»Thomas Knüwer 04. October 2007, 13:33 Uhr

Die Luftnummer namens Myby

Ob das wohl weh tut? Wenn man als Berufskommunikator eine Pressemitteilung schreiben muss, die ein Angebot hochjubeln soll, wie es schon hunderte, wenn nicht gar tausende im Internet gibt? Dass nicht einmal günstiger ist, sondern teurer? So wie heute Myby, das Gemeinschaftsunternehmen von Ex-Karstadt-Arcandor und Axel Springer. Wenn zwei Unternehmen, die nichts miteinander zu tun haben (oder noch schlimmer: die in Konkurrenz stehen), miteinander ein neues Angebot stemmen wollen, dann geht das meist schief.

Im Februar gründeten das, was heute Arcandor ist und früher Karstadt-Quelle war, und Axel Springer ein Joint Venture. Ziel: ein Online-Kaufhaus.

Dessen Name, wurde im Frühjahr bekannt, solle Myby sein. Gegenüber den Kollegen der “Financial Times Deutschland” wurde damals mächtig gestrunzt: Amazon solle der Gegner sein, plusterte sich die Geschäftsführung auf. Bemerkenswert allerdings, dass die Einkaufskapazitäten des Mutterhauses nicht genutzt werden sollten.

Der da so tönte, war Walter Gunz. Immerhin gründete er einst die Media Markt mit und vielleicht hätte es Springer zu denken geben können, dass eben jener Media Markt ja online nie so richtig präsent war. Gunz kam Anfang 2005 schon zu Springer, als Vorstandsvorsitzender von Bild-T-Online. Nach nur einem halben Jahr aber erhielt er schon einen neuen Posten, Geschäftsführer der Axel Springer E-Commerce GmbH. “Es wird ein ganz neues Business-Modell geben”, sagte ein Springer-Sprecher damals dem “Manager Magazin”.

Der Konzern kreißte und gebar – eine Copycat. Ein X-beliebiges Shopping-Angebot im Netz. Keine einzige neue Funktion taucht dort auf. Die investierte Kreativität bewegt sich unter Null. Man starrt darauf und ist bass erstaunt, dass zwei Großkonzerne für etwas derart banales so lange brauchen.

Und nun kommt der arme Kommunikator ins Spiel. Er muss daraus eine Sensation machen. Also dichtet er, befreit jedweder Realität:

“Gemeinschaftsunternehmen von Arcandor AG und Axel Springer AG setzt im wachsenden Multimedia-Markt ganz auf E-Commerce

Düsseldorf, 4. Oktober 2007. Mit dauerhaft günstigen Preisen und einem außergewöhnlichen Serviceangebot will myby zum führenden Elektronik-Online-Fachmarkt im deutschen Internet werden. Die beiden Gesellschafter Arcandor AG und Axel Springer AG verstärken mit diesem Gemeinschaftsunternehmen ihre erfolgreichen Internet-Strategien und bündeln ihre Kompetenzen, um dem neuen Unternehmen einen schnellen Markterfolg zu ermöglichen.

Problemloser Einkauf im Internet – dafür wird myby künftig stehen und gestaltet daher seine Angebotsstruktur so übersichtlich und preisgünstig wie möglich. Ob Computer, TV, Hi-Fi, Foto, Handy, Navigation, Entertainment oder Haushaltsgeräte – bei myby kann der Kunde aus einem breiten Sortiment rund um die Uhr bequem von zu Hause auswählen und hat bei jedem einzelnen Produkt die Gewissheit, es mit einem umfassenden Service und zu einem besonders günstigen Preis einzukaufen. Bis Mitte 2008 der Online-Fachmarkt rund 30.000 Produkte im Angebot haben. Statt in teure Verkaufsflächen wird myby in Beratung und Kundenservice investieren und gleichzeitig günstigere Preise anbieten können als der stationäre Fachmarkt. Mit einem jungen, frischen und modernen Marketingkonzept zielt myby auf alle Käufer von Multimedia-Produkten.”

Also schauen wir mal: Übersichtliche Angebote, Auffächerung nach Preisstruktur – gibts fast überall. Breites Sortiment – auch. Einkauf von daheim – ja was denn sonst? Rund um die Uhr – Internet, doooh! Beratung und Kundenservice… Beratung und Kundenservice, in den investiert werden soll – na das, wäre doch mal was. Wäre. Denn unter dem Menüpunkt Service finden sich 08/15-Hinweise. Anrufen, klar, kann man auch – für 14 Cent die Minute.

Aber, aber, dann… wird es doch wenigstens günstiger sein, als anderswo?

“NEIN! NOCH NICHT EINMAL DAS!”, möchte man schreien. Hier ein paar spontane Beispiele:

- DVD-Rekorder LG V280B: Bei Myby 109 Euro, bei Amazon 99.
- Fernseher Toshiba 42X3000PG: Bei Myby 1469 Euro, bei Amazon 1300 Euro.
- Kamera Nikon Coolpix S50c: bei Myby 299 Euro, bei Amazon 279 Euro.

Und wohlgemerkt: Dies waren die ersten drei Beispiele, die ich herausgesucht habe. Und das dürfte wohl reichen, um Myby zu entlarven: als gewaltige Luftnummer und Totgeburt.

Nachtrag: Nach Vollendung dieses Artikels hier wurde ich genötigt, auch etwas für das gedruckte Blatt zu machen. Dafür sprach ich auch mit der Myby-Sprecherin. Die Sache wurde dadurch nicht weniger skurril. Zitat in Sachen Preise: “Wir messen uns mit dem stationären Fachhandel. Denn wir wollen ein Fachhandel im Netz sein.” Zum Artikel bitte hier entlang…

»Thomas Knüwer 04. October 2007, 13:33 Uhr

    53 Kommentare zu “Die Luftnummer namens Myby”


  1. Ralf says:

    Ich schließe mich den obigen Meinungen an. Wer will überhaupt myby kaufen? Doofer Name, schlechte Domain, schlechtes Konzept und zu hoher Kostenfaktor. Und die wollten gegen Amazon konkurrieren? Einfach Lachhaft! Wenn einer myby kaufen will, muss er erstmal richtig Geld mitbringen und dann noch alles umkrempeln und die richtigen Leute einstellen. Aber der Name ist es auch nicht wert. Außerdem kann ich mir nicht länger ansehen, wie Geschäftsführer, Vorstände usw. sich ständig bereichern und der einfache Arbeiter wird schlicht ausgenutzt und muss wie ein Bimbo für die oberen Herren Geld verdienen, damit die sich Sportboote, Häuser, Luxuswagen usw. leisten können. Eigentlich sollte man dort nicht mehr bestellen oder einkaufen. Lieber gehe ich zu einem ehrlichen Einzelhandel und gib ein paar Euros mehr aus. Da weiß man auch, dass das Geld an den richtigen Mann kommt. Wir brauchen in Deutschland keine handvoll Superreiche und massig Arme, sondern wieder einen ordentlichen Mittelstand!

  2. Rainer says:

    MyBy wird namhaften Konkurrenten bzw. Mitbewerbern bereits zum Kauf angeboten.
    Wer jetzt noch Waren bei MyBy bestellt, ist m. M. n. selber schuld.

  3. Herbert says:

    Vorsicht vor myby
    Versandfhandel liefert nicht und erstattet auch kein Geld
    Finger weg
    habe dort Anfang Dezember 2008 einen Monitor bestellt und per Vorkasse bezahlt. Leider habe ich den Monitor nicht bekommen (war angeblich nicht lieferbar). Bis heute habe ich das Geld nicht zurückbekommen. Mails, Telefonate, Zahlungsaufforderung, Mahnung – alles vergeblich. Manchmal habe ich den Eindruck, die tollen Kauferlebnisse bei myby werden von den Mitarbeitern selbst gepostet. Ich kann nur sagen: Nie wieder und Finger weg.