Kyra
“Soll ich jetzt auf den Boden kacken, weil Hitler eine Toilette benutzte?” Eva Herman versteht sich weder mit den Meinungsmachern – noch mit den Feministen. Was ja nur heißen kann: Die alten Linken sind die neunen Kapitalisten…
http://politblog.net/gesellschaft/nazikeule-auf-der-autobahn-10102007.htm
http://evahermanfanclub.foren-city.de/
Ich wuerde wirklich gerne die restlichen 25 Minuten der Runde sehen, gibt es die irgendwo?
hier: http://www.welt.de/welt_print/article1257925/Leserbriefe.html
nochmal ein interessanter Beitrag zum Thema.
@Andreas : Eben diese Meinung teile ich auch. Es war ein Schlachtfest, bei dem Kerner gezeigt hat, dass er für Quote auch seine Kollegen auflaufen lässt. Furchtbar.
Für mich war das gelinde gesagt ein schlecht insziniertes Schlachtefest, unprofessionel vorbereitet, leicht zu durchschauen, bedauernswert und auch lächerlich zugleich durch die geladenen Akteure.
Andreas Branke
Frau Dagmar, die Frauen haben das früher nicht so entschieden, sie haben gar nichts entschieden, sie durften gar nichts entscheiden.
Dahin wollen sie zurück?
Sind wir so weit gekommen, dass die Männer in öffentlichen Diskussionen die Frauenrechte verteidigen müssen. Bitte, liebe sonst nur mitlesende und nicht kommentierende Frauen, äußern sie sich!
@Dagmar: Wer hat was nicht vorgesehen – die Schöpfung oder die Vorsehung? Und schon sind wir wieder bei den bösen N-Wörtern…
Die ganze Sendung bis mit Eva Hermann kann man sich auch hier anschauen:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/335636(Pop-up)
Es ist ein wenig beängstigend: Man verläßt Deutschland im Zenit der Gerhard Schröder gedankten Aufbruchstimmung, durch die sich die Bundesrepubik von vielen alten Zöpfen verabschiedete und u.a. freie Meinungsäußerung mehr als je zuvor lohnenswert erschien, und man kehrt zurück in das Reich von Frau Angela, in dem anscheinend der “Zentralrat der Juden” die öffentliche Journalisten-Meinung vorgibt, gegen die sich weder das Kanzleramt noch jegliche höherklassigen Medien zu wehren wagen. Die gesamte Journaille folgt und gehorcht.
Wenn wir so weiter machen, werden die Kräfte auf dem rechten äußeren Flügel bald noch mehr Zulauf bekommen, – und vor allem auch mehr, als Deutschland vertragen kann, ohne erneut langfristigen Schaden zu nehmen. Vielleicht hat Eva Herman auch dazu beigetragen, dass mutige und kluge Köpfe in Deutschland gegen diese Mundtot-Bewegung aufmucken.
@Jörg Friedrich: Ich schrieb ja: Hermans Lösungsansätze halte ich für falsch (sogar für grotesk). Ich teile lediglich ihre Einschätzung, dass unsere Gesellschaft aktuell kinderfeindlich ist.
Anerkennen muss man allerdings, dass Herman mit ihrem Kreuzzug immerhin eine wichtige Debatte nährt. Ich hoffe allerdings, dass diese dazu führt, dass irgendwann
a) alle Eltern finanziell oder strukturell gefördert werden, unabhängig von ihrem Lebensentwurf; und
b)es der Arbeitsmarkt jungen Eltern (beider Geschlechter) deutlich leichter macht, nach einer Kinderpause wieder ins Berufsleben einzusteigen
Das schreibe ich nur, weil es mir peinlich wäre, wenn man mich als KKK-Sympathisanten wahrnähme. Weiter vertiefen will ich die Diskussion aber nicht.
@ Friedrich (….entscheiden sich eben immer mehr Frauen gegen die Erfüllung ihres Kinderwunsches.)
… sehen Sie und somit sind wir wieder am Anfang der ganzen Diskussion: damals war das eben nicht so!
Wege finden die Wege offen halten… warum gibt es hier keine Kommentar-Korrektur-Funktion ;-(
Mit der Schöpfung habe ich persönlich nicht gesprochen, was die vorgesehen hat, kann ich nicht einschätzen.
Zu b: das ist richtig. aber wenn man da stehen bleibt, entscheiden sich eben immer mehr Frauen gegen die Erfüllung ihres Kinderwunsches. Was auch nicht schlimm ist, sterben die Deutschen halt aus, die Menschheit wird daran nicht zu grunde gehen.
Man kann aber auch versuchen, Wege zu finden, die den Menschen möglichst viele Wege offen halten. z.B. Kinder und Beruf zu vereinbaren. Viele Mütter sind sehr glücklich mit so einer Lösung, und deren Kinder auch. Ich habe selbst zwei davon.
@ Friedrich (Deshalb müssen wir eben nicht zurück zu “alten Werten” sondern neue finden, die auch Müttern eine Chance auf berufliche Entwicklung und Erfüllung bieten.)
a) hat das die Schöpfung so nicht vorgesehen
und
b) kann man im Leben eben nicht immer alles haben,
da muss man sich eben für das eine oder andere entscheiden