»Thomas Knüwer 31. July 2007, 10:52 Uhr

Zeichen dafür, dass der BUMM nahe ist

Vielleicht sollte ich mal eine Liste machen. Titel: “Zeichen dafür, dass der Markt für Internet-Startups überhitzt ist”. Und weil wir alle so wahnsinnig Wäp tu oh sind, bitte ich um interaktive Partizipation.Die Déjà-vus sind in diesen Wochen zahlreich. Ständig komme ich mir vor wie damals, als alles noch schön und bunt war, bevor es dann BUMM machte und die Blase platzte. Und es spricht nicht gerade für die Branche der Berufs- und Organisationskommunikatoren, dass sie aus der Vergangenheit nicht gelernt haben, sondern den gleichen PR-Blödsinn schon wieder veranstalten.

Also hier sind die ersten “Zeichen dafür, dass der Markt für Internet-Startups, bald wieder BUMM machen könnte”:

1. Euphorisierte Tanja-Anjas belästigen einen im Tagestakt mit dem Angebot von Redaktionsbesuchen mit Startup-Chefs, von denen Du noch nie gehört hast. Weder von den Startups noch von ihren Chefs.

2. Startups untereinander prügeln sich per Pressemitteilung. Hier ein Beitrag von heute:
“Quoka.de auf der Überholspur: Kijiji und markt.de schon nur noch im Rückspiegel
Steigende Nutzerzahlen und wachsende Besuchermengen sorgen für Leben auf Quoka.de, Deutschlands großem Web 2.0-Portal zum Kaufen und Verkaufen. Die letzten Monate verzeichneten einen klaren Aufwärtstrend – und das vorbei an den Mitbewerbern im Bereich der privaten Online-Handelsplattformen. Dies bestätigt eine Studie unter den deutschen Online-Portalen für den privaten und auch gewerbsmäßigen Handel auf Basis von Kleinanzeigenangeboten.”

3. Interview-Angebote mit Startup-Gründern werden mit dummdreisten Bestechungsversuchen versehen:
“Alexander Schneider, Geschäftsführer von BLU, der Alternative für SMS und Mobile E-Mail neu zur IFA! Über 4 Mrd. Euro geben deutsche Verbraucher pro Jahr für SMS aus. Mit BLU lassen sich diese Kosten um den Faktor 1000 (!) senken. Wer das Pressegespräch mit Alexander Schneider führt, erhält auf der IFA ein Tophandy mit aufgespielter BLU-Software zum Testen (solange Pressekontingent reicht).”

4. Eine hirnlose PR-Agentur versendet drei Pressemitteilung innerhalb einer halben Stunde und findet es lustig, dies von der E-Mail-Adresse informationen@fuer-die-presse.de zu tun.

Und nun sind Sie dran, liebe Leser….

»Thomas Knüwer 31. July 2007, 10:52 Uhr

    39 Kommentare zu “Zeichen dafür, dass der BUMM nahe ist”


  1. Sascha says:

    ja, wo ist jetzt eigentlich der BUMM? Hab ich den verschlafen?!

  2. Tom says:

    Das aufplusternde Getue gibt es doch schon immer. Es ist nunmal so, das irgendwann mal wieder etwas neues her muß. Dass das Neue im Endeffekt nur aus einer Verpackung besteht und der Inhalt in Richtung Asbach anzusiedeln ist war doch schon immer so und wird sich außer ein par cleveren Ausnahmen auch nicht ändern, das zeigt die Geschichte.

  3. sebs says:

    Sorry, diesmal liegst du daneben. Klar die Tanja-Anjas werden nicht aussterben. Aber grade Quoka issn alter Hut und im Gegensatz zu 99 gibt es massenweise Breitbandzugänge. Wenn die Blase platzt dann nur halb so schlimm wie 99. Die Leute haben gelernt, und die die es nicht haben oder bei Klitschen arbeiten die es nicht haben, die sind selbst schuld.
    Den Schuh das web 2.0 so hoch gehyped zu haben, losgelöst vom technischen, den dürfen sich die Printmedien anziehen und die Herren im Schlips, wir Techies haben unabhängig davon den ganzen kram weiterentwickelt. Naja, eigentlich haben wir euch das Web von 99 nur nochmal verkauft. ;)

  4. Tamila says:

    informationen@fuer-die-presse.de ist doch ideales Futter für den Spamfilter.

  5. Rainer says:

    “”Quoka.de auf der Überholspur: Kijiji und markt.de schon nur noch im Rückspiegel Steigende Nutzerzahlen und wachsende Besuchermengen sorgen für Leben auf Quoka.de, Deutschlands großem Web 2.0-Portal zum Kaufen und Verkaufen.”

    Auf Quoka.de (damals noch unter sperrmuell.de) habe ich schon vor 10 Jahren gekauft. So ist halt das Web2.0 -> meistens uralter Wein in neuen Schläuchen.

  6. Berufskommunikator says:

    Zur exemplarischen Pressemitteilung: Meiner Ansicht nach dienen “vergleichende Pressemitteilungen” ausschließlich demselben Zweck wie “vergleichende Werbung”: der Belustigung des Rezipienten. Ob das nun der Konsument oder der Journalist ist – die Wirkung solcher Aktivitäten ist äußerst zweifelhaft.

    Und das generelle Problem ist wahrscheinlich, dass viele solcher “omnipotenten Startups” ihre PR inhouse organisieren oder eine lustige PR-Truppe, bestehend aus szenigen “Quereinsteigern”, loslassen, die Journalisten dann nicht prägnant informieren sondern umständliche, aber “tierisch witzige” Texte versenden.

    Bei aller Kritik am Berufsstand der Organisations- oder Berufskommunikatoren: Es gibt tatsächlich auch gut ausgebildete Kommunikationsexperten, die ihren Aufgabenbereich in Media Relations verortet sehen, nämlich Journalisten wirklich interessante Themen anzubieten und nicht zuzumüllen. Das soll auch ein klares Appell an alle Unternehmen sein: Bei der Auswahl von Unterstützern ruhig auf deren Ausbildung achten – Universitäten, Studiengänge, Akademien.

  7. Benny says:

    “Reichen Interaktivität, Vernetzung und nutzergenerierte Inhalte aus, um als alleiniges Geschäftsmodell gelten zu können? Viele Web 2.0-Dienste fokussieren den Aufbau von Communities und setzen auf motivierte und mitteilungsbedürftige User. Paradoxerweise führt gerade die unüberschaubare Vielzahl der Netzgemeinschaften den Community-Gedanken ad absurdum. Je mehr Dienste am Markt sind, des‧to verstreuter und unrelevanter werden die Einzelgemeinschaften.”

    … das trifft den Nagel auf den Kopf. Der Beweis ist meines Erachtens nach bereits erbracht, da bis dato immer Diejenigen überlebt und zumindest eine Chance auf Profitabilität haben, die schlussendlich einen klaren und verständlichen Nutzen im Gepcäk haben. Betrachtet man rein die technologische Seite, brauchts allerdings auch immer wieder die Scheiternden, damit es überhaupt etwas zu konsolidieren gibt.

  8. Johnny D says:

    Dem Holtzbrinck Konzern als Mutter des “Handelsblatt” und damit indirekten Arbeitgeber von Herrn Knüwer täte ein kritisches Beäugen der eigenen Investitionen in der Tat gut-
    denn die versenken bekanntermassen ja auch viel Geld im trüben “Web 2.0″

  9. Damian Agt says:

    Werter Kollege Knüwer,

    passend zu diesem Thema, mein Editorial des aktuellen Magazins webselling:

    “Wann kommt der Crash 2.0?

    Wir erinnern uns: In goldenen Dot.Com-Zeiten schossen Webdienste, Auktionshäuser und Webportale wie Pilze aus dem Boden. Ein kurzer Blick auf die Website http://www.deutsche-startups.de, und schon glaubt man, eine Zeitreise unternommen zu haben. Beinahe täglich vermeldet der Branchendienst den Start neuer und innovativer Webdienste. Deutschlands Gründer haben Ideen und Elan – kein Zweifel. Auch Investoren trauen sich wieder und öffnen ihre Geldbörsen. Aber laufen sie nicht auch Gefahr, Fehler aus der Vergangenheit zu wiederholen? Verstehen Sie das bitte nicht falsch: Nichts braucht unser Land dringender als Gründergeist und Gründungsmut. Doch bei aller Euphorie sollten alle Beteiligten stets eines vor Augen haben: die schwarze Null. Geld ausgeben ist keine Kunst, es zu verdienen, hingegen schon.

    So segensreich die neuen Technologien des Web 2.0 auch sind, die Frage, ob sich damit Geld verdienen lässt, bleibt offen. Reichen Interaktivität, Vernetzung und nutzergenerierte Inhalte aus, um als alleiniges Geschäftsmodell gelten zu können? Viele Web 2.0-Dienste fokussieren den Aufbau von Communities und setzen auf motivierte und mitteilungsbedürftige User. Paradoxerweise führt gerade die unüberschaubare Vielzahl der Netzgemeinschaften den Community-Gedanken ad absurdum. Je mehr Dienste am Markt sind, des‧to verstreuter und unrelevanter werden die Einzelgemeinschaften. Die bestehenden Plattformgrenzen verhindern damit sogar eine Interaktion. Die Antwort auf die Frage nach einem USP und einer profitablen Geschäftsgrundlage bleiben viele Startups somit schuldig. Oder wird insgeheim auf eine Übernahme durch Springer, Holzbrinck und Co. spekuliert? Hier scheint sich der Kreis zu schließen: Ein großes Medienhaus vereint mehrere Webdienste unter einem Dach, garantiert damit hohe Reichweiten, und schon können die Werbeeinnahmen fließen. Und natürlich eignen sich auch die Kundendaten für eine Vermarktung.”

    Im Web-Himmel ziehen dunkle Wolken auf…

  10. Benny says:

    Ich komme mir vor, als diskutiere man hier eine Nostradamus-Prophezeiung. Mal ehrlich – “so läufts Bisniss” .. nicht erst seit gestern.

    Der Investor ist nicht immer der böse Belzebub – er hat nur ein leicht anderes Interesse als der Gründer und Initiator – irgendwie nachvollziehbar für mich.

    Wenn der Web2.0er auch nur auf die schnelle Mark – sorry Euro – aus ist, soll er sich nicht wundern, wenns in die Hose geht.

    Ich kann nur Jedem raten sich vorher genau zu überlegen, was er will und welche Partner er sich in seine “Web x.0-Garage” holt.

    So stimme ich Jan voll zu: Unternehmer vor! Lasst Euch von solchen “Beobachtungen” und “Diskussionen” nicht entmutigen – die Welt geht nicht unter und die nachhaltigen Konzepte überleben – wir sind ja hier nicht beim Pferderennen ,-)

    @TIM: das mit der Quote muss man nach 2000 wohl keinem mehr erzählen, das kann man sich doch denken.

  11. Matthias Hohensee says:

    Thomas, ich gebe Dir recht. Hier im Silicon Valley ist alles noch mal potenziert. Eine Party bzw. Konferenz jagt hier momentan die andere.
    Der Unterschied zu 2000 besteht imho darin, dass diesmal das große Geld in Clean Tech gesteckt wird. Bei Web 2.0 sind die Summen wesentlich geringer. Kostet ja auch nicht mehr soviel, ein Unternehmen zu starten. Und die Qualität der Internet-Unternehmen ist diesmal im Schnitt besser. Das Problem ist, dass zu viele ähnlich aufgestellte Unternehmen um Kunden rangeln. Jeder hat ein paar Kunden und kaum Einnahmen. Bezahldienste einzuführen ist damit aussichtslos. Mit Werbung machen auch nur ein paar wenige das große Geld, weil der Markt so zersplittert ist. Bleibt nur die Rettung durch Google&Co oder ein IPO, falls sich das Klima durch Facebook bessert. Gruss aus Kalifornien, Matthias

  12. Tim says:

    Dann ist es ja beruhigend. Das renkt sich ein, viele werden den Bach hinuntergehen. Und mit ihnen ihr Geld, das eben nicht von Investoren kommt, sondern eigenes (alles verkauft, Vater hat Haus beliehen, Verwandte haben Sparstrumpf geplündert, usw.)

    Das ist vielleicht noch schlimmer als 2000. Da sind keine Freunde und Familien mit abgestürzt. Im Extremfall kann das bedeuten, dass der Gründer mit Schulden bei Privatleuten ziemlich einsam und verlassen dasteht.

    Wer sagt denn den Start-Up-Gründern, dass es nur einer von 20 schaffen wird? Die Samwers & Co. haben kein Problem. Sie investieren kleine Beträge und wenn eine Rakte dabei ist wird abkassiert. Was ich bei web2.0 sehe, ist in Sachen Euphorie mit der NE vergleichbar. Vollkommen verrückt. Die persönlichen Schicksale werdne nicht weniger dramatisch sein. Wer da von “kein Problem”, “keine Gefahr für den Aktienmarkt”, oder “Hauptsache sie haben das web2.0 weitergebracht” redet, ist ein menschenverachtender Zyniker. Und nicht besser als die Investoren und business Angels in der NE.

  13. Cord says:

    @Andreas: „Dumme Investoren suchen (wie damals)“ – Die Investoren hatten Ihr Geld verdient, der kleine Anleger war der Dumme.

  14. Cord says:

    Mein Kommentar war wohl zu lang.
    Hier das Ende:

    @Andreas: „Dumme Investoren suchen (wie damals)“

  15. Cord says:

    Man darf nicht vergessen, dass der Markt heute ein anderer ist als 1999.

    # Online Werbeumsätze 1999 – 75 Mio. Euro (BDZV, VDZ, VPRT)
    # Online Werbeumsätze 2007 – 2533 Mio. Euro (OVK)

    #Deutsche Online 1999 – 11,7 Mio. Menschen nutzen das Internet (ARD/ZDF)
    #Deutsche Online 2007 – 51,7 Mio Bündesbürger (StBA)

    Die Zahlen sind natürlich nur bedingt vergleichbar, trotzdem kann man sagen, dass das Web jetzt da angekommen ist, wo es 1999 hätte sein müssen, um die hohen Erwartungen zu erfüllen.

    Ich bin ganz Jens Meinung, es gibt ein Überangebot, doch das wird sich konsolidieren, was ein völlig normaler Prozess ist.

    Noch zwei kurze Einwürfe am Ende:
    # Google ist ohne Erlösmodell gestartet
    # In Deutschland findet man als CopyCat leichter Investoren, als wenn man ein völlig neues Konzept startet.

    @Andreas: „Dumme Investoren suchen (wie damals)“

  16. Claus the mouse says:

    Na ja, ich denke die Kopiersucht liegt nicht in der Wirtschaft, das gab es früher nicht. Diese Unverfrorenheit hätte man sich in der ehemals soliden deutschen Wirtschaft auch nicht erlaubt. Die Gründe für diese Art von New Economy in D und die Erfolgsaussicht dafür sind wohl eher der Politik entliehen. Alle paar Minuten ein noch grellerer Luftballon in den Himmel garantiert die Wiederwahl. Müsste doch auch ein Erfolgsmodell für die Wirtschaft hergeben?

    Ein Dummer steht immer auf, und einem folgen sodann gleich leicht tausend weitere. Und schon isser da, Genosse Trend, bei dem man dabei sein muss. Wäre doch gerade zu beunruhigend, wenn das anders wäre. Aufgepasst, lieber Thomas! Nicht das Du hier etwas verschläfst. Nicht nur wegen des “Tophandy”!

    Und dann: iss´n das überhaupt, Web-Tuh-Ou ou ou ou, c´est où??? Da ich Mobilfunkgegner bin, seltenes Exemplar auf HB, das Angebot von Investorgesprächen auch gegen drei top mobiles nicht erwünscht!

    Fazit: armes Deutschland. Oder sind die Leute bereits so verzweifelt?!!!

  17. Franz Patzig says:

    Für den Bumm fehlt natürlich der Börsengang von den ganzen Startups. Deshalb halte ich die These für Quatsch. Ich sehe noch nicht mal ein Plopp heraufziehen.

  18. Naja, aber gibt’s denn diesmal auch wieder die über Nacht zu Projektmanagern beförderten Putzfrauen oder die mit dickem Dienstwagen rumfahrenden Aushilfsprogrammierer?

  19. Andreas says:

    @Jan/Jörg: Die Gemeinsamkeiten mit der Blase 1.0 sind größer als die Unterschiede, auch wenn heutzutage weniger Geld reingesteckt wird.

    Es gibt wieder Mengen an Startups die das Blaue vom Himmel versprechen (wie damals), die von Community und Teilnehmern (wie damals) sprechen, die ein schnelles Exit planen (wie damals), Dumme Investoren suchen (wie damals), die ihre Webdienste kostenlos anbieten und verschenken (wie damals), die keine konkrete Planung haben, profitabel zu werden (wie damals), sondern wie alle anderen hoffen ganz viel Geld mit Online-Werbung zu verdienen (wie damals).
    Ach ja, und es gibt Investoren in Torschlusspanik denen die Gier das Hirn auffrisst (wie damals), und die noch schnell mitverdienen wollen.

    Unterschiede der aktuellen Blase 2.0 zu Blase 1.0: Eine Webanwendung ist jetzt schnell aus dem Boden gestampft (ist ja alles perpetual BETA), dafür reicht ein maximal halbwissender PHP oder Ruby Programmierer, weshalb es dafür noch kein Investorengeld braucht (Sicherheitslücken ja man ja auch nächste Jahr noch stopfen …), und es wird viel ungenierter bei allen anderen abgekupfert.

  20. Detlef Borchers says:

    Ob ein BUMM kommt, weiß ich nicht. Wenn es aber BUMM macht, dann hoffentlich auch für die Tiefflieger 2.0 mit ihren Bestechungen und Diplomarbeiten, die immer dreister werden und offenbar zu viel Geld haben (ja, das war hier schon mal Thema):

    “Die Teilnahme dauert nur ca. 10 Minuten. Mit Ihrer Teilnahme helfen Sie
    mir als zukünftigem Kollegen ein großes Stück weiter – wenn Sie alle
    Fragen beantwortet haben, können Sie zudem an der Verlosung von einem
    Hotelgutschein inklusive 2 Übernachtungen teilnehmen.”

  21. Stefan says:

    Verständnisfrage: Wird denn heute in diese ganzen Start-Ups genauso viel Geld gesteckt wie 2000? Ich bin in der Sache nicht gut informiert, aber mein Eindruck ist, dass es viele Leute gibt, die eine Internetfirma gründen und hoffen, dass sie aufgekauft werden (siehe Kommentar von treefinger). Das funktioniert ab und an (StudiVZ), meistens aber nicht. Verschwindet eine der Firmen, bei denen es nicht geklappt hat, wieder vom Markt, vernichtet sie auch kein in sie investiertes Geld – anders als 2000.

  22. @cdv: Die kleinen feinen Mittelständler hat doch noch nie jemand wahrgenommen, weil die’s mit der Komunikation nicht auf die Reihe kriegen (wollen?). Ist aber vielleicht auch ein Erfolgsgeheimnis.

    Die PR hat’s aber z.Zt. auch wirklich nicht leicht. 2000 gab’s Verlage, Redaktionen und Redakteure ohne Ende und Unmengen zu füllende Seiten, für die man alles nahm, was reinkam. Das dürfte wohl einer der ganz signifikanten Unterschiede sein im Vergleich zu heute. Vielleicht treibt das ja eine Agentur wie oben genannte zu solchen Verzweiflungstaten wie “informationen@fuer-die-presse.de”. Wären die beim alten Namen geblieben, hätte ich diese PM nicht gleich reflexartig gelöscht.

  23. Harald says:

    Untrügliches Zeichen: Google und Yahoo Aktien brechen ein, denn die liefern den Cash-Treibstoff im (amerikanischen) privat finanzierten Web 2.0 Markt. Die meisten Web 2.0 Unternehmen haben nur zwei Exit Strategien: Aufgekauft werden oder Pleite. Eigenständer Börsengang oder Finanzierung aus normale Geschäftstätigkeit kommt nur für die wirklich Großen im Web 2.0 in Frage (und nach Facebook wird es da momentan schon sehr dünn in meiner Liste).

    Ach ja, in Deutschland ist das untrügliche Zeichen schon da: Es gibt fast ausschließlich geklaute Firmenkonzepte a la Yigg und MyVideo, und vielleicht mit Außnahme von Xing ist da kein wirklich wachstumsfähiges Unternehmen dabei.

  24. Peter Fisch says:

    Todsicherer Indikator ist der SamBros-Indikator: Wann hatten die SamBros* ihren letzten erfolgreichen Exit? Wann haben sie zum letzten Mal wirklich eine signifikante Summe investiert?

    *=Samwer Brothers

  25. cdv! says:

    Stimme Jan uneingeschränkt zu. Zum Thema “Neu”: Es soll mal mehr als 100 Eisenbahngesellschaften in der Schweiz gegeben haben, heute sind es wohl noch zwei. Also alles normal, so. Schade ist nur, das die euphorisierten Startups viel Frust bei den Medien erzeugen, weil sie einfach die Kanäle verstopfen. Ergebnis: Sie nehmen die kleinen und feinen Mittelständler der Old Economy gar nicht mehr wahr. Was wiederum mich frustriert…

  26. Jan hat recht, und es ist sehr fraglich, wer in Wirklichkeit vergessen hat, wie’s 2000 war, diejenigen, die jetzt voller Euphorie sind, oder die, die sagen, es wär so wie damals.

  27. Alphager says:

    Jan:
    Der große Unterschied ist:
    Pizzalieferanten, google-Konkurrenten, Telefonanbieter und Autohersteller haben alle von vornherein eine Idee, wie Geld in den Laden reinkommt. Die meisten der Web2.0-Startups haben keinerlei Idee.

  28. Clap says:

    Patros, Jan, Patros!

    ;-)

    Bulo

  29. Jan says:

    Natürlich werden nicht alle sozialen Netzwerke überleben. Es sind auch viele Autohersteller auf der Strecke geblieben oder Kameraproduzenten oder Computerhersteller oder Beratungsunternehmen oder Arztpraxen oder Pizzadienste oder Computermessen oder Telefonanbieter.

    Niemand regt sich darüber auf, dass es zig “Copycats” von Spiegel Online (oder der Tagesschau) gibt oder dass sich neben Google noch andere Suchmaschinen halten oder dass es neben Mercedes-Benz noch andere Autohersteller gibt (oder Computerhersteller oder oder oder).

    Was genau ist das Problem? Ist es Vorfreude auf Schadenfreude, die ich hier zwischen den Zeilen lese?

    Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir in Deutschland immer nur darauf warten, dass alles den Bach runtergeht. Sehr schade und auf Dauer ganz schön deprimierend. Warum sind wir nicht gespannt, wer es schaffen wird?

    Es gibt momentan einen sehr bescheidenen Goldrausch, der mit dem Börsen-Wahnsinn von 99/2000 wohl kaum zu vergleichen ist. Damals wurden Firmeninhaber innerhalb weniger Tage rechnerischer Milliardär. Wo gibt es das heute in Deutschland?

    Es sind eine Menge Pferde im Rennen, aber nur eins wird gewinnen. Ja, das Bild mit den Pferdewetten ist vielleicht ganz passend. Es wird sicher nur ein XING geben, maximal zwei. Von den vielen Communities für Familien, Schüler, Studenten usw. überlebt wohl nur eins – wenn überhaupt. Aber wer will das heute vorhersagen? Und vor allem: Was ist so schlimm, wenn nicht nur ein Pferd antritt, den Sieg davonzutragen?

    So und wer will, kann den Pathos in diesem Kommentar nehmen und zu griechischem Schafkäse weiterverarbeiten.

  30. Rainersacht says:

    Ich glaub, das wird eher ein Puff als ein Bumm. Steckt nicht so viel Wentscher-Kapital drin. Da muss kein Rentner um sein Erspartes fürchten. Und arbeitslos wird auch kaum wer … alles bloß Praktikantinnen.

  31. Chat Atkins says:

    Meine These ist, dass weltweit längst viel zu viel Kapital unterwegs ist, das verzweifelt nach 30-Prozent-Renditen sucht. Eh, dass man seine Ansprüche unter 30 Prozent senkt, begibt man sich lieber in den Heißluftkanal des ‘Web-Tuh-Ou’. Davon leben wiederum diese Windmüller …

  32. Andreas says:

    Ein weiterer möglicher (Früh-)indikator ist, wenn verschiedene Web 2.0 Verfechter sich langsam wieder versuchen davon zu distanzieren (damit ihnen der herannahende BUMM nicht zu weh tut), und sie nun versuchen “old economy” zu spielen.

  33. Knüwer, drücken sie den Knopf! Ich bin erschüttert.

  34. treefinger says:

    Ziel der meisten Startups wird es nicht sein, selbst Gewinne zu erwirtschaften, dass wäre irgendwie so “old economy”. Ziel ist vielmehr, möglichst schnell möglichst viele Nutzer zu generieren, um so in den Fokus von Holtzbrink, Google, Springer zu geraten, die dann ihre Milliönchen auspacken und den Startup-GF reich machen.

    Überlege auch schon die ganze Zeit, was man da mal machen könnte…

  35. @Bulo: Nicht vergessen. Brauche aber ein wenig Luft, um das zu planen… Geduld, bitte.

  36. Alphager says:

    Jede Menge Startups, die andere Startups kopieren.
    90% davon ohne jede Möglichkeit, Gewinn (oder auch nur Umsatz) zu generieren.
    Die wahnwitzige Idee, dass mit Massen an Nutzern auch irgendwie Geld kommen wird.

  37. Clap says:

    Apropos: Wollten Sie nicht mal die “Goldene Tanja-Anja” verleihen, Herr Knüwer?
    ;-)
    Bulo

  38. Farlion says:

    So hat es doch 2000 auch angefangen: ein Copycat-Auftritt jagte den nächsten und irgendwann war der Markt so übersättigt, dass die Blase platzte. Wobei ich persönlich immer wieder überrascht davon bin, wie leichtfertig teilweise Geldgeber in abgekupferte Projekte investieren. Mir stellt sich da immer die Frage, ob es Neulinge sind, die von der ersten Blase nichts mitbekommen haben oder ob sie einfach nichts aus dem Platzen der letzten Blase gelernt haben.