»Thomas Knüwer 12. September 2007, 14:31 Uhr

Herzlichen Glückwunsch zu noch mehr Jörg Schönenborn

Das Urteil des Bundesverfassungsgericht in Sachen Rundfunkgebühren bedeutet zwei Dinge: Zum einen ab 2009 noch mehr GEZ-Gebühren, zum anderen noch mehr aufgeplusterte Egos wie das des gestrigen “Tagesthemen”-Kommentators.Die Online-Offensive der öffentlich-rechtlich subventionierten Privatsender ARD und ZDF hat in den vergangenen Wochen mächtig die Medien-Gemüter erhitzt. Ich kann das nur teilweise nachvollziehen. Denn ich bin ein Freund der Marktwirtschaft und deshalb denke ich: Lasst sie nur kommen – möge der Bessere gewinnen. Die GEZ-verfetteten Kolosse aber werden das nicht sein. Solche Bürokratien können kein Internet, niemals.

Aber: Wenn schon, denn schon. Gerne dürfen sie offensivieren, wenn sie den Menschen, die dafür zahlen auch etwas geben. Also wie die BBC alle Inhalte zur Verfügung stellen und abrufbar machen. Das aber wird so sicher nicht passieren. Und ebenso werden die ÖR-Granden sich für eine Lizenzierung von Internet-TV stark machen, das ist absehbar.

Messen mit zweierlei Maß ist eine der beliebtesten Disziplinen in den bröckelnden TV-Burgen der Republik. Wer das nicht glaubt, musste nur gestern hinschauen. Da feierte die ARD in den “Tagesthemen” das Urteil als “richtungsweisend” und ließ anschließend Jörg Schönenborn kommentieren, der sich in einer Welt befindet, die nicht meine ist. Und ich fürchte, ohne völlige Ignoranz gegenüber der Realität, werde ich mich dort auch nicht einfinden können.

“Wer in den letzten Tagen die Berichte gelesen hat über Raubritter und Gebührenabzocke, der hat einen Eindruck davon bekommen, wie es ist, wenn sachfremde Interessen die Debatte bestimmen”, begann Schönenborn und zwischen den Zeilen ist durchzuhören, dass das Folgende nicht von sachfremden Interessen getrieben sein soll.

Natürlich war es das ganze Gegenteil. Wie es um die Gesellschaft bestellt ist, “das zeigen wir jeden Abend hier an dieser Stelle”. Mehr gemeinsames Erleben und mehr gemeinsame Debatten brauche die Gesellschaft, glaubt Schönenborn. Was wäre die Fußball-WM, zum Beispiel gewesen, wäre sie “zerstückelt” im Bezahlfernsehen gelaufen?

Vergegenwärtigen wir uns: Dort redet ein Mitglied des WDR, eines klassischen Parteibuchsenders und behauptet, er sei frei von Interessen. Er spricht bei einem Sendeformat, bei dem Tag für Tag darauf geachtet wird, dass der Parteiproporz eingehalten wird. Ihm fällt als Beispiel für das, was die Gesellschaft braucht, nicht die Debatte um Online-Durchsuchungen ein – sondern die Fußball-WM. Sein Arbeitgeber versteht unter Qualität zur besten Sendezeit erst die Anwaltsserie “Der Dicke”, gefolgt von der Arztserie “In aller Freundschaft”. Und er behauptet, sein Arbeitgeber sei kein Bezahlsender – nur weil die Zahlung nicht freiwillig sondern unter Zwang und mit Drohungen eingeholt werden.

Mein Kollege Hans-Peter Siebenhaar schreibt im heutigen Leitartikel für das Gedruckte:
“Vielleicht feiern ARD und ZDF aber auch zu früh. Denn das Karlsruher Urteil lässt den Bundesländern eine Hintertür offen. Sie dürfen zwar nicht aus medienpolitischen Gründen von der Gebührenempfehlung der Finanzkommission KEF abweichen. Aber wenn sie nachweisen könnten, dass die finanziellen Belastungen für die Gebührenzahler zu groß würden, dürften sie laut Urteil unter den KEF-Vorschlag gehen. Es liegt daher an den Ministerpräsidenten, den Mut und die Fantasie für diese Variante aufzubringen, um den Expansionsdrang von ARD und ZDF einzudämmen.”

Und wenn nicht, können sich die Bundesbürger auf steigende Gebühren einrichten, die investiert werden in noch mehr Florian Silbereisen, noch mehr Fußball und vor allem noch mehr Angestellte vom Stile eines Jörg Schönenborn: Möchtegern-Qualitätsjournalisten mit einer Selbstwahrnehmung wie die 14-Jährige, deren bauchfreies T-Shirt mit der Glitzeraufschrift “Sex-Idol” die Speckfalten über der Hüftjeans nicht verbirgt und die trotzdem in voller Überzeugung verkündet: “Ich seh toll aus.”

(Vielen Dank an Christian Bölling für den Hinweis)

»Thomas Knüwer 12. September 2007, 14:31 Uhr

    31 Kommentare zu “Herzlichen Glückwunsch zu noch mehr Jörg Schönenborn”


  1. Obstmann says:

    Dass die FAZ unter anderem in eigener Sache argumentiert, darf man ruhig sagen: Immerhin ist sie u.a. am privaten Radio-Dudelfunk FFH, pardon, Hit Radio FFH, beteiligt. Trotzdem hat sie recht.

  2. dogfood says:

    @spätburgunder und @DL2MCD: tut mir leid, ihr lauft ins Leere. Weder streite ich Polemik auf Seiten ARD&ZDFs ab, noch behaupte ich, dass *die FAZ* “in eigener Sache” agiert.

  3. DL2MCD says:

    Mr. Hundefutter, ARD & ZDF polemisieren ebenso intensiv. Und es gibt noch ein Unternehmen, das die GEZ ganz mies darstellt, polemisierend, als das Böse überhaupt:

    http://www.tgc-agentur.de/gez/print01.php

    Und weißte das? Die werde dafür tatsächlich bezahlt. Rat mal, von wem.

    PS:

    http://www.prosieben.de/show_comedy/kalkofe/videos/werbung/popup_video/03477/

  4. spätburgunder says:

    @dogfood: Wo geht es der FAZ in der Diskussion “um die eigene Sache”? Im Gegensatz dazu ist es bei den ÖRe-Sendern klar. Und da ist es eine Frechheit, wie Nachrichten verfälscht und Meinung und News vermischt werden.

  5. Frank says:

    Sicherlich sind ARD + ZDF “Bezahlfernsehen” weil dafür bezahlt wird.
    Und natürlich zahlt auch jeder der etwas konsumiert das “Bezahlfernsehen” von RTL & Co.Wie das “Parteibuch” bei den privaten Sendern funktioniert konnte man auch erleben.
    Nur weil es nicht offensichtlich ist wie bei Premiere heißt es nicht das nicht bezahlt wird!

    Und zu Qualität an einzelnen Tagen kann man unterschiedlicher Meinung sein, Ich halte die Qualität von ARD + ZDF immer noch für sehr sehr gut und besser als das was die Privaten abliefern. Und damit meine ich weniger Florian Silbereisen :)

    Speziell im Journalistischen Bereich sind hier doch wohl eher Welten zwischen ARD + ZDF und den Privaten festzustellen.Und wenn man mal vergleicht wie der Anteil Eigenproduktion zu “Abspielfernsehen” ist siehts auch anders aus.

  6. Armin says:

    “Zum einen hat die BBC für ihren hervorragenden Internetauftritt in UK massiven Gegenwind bekommen, weil sie mittels Qualität und Quantität angeblich der privaten Konkurrenz jeden Platz wegnimmt.”

    Na ja, da kann man sich auch drueber streiten.

    Wenn’s an der Qualitaet liegt, wieso kann da die private Wirtschaft nicht mit wenn doch angeblich sonst die Privatisierung immer das Allheilmittel ist und die alles besser koennen? Wird doch auch und gerade im Handelsblatt immer wieder gerne propagiert.

    Und warum schiessen die Privaten teilweise solch massiven Kloetze wie der Independent vor nicht allzu langer Zeit als die einfach ihr Redaktionssystem umgestellt haben und dabei saemtliche “Permalinks” verschwanden? Die waren noch nicht einmal in der Lage einen Redirect einzurichten und haben das bis heute nicht gebacken bekommen. Da verlinkt man dann natuerlich nur noch sehr ungern hin und auf die Auffindbarkeit bei Google duerfte das auch nicht sehr positiv gewirkt haben.

    Mal davon abgesehen dass der Grauniad online eigentlich recht erfolgreich ist und in seinen Blogs und anderen Aktivitaeten so einiges an Community aufgebaut hat wovon die BBC nur traeumen kann.

  7. Obstmann says:

    In Abwandlung eines in Medienkreisen sattsam bekannten Bonmots: Rundfunkfreiheit ist die Freiheit der ÖR, sich selbst nach Gutdünken breitzumachen und das nötige Geld zwangsweise im Stil des mittelalterlichen Zehnten nachträglich einzutreiben. Wer das nicht mitmachen will, wird kriminalisiert. Mit dem Aufwand, der für die Bürokratien und redundanten Angebote von ARD und ZDF betrieben wird, könnte man auch prima Technik und Vertrieb für Decoder aufbauen. Wer Boxen oder Silbereisen oder die Sendung mit der Maus gucken will, der kauft sich seine Pakete zusammen. Das wäre mal freiheitlich-demokratisch. Denn, da hat der Herr Knüwer recht, Bezahlfernsehen haben wir ja heute schon.

  8. Alex says:

    Apropos BBC, dieser Vergleich hat m.E. zwei Schwächen:
    Zum einen hat die BBC für ihren hervorragenden Internetauftritt in UK massiven Gegenwind bekommen, weil sie mittels Qualität und Quantität angeblich der privaten Konkurrenz jeden Platz wegnimmt. (Die armen ;-) ) Daher wurde kritisch nachgefragt ob sie nicht zu fett im Internet auftreten.
    Zum zweiten ist die BBC gerade in einer der größten Krise ihrer Existenz, was die Seriösität ihrer Sendungen angeht. Auch dieser Stern glänzte schon heller.

  9. Alex says:

    Fernsehen habe und vermisse ich nicht. Aber wenn es Deutschlandradio Kultur nicht mehr geben würde wäre das ein herber Verlust für die Radiokultur.
    Insofern freue ich mich für den kleinsten aller Kläger.
    Auch wenn ich grundsätzlich mit dem GEZ-System große Probleme habe und eine Umstellung auf eine Radiosteuer bevorzugen würde. Dann gäbe es die elenden Drückerkolonnen nicht mehr, die einen sehr großen Teil der Gebühren fressen dürften.

  10. dogfood says:

    Die FAZ verstand es ja auch prächtig gegenzuhalten in dem sie in den Tagen vor der Gerichtsentscheidung eine Artikelserie veröffentlichte “Die Methoden der GEZ”. Eine Sammlung von aufgeblasenen Einzelfällen und damit per Echo Chamber-Methode für andere GEZ-Kritiker zitierfähig gemacht. Folgerichtig bescheinigt die Serie am Ende: “Akzeptanz der GEZ schwindet”

    Kampagnenjournalismus.

    Ist es da wirklich verwunderlich wenn ARD & ZDF gegenhalten und ihre Sicht darstellen? Gibt es das? Journalisten die piano spielen, wenn es um die eigene Sache geht?

  11. Ich weise auch noch gern auf ein kleines Stückchen in der heutigen “FAZ” (leider nicht online) hin. Auszug:
    “Man kann die Chuzpe nur bewundern, mit der Mariette Slomka im ZDF und Caren Miosga für die ARD die Entscheidung des Verfassungsgerichtes zu den Rundfunkgebühren ansagten. “Nichts Geringeres” als die “Rundfunkfreiheit” sei verteidigt worden, sagte Miosga. Im Kommentar geißelte WDR-Chefredakteur Schönenborn Zeitungsartikel zu dem Thema, an denen abzulesen sei, was geschehe, wenn “sachfremde Interessen” die Debatte bestimmten. Was für ein Aufmarsch von Jubelpersern zur kollektiven Selbstbeweihräucherung. Damit haben uns ARD und ZDF am Dienstag wirklich “grundversorgt”.”

  12. @Jörg: Man muss den WDR da von der Sendung trennen, dann erklärt es sich. Die Kommentare in den “Tagesthemen” werden schön nach politischer Grundhaltung ausgeschossen. Deshalb sprechen dort nicht die kompetentesten Kandidaten, sondern die, die mal wieder dran sind. So erklärt sich auch das handwerklich erschreckend niedrige Niveau.

  13. joerg says:

    Hallo Thomas,

    ÖR-Bashing ist ja derzeit total en vogue; damit kann man “nichts falschmachen”. Applaus ist einem sicher. Allerdings ist meiner Beobachtung nach auch so mancher Kommentar in Zeitungen, Zeitschriften und Onlinemedien zu diesem Thema leider äußerst selbstgerecht und vor allem wirklichkeitsfremd. Da wird viel mit Klischees gespielt. Du wirfst Kollege Jörg Schönenborn in einem Satz vor, in einem Parteibuch-Sender zu arbeiten, durchschaubaren Zwängen unterworfen zu sein und in einer Sendung den Kommentar zu sprechen, der penibel auf Parteiproporz achtet. Was denn nun? ;-)

    Ich halte Deine Analyse für ziemlich verfehlt. Kritik lässt sich zweifellos an vielen Punkten anbringen, sie darf aber auch gerne konstruktiv sein. ;-)

  14. Alphager says:

    @Edgar:
    Eine Suchmaschine mit redaktionellem content zu vergleichen ist wie ein Vergleich zwischen Cordon bleue auf der einen Seite und der Kategorie “Fleisch” auf der anderen Seite.

    @Xpress:
    Vollste Zustimmung. Die Ausdehnung der GEZ ist ein echter Skandal.

    In meinen Augen wäre eine Auftrennung der ÖR in Information, Sport, Kunst und Unterhaltung sinnvoll. Informationssparte steuerfinanziert, Kunst subventioniert und Sport&Unterhaltung GEZ-mäßig (grundverschlüsselt, damit Leute, die weder Kunst noch Unterhaltung wollen keine GEZ zahlen müssen).

    Das Ganze gekoppelt an die Forderung, sämtlichen content in allen bedienten Medienformen verfügbar zu machen, und wir können drüber reden.

  15. Edgar says:

    @Alphager
    Google ist wesentlich besser als Tagesschau.de. Bis diese Tagesschau.de geladen ist, hat man bei Google schon die relevanten Artikel gefunden.
    Wenn man zum Beispiel bei Tagesschau.de nach GEZ sucht, kommt an aktuellem nur ein Artikel zum Verfassungsgerichtsurteil. Die Überschrift ist falsch, denn die Rundfunkanstalten haben nur teilweise gewonnen. Deshalb müssen sie auch ein Drittel der Verfahrenskosten tragen.
    Bei Google findet sich zum Beispiel auch ein Urteil gegen einen GEZ Gebührenbeauftragten wegen Nötigung.
    Ich sehe nichts besonders auf Tagesschau.de

  16. Xpress says:

    Kurze Antwort auf Alphager*

    Mag sein, dass die Tagesschau-Seite im Web gut gemacht ist. Skandalös ist aber die Tatsache, dass für solche Seiten die Rundfunk-Gebührenpflicht auf Computer mit Internetzugang ausgedehnt wurde.

    * Zitat: “Wer eine genauso benutzerfreundliche und aktuelle Seite wie tagesschau.de findet überzeugt mich davon, dass die ÖRs im internet nicht gebraucht werden.”

  17. Claus the mouse says:

    @ dogfood, das von Ihnen von mir Zitierte bezog sich auf Wissenschaftssendungen. Es bleibt in dieser Beziehung bei meiner Aussage und eine Reform in den Punkten wie von Ihnen beschrieben wird nichts ändern. Kennen Sie das Urteil des Bundessozialgerichtshofes, nachdem
    die Forderungen auf Bezahlung der Auslagen eines durch “alternative” Methoden Geheilten, der nachweislich unheilbar krank war, abgewiesen wurden, weil die Methoden nicht “wissenschaftlich” waren und sind? Die Sender sind übrigens in dieser genau aufgeteilten und beäugten Republik nicht besser als die Verlage, die zum Teil nur Kastriertes aus dem englischen Sprachraum drucken. Wegen der wissenschaftlichen Wahrheit. Über diese wacht der deutsche Richter. Und daher wird Wissenschaft nicht über den Kühnemann- oder Bublath-Anspruch bei den ÖRs hinaus gehen. In alle gesicherte Zukunft. Bei den anderen genauso.
    Und gehen wir nochmals zurück zur Politik. Wie wäre es, wenn sich die Sender einmal die Staatsanwaltschaften vornehmen würden. Stuttgart zum Beispiel. Danach müsste es politische Forderungen geben, diese Behörden von dem “Arbeitgeber” zu trennen. Denn der Arbeitgeber, den die abschmieren, ist der Steuerzahler und das sind wir. Das sind die Dinge, die dem Bürger auf den Nägeln brennen und wo er sich wiederfinden würde. Seine täglichen Sorgen und aufgestaute Ohnmachtswut, mit der er allein gelassen ist.
    Und dann die täglichen Verletzungen der Bürgerrechte in den Verwaltungen. Finanzverwaltungen zum Beispiel. Oder medizinische Gutachtertätigkeit. Die Menschen wären auf den Beinen, weil sie plötzlich wirklich IHRE ÖR hätten, nämlich als Korrektiv zur täglichen “Politik” auf allen Ebenen, mit der er es zu tun hat bei seinem Staat, der ihm durch Politik und Beamte abhanden gekommen ist, und der mit dem Bürger nur noch Hugoles veranstaltet, weil inzwischen jeder in der Verwaltung, Rechtspflege usw. weiss, wie man es macht. Aber besser Smalltalksendungen und politische Statements, die alles nach nirgendwo kanalisieren. Es bleibt bei der Abmeldung der Kiste. Radio übrigens auch. Nur das Problem, was ich jetzt habe ist, dass ich für etwas bezahlen soll, was ich aus meinem Leben bewusst als irreführend ausgeschlossen habe. Und dazu berechtigt mich eigentlich Art. 5 GG. Nur, indem sich nun die ÖRs im Netz unaufgefordert breit machen, leiten diese daraus eine Gebührenpflicht für den PC ab. Ganz gleich welcher Anschluss und ganz gleich welche Ausstattung. Peng! Gegen alle Gesetze, die sie selbst gemacht haben. Zum Beispiel ist die Qualität und Übertragungsgeschwindigkeit bei einem analogen Anschluss eigentlich eine Ausschlussregel für eine PC Gebühr. Oder wäre es.Oder sollte es sein. Mitnichten. Die gesetzlichen Grundlagen, über die IP – Nummer den letzten GEZ-Hinterzieher herauszubekommen wurden selbstverständlich wieder einmal nicht vergessen bei dieser “neuartigen” Gebühr. Das ist ungefähr so, wie wenn ich eine Rechnung an die GEZ oder ÖRs schickte, weil ich eine eigene Site mit Informationen unterhalte, die diese nutzen können. Wenn jetzt niemandem wenigstens bei der PC Gebühr etwas kommt, dann, ja dann ist es eigentlich an der Zeit, diese Republik einfach zu verlassen. Die ÖRs und die Sabine Christiansen – oder – wie – auch – immer – Smalltaker der ÖRs können dann diese Republik dahin tragen, wohin es eh nur noch ein Schritt hin ist: liberal smalltalkend und feundlich lächelnd in den Abgrund. Klingt dramatisch ist aber eine klare Sache: Gesundheitskosten, nur die Zahl der Diabetiker mit Diabetes II schon im Kindesalter oder die Ernährungsbedingten Schäden von 60 Milliarden und ein unbezahlbares Gesundheitssystem, das sich mit leeren Weisheiten so ausbreitet wie die ÖRs auf der einen Seite. Beamte und Bematenpensionen, die demnächst den Bundeshaushalt sprengen auf der anderen. Aber am Ende hängt vielleicht auch beides zusammen, weil alles so gut verwaltet wird, nicht wahr?

  18. Armin says:

    Da das ja immer wieder gerne vergessen wird: Die BBC ist auch heftigst gebuehrenfinanziert und wird andauernd dafuer kritisiert. Die BBC wird auch immer wieder dafuer kritisiert dass sie bestimmte Angebote anbietet/ nicht anbietet und man so etwas nicht mit seinen Gebuehren bezahlen wolle/ doch wohl fuer seine Gebuehren erwarten koenne. Die BBC wird von verschiedenen Leuten (Biased BBC anyone?) auch immer wieder als parteiisch und/oder parteiunterwandert dargestellt. Die BBC hat auch massenhaft lokale Sender, zumindest was Radio angeht, da hat fast jedes county einen eigenen Sender.

    Und trotzdem moechte ich sie nicht missen, vor allem wenn ich mir ab und zu mal den Mist antue den die kommerzielle Konkurrenz so verzapft. GWR, Virgin und Konsorten spielen naemlich wirklich nur das beste der 90er und aehnlichen Schrott. Wenn das die Zukunft ist, nein danke…

  19. Rainersacht says:

    Wie wär’s mit: Der WDR ist ein typischer Sozen-Sender? Ansonsten bin ich bei Herrn Hundefutter, dass die ÖRs ne Menge Potenzial zur Optimierung haben, die Privatfernsehversender aber ERHEBLICH mehr.

  20. Nein. Ein Parteibuchsender ist für mich einer, bei dem es beim Aufstieg hilft ein solches zu haben. Denn wenn ein Parteibuch Pflicht wäre, blieben wohl viele Stellen unbesetzt angesichts der Mitgliederzahlenentwicklung deutscher Parteien.

  21. Ein klassischer Parteibuchsender ist also einer, bei dem man kein Parteibuch haben muss, um eine Redakteursstelle zu bekommen?

  22. @Stefan: Der WDR ist noch immer sehr, sehr SPD-nah. Natürlich musst Du nicht Mitglied der Partei sein, um eine Redakteursstelle zu bekommen. Aber trotzdem geht ohne eine hohe Nähe zur SPD in der Chefetage nix.

  23. Alphager says:

    Wer eine genauso benutzerfreundliche und aktuelle Seite wie tagesschau.de findet überzeugt mich davon, dass die ÖRs im internet nicht gebraucht werden.

  24. hape says:

    Ich hab zum Glück kein TV und fand daher die überlieferten Reaktionen der Öffentlich-Rechtlichen tagsüber recht gemäßigt. Tatsächlich ist gestern auch nicht viel passiert, was zum großen Jubel Anlass gäbe. Das Bundesverfassungsgericht hat über Formalien in der Gebührenfestsetzung entschieden, nicht über den Rundfunk selbst. Und hier haben die Herren Landesfürsten verdientermaßen einen auf den A… bekommen. Wer derart inkompetent in der Gebührenfrage rumpfuscht, hat’s nicht besser verdient. Damit ist jedoch nichts über die künftige Rolle der Öff.-R. im Internet gesagt. Hier könnte die Politik die Weichen stellen, aber zu befürchten ist, dass die Inkompetenz auch hier voll durchschlägt.

  25. Ich bin nach dem Satz “Der WDR ist ein klassischer Parteibuchsender” aus diesem Artikel ausgestiegen.

    Der WDR ist ein klassischer Parteibuchsender? Was soll das denn heißen? Oder “klassisch” im Sinne von: “früher einmal”? In welcher Partei ist zum Beispiel Jörg Schönenborn?

  26. dogfood says:

    @Claus the mouse: “Und genau in diesem Punkt kann man bei der BBC davon ausgehen, dass dort nicht durch Verschweigen, Umdeuten oder einer Darstellung, wo sich jeder das Richtige heraussuchen kann, die Wahrheit zur individuell deutbaren Möglichkeit verkommt.”

    Wieviel haben Sie von den BBC-Skandalen der letzten Jahre mitbekommen? Hutton-Inquiry? Queen Row? Phone-In-Skandal? Haben Sie zufällig in den letzten Tagen die Madeleine McCann-Berichterstattung auf BBC Five Live oder BBC News 24 gehört/gesehen?

    Die BBC macht vieles richtig. Aber inzwischen leider auch immer mehr falsch. Absolution ist nicht angebracht.

  27. dogfood says:

    Epilog:
    Für Freunde politisch angehauchter Talkshows: heute abend 20h15 laufen im WDR, BR und SWR Talkshows
    Auf zwei weiteren Kanälen laufen Features/Dokus zur RAF-Thematik.
    Speziell bei Maischberger muss ich blank ziehen, aber die Ausbeute (5 von 19 Kanälen) ist nicht schlecht vorallem im Vergleich zu den Privaten.

    Re: Digitale Sender
    Ja, Dekoder, aber für die Problematik Kabelnetze bzw. der Freischaltung kann man kaum die ÖRs verantwortlich machen.

    Re: BBC
    Ja, Pläne. Aber es steht völlig in den Sternen wie und wann diese Pläne 1:1 umgesetzt werden, denn bei der Problematik mit den Rechten ist die BBC nur einer von vielen Vertragspartnern.

    Ich glaube das wir mit unseren Vorstellungen vom “idealen ÖR” nicht so weit auseinander sind. Die ÖRs sind reformbedürftig.

    Ich halte aber den Zustand des hiesigen Privatfernsehens für noch schlechter. Deswegen halte ich starke ÖRs für den einzigen Weg um gehirnzersetzendes Fernsehen etwas entgegenzustellen.

    Das eigentliche Probleme sehe ich aber nicht in den ÖRs, sondern in der Politik, die es seit Jahren versäumt haben, funktionsfähige Kontrollstrukturen für deutsche Medien aufzubauen: eine funktionsfähige und unabhängige Aufsicht für die Fernsehkanäle und ein nicht minder unabhängiges Aufsichtsgremium für die Öffentlich-Rechtlichen.

    Erst wenn solche Strukturen geschaffen wurden, sehe ich die Chance bei den ÖRs stringente Konzepte einzufordern. Alles andere wird nur das Rumschnippeln an Exzessen sein, aber nicht zu einer Reform führen. Eine Reform die auch den Förderalismus der ARD hinterfragen muss (braucht es fünf verschiedene Infowellen im ARD-Hörfunk? Muss jede ARD-Anstalt ihren eigenen Black-Music-Stream für das Internet produzieren?)

  28. Claus the mouse says:

    Die Antwort auf die Frage 1 von meinem Vorredner dogfood ist ganz einfach: bei allen Inhalten fehlt es am Inhalt. Daher ist der Fernseher als Zeitverschwender bei mir rausgeflogen. Und was da noch so rumkurvt ist nicht besser.

    Beim Beispiel BBC räume ich dogfood einen gewissen Punkt ein. Denn es hapert dort wie hier an den Inhalten der Inhalte. Allerdings ohne Berücksichtigung so vieler Empfindlichkeiten, wie das in D bei den ÖR der Fall ist. In der Politik allemal aber dann im besonderem im Wissenschaftsbereich. Und da Medizin, Ernährung, Lebensmittelindustrie und Umwelt. Und genau in diesem Punkt kann man bei der BBC davon ausgehen, dass dort nicht durch Verschweigen, Umdeuten oder einer Darstellung, wo sich jeder das Richtige heraussuchen kann, die Wahrheit zur individuell deutbaren Möglichkeit verkommt.

  29. Lukas says:

    Nach der gestrigen Mischung aus Nabelschau, Selbstüberschätzung und Triumphgeheul bei ARD und ZDF will ich jedenfalls nie wieder hören, die Blogosphäre sei selbstbezogen.

  30. Digitale Sender? Dafür braucht man einen Dekoder. Ist das nicht Bezahlfernsehen? Wie wäre es zum Beispiel, “Menschen bei Maischberger” um 20.15 zu zeigen? Nein, ich bin kein Freund von Talkshows. Doch gestern war dort zu sehen, wie der Bruder eines Opfers von 9/11 den babbelnden Cohn-Bendit und einen immer müder aussehenden Schäuble an die Wand diskutierte.

    In Sachen BBC: Stimmt, ich habe Pläne mit Gegenwart gleichgesetzt.

  31. dogfood says:

    Gegenfrage: was für Inhalte fehlen Thomas Knüwer die er zu einem beliebigen Zeitpunkt (sagen wir: heute 20h15) nicht in einem der knapp 20 digitalen TV-Sender von ARD/ZDF oder in einen der über 60 Rundfunkstationen, in den Streams oder in den Videobibliotheken von ARD/ZDF findet?

    (PS: Originalitätspunkte gibt es wenn irgendein Kommentar zur Gebührenfrage ohne die inzwischen sattsam wiedergekäuten Argumente “Volksmusik” und “Fußball” auskommt)

    (PS2: Wer den Spruch von “zweieleri Maß” bringt, sollte nicht behaupten die BBC würde “alle Inhalte zur Verfügung stellen und abrufbar machen”. Das ist so verkürzt, dass es an Lüge grenzt)