»Thomas Knüwer 03. September 2007, 14:31 Uhr

Google vs. Verlage: Lasst die Spiele beginnen

Rache ist eine Speise, die am besten kalt serviert wird, heißt es. Google hat denn gleich mal zur Schockfrostung gegenüber Zeitungsverlegern gegriffen.Die jüngsten Äußerungen von Christian DuMont Schütte und des Verbandes Schweizer Presse in Sachen Google sind mit dem Etikett “deppert” ja noch gelobt. Die Suchmaschine bereichere sich an den Zeitungen, hatten sie behauptet. Nachvollziehbar ist das nicht: Denn auf Google News gibt es erstens keine Werbung und zweitens werden die Leser rübergeschickt zu den Urhebern der Nachrichten – den Internet-Auftritten der klassischen Medien.

Die Nähe zu einer Meldung vom vergangenen Freitag, die in Deutschen Medien aber kaum Anklang fand, ist wohl eher zufällig. Doch ist es zu verlockend, sich vorzustellen, wie die verantwortlichen Manager sich grinsend zurücklehnten, als sie vom kindischen Getobe der europäischen Print-Dinosaurier hörten. Wohl wissend, dass ein Schlag gegen die Meckerer bevorsteht.

Google also bezieht jetzt Nachrichten von vier großen Agenturen gegen Geld, so wie andere Medien auch. Und deshalb darf auf den Seiten, auf denen die Meldungen
dann auch Werbung stehen. Bisher verzichtet Google auf Anzeigen beim News-Dienst aus Angst, die Medienunternehmen könnten klagen, entstünden dann doch Einnahmen aus winzigen Teilen ihrer Inhalte.

An sich wäre dies allein aber noch nicht dramatisch. Spannend ist aber der Hinweis Google, weiter an der Vermeidung von Dubletten arbeiten zu wollen. Die sind natürlich in der Tat aus Nutzersicht das größte Ärgernis. Wer am heutigen Tag die Nachrichten über den Abzug britischer Truppen aus Basra durchsucht, findet zwar fast 300 Artikel – doch fast ausschließlich sind es wenig oder gar nicht veränderte Artikel aus Nachrichtenagenturen. Würde Google die Doppler ausfiltern, wäre es logisch, dass am Ende die zeitlich erste der Meldungen überbleibt – die der Nachrichtenagentur.

Bis zu drei Prozent der Klicks großer Nachrichtenangebote kommen nach meiner Recherche von Google News. Bei den Seiten kleinerer Zeitungen, tippen Branchenkenner, könnten es sogar noch mehr sein. Drei Prozent – das ist im umkämpften Online-Werbemarkt handfestes Geld.

Gleichzeitig würde Google News aber ein nutzerfreudlicheres Angebot sein als bisher – wieder ein paar Leser weniger. Und: Wenn die Web-Auftritte der klassischen Medien seltener auftauchen als bisher, werden sie auch Blogs und anderen Seiten seltener auffallen als bisher. Folge: Weniger Verlinkungen, schlechtere Platzierung bei Google – weniger Leser.

Natürlich werden die Besucherzahlen bei den Seiten der klassischen Medien nicht auf Null fallen. Doch sie werden bröckeln. Und weniger Einnahmen bedeuten im Umfeld dieser Unternehmen meist Kostenkürzungen. Und somit noch mehr Agentureinhalte und weniger selbst geschaffene – was die Position bei Google News nochmals verschlechtert.

Und noch eine Dimension sollte den Verlagen zu denken geben. Zum ersten Mal nimmt Google richtig Geld in die Hand um redaktionelle Inhalte zu kaufen. Mit der in tantrischen Wiederholungen verbreiteten Behauptung, man wolle keinesfalls Konkurrent von Zeitungen, Fernsehen oder Radio sein, ist das nur schwer vereinbar.

»Thomas Knüwer 03. September 2007, 14:31 Uhr

    7 Kommentare zu “Google vs. Verlage: Lasst die Spiele beginnen”


  1. Der Nachrichtenfluss ist das A und O. Für Zeitungen kann die Zusammenarbeit interessant sein. Allerding werden Inhalte gleichsam von Google “abgesaugt”.Für kleinere Verlage ist der Aufwand für Artikel im Internet Netz groß, Google kann hier eine Hilefe sein. Interessant ist erst einmal, was Google tatsächlich auf seinen Seiten präsentieren will. Von aktuellen Nachrichten über Gedichte, politische Informationen, politische Gedichte mit umfangreichen Feuilleton- und Kulturberichten. Gibt es auch Berichte über das Kulturleben in der deutschen Malerei, Neues über Gemälde, Skulpturen und Gedichte. Was letztendlich auf Google passieren wird, bleibt tatsächlich abzuwarten. Große überregionale Zeitungen jedoch stellen jetzt bereits eine großen Teil ihrer Artikel gratis ins Netz. Da wäre Google überflüssig und würde zu einer Informationskonzentration führen, die sicher den Zeitungen und der Meinungsvielfalt nicht dienlich wäre.

  2. Erik says:

    Wie schön Thomas, dass noch so viel los ist.
    Ist gar nicht polemisch gemeint!

  3. @Ben Utzer: Das ist natürlich ein sehr langes Thema. Und heute leider viel Stress. Deshalb nur kurz: In die Qualität der Zeitungen muss investiert werden. Sie dürfen sich nicht mehr als Zeitungen verstehen, sondern als Informationsvermittler auf den Kanälen, die er Kunde wünscht. Dazu kann auch weiter das gedruckte Papier gehören. Nur müssen die Stärken des Mediums besser genutzt werden. Eine Grafik oder ein Foto auf der Größe einer Zeitungsseite kann so im Netz nicht erreicht werden. Auch das Spielen mit Informationsebenen ist im Gedruckten einfacher. Dafür aber muss eine genaue Einordnung und Positionierung des Nachrichtenflusses vorgenommen werden – das ist viel Organisationsarbeit. Und schließlich: Deutsche Zeitungen müssen appetitlicher werden. Gegenüber dem “Guardian”, von dem ja alle deutschen Art Directoren klauen, sind wir 10 bis 20 Jahre zurück.

    Zu diesem Thema werden Sie hier aber immer wieder Artikel finden. Sorry, für die kurze Antwort, aber heute ist wirklich ne Menge los…

  4. Matthias says:

    Der Telefonist, der mich zu einem erneuten Abo bewegen wollte, hat nicht verstanden, dass man im Internet die wichtigsten Infos sehr viel aktueller hat. Ja ob ich denn nicht lieber gemütlich beim Frühstück die Zeitung lesen wolle. Nein, habe ich geantwortet, ich unterhalte mich da lieber mit meiner Frau. Ohne eine riesige Papierwand zwischen uns und mit ungeteilter Aufmerksamkeit.

    Was die alternativen Zustellwege betrifft, so wäre ich an sowas durchaus interessiert, besonders da der Lokalteil im Internet etwas kurz kommt, aber den brauche ich nicht primär für meine Arbeit.

    Was Google angeht: Ich habe den News-Service in meinem Browser als Startseite eingestellt und bin sehr zufrieden damit. Wer mein Blog liest, wird feststellen, dass ich die dort verlinkten Artikel gerne für meine eigenen Texte als Diskussionsgrundlage nehme. Daher verstehe ich die Aufregung der Medien nicht. Ich finde es gut, dass es werbefrei ist. Selbst wenn Google sich über ein bisschen Werbung den Dienst finanzieren lassen würde: Der Hauptteil der Werbung läge immer noch auf den Seiten der Zeitungen, zwischen deren Anzeigen ich nach dem eigentlichen Artikel manchmal ziemlich angestrengt suchen muss.

    Den Zeitungen sollte doch eigentlich bewusst sein, dass es spätestens seit der Erfindung der Wochenschau im Kino und des Fernsehens doch mehr als eine Möglichkeit der Informationsverbreitung gibt, oder? Evolution bedeutet immer das Überleben des am besten an die herrschenden Umweltbedingungen angepasstesten. Das gilt auch für Zeitungen.

  5. Ben Utzer says:

    Herr Knüwer,
    was ist denn Ihre Meinung über Printmedien in der althergebrachten Art? Sprich in der Art das sie schon “veraltet” sind wenn sie beim Kunden ankommen.

    Müssen Printmedien sich nicht langsam aber sicher andere Zustellwege überlegen? Beispielsweise eine E-Reader, welcher ein ausreichend großes Display hat und auf welchem wann immer ein Netzzugang besteht die neuste Version der Zeitung gespeichert wird?

    Wäre dieser Weg nicht auch günstiger für die Anbieter von Printmedien, man könnte Kundenprofile dazu nutzen gezielte Werbung einzublenden.

    Ausdrucken sollte selbstverständlich auch möglich sein, für die Zeitgenossen die Kaffee über die Zeitung schütten wollen.

    Freue mich auf Ihre Antworten zu dem Thema.

  6. Chat Atkins says:

    Nichts ist so von gestern, wie die Zeitung von heute.

  7. Robert says:

    ich lese “zeitung” ausschließlich über google-news und freue mich über dieses verbesserte angebot :-)
    das bedruckte altpapier am kiosk könnte meinetwegen sofort in der papiertonne verschwinden!
    die bei uns ansässige lokalzeitung rief 3 mal bei mir an, ob ich ein testabo wolle, jedesmal habe ich abgelehnt, mit der begründung, ich bekäme meine nachrichten 5-minütlich aktualisiert ohne papier…mittlerweile keine anrufe mehr :-)