Es gibt PR-Agenturen und Kommunikationsberatungen, mit denen kann ich als Journalist zusammenarbeiten. Weil sie einen nur bedingt hinters Licht führen wollen und weil sich einen gewissen Berufsethos pflegen. Und es gibt Läden wie die Berliner Flaskamp AG.Es gibt für mich PR-Agenturen die den moralischen Bodensatz ihrer Branche bilden. In solchem Rufe stehen Buden, die sich so gerieren wie jene Flaskamp AGaus Berlin. Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben, kurz der Grund meines Zorns. Flaskamp ist eine, mir bisher unbekannte Agentur, die sowohl PR als auch Werbung macht.
Sowohl im Bereich Werbung als auch im Bereich PR ist das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie Kunde bei Flaskamp, die Agentur bezeichnet sich bei der Öffentlichkeitsarbeit sogar als Lead-Agentur.
Solche eine Vermischung ist niemals gut, sie führt automatisch dazu, PR und Werbung für den Kunden verbinden zu wollen. Und so ist es geschehen im Familienunternehmen Flaskamp. Der “Kölner Stadtanzeiger” machte die Schande öffentlich: Flaskamp bot Lokalzeitungen Pakete an, die im Gegenzug für eine Anzeigenschaltung redaktionelle Gegenleistungen verlangte:
“Dazu gehören „1. Vorberichterstattung und Nachberichterstattung zur Veranstaltung, Moderation durch den Chefredakteur; 2. Redaktionsbesuch des BMWi, Berichterstattung über den Besuch; 3. Telefonaktion, . . . Berichterstattung über die Aktion“. Hinzu kommt eine „Diskussionsveranstaltung“, der sich ein „Get-together“ anschließt: „Die Chefredaktion bzw. die Ressortleitung Wirtschaft der jeweils vor Ort ansässigen Zeitung soll gemeinsam mit dem IHK-Vorstand (Industrie- und Handelskammer) moderieren. Mitdiskutieren vom Wirtschaftsministerium werden Staatssekretäre.“
Um einen möglichst hohen Werbeerfolg für das Ministerium zu sichern, macht die Agentur zur Bedingung, dass „die Berichterstattung in der Gesamtausgabe erfolgen soll“. Abschließend heißt es: „Anhand des beigefügten Beispiels (siehe „Dialogtour des BMWi“) können Sie die möglichen Gegenfinanzierungen erkennen (Anzeigen).“”
Und die Flaskämper sind in ihrer autoerotischen Berauschung angesichts den gewichtigen Kunden auch frei von der Vorstellung, eine Zeitung könne sich demokratischen und verlegerischen Prinzipien – zwei Dinge, die für Tanja-Anja Flaskamp unverstellbar sind – verpflichtet fühlen:
“Als der „Kölner Stadt-Anzeiger“ das Angebot ablehnt, fordert die Agentur eine schriftliche Stellungnahme zur Ablehnung einer Kooperation mit dem Bundesministerium für Wirtschaft an.”
Nun brennt die Bude, sowohl die PR-Butze also auch das Ministerium, dessen Schirmherr Michael “Gott sei Dank, habe ich Leute, die für mich das Internet bedienen” Glos ist. Als ob der sich nicht schon genug Peinlichkeiten leisten würde in diesen Tagen.
Tappsig wie Glos, dem ich sogar glaube, dass er von der Sache nichts gewusst hat, versucht nun der Dienstleister die Wogen zu glätten:
“Der Mitinhaber der Agentur, Jan Flaskamp, gab Fehler zu, betonte aber, es sei nicht um eine Beeinflussung der Zeitungen gegangen. “Ein Mitarbeiter hat Vorgänge miteinander verbunden, die nicht verbunden werden sollten”, sagte er mit Blick auf den Zusammenhang zwischen Berichterstattung und Anzeigen. “Es war aber nie unsere Absicht, die redaktionelle Berichterstattung durch die Anzeigen zu beeinflussen.”"
Ein Mitarbeiter also, hat da so Dinge vermischt, ach, Mensch kann schon mal passieren, es ist so schwer, heute gute Angestellte zu finden. Oder gute Chefs. Denn wenn in einer solch überschaubaren Agentur das Vorgehen bei einer grundlegenden Kampagne nicht abgesprochen wird, zeugt das nicht von Führungsqualitäten. Wenn noch dazu den Mitarbeitern nicht klar gemacht wird, nach welchen Standesregeln und welchem Berufsethos gearbeitet wird, ist dies noch trauriger.
Doch seien wir ehrlich: Mutmaßlich war dies kein Ausrutscher. Dazu ist der Schriftverkehr, den der “Stadtanzeiger” öffentlich gemacht hat, zu genau. Es geht hier darum, Zeitungen mit Anzeigen zu locken um dem Bundesbeieinflussungsministerium redaktionell Platz zu verschaffen. Und solch ein Vorgehen wird in der Regel mit dem Kunden abgesprochen.
Ich zweifele auch, ob Flaskamp in seiner Rechtfertigung die Wahrheit sagt. Niemals, behauptet er, sollte die redaktionelle Berichterstattung beeinflusst werden. Dann ist er entweder dumm oder er lügt. Denn natürlich ist allein schon die Pflicht, über ein Ereignis zu berichten, eine Beeinflussung. Und dann soll dieses Paket weniger als 30.000 Euro gekostet haben? Das wäre unverschämtes Dumping.
Was bleibt, ist zum einen ein Manifest des aktuellen Zustands der Mediengesellschaft in Deutschland: Man versucht die wirtschaftlichen Nöte der Zeitungen zu nutzen um die Bürger für dumm zu verkaufen.
Zum anderen schreibt der “Stadtanzeiger, es seien bereits 140.000 Euro in die Kampagne investiert worden. Und da frage ich mich: Wo? Welche Zeitung hat das dreckige Spiel schon mitgemacht? Das habe ich per E-Mail mal bei Flaskamp gefragt. Schauen, wir mal, ob eine Antwort kommt…
Nachtrag vom 13.8.: Wie das Wortfeld in den Kommentaren schon erwähnt, hat es einen interessanten Fall aufgetan – die “Märkische Allgemeine”.










32 Kommentare zu “Michael Glos hat, Gott sei Dank, Flaskamp-Leute, die für ihn die Zeitungen bedienen”
Noch eine schmunzelnde Anmerkung:
Vor 40 Jahren, habe ich bei meinem Start in die klassische Werbung – nach drei Jahren als Texter in der Psychologischen Kampfführung der Bundeswehr mit einem Gast-Dozenten namens Henry Nannen (!)- an der Werbeakademie Hamburg eine Abschlußarbeit mit folgendem schönen Titel geschrieben:
“Publizistische und Kontaktmittel für die Pflege der Beziehungen zu wichtigen Gruppen der Öffentlichkeit”.
Da stand dann drin, wie man’s richtig macht (und was absolut tabu ist!) – mit Begeistung gelernt beim Hamburger PR- und Unternehmensberater Dr. Friedrich Korte, “PR-Urgestein” und langjähriger Dozent an der Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft in Bad Harzburg, sowie der Werbeakademie Hamburg.
MfG
TRPM
PS
Dr. Kortes gesammelte Werte sind inzwischen der PR-Archiv-Grundstock an der Uni Leipzig. Ist eigentlich nicht weit weg von Berlin.
korrektur
Peinlich, peinlich für die Tölpel – aber wo ist eigentlich der Skandal?
Ich bin kein Journalist, sondern (niemals bei Flaskamp) Texter. Und mein Job war es einige Dekaden lang, so gut zu schreiben, dass Produkte, Dienstleistungen oder Ideen interessanter, akzeptierter und/oder gewünschter wurden. Ob es dabei um “Keiner wäscht reiner”, “mach’s mit”, “Berlin tut gut” oder – etwas hochtrabender – “Integration von Minoritäten” ging war von der Technik her egal.
Deshalb sind Bezeichnungen wie PR-Agentur, PR-Journalist, Beziehungspflege, interne Motivation usw. usw. immer bigott. Und Auftraggeber wissen das – wozu sonst sollten sie uns Lobschreiber fürstlich bezahlen?
Und übrigens: Das mit den Flaskamps (der dortigen Elterngeneration wäre das nicht so heftig passiert) und dem Glos ist doch überhaupt nichts Neues! Guckt Euch mal die Imagepflege für Alexander den Großen, Nero und – last, but not least – Vergil und dem hochgelobten Augustus an.
Selbst ein viel späterer und ehrenwerter Mann wie Richi von Weizsäcker wurde schon vor einer Generation von Flaskamp “aufgebaut”. Genauer gesagt: Dr. Meinhard Ade hat seinerzeit sehr genau darauf geachtet, dass die aus Steuergeldern bezahlten Werbetexte des Presse- und Informationsamtes nicht nur für Berlin (das natürlich ebenfalls), sondern auch für seinen Herrn und Meister auf dem Weg zur Präsidentschaft “zielführend und hilfreich” waren.
Wo sind die Grenzen, wenn derartige Anzeigen ganz gezielt zur Wohlverhaltenssteuerung der Medien (Redaktionen?) eingesetzt werden?
Und noch etwas: Welcher TZ-Journalist erinnert sich eigentlich noch an die sogenannten “Materseiten” mit von uns vorgefertigten reaktionellen (!) Artikel, Klitsch und Klatsch, Bildern usw., bei denen kein Chefredakteur wissen wollte, wie viele Überraschungs-Kuckuckeier, ergo wie viel PR und Werbung er damit akzeptierte?
So what?
Man muß es ja nicht gut finden, aber klare Grenzen, Lobby-Stempel und “cui bono”-Hinweise wären besser als gelegentliches Gejammer.
Mit einem Gruß aus Berlin
Thomas R.P. Mielke
Ich gebe Frau Lang recht und muss hinzufügen:
Anstatt jede Kritik als Einzelfall abzustempeln und bei einzelnen Mitarbeitern abzuladen, sollten wir das Thema endlich mal marktwirtschaftlich betrachten:
Wir PRler sind Dienstleister an unserem Kunden – nicht dem Leser. Wir werden deshalb immer (natürlich im gesetzlichen Rahmen) den Vorteil für unseren Kunden suchen. Ich sage dazu: Ich glaube nicht, dass diese Vorgehensweise erfolgreich für den Kunden war – da sie, wie man ja jetzt sieht, ein erhebliches Risiko in sich birgt. Ich hätte das sicher anders gemacht – aber nicht, weil ich mich der journalistischen Unabhängigkeit verpflichtet fühle.
Ein wirkliches Fehlverhalten sehe ich nur bei dem Medium, das sich an solchen Aktionen beteiligt. Es gaukelt seinen Lesern vor, dass es in dessen Interesse berichtet – hintenrum versucht es aber auch, bei den PRlern abzukassieren. Denn auch die Medien sehen häufig Anzeigen als Bedingung für Berichterstattung.
Ich finde es gut, dass diese Geschichte aufgedeckt wurde. Denn als Leser empfinde ich diese Praktiken als unerträglich. Und nur wenn häufig genug solche Fälle aufgedeckt werden, nimmt das Krisen-Risiko für Werbetreibende und Medienmacher derart zu, dass es aus marktwirtschaftlichen Gründen kein PRler mehr seinem Kunden guten Gewissens empfehlen kann.
Wobei ich die gesamtgesellschaftlich positiven Effekte der Anzeigenkopplung des BMWi als Unternehmer durchaus begrüße! Laut tönt es von allen Türmen: die Wirtschaft ist im Aufschwung!
Wartet, gerade greift auch noch die Kampagne gegen Armut in Deutschland und die Renten sind auch wieder sicher!
Schöne heile Welt…
In welcher Medienwelt leben eigentlich all die Hüter der Pressefreiheit?
Die hört doch schon längst da auf, wo dem Verlag die Anzeigenkunden weglaufen. Die Verknüpfung von Anzeigengeschäft und redaktioneller Berichterstattung haut mich nicht mehr vom Hocker. Diese Vorgehensweise ist doch längst Usus – ob bei Stadtanzeigern oder Szene-Blättchen in der Kneipe. Da wird seit Urzeiten über alle Kodizes der Medienbranche mal laut gelacht.
Was nicht diskutiert wird und wirklich verwerflich und armselig ist, ist der rückgratlose Herr Flaskamp, der die Schuld bei seinem Mitarbeiter ablädt, der Berichterstattung und Anzeigen “unzulässigerweise” in einen Zusammenhang gebracht habe. Herr Flaskamp leidet unter einer klassischen Managerkrankheit.
Der neueste Spin zur Geschichte findet sich bei Horizont:(http://www.horizont.net/news/agenturen/pages/show.prl?id=71617) Gut möglich, dass auch diese Version “wahr” ist. Dann war aber der KStA trotzdem schneller und die nachgeschobene Version wirkt extrem vorgeschoben.
Ich bin sicher, der Minister wusste nichts davon, denn das wäre ja das erste Mal gewesen, dass er wirklich irgendetwas wissen würde
Angewidert und voller Scham muss ich aus eigener Erfahrung (namhafte internationale PR-Agentur) gestehen, dass Flaskampsche Methoden durchweg üblich sind. Leider. In auflagenstarken Publikumsmedien ebenso wie in seriösen Fachtiteln. Und generell passiert so etwas nur „von oben“ und in Absprache mit Kunden. Das ist kein Geheimnis und sehr ärgerlich, weil es sowohl Journalismus als auch PR in Verruf bringt. Was aber noch viel ärgerlicher ist: Plötzlich schreien gerade die PR-Köpfe oder Medienvertreter unisono und lauthals auf, die sich sonst selbst dieser Geschäftspraktiken bedienen.
Worüber ich mich bei dieser unsäglichen Angelegenheit am meisten freue: Die Diskussion in diesem Blog. Allerdings hatte ich gehofft, T. Knüwer würde noch ein wenig spitzer zur Sache gehen – sonst kann er noch mit wenigen Anschlägen die Leute in Grund und Boden schreiben. Bin mal gespannt, ob noch was kommt?!
Also ich will ja nichts gesagt haben, aber solche Deals sind in anderen Branchen vollkommen üblich. 4-Farb anzeige gegen 2 Seiten mehr Artikel oder darf es vielleicht eine Cover-Story sein? Kein Witz…
@Torsten: So gesehen stimme ich dir zu.
Rainersacht: Ich sag’s mal so: Die Drohung ein Unternehmen in einer Zeitung totzuschweigen ist so bedrohlich wie ein Brandstifter, der nicht mehr in einem Haus mit Dir wohnen will.
Und wie glaubwürdig wäre die Drohung in einem Umfeld wo selbst hochseriöse Medien es nicht schaffen, auf die neusten ParisBohlenGücanereien zu verzichten?
@Torsten: Upps, da hast du jetzt aber vergessen, den Ironiemodus anzuschalten. Oder ist das tatsächlich deine Meinung?
Dat war’s dann…
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,499625,00.html
Die größte Frechheit bei solchen Aktionen sind m.E. die ewig gleichen Sprüche, es habe “keinerlei Einfluss auf die Berichterstattung” genommen werden sollen. Da wird dann die Öffentlichkeit gleich ein zweites Mal für dumm verkauft.
“Ein Mitarbeiter hat Vorgänge miteinander verbunden, die nicht verbunden werden sollten”. Dabei ist das doch das business-Konzept der Agentur. Auf der Internetseite wird geschwärmt: “Werbung, PR, Events, Multmedia – alles vereinen und doch einzeln stark sein. Kommunikation ist ein Gesamtkunstwerk.” Also Künstler am Werk, die es mit der Ethik und Moral nicht so ernst nehmen. Kunst darf alles, oder wie?
Oh, die “dunkle Seite der Macht” hat mal wieder zugeschlagen…
Rainersacht: Nein, das ist bei Zeitungen nicht üblich, es würde auch gar nicht funktionieren.
Jetzt aber mal ehrlich bleiben: Normalerweise sind es die Zeitungen, die einem PRler vor der Berichterstattung ein Gespräch mit der Anzeigenabteilung empfehlen. Natürlich sagt auch -sammerma- bei der Süddeutschen oder beim Handelsblatt kein Ressortleiter: “Hörnsema, wenn Sie keine Anzeige schalten, schweigen wir Sie bzw. Ihren Kunden tot.” Nein, das sagt niemand. Nein, so sagt das niemand. Und der Redakteur ist dann der Dumme. Der würd gern über XY schreiben, darf aber nicht, weil das Gespräch zwischen XY und Anzeigenabteilung nicht befriedigend verlaufen ist.
Obwohl: Flaskamp-Bashing? Find ich gut. Nicht nur wegen dieses Unfalls.
TRACKBACK: Ein „ABER“ muss ich allerdings hinterherschieben: Es passiert gar nicht so selten, eigentlich auch mit steigender Häufigkeit, dass man uns nach einer Anzeigenschaltung fragt – im Gegenzug für eine redaktionelle Veröffentlichung. Oder man uns mitteilt, dass es gar kein Problem ist, die Presseinfo abzudrucken, gegen ein geringes Entgelt. Es sei schließlich alles ein „Geben und Nehmen“! so oft der O-Ton der finanziell teilweise gebeutelten Blätter!
Ist diese tolle Agentur auch dafür verantwortlich, dass alle (oder zumindest sehr viele) Bürger in dieser Woche in ihren neuen Fernsehzeitschriften einen tollen kleinen Flyer in Form eines Klapphandys als Einleger gefunden haben? Dieser informiert die Bürger fast rechtzeitig zur Feriensaison über den tollen Erfolg des BMWi (eigentlich ja der EU) und seines Dienstherren Michel Glos die Roaming-Gebühren innerhalb Europas auf 49 bzw. 29 Cent pro Minute begrenzt zu haben, und enthält außer einem Zitat des Ministers ansonsten sehr wenig Inhalt auf der silbernen Werbefläche. Bestimmt keine ganz billige Art um überflüssige Werbung in eigener Sache zu machen.
Args! Es sollte heißen:
“die ich dann im redaktionellen Teil meiner Auftraggeber platzieren sollte.”
Ich hab vor einiger Zeit mal ein Angebot bekommen: Da ich mal über einen Zahlungsservice berichtet hätte, wolle man mich mit einigen Aufträgen für Texte versorgen, die ich dann in Redaktionellen Teilen meiner platzieren solle.
Als ich mich beschwerte, dass ich für Schleichwerbung nicht zur Verfügung stehe, war die Empörung groß. Das Ganze sei absolut üblich und unverfänglich. Meine Anfrage beim Deutschen Rat für Public Relations blieb bis heute unbeantwortet.
Diese Koppelgeschäfte sind ein uralter Hut. Einzelne Agenturen praktizieren diese Form von “Medienkooperation” mit Wissen und Zustimmung ihrer Auftraggeber schon seit 20 Jahren.
Viele Medien haben in dieser Zeit “kooperiert und kassiert. NEU ist wirklich nur, dass jemand darüber geschrieben hat.
Leider gerät diese Form der Anzeigenakquise zunehmend zum Eigentor. Anzeigenkunden gehen mittlerweile wie selbstverständlich davon aus, dass Sie zum Anzeigenmotiv einen redaktionellen Text gleich beifügen können.
Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht mit unserem Anzeigenvertrieb über derlei “Angebote” diskutieren müssen.
Die Erwartungshaltung der Kunden ist denen aber nicht selbst eingefallen, sondern wurde über Jahre von der Branche selbst genährt.
Eine Ablehnung scheint derat aussergewöhnlich zu sein, dass man eine schriftliche Stellungnahme fordert …
Die anderen regionalen »Fachblätter für regionale Hofberichterstattung« spielen widerspruchslos mit.
Ist doch völlig normal – und praktisch, denn damit ist der Inhalt für mehrere Tage gesichert. Spart man sich die Mühe eigener Texte und Recherchen …
Nennt sich wohl »Journalismus«.
@ Franka:
Richtig, deshalb suchen Potsdamer Zeitungen in ihren Stellenanzeigen bereits »PR-Journalisten«, sagt doch genügend aus.
@ Gangarth:
Etliche Geschäftsinhaber berichten übereinstimmend, dass es genau umgekehrt ist: Denen wird angeboten, redaktionell über deren Geschäft zu berichten, wenn sie eine Anzeige schalten …
Ich versteh die Aufregung gar nicht. Das macht Flaskamp doch schon Jahre so. Die gegenseitigen Abhängigkeiten von Politik und Privatwirtschaft und die Landschaftspflege haben doch bis anhin prächtig funktioniert. Offenbar wollen sich der von Flaskamp vorgegebenen sog. “Medienkooperation” nicht mehr alle einfach so unterordnen. Die IHK Berlin hat nun nachgezogen und ihrerseits von den Machenschaften berichtet. Vielleicht interessieren sich jetzt einige speziell für die interessanten Vorgänge im Land Berlin und Brandenburg, dessen Ausführungen hier den Rahmen sprengen würden.
Das ist doch alles nichts neues mehr. Beinahe jeder Einzelhändler schaltet nur noch Anzeigen in Sonderbeilagen der Regionalzeitungen, wenn er auch gleichzeitig einen netten redaktionellen Artikel über sein Geschäft bekommt.
Ist also etwas ganz normales wenn sich dort schon keiner aufregt, so ist es hier auch nicht unbedingt angebracht.
Puff (das Geräusch), hat die Realität mal wieder einer idealistischen Definition der PR eine Absage erteilt. Und anstatt, wenn´s rauskommt, zu sagen, o.k., war ein Versuch, war nicht in Ordnung, machen wir nicht mehr (auch weil uns der Kunde jetzt den Etat entzieht), soll ein Mitarbeiter etwas verwechselt haben. Dabei wusste doch schon Ernst Jandl, dass man rinks und lechts nicht velwechsern kann. Das ist angesichts der präsentierten Fakten derart bodenlos, dass sogar mir nichts mehr einfällt. Außer vielleicht ein Hinweis auf ein interessantes Interview mit Noam Chomsky in der aktuellen Le Monde diplomatique (Deutsche Ausgabe), in der er sehr plausibel nahelegt, warum Gleichschaltung der veröffentlichten Meinung gar keiner Diktatur bedarf. Dafür gibt es – qed – ja u.a. Agenturen.
Und es gibt Hoffnung, die u.a. Blogs heißen.
Die Märkische Allgemeine ist auf jeden Fall bereits Partner der Dialogtour gewesen — die spannende Frage ist natürlich: mit oder ohne “Gegenfinanzierung?
(http://www.wortfeld.de/2007/08/quid_pro_quo/)
Da ich gegen das Instrument Sippenhaft bin, kommentiere ich nicht, ob Thomas Knüwer dieses Thema gerechtfertigt und glaubwürdig ansprechen darf. Das ist für mich – selbst wenn das Medium oder der dahinterstehende Konzern teilweise auch fragwürdig agiert – nicht relevant.
Das Gebahren von BMI und der Agentur “Flaskamp” ist allerdings wirklich zum Haareraufen. Klar, Versuche Einfluß zu nehmen gab es immer. Und “politische Landschaftspflege” wurde auch früher versucht – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.
Aber, daß – wie richtig erwähnt wird – mit erheblichem Mitteleinsatz versucht wird, redaktionelle Inhalte “zu lenken” ist schon frech. Aber noch bedenklicher ist es, daß die Agentur offenbar damit rechnen darf, daß sie mit ihrer Offerte” landen kann. Mann, mann, mann.. ich hätte (naiv wie ich bin) darauf getippt, daß sie sich bei der ersten seriösen Adresse (=Redaktion) ne blutige Nase holen… und nicht erst bei der wievielten (?), die nun zur Abwechslung nicht mitspielt.
Und der Höhepunkt und Ausweis für die Dreistigkeit ist ja wohl das Schreiben, mit der der Stadtanzeiger aufgefordert wurde, seine Ablehnung zu rechtfertigen! Wow! Das spricht Bände…
Wer selbst bei Holtzbrinck sitzt sollte vielleicht doch lieber nicht mit Steinen schmeißen. Es könnte zugig werden. Natürlch hat Thomas Knüwer recht. Wer aber Holtzbrinck liest, der glaubt oft die Direktverlautbarung der jeweiligen Unternehmnespressestelle oder der INSM zu lesen. Tut mir ja leid. Ist aber so.