»Thomas Knüwer 20. July 2007, 09:51 Uhr

ARD und ZDF – die haben’s ja

Auch wenn mir hier wieder vorgeworfen wird, ich lasse derzeit kein gutes Haar an den öffentlich-rechtlich subventionierten Privatsendern – sie sind es doch selbst Schuld. Wenn die Zahlen der “Bild” stimmen, ist die Affaire um die Tour-de-France-Übertragungen ein Skandal.Das Wort “Ausstiegsklausel” könnte das Medienwort des Jahres werden. Denn an jenem Wort wird sich festmachen, ob ARD und ZDF eine gewaltige Verschwendung ihrer Gelder betrieben haben.

Solche eine Ausstiegsklausel wollte das ZDF laut Spiegel Online vom 1. Juni in die Übertragungsverträge der Tour de France einbauen. Nur: Zu diesem Zeitpunkt dürften sie längst unterschrieben, zumindest aber beschlossen gewesen sein – eine Personalplanung, wie sie für die Tour nötig ist, macht sich nicht in ein paar Tagen.

Und so stellt sich nun heraus: Es gibt solch einen Notausgang nicht. Die Rechte wurden gekauft und müssen bezahlt werden. ARD und ZDF kündigen eine Klage an, sie wird lange dauern und sich gegen die Veranstalter richten. Doch wenn die schlicht ihre angekündigten Kontrollen durchhalten, wird das ganze ein Scheingefecht.

Die “Bild” schlägt sich in dieser Situation auf die Seite der Mehrheit ihrer Leser. Das ist ihr gutes Recht, sie ist eine Boulevardzeitung. Und die Mehrheit der “Bild”-Leser will auf dem Camping-Fernseher halt die halluzinogene Wirkung wirbelnder Speichen sehen – egal durch welche Kraft die angetrieben werden.

Doch die “Bild” hat auch Zahlen die, so sich sich bestätigen, das Ausmaß der Geldverschwendung bei ARD und ZDF dokumentieren. 10 Millionen Euro haben die Rechte gekostet. Dazu kommen die Zusatzkosten für 180 Mitarbeiter, die aus Frankreich abreisen. Bemerkenswerterweise, obwohl die Übertragungen doch nur “ausgesetzt” sind. Nicht erwarten sollte man dabei, dass die bereits reservierten Übernachtungsmöglichkeiten Rabatt ob der Nichtnutzung gewähren. Tour-Orte sind massiv ausgebucht, das ist schlimmer als die Cebit 2000. Und wer sein Zimmer nicht nutzt, hat halt Pech gehabt – und löhnt trotzdem die enormen Preise.

Bei der nächsten Gebührenerhöhung dürfen die GEZ-geplagten Bürger dann den Bescheid streicheln und sich bedanken bei Nikolaus Brender und Günter Struve, die in ihrer Quotengeilheit die Augen verschlossen haben vor dem Offensichtlichen: Dopende Sportler setzen nicht einfach von jetzt auf gleich die Spritze ab – sie verstecken sie nur besser.

»Thomas Knüwer 20. July 2007, 09:51 Uhr

    34 Kommentare zu “ARD und ZDF – die haben’s ja”


  1. Knüwer schießt gegen ARD und ZDF – dafür schießt der Spiegel schlampig recherchiert gegen die Privaten. Peinlich.
    http://drueberschreiber.de/?p=13

  2. M. Weigel says:

    Die wirklich interessierten werden eh zu Eurosport gewechselt sein, anstatt sich bei SAT 1 oder Pro 7 die Haare zu raufen.

  3. @ Robert: Lustige Argumentation. Neidisch bin ich sicher nicht. Ich war nie ein sonderlicher Rad-Fan, war aber schon zweimal bei einer Touretappe, einmal zufällig, weil ich in Paris war, einmal auf Einladung der Telekom. Ich fands langweilig. Dass wir nicht das Geld hätten, um solche Ereignisse zu besetzen ist auch ein kühne Behauptung. Nur ist Sport für uns eben sekundär, immerhin aber war ich ja dienstlich zu Jahresbeginn beim Super Bowl.

    Aber kommen wir zu Ihren anderen Argumenten.

    Möglicherweise waren es 2,6 Millionen – aber das ändert doch nicht meine Argumentation. Auch dies ist jede Menge Geld, das aus dem Fenster geworfen wurde. Auf die zehn Millionen kommt man vermutlich als Gesamtpaket, denn der Übertragungsvertrag läuft noch bis 2008 mit einer Option für 2009.

    Ja, für mich ist das OK, das die “Bild” die Wünsche der Mehrheit ihrer Leser befriedigt. Eine Boulevardzeitung hat sich schon immer so verkauft. Ob ich das gut finde? Nö.

    Kritisch war die Berichterstattung von ARD und ZDF – aber doch nicht selbstkritisch.

    Was die Mitarbeiter betrifft, dürfte die Mehrzahl auf freier Basis arbeiten. So oder so dürften sie Geld sehen. Und natürlich hätten sie in dieser Zeit an einem anderen Ort eingesetzt werden können. Die sitzen ja nicht ein Dreivierteljahr rum und drehen Däumchen. Und die Reisekosten – die fallen außerdem an.

    ARD und ZDF mussten gehen? Nein, sie berichten nicht mehr weiter. Spaßakkreditierungen aber gibt es nicht mehr. Sie berichten nun noch in Form angelieferten Bildern und Diskussionsrunden.

    Und gedrängt wurden sie nicht zum Ausstieg. Nachdem sie nicht mehr übertrugen, hatten sie ein rechtliches Problem. Denn Übertragungsverträge sehen vor, dass übertragen wird.

    Und schließlich: Klar geht es um die Quote. Punkt. RTL würde auch gerne übertragen. Aber eine Tour-Übertragung ist schlicht und einfach sauteuer. Und RTL muss sich alles, was dafür nötig ist, von außen besorgen – denn der Sender hat keine substanzielle Sportmannschaft. ARD und ZDF sind doch keine seelentröstenden Gutmenschen – erst recht nicht zu Uhrzeiten, das Werbung gesendet werden darf.

  4. Marc says:

    Wieso steigt die ARD nur aus, wenn ein T-Mobile Fahrer gedopt ist? Was wäre denn passiert, wenn es einen Gerolsteiner Fahrer getroffen hätte? Wären die ÖR live dabei geblieben? Haben die Belgier und Holländer ein anderes Verständnis von Gerechtigkeit/Aufrichtigkeit, nur weil sie die Tour weiterhin gucken und nicht aussteigen?
    Als Radsportfan regen mich die dauernden Nachfragen nach Doping auf. Eurosport war auch vor dem Ausstieg der ARD der einzige Sender, auf dem man fachkundig und gut kommentierten Radsport erleben konnte und zum Glück weiterhin kann. Der erhobene Zeigefinger der ÖR ist für mich hingegen ein Witz.
    Wenn Doping dazu führt, dass die TdF nicht mehr übertragen wird, welche Folgen sollte dann die Korruption in der Politik haben? Sendeverbot?

    Ein treuer Eurosport-Radsport-Fan

  5. Robert says:

    Hallöchen,

    Sie machen es sich ja auch ziemlich einfach.

    Übernehmen einfach so die 10 Millionen Euro der BILD Zeitung ohne mal nachzufragen. Und obwohl vielerorts von 2,6 Millionen Euro jährlich gesprochen wurde (für die Rechte).

    Und wenn die BILD sich auf die Meinung Ihrer Leser schlägt “ist das okay, weil sie eine Boulevardzeitung ist”? Ich bitte Sie.

    Kein Wort bei Ihnen von der überdurchschnittlich selbstkritischen Berichterstattung der ö-rs in den letzten Tagen zum Tourausstieg.

    Kein Wort darüber, dass viele der 180 Mitarbeiter vor Ort eventuell festangestellt sind und so kein Geld “mehr” ausgegeben wurde, als wenn diese in der Zeit was anderes gemacht hätten.

    Kein Wort darüber, dass ARD & ZDF gehen MUSSTEN, weil die Akkreditierungen zurück gezogen wurden.

    Kein Wort darüber, dass ARD & ZDF freudig weiter über die Tour de France berichten – nur eben nicht live.

    Kein Wort darüber, dass ARD & ZDF schon weit zuvor angekündigt haben, aus der Tour auszusteigen sollte sich ein Dopingfall im doch so braven T-Mobile Team ergeben.

    Kein Wort darüber, dass ARD & ZDF zum Tourausstieg vor B-Proben-Öffnung von der EBU (den tatsächlichen Rechteinhabern in Europa) gedrängt wurde.

    Und das die Übertragung der Tour de France etwas mit Quotengeilheit zu tun hätte, ist ein Witz. Wenn das wirklich so tolle Quoten bringen würde, wäre da nicht RTL an der Übertragung interessiert? Sind 1 Millionen Zuschauer in den 3-4 Stunden Übertragung quotengeil?

    Sie sind neidisch. Neidisch, weil Ihr Verlag nicht so viel Geld hat, nicht so groß von irgendwelchen Events berichten kann und weil ARD & ZDF eine “digitale Offensive” gestartet hat – auf die jeder Verlagsmitarbeiter mit Zähneknirschen schaut. Aber Sie sind verdammt noch mal Journalist – und auch wenn das nur ein Meinungsblog ist – sollten Sie ausgewogen die Fakten auf den Tisch legen. So hat das einfach nur BILD-Zeitungsnivaue… Fakten ausblenden können die auch super.

  6. drake says:

    @Jürgen Kaiwa – tour 2007 – ausstieg von ard und zdf wg. doping: …umso mehr ich darüber nachdenke, umso weniger kann ich die entscheidung von ard u. zdf befürworten.* ich halte sie vielmehr für einen weiteren übegriff der medien in die (sport-) politik. * denn: bei welchen weiteren themen werden die ard- u. zdf-oberen in zukunft die berichterstattung verweigern? * und: wer verleiht dann jeweils die moralische kompetenz dazu? *** “öffentlich-rechtl. auftrag”? *** presse , rundfunk u. fernsehen in deutschland sollten bei ihren eigentlichen aufgaben bleiben, wenn die demokratie halbwegs funktionieren soll! stephan Fröhder

  7. Viele Debatten sind nützlich. Diese führt in die Irre. @ Mr. Knüwer: Das Geld, das ARD und ZDF in Frankreich gelassen haben, hätten sie dort ohnehin gelassen. Unterschied: Sie hätten es versendet. Jetzt müssen sie billiges Ersatzprogramm aus dem Keller holen und preiswertes Talk-Gedöns über Doping und die Medien ausstrahlen. Wirtschaftlicher Verlust? Eher gering.
    @ alle: Das Verhalten eines einzelnen Entscheiders (und Mitfinanziers) im Gesamtmedienkontext ist nur EIN kleines Ereignis im Getriebe einer sehr viel größeren Auseinandersetzung mit der Frage: Wieviel Lug, Betrug und Scheinheiligkeit akzeptieren wir im Umgang mit der Freak-Show namens Sport in den Medien? Jeder wird seine Grenzen woanders ziehen. Wieviele Schauplätze es inzwischen gibt, kann man übrigens in dem Buch “Korruption im Sport” nachlesen, das vor einem Jahr erschien (Disclaimer: habe einen Beitrag beigesteuert). Objektiv betrachtet: Die Öffentlich-rechtlichen sind mit ihrem Rückzug – zur Zeit – den meisten anderen erstaunlicherweise voraus. Weshalb das aktuelle Echo enorm ist (auch die Amerikaner, die auf das Landis-Urteil warten, nahmen Notiz). Die Frage zu diskutieren, wann es denn nun für ARD und ZDF – diesen verbeamteten schwerfälligen Koloss – besser gewesen wäre, sich zurückzuziehen (vorher, nachher etc.) ist so etwas von pedantisch und gestrig. Vorschlag: Jeder möge bitte beim nächsten Kauf eines Produkts der Sponsorenfirmen von Sportlern einfach mal mit den Verkäufern derselbigen Produkte reden und fragen, wann die sich zurückziehen. Das wäre auch EIN aktiver Beitrag zur Diskussion. Einer bei dem sich Haltung dokumentiert.
    Schlussbemerkung: Damit ich nicht falsch verstanden werde – das Los der Öffentlich-Rechtlichen ist mir egal. Das der Tour de France auch. I have no dog in THIS race. Ansonsten bin für eine Verankerung von Sportbetrug im Strafrecht. Das wird nichts an dem Problem ändern, aber die Debatte dorthin führen, wohin sie gehört – auf die nächsthöhere relevante Ebene.

  8. Harald says:

    Der Sat.1 Livekommentar ist nach meinen zugegebenermaßen kurzen Stichproben so unterirdisch (ständig werden die falschen Namen zu Fahrern im Bild genannt und das Geschehen völlig ohne Ahnung von der Materie kommentiert), da bin ich wirklich froh dass Eurosport als europäischer Sender selbstverständlich weiter überträgt. An einem Tag soll dann auch noch auf Pro 7 übertragen werden weil bei Sat.1 zeitgleich der Ligapokal um die goldene Ananas läuft, die waren nun wirklich noch nie in der Verlegenheit mit Livesport in Berührung zu kommen. Programmplanerisch eine Katastrophe, wozu hat man eigentlich den unnötigen Sender N24 in der Senderfamilie auf dem sowieso nichts quotenrelevantes läuft. Diesen opportunistischen Blödsinn von P7S1 sollte nun wirklich niemand unterstützen, der die Tour de France auf ARD und ZDF schauen wollte. Öffentlich-Rechtliches Gebührenfernsehen hin oder her.

  9. Detlef Borchers says:

    @Drake: Ich stimme zu, dass insbesondere die ARD mit den Ullrich-Exklusivverträgen und dem Ullrich-Betreuer/Biographen Hagen Boßdorf keine gute Figur abgibt. Mit Hajo Seppelt haben sie aber den Drogenfachmann (der von Boßdorf weggemobbt werden sollte). Und sie hatten auch mal den Marcel Wüst als Kommentator, der im Festina-Skandal sauber geblieben ist. Jetzt werden sie bei mir punkten, wenn die Sponsoren die Profi-Sauställe sitzen lassen. Selbst die Grünen werden mir sympathisch, wenn sie versuchen, die Rad-WM zu verhindern.

  10. drake says:

    @ard/zdf-ausstieg tour 2007 /”Die ARD informiert in der ganzen Bandbreite der journalistischen Formen über alle wichtigen politischen, sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen, ökologischen, sportlichen und alltagsbezogenen Themen. Für das Gemeinschaftsprogramm Erstes Deutsches Fernsehen verpflichtet sich die ARD auf einen Informationsanteil von mindestens 40 Prozent, worin die Sportinformation mit rund 10 Prozent noch nicht enthalten ist.” Quelle: ARD-Leitlinien vom 4.10.2004,
    http://www.ard.de/intern/organisation/-/id=8036/nid=8036/did=197252/j92len/index.html

  11. Henning says:

    Der Fehler ist doch nicht, die Übertragung jetzt einzustellen, sondern die Rechte gekauft zu haben.

  12. Pütter says:

    hier in Füssen/Allgäu schloss die Stadt gegen den Anwaltsrat einen Mietvertrag für einen Parkplatz ab, unkündbar bis 2047. Rund 50000 € p.a.

    Das danebenstehende Festspielhaus ging in die Insolvenz.

    Einnahmen bis auf weiteres weg, Kosten nicht.

    Jeder Arzt haftet für Behandlungsfehler. Wer Bürgers Geld verwaltet, leider nicht für Handlungsfehler.

  13. Marcel says:

    “In Ergänzung zur Bild-Umfrage: Die Sat1-Quoten sollen lausig sein, ein “niederschmetternder Marktanteil von 4,7%”. Vielleicht merken auch die letzten im Sessel klebenden “Radsporfans”, was Rasmussen & Co da für eine abstoßende Show bieten. “

    und dafür glänzende quoten bei eurosport. und “radsportfans” sind wenigstens nicht so naiv und lassen sich von einem dopingfall nicht überraschen oder sich von ÖR jahrelang in “sicherheit” wiegen. “Radsportfans” sind sich bewusst, dass die Tour seit ihrem Beginn nicht dopingfrei ist. genauso wenig dopingfrei wie alle anderen profisportarten.

  14. Christoph says:

    Wie? Die Rechte an der Tour de France kosten NUR 10 Millionen Euro? Und das, wo doch zu Ullrich-Zeiten selbst mittags weit über 5 Millionen Zuschauer vor der Kiste saßen?

    Den Sendeabbruch von ARD und ZDF befürworte ich uneingeschränkt.

  15. drake says:

    @Detlef Borchers / “abstoßende Show” – tour de france 2007 / …ich z.B. bin überhaupt kein Radsportfan (!), sondern ein “Medienfan”. Was mir aber noch viel mehr missfällt als das Doping im Sport, ist die aktuell von ARD und ZDF vertretene, unglaubwürdige Auffassung von Journalismus und Berichterstattung und den dort angeblich herrschenden Maßstäben. Das ist gefährlicher als im Radsport: Doping der öffentlichen Meinung!

  16. Detlef Borchers says:

    In Ergänzung zur Bild-Umfrage: Die Sat1-Quoten sollen lausig sein, ein “niederschmetternder Marktanteil von 4,7%”. Vielleicht merken auch die letzten im Sessel klebenden “Radsporfans”, was Rasmussen & Co da für eine abstoßende Show bieten.

  17. drake says:

    @stefan niggemeier…ich habe sofort umgeschaltet! :-) “man hat keine alternativen” : bei ard und zdf! (falsche und einsame entscheidungen, galaubwürdigkeitsfalle, s.o.)

  18. @Thomas Knüwer: Gestern hat Sat.1 aus Berlin kommentiert, ab heute wollen sie angeblich vor Ort sein.
    @drake: Wie, man hat keine Alternativen? Kriegen Sie Eurosport nicht? Sat.1 auch nicht?

  19. drake says:

    @ard/zdf-ausstieg / tour de france 2007: der eigentliche skandal ist, dass die rundfunk- u. fernsehnutzer nicht gefragt werden (auch die, die keine bild-zeitung lesen! :-) und man keine alternativen hat (gar keine kundenorientierung?, keine idee für eine sport-kritische berichterstattung?)

  20. Lukas says:

    Über die Entscheidung von ARD und ZDF kann man sicher geteilter Meinung sein (ich finde sie albern und heuchlerisch) – ich zähle zu den Zuschauern, die die Tour gucken, weil es sie gibt und weil das gute Tradition ist.

    Wenn die ÖRs aber tatsächlich derartige Verträge geschlossen haben, sind sie in meinen Augen doppelt schlecht beraten gewesen, derart überhastet aus der Nummer auszusteigen. Ob sich die Gebührenzahler und die paar verbliebenen Werbekunden wirklich über dieses sauteure “Ende mit Schrecken” freuen werden, wage ich zu bezweifeln.

  21. Nein, ARD und ZDF hätten von vorne herein nicht übertragen sollen. Sie sind nach dem kölschen Prinzip verfahren: Et hätt noch immer jotjejange. Damit haben sie sich eine Situation manövriert, die absehbar war. Ausbaden dürfen das jetzt die Zuschauer – denn die zahlen mit Gebühren und weniger Geld für bessere Programme.

    Und deshalb wäre jetzt das Eingeständnis, dass es ein Fehler war, überhaupt mit den Übertragungen anzufangen überfällig. Betriebswirtschaftlich gesehen, wäre eine Weiterübertragung mutmaßlich die sinnvollere Variante – wie gesagt: betriebswirtschaftlich. In der Wirtschaft übrigens wäre auch mindestens ein Kopf gerollt.

    Was das ausgesetzt betrifft, ist es doch interessant, wie schnell die Formulierungen kippen, nicht wahr?

    Und was die Quoten betrifft: Wären die so gut wie in den vergangenen Jahren, wären die Übertragungen weiter gegangen – wetten?

    Sat 1 hat gestern übrigens einfach die französische Übertragung übernommen. Weißt Du, ob die mit Personal vor Ort sind? Oder haben sie schlicht einen Kommentator hingesetzt?

  22. drake says:

    @ard/zdf-tour-ausstieg 2007…solche (falschen) Entscheidungen kommen auch deshalb zustande, weil man weder mit zuschauern (befragung) noch mit den eigenen mitarbeitern – und schon gar nicht mit der medienkritik – redet…

  23. Herr Knüwer,
    sag mir, dass das nicht Dein Ernst ist: ARD und ZDF sollen die Tour bis zum bitteren Ende übertragen, egal was passiert, weil sie die Hotelzimmer schon bezahlt haben? (Und müssen wir uns wirklich vorstellen, dass die Leute von Sat.1/N24, die jetzt übernehmen und ja vorher nicht gebucht hatten, unter den Brücken übernachten?)
    Falsch ist übrigens Deine Formulierung, ARD und ZDF hätten die Übertragung nur “ausgesetzt”. Das ist längst hinfällig, sie haben die Rechte zurückgegeben.
    Ich weiß auch nicht, ob die leicht dahingeworfene Aussage stimmt, dass die Mehrheit der “Bild”-Leser die Tour de France im Fernsehen sehen will. Bei einer Bild.de-Umfrage vor zwei Tagen sagten nur 28 Prozent, die “Tour gehört ins TV” (http://www.bild.t-online.de/BTO/sport/2007/07/19/tour-sinkewitz/doping-luege,geo=2170502.html), bei einem “großen BILD-TED” vor zwei Monaten stimmten über 70 Prozent GEGEN eine Tour-Übertragung.
    Und Du meinst im Ernst, ARD und ZDF hätten sich “aus Quotengeilheit” von der Tour verabschiedet? Die Quoten bei ARD und ZDF waren nach Anfangsschwierigkeiten prima.
    (Anders gesagt: Komm mal runter!)

  24. derherold says:

    ARD/ZDF haben sich mE verkalkuliert.

    Da haben sie jahrelang den Radsport mitgetragen – soooviel Naivität traue ich ihnen nun wirklich nicht zu, daß sie nicht mal bei einem Sportmediziner nachgefragt haben – jetzt gibt es polit. Gegenwind: Zack, man zeigt “klare Kante.”

    Scheint nur irgendwie verpufft zu sein…

  25. SvenR says:

    Rendite.1, äh, Sat.1 hat Verträge mit Fahrern? Was Sie alles wissen…

  26. BrainBomb says:

    Bin mal gespannt, ob von SAT1 irgendeinem Fahrer mal ‘ne kritische Frage zu Doping gestellt wird. Wahrscheinlich ist das schon per Vertrag ausgeschlossen.

  27. Chat Atkins says:

    Wir sollten einen deutschen Pharma-Kanal einrichten und die gesamte Sportberichterstattung dahin transferieren.

  28. Detlef Borchers says:

    Mir ist als GEZ-Zahler die Lösung der komplette Abbruch der Zelte von ARD/ZDF immer noch lieber als das Schielen nach Quoten. Natürlich wäre es noch besser gewesen, gar nicht von der Tour zu berichten. Man hätte reagieren müssen, als T-Mobile Herrn Aldag nach seinem Geständnis im Team beließ. Ich wünsche mir nur noch, das Gerolsteiner, Milram und T-Mobile einsehen, was für einen Mist sie da finanzieren. Aber das wird vielleicht noch kommen. Bis dahin darf der Nachrichtensender SAT1 diese Parodie namens “Radsport” senden und in die Hotels einziehen, die die ÖR-Kollegen geräumt haben. Den Zahlen von Bild zu glauben, halte ich für einen Ausrutscher auf der Schleimspur des “Radsportfans”, der zuschauen will. Die Mehrheit der echten Fans dieser wunderschönen Sportart hat sich längst mit Grausen abgewendet.

  29. Marc says:

    Ich finde Herr Knüwer kritisiert völlig zurecht das Verhalten von ARD und ZDF. Wer bei den ÖRAs wirklich gedacht hat, nach der UCI-Charta sei der Radsport sauber, verdient schon nicht mehr die Bezeichnung blauäugig. Es wäre von ARD und ZDF konsequenter gewesen, von vornherein die Tour links liegen zu lassen.
    Zudem ist es nicht das erste Mal, dass ARD und ZDF vertraglich auf die Nase fallen. Bei der Fußball-WM 2002 gab es Ärger wegen der digitalen Satellitenausstrahlung der Spiele. Die Folge: Die TV-Zuschauer mit Digitalempfang mussten mit einem Ersatzprogramm Vorlieb nehmen. Gibt es in solchen Fällen eigentlich irgendwelche Konsequenzen für ARD und ZDF?

  30. Jan says:

    @Michael

    Das gewissen- und skrupellose Verhalten??? Mir kommen gleich die Tränen. Meinen Sie gewissenlos in der Hinsicht, dass Sat1 jetzt die TdF überträgt oder wegen der Streichung der Nachrichten?

    Auch hier wiederhole ich nur, was schon in vielen anderen Blogs steht: Sat1 ist ein privates Unternehmen, und wenn es glaubt, dass die Übertragung einer von Doping-Fällen überschatteten Veranstaltung seine Kundschaft interessiert, warum sollten sie es dann nicht übertragen?

    Es wäre natürlich schöner, wenn Sat1 sagen würde:”Nein, diesem Doping-Sumpf wollen wir keine zusätzliche Bühne bieten”, (mal abgesehen davon, dass das dem Radsport ansich gegenüber etwas ungerecht ist nach z.B. all den Schwimm-Rekorden bei Olympia 2004.). Aber wie Sie selber sagen:”moralische und ethische Grundwerte sind nicht viel wert”, da kann ich in rein monetärem Sinn zustimmen. Das ist bei den ÖR Zwangssendern was anderes, die benutzen öffentliche Mittel und haben daher auch einen anderen Anspruch.

  31. Ben Utzer says:

    @Jens:
    > wie es aussieht, wenn mans effizient macht, sieht man ja bei sat1 dieser
    > tage, das will man ja so auch nicht.

    Wieso? Die streichen doch nur die störenden “Nachrichten” zwischen den Werbeblöcken. *gg*

  32. Michael says:

    Hallo Herr Knüwer,

    ich muss mich einigen Vorrednern, auch aus anderen Blogs, anschließen und Sie darauf hinweisen, dass es sehr offensichtlich ist, wie Sie die öffentlich-rechtlichen attackieren. Man kann den Eindruck gewinnen, dass Sie hier eine gezielte Propaganda starten wollen. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.
    Meiner Meinung nach sollten Sie lieber das gewissen- und skrupellose Verhalten von Sat1 kritisieren, die jetzt wieder einmal gezeigt haben, dass moralische und ethische Grundwerte heutzutage leider nicht mehr viel wert sind, sobald jemand mit ein paar Geldscheinen winkt!

  33. Jens says:

    > Wenn die Zahlen der “Bild” stimmen

    sorry, aber an dieser Stelle ist mir die Gefahr zu groß, daß es sich lediglich um Informationen aus dem Springerschen Paralleluniversum handelt.
    Daß es diese subventionierte Sender gibt ist der einzige Grund, aus dem mein Fernseher überhaupt noch Programm empfängt und nicht nur DVDs uns Wii.
    wenn arte, 3sat, phoenix, ard und zdf nicht wären, würde ich über kurz oder lang das kabel ziehen, weil ich allein mit sendern, die mich nur mit irrsinnig machenden massen an werbung überschütten, hirnzellenvernichtener billigsoße ins koma senden und mir kaum versteckte crosscrosscrossselling-dauerbutterfahrten als unterhaltung verkaufen wollen keine veranlassung mehr sähe, fernsehen als irgendwie informativen oder unterhaltenden faktor bezeichnen zu können.
    klar sind bei den ör’s strukturen, die das geld nur so raushauen. wenn sich das mal bessern könnte, fände ich das auch prima. aber so skandalös find ich daran nix. das was jetzt raus kommt ist mir immer noch lieber als wenn es die nicht mehr gäbe. bis es die tatsächlichen info-alternativen gibt (siehe euer experiment vorgestern) dauert es ja nun nicht mehr so lange, diese zeit kann die ard wegen mir ruhig noch uneffizient ihr geld ausgeben. wie es aussieht, wenn mans effizient macht, sieht man ja bei sat1 dieser tage, das will man ja so auch nicht.

  34. Ben Utzer says:

    Hallo Herr Knüwer,
    es wäre wahrscheinlich besser gewesen bei der Aufklärung der / des Dopingfalls aktiv(er) zu sein / zu werden. Leider wurde meiner Meinung nach so auch das Ziel verfehlt, schlimmer ist allerdings das Sat1 jetzt nahtlos weiterüberträgt, dass Zeichen welches damit gesetzt werden sollte ist doch damit hinfällig.
    Das Handeln der ÖRR ist vielleicht im Ansatz richtig, zumindest in so fern das etwas unternommen werde muss, jedoch ist der Weg der falsche.