»Thomas Knüwer 08. August 2007, 16:57 Uhr

Dildo-Attacke auf Deutschlands Online-Journalisten

In einer harten Stunden bitten wir um Solidarität. Denn Deutschlands Online-Redaktionen und Verlagspoststellen liegen unter schwerstem Beschuss. Er kommt aus Richtung Bielefeld. Es gilt ein Lied zu singen. Ein Lied auf verkannte Helden des Alltags unserer Verlagsgruppe Handelsblatt: den Mitarbeitern unserer Poststelle.

In diesen Stunden stemmen sie sich mit Mann und Maus gegen eine Flut von Paketen.

Zwölf sind bereits da, weitere 25 angekündigt. Sie alle enthalten die gleiche Ware:

Dildos, Gleitcreme, Kondome, Pornos. Nein, das ist kein Scherz und keine knüwersche Übertreibung. Seit gestern sind 37 Pakete mit Erotikware an unsere Online-Redaktion geliefert worden. Aus verlässlichen Quellen wissen wir, dass es bei Kollegen anderer Angebote nicht anders aussieht. Es ist ein systematischer und viraler Angriff non-digitalen Spams.

Die Erklärung liegt bei. Zweiseitig. Briefförmig:

“…seit über 40 Jahren ist es für Verbraucher in Deutschland zum einen selbstverständlich, dass Erotikprodukte aus Flensburg kommen und zum anderen normal, dass diese Welt anscheinend einen festen Preis hat… denn egal, wo man diese kauft, die Preise sind in ganz Europa fast immer identisch….

Da erscheint es wohl auch nicht mehr verwundernswert, dass die beiden großen Anbieter in Europa “Beate Uhse” und “Orion” mehr als nur den Firmenstandort gemeinsam zu haben scheinen. – Der Stiefsohn von Beate Uhse ist der Inhaber von Orion…

Nach ersten Gesprächen mit möglichen Lieferanten wurde uns schnell klar, dass wir auf einem Markt mit bis zu 2.000 Prozent Aufpreis und riesigen Gewinnmargen gestoßen sind…

Seit einem Jahr sind wir nun mit unseren Portal…”

(dessen Name ich selbstverständlich verschweige, um diesen Post-Terroristen nicht noch einen Gefallen zu tun)

“… in diesem Markt aktiv. Doch anscheinend zu aktiv für die Branche, denn in dieser kurzen Zeit wurden wir bereits mehrfach angefeindet, zigmal verklagt, auf unsere Lieferanten wurde enormer Druck ausgeübt…
Warum mag uns die Branche nicht?… Trotz unserer aus anderen E-Business-Märkten üblichen Gewinnmargen, sind wir zum Teil 90% günstiger…”

Und schließlich wird noch erwähnt, was wohl der Grund für die Gleitcreme-Offensive auf Journalisten ist:

“Wir haben keine eigene Presseabteilung…”

Ja. Merkt man. Selbst die dummbratzigste Tanja-Anja wäre nicht auf die Idee gekommen, Verlage mit Warenproben der erotischen Art zuzuschaufeln.

Den Mitarbeitern der Poststellen rufe ich zu: Haltet durch! Unsere Gedanken sind bei Euch. Und vielleicht holt ihr zu dem Gegenschlag aus, den unsere Kollegen unten im Erdgeschoss gerade vorbereiten. Morgen früh gehen die 37 Pakete postwendend zurück – unfrei, natürlich.

»Thomas Knüwer 08. August 2007, 16:57 Uhr

    54 Kommentare zu “Dildo-Attacke auf Deutschlands Online-Journalisten”


  1. Dildo says:

    Also unter SPAM versteh ich ja erstmal Fleisch und so gesehen ist machen die Postsendungen doch in doppeltem Sinne auch Sinn :)

  2. Kalle says:

    Ich finde die Aktion irgendwie hart an der Grenze zwischen Spass und Spam… irgendwie komisch, auf was Leute so kommen, oder?

  3. Ben Utzer says:

    @Adrian
    So finde ich das gut, wenn die doch gerne etwas verschenke wollen ist das doch OK, zumal der Wert ja wohl wahrscheinlich nicht so hoch liegen wird. Außerdem warum von vornherein unterbinden was nur sehr selten vor kommt, kann doch immer noch, sofern dieser Paketspam zunimmt, ein Riegl vorgeschoben werden.

  4. Adrian says:

    Wir haben gerade auch 21 Pakete bekommen. Der Praktikant hatte da am ersten Tag einiges zu schleppen. Dafür durfte er auch ein Paket mitnehmen. Wir sehen das nicht so eng und deponieren mal alles im Lager. Nach einer Woche wird sich der Haufen sicherlich gelichtet haben.