Eigentlich sollte ich jetzt im Stadion sitzen und Ligapokal gucken. Und dann, irgendwann morgen, wollte ich anfangen den neuen Harry Potter zu lesen. Nun aber liege ich daheim. Und wenn jemand über den Grund lacht, halte ich mir die Option körperlicher Gewalt offen.Pünktlich für Harry Potter habe ich – kein Scherz – einen Hexenschuss. Ja, ja, hahahaha, witzig. Aber lesen geht ja. Irgendwann also, wenn ich im Fernsehfußball genug habe, werde ich anfangen hier Live-Blogging vom Harry-Lesen zu machen. Wie? Abwarten. Versprechen kann ich aber: Ich werde nichts von der Handlung verraten.
Immerhin hat Amazon es – im Gegensatz zum letzten Band – geschafft, mich heute zu beliefern. Den “Half Blood Prince” bekam ich ja anstandslos gratis, weil er erst Montags eingetroffen war.
Alles weitere dann später.
Vor dem Aufschlagen:
Nein, gestern Nachmittag wollte ich nicht mehr anfangen mit Harry. Malader Rücken, deutlicher Bayern-Sieg, das ist nicht die rechte Stimmung. Und seien wir ehrlich: Dieses Cover schreckt auch eher ab. Beim letzten Mal hatte Amazon noch die Möglichkeit geboten, zwischen dem Buchumschlag für Erwachsene und dem für Kinder zu wählen, diesmal habe ich diese Funktion nicht gefunden.
Leider aber sieht die Kinderversion in der Realität noch schlimmer aus als in den Vorschauen im Netz. Ein Bild, wie es sich schnauzbärtige Ruhrgebietsproleten auf ihre tiefergelegten Golfs spritzen lassen – nur dass dann der Hintergrund in Violett-Metallic gehalten und Hermione sich nackt auf einem Zauberstab räkeln würde.
S.1
Ich bin ja ein Erster-Satz-Fetischist, egal ob es um Bücher geht oder um meine eigenen Artikel. Stöbere ich im Buchladen, hat ein Werk ohne guten ersten Satz schlechte Karten. Greife ich rechts neben mein Bett, liegt dort zuoberst zum Beispiel ein Buch, das ich kürzlich beendete, der herrlich überdrehte Krimi „Shanghai Dinner“ von Nury Vittachi. Erster Satz: „Kawumm! In ohrenbetäubendem Tosen ging die Welt zugrunde.“ Nicht so schlecht.
Würde ich nicht um die Qualitäten von Harry Potter wissen, hätte er schlechte Karten. „The two men appeared out of nowhere, a few yards apart in the narrow, moonlit lane.“ – das ist 08/15-Standard.
S.18
Todesrate wie bei nem Spaghetti-Western.
S. 19
Ich glaube, eigentlich war dieses erste Kapitel so nicht geplant. Doch es ist nötig, um Spannung aufzubauen. Der erste Satz des zweiten Kapitels ist stärker: „Harry was bleeding.“ – geht doch.
S. 21
Was sagt mir, dass ich diese Informationsflut noch brauchen werde?
S. 24
Handelt Harry Potter von der politischen Ordnung der Welt? Mit Dumbledore als England und Grindelwald als Deutschland? Ist Voldemort dann Amerika? Schließlich gab es El Quida ja noch nicht im Bewusstsein der Öffentlichkeit, als der erste Potter erschien. Und wer ist dann Harry Potter? Die Schweiz? Lichtenstein?
S. 49
Ich wusste gar nicht, dass die Engländer doppelgängers zu Doppelgängern sagen.
S. 52
Umweltfreundlich, die Frau Rowling. Verschwendet keine Seiten mit unnützem Blabla.
S. 54
Das Viech war sowieso zickig geworden.
Und noch jemand bloggt live seine Lektüre – allerdings mit Zeitvorsprung.
S. 60
Doppelrolle gefällig, Frau Carter?
S. 62
Schon beim aktuellen Potter-Film fragte die Boulevard-Presse, ob er zu düster ist für Kinder. Was schreiben die erst, wenn die „Deathly Hallows“ ins Kino kommen?
S. 71
Ich wünsche ja keiner Figur den Tod, aber dieses Französisch mitzulesen nervt gewaltig.
S. 78
Da fällt mir ein: Der Balkon muss mal wieder entgnomt werden.
S. 96
Wieder mal ein Beweis, wie rückständig Deutschland ist: In den USA darf man mit 16 Auto fahren, bei Harry Potter mit 17 zaubern – nur hier ist alles erst ab 18 erlaubt.
S. 97
Männer!
S. 98
Wieder erfahren wir etwas zwischen den Zeilen: Harrys Hormonhaushalt ist unterentwickelt. Es gibt einen Rasierer, aber kein After Shave – also ist da noch nicht viel mit Bart.
S. 102
Mokeskin state Moleskin – der Traum einer Autorin, die Angst hat, dass ihr jemand das Notizbuch klaut.
S. 128
Ist das nur ein Anflug von Berufsehre oder finden auch andere Menschen, dass Rita Skeeter der einzige richtig platte und vorhersehbare Charakter in der Harry-Potter-Serie ist?
S. 129
Wird Squib in der deutschen Ausgabe als Knallfrosch übersetzt?
S. 130
Familienfeiern bei Zauberern sind wie Familienfeiern überall.
S. 148
Gibt’s in der Zauberwelt auch eine “Bravo” oder woher bekommen die ihre Poster? Oder erklärt die Abwesenheit eines solchen Blattes, dass die Jugendlichen nur knutschen und nicht mehr?
S. 154
Ha!
S. 155
Tourjours Pur and the brand is your friend.
S. 175
Verräter!?!?
S. 191
Frau Rauling mark die teutsche Sprache.
S. 206
Die Augen meiner Feinde.
S. 208
Was kommt raus, gibt man der Jugend wochenlang Zeit, sich was auszudenken? Ein planloser Plan. Ich sag nur: Pisa ist überall.
S. 226
Engländer! Gib dem Jungen doch mal nen Kaffee.
S. 236
Ein büschen viel “Herr der Ringe”, mein Schatz.
S. 240
Gleich kommt jemand aus dem Busch und verkündet: “Aber der Krieg ist doch vorbei.”
S. 256
Der Snitch, Harry, der Snitch!
S. 272
Hat nich noch jemand ein paar Cent-Stücke in den Garten geworfen?
S. 284
Mama, Mama, ich will nicht zu Oma. Sie ist bestimmt eine Schlange.
S. 294
Nurmengard, Nuremberg…
S. 299
Renn nicht hinter jeder Hirschkuh her…
S. 311
Dieser Dialog könnte Emma Watson in ein paar Jahren den Oscar bringen.
S. 314
Och nöööö – das ist jetzt aber platt.
S. 328
Na endlich.
S. 336
Manchmal werden Märchen wahr.
S. 337
Ich dachte, die Länge spielt keine Rolle?
S. 340
Also Journalisten kommen hier nie gut weg.
S. 360
Mann, Potter, Du bist so…
S. 374
Der Böse an sich, ist sich ja nie einig.
S. 383
Mann, Potter, Du bist so…
S. 390
Das ist doch mal eine Ehemaligen-Organisation. Da können sich deutsche Unis ein Vorbild nehmen.
S. 411
Das geht doch niemals gut.
S. 460
Ist das nicht ein Satz aus nem Charles-Bronson-Film? Oder war es “Stirb langsam”?
S. 468
In Hogwarts erwirbt man sich schnell den Titel “girl friend”
S. 473
Wird ein tolles Videospiel.
S. 474
Na, das ist doch mal eine verheißungsvolle Kapitelüberschrift.
S. 477
Bruce Potter in “Crucio langsam”
S. 487
Unnötige, schleimige Sentimentalität.
S. 502
Konzentration, meine Herrschaften, Konzentration!
S. 529
Immer diese überzogenen Dramatik und diese Vielzahl von Worten. Sein Wohnzimmer sieht wahrscheinlich aus wie das von Gülcan.
S. 531
Ist das die Stelle, an der JK Rowling geweint hat?
S. 533
Und gleich bietet er Schoko-Käfer an.
S. 535
Ich könnte Dein Vater sein.
S. 538
Spucken ist das neue Schwarz.
S. 548
Die Chudley Cannons – das Preußen Münster des Quidditich.
S. 565
Ach deshalb hat Daniel Radcliffe schon mal nackte Auftritte geübt.
S. 595
Mann, ist das kompliziert.
S. 607
Machts gut, war schön mit Euch.
Fazit:
Die “Deadly Hallows” sind tatsächlich der mit weitem Abstand beste Potter-Band. Ein Feuerwerk an Handlung und doch ohne große logische Brüche, mit einem sensationellen Gefühl für Sprach- und Erzählrhythmus. Andere Autoren hätten daraus 1000 Seiten gemacht – mindestens. Schade nur, dass Rowling glaubte ein finales Kapitel ankleben zu müssen, dass mutmaßlich alle Spekulationen um einen weiteren Potter-Band beerdigen soll. Doch dieser letzte Abschnitt ist wie der Billigkeks zum Espresso, nachdem es vorher eine begnadete Creme Brullée gab: Er hinterlässt einen faden Beigeschmack.










31 Kommentare zu “Live-Blogging vom Harry-Potter-Lesen (Schluss)”
@ben utzer:
vielleicht hab ich die ironie nicht mitgekriegt, aber: bloss nicht! “nesthaekchen und ihre kinder” fand ich schon als kind graesslich. die 7 baende hp ziehen einen prozess des erwachsenwerdens nach, nicht zuletzt dadurch, dass man aus dem blickwinkel der protagonisten die welt immer breiter und differnzierter wahrnimmt. das ist meines erachtens einer der faszinierendsten aspekte der baende. das kann man nicht einfach nochmal machen genauso wie man erlangte erkenntnis nicht einfach ausblenden kann.
hugh und jetzt ist genug von mir!
Fazit:
Es bleibt also abzuwarten was für Abenteuer die Kinder von Harry Potter eines Tages erleben, sofern Sie kein Squib sind sollte es spannend werden… in Hogwarts.
Ich wollte ja zu Harry Potter wegen all jener, die’s noch nicht gelesen haben, erstmal gar nix sagen / schreiben, aber Ihre letzten Zeilen, werter Kollege Knüwer, die bringen’s wirklich auf den Punkt. Da überstehen unsere jungen Freunde lebensgefährliche Abenteuer, retten die Welt etc. pp. und dann fällt ihnen nix besseres damit ein, als glückliche Kleinfamilien zu gründen.
Aber durch das “19 Jahre später” hat Frau Rowling es wohl tatsächlich geschafft, alle Fragen nach einem Harry Potter VIII als Jugendbuch zu verhindern – und sie kann trotzdem mal ein neues Buch schreiben, die Abenteuer vom kleinen James Potter zum Beispiel
So… nach durchstandener Lektüre:
“tatsächlich der mit weitem Abstand beste Potter-Band”?
Allein der 3. Band hatte dramaturgisch etwas zu bieten. Dieser (hoffentlich) letzte ist überladen, voller unnachvollziebarer Wendungen und bezieht seine Pseudospannung zwar erstmals nicht aus den Magen-Darmproblemen des Protagonisten, dafür aber eben aus dem Berg von Leichen und wie schon der Vorgänger aus dem billigen Faschismusambiente.
Kinderbücher waren das noch nie, und den Hinweis auf die Diskrepanz zwischen paranoider Killerspiele-Hatz und dem Hochjubeln eines marktbeherrschenden Müllromans, in dem fröhlich gefoltert und getötet wird, gönne ich mir. Geht es hier nicht um “Medien”?
p.s.:
Menschlein, die jede abweichende Äußerung als solche eines “Trolls” zu diskredietieren versuchen, werden in meiner Welt gnädig trolleriert.
Gebe dir Recht! Das letzte Kapitel schmeckt verdorben. Es ist irgendwie lachhaft, dass die Hauptfiguren plötzlich alle Miteinander verheiratet ist und deren Kinder wie ein Mashup aus all den Freunden und Feinden der Vergangenheit heißen.
Mir fehlten noch die Kinder: Fred-Mad-Eye und Hedwig-Tonks
Sehr lächerlich!
Ohne große logischen Brüche? Ich bin zwar erst halb durch aber das ist gelinde gesagt ein Fehlurteil.
Wo ist zum Beispiel die Logik darin in vermeintlich sichersten Gringotts-Gewölben ein Drachen zu parken, der mit etwas Hilfe alle Sicherheitsmaßnahmen zu Schutt schlagen kann? Haben Banken neben ihren Safes auch eine Flak stehen, die jede Einhausung in Staub verwandeln kann?
“S. 487 Unnötige, schleimige Sentimentalität.”
jupp. aber ms rowling wird sich auch so mit genug fragen a la: “und was ist aus dem und dem geworden? wieso tauchte das und das nicht mehr auf?” rumschlagen müssen. die weasleys sind zu wichtig um einen von ihnen unerwähnt rumstreunen zu lassen…
Nee, Blindgaenger waere ja damp squib.
Squib – Blindgänger?
(Wird natürlich nicht übersetzt, nehme mir aber hiermit vor, “Blindgänger” öfter als Schimpfwort einzusetzen.)
Also ich deute es ja in meinem Liveblogging an: an sich ist das ein Buch zum Film bzw. ein Geschredder aus Hollywood und Action-TV – oder? (Bin mitten in Cap 15)
Ach guck an ein flatter-Troll.
Na? Wer füttert den jetzt?
Als passionierter Potter-Hasser lese ich selbstverständlich gerade auch das Ding (nein, ICH habe es NICHT gekauft).
Schon die anderen Bände waren ja hart an der Grenze. Dieser aber ist ein gedrucktes Killerspiel. Fazit: Verbieten! Die Deutsche Ausgabe darf nie in Kinderhände geraten!
Das Ende ist ja nicht so das wahre… Ich will nix verraten, aber ich fands doch etwas unspektakulär. Und der Epilog ist wirklich etwas kitschig.
@Birgit: Das Ende musste sie anhängen, damit niemand auf die Idee kommt, weitere Bände zu schreiben. Jugendliche schreiben nun mal keine “fan-fiction” über so “alte” Leute
Und die versteckten Anspielungen sind doch trotzdem hübsch.
nein, wir sind zu zweit, liebe rika
mann o mann,
wann wird die welt endlich wieder normal?
bin ich die einzig, die nicht im harry-rausch ist?
siehe http://www.himmelunderde.wordpress.com
lg. rika
Hi Thomas, wußte ich es doch, dass Du vor Montag anfängst zu lesen – Hexenschuss, blöde Ausrede
Ich habe von Samstag 12 Uhr mittags bis nachts um 1.30 Uhr gelesen!!! Schönes Buch, allerdings das “Pilcher”-Ende, hätte Frau Rowling etwas besser schreiben können. Wahrscheinlich aber war sie selbst so gerührt vom Ende ihrer Geschichte, dass sie nicht anders konnte. Wobei ein Happy End natürlich immer gut kommt!
Zu den Doppelgaengern:
http://germanenglishwords.com/
Ätsch, ich bin schon durch – aber ich habe auch nicht live gebloggt. Hält doch nur auf, dieser neumodische Kram.
“Dieses Cover schreckt auch eher ab.”
Ich habe beim Wortvogel die Lösung gefunden. Hier können Sie sich alternative Cover runterladen:
http://www.pointlesswasteoftime.com/pottercovers.html
> Wird Squib in der deutschen Ausgabe als Knallfrosch übersetzt?
Hallo Herr Knüwer,
wie kommen Sie denn jetzt darauf? Heißt squip übersetzt Knallfrosch? Jedenfalls wird es in den deutschen Übersetzungen nicht übersetzt.
Wieso musste ich auf S.225 bei dem Satz der beginnt mit:
“Apparently he didn’t want it back,…” an Sie denken Herr Knüwer?
Und nein, ich habe nicht gelacht als ich das entscheidende Wort des Satzes nachgeschlagen habe. Ich hab was gegen Schmerzen
PS: Danke für die vielen Besucher, btw. Ein paar bleiben sogar für nen Moment
wenn man das Buch einmal aufgeschlagen hat, schaut man eh nicht mehr auf den Umschlag. Habs grade fertig gelesen, jetzt ist meine Frau dran. Das Tempo wird bis zum Schluß durchgehalten, Band 5 und 6 sind gegenüber dem letzten Bloatware.
seite 607?
gruss r.l
Zu dem Umschlag: ich hatte (im April) auch erst die Kinderedtion bestellt. Aber kurz danach hab ich die Adult Edition gefunden. Wird als eine völlig andere Ausgabe deklariert. Der Umschlag ist dunkel und zeigt nur das Medallion (den Horcrux).
PS bin schon auf Seite 345
Noch frustrierender als das Ergebnis der Begegnung Werder – Bayern war das Spiel KSC – Schalke. Während die Bayern und teilweise auch die Bremer guten bis begeisternden Fußball bieten konnten, haben Schalke und Karlsruhe das Kunststück fertig gebracht, 92 Minuten lang das Niveau der schlechtesten Oberligapartie zu unterbieten. So gesehen hatten wir noch Glück, dass wir Dank völlig unkoordinierter Einlasskontrollen (sportliche Großveranstaltungen ist man in Düsseldorf halt nicht gewohnt) die erste Viertelstunde des Spiels vor dem Stadion standen – war unterhaltsamer. Und während des Spiels kam die Nachricht, dass der neue Harry Potter in meiner Packstation auf mich wartet.
Ligapokal ist eh nur Pseudofußball. Viel Spaß beim Lesen – Hexenschuss wie passend.
erzeugt suchtsymptome, wurde gottlob von allen häuslichen pflichten freigestellt *g*
@ ligapokal: frustrierendes ergebnis.
Zum Hexenschuß: mein solidarisches Beileid – mich hatte “einer” vor 3 Wochen erwischt.
Und außerdem ist *Ligapokal* gar kein richtiger Fußball.
Definitiv besser als Band sechs. Eigentlich will ich ihn garnicht aus der Hand legen, sollte aber mal mein Weib beim Essen-machen unterstützen. Schade.
Na, viel Spaß beim Lesen. Bin auch grad dabei und ich finds toll. Ich verrate allerdings beim Live-Bloggen die Handlung…