Ach, man fragt sich schon, womit die großkotz…, äh, großkopferten Journalisten so ihre Zeit zubringen, sind sie im Internet unterwegs. Ich finde dort Recherchemöglichkeiten, wie sie nie zuvor gekannt habe, spannende Diskussionen, intellektuelles Futter, neue Kontakte.
Menschen wie “Stern”ler Hans-Ulrich Jörges surfen anderswo. Da hatte ich ihn noch gelobt, den Jörges. Für seinen Aufruf zum zivilen Ungehorsam. Doch ungehorsam dürfen nach seiner Meinung eben nur die Journalisten sein, bitteschön nicht die Bürger. Die schreiben ja nur Dreck. Ob sich allein durch journalistische Wendungen etwas ändern kann? Eine Vorstellung, die von äußerster Selbstüberschätzung zeugt. Aber so ist das wohl auf dem Planet Berlin.
Warum ich das schreibe? Auch Jörges durfte auf einem Podium seine Online-Inkompetenz unter Beweis stellen, schreibt die Sprechblase (gefunden bei Medienrauschen). Er pöbelte folgendes:
“Die guten Redaktionen sollten ihre Siele geschlossen halten, damit der ganze Dreck von unten nicht durch ihre Scheißhäuser nach oben kommt.”
Was soll ich sagen. Gar nichts. Schauen wir doch einfach auf die jüngsten Titelblätter des “Stern”, jene besonders großen Themen also, die bitteschön nicht durch Dreck, den ihre Leser schreiben, verunstaltet werden sollen:















28 Kommentare zu “Jetzt auch Du, Jörges”
Also wortbildtechnisch hab ich jetzt den Überblick verloren…
Das kann man auch anders sehen, frei nach P.P.Zahl: der harte Kern (einer Kirsche zum Beispiel) ist immer ungenießbar. Er wird ausgespuckt. Bei gutem Boden wird ein Baum aus ihm. Und das unterscheidet eben Blogger-Urgestein mit kritischem Anspruch von den windelweichen Prinzipienwechselreitern, die um ein paar Kröten oder Testfahrten willen sich willig vor den Werbekarren von Opeljambayahooundsonstige spannen lassen. So, wie der Unterschied zwischen Journalisten mit Prinzipien und Johurnalisten und PRoleten.
Ergänzung:
Die Taktik ist simpel: Der Kern wird von einer weichen Frucht umhüllt. Die Hülle verschwindet nach einiger Zeit und aus dem Kern wächst der Baum.
Die weiche Frucht ist der Bezug zur rechten Szene. Der Kern ist “Loser Generated Content, LGC”.
Nach einiger Zeit wird nur noch über LGC geredet mit einem rechten Beigeschmack. Ahnungslosen Bürgern wird damit noch der Zusammenhang eingeimpft: Blogs sind meist LGC der rechten Szene.
Stetige Wiederholung verfestigt dieses Bild. Es wirkt bei ca. 15% der Bevölkerung. Mehr ist nicht drin – aber das reicht.
Thomas, ich glaube, Du siehst die Sache etwas zu optimistisch. Blogger sind ganz gross, wenn es um Fehler der Medien geht, aber wenn sie selber voll daneben langen, kneifen sie die Lippen zusammen. Aufgeflogene Werbung für einen Spammer und eine Sekte bei Trigami haben die wenigsten bewogen, auf den Fehler hinzuweisen.
Na, dann korrigiert euch mal denn dann. Wenn das mit dem Zitat wirklich ein bissi anders war. Aber richtig:
Widmet dem korrigierten Zitat einen eigenen Blogbeitrag. Statt wie Zeitungen ein Mini-Dementi irgendwo an verschütteter Stelle abzudrucken. Statt das verschämt ganz unten in einem Postingbeirag zu erwähnen oder zuzugeben.
In guter Hoffnung, dass das bei Bloggern klappt.
Wie kommen so Bemerkungen zustande? Wer hat Bilder von Dreck vor Augen der durch Scheißhäuser rausquillt? Jeder normalsterbliche Mensch? Oder sollte man hier nicht besser in eine Kategorie wechseln, die zu selten bedacht wird?
Anregung:
Psychopathen bei der Arbeit
Von Paul Babiak, Robert D. Hare
“Dr. Robert D. Hare is a researcher renowned in the field of criminal psychology. He is professor emeritus of the University of British Columbia where his studies centered on psychopathology and psychophysiology. He developed the Psychopathy Checklist (PCL) and Psychopathy Checklist Revised (PCL-R), used to diagnose cases of psychopathy and also useful in predicting the likelihood of violent behavior. He advises the FBI’s Child Abduction and Serial Murder Investigative Resources Center (CASMIRC) and consults for various British and North American prison services.”
Auszug aus der Amazon.de-Redaktion
“Die bittere Erkenntnis der beiden Psychologen: Psychopathen im Management sind häufiger als gedacht. Sie täuschen, manipulieren und boxen sich in der Hierarchie nach oben, wobei ihr rüdes Durchsetzungsvermögen nicht selten als Führungsstärke missverstanden wird. Gerade die flachen Hierarchien in modernen Unternehmen machen es ihnen besonders leicht, sich Einfluss zu verschaffen, sagen Babiak und Hare: Hier finden sie Raum zur Entfaltung, indem sie erst die Personalverantwortlichen täuschen und dann die Mitarbeiter manipulieren und gegeneinander ausspielen.
Das beherrschen Psychopathen perfekt. Denn ihnen fehlt ein Gewissen, das ihnen Regelverstöße erschwert. Zudem sind sie nicht in der Lage, Empathie und Mitleid zu empfinden. Hinzu kommen ein übersteigertes Gefühl der eigenen Bedeutung, Anspruchsdenken, fehlende Lernfähigkeit, Oberflächlichkeit, eine mangelnde Selbstkontrolle und antisoziales Verhalten.”
@Vroni: Natürlich reagieren Blogger empfindlich, wenn sie beleidigt werden. Journalisten auch. Müllmänner auch. Die Beleidigung ist keine pflegenswerte soziale Aktion.
Was das Zitat betrifft landen wir hier in einer interessanten Situation: Ich nehme Bericht aus Blogs als ebenso glaubwürdig hin wie die aus anderen Medien, so ich die Blogs für glaubwürdig halte. Das ist in diesem Fall der Fall.
Sollte sich das Zitat als aus dem Zusammenhang gerissen herausstellen, so wird ein großer Vorteil des Online-Schreibens greifen: Man kann sich korrigieren und das im Zusammenhang. Und damit haben viele Blogger – im Gegensatz zu Journalisten – wenig Probleme.
Jörges meinte vermutlich braunen Dreck.
Aber das wissen wir nicht genau.
Hätter sich klarer ausgedrückt, jetzt hatter sein Dreek, wie der Frangge zu sagen pflegt.
Aber erstaunlich, wie empfindlich Blogger anspringen auf unklare Aussagen, wo “Dreck” drin vorkommt. Fühlen sie sich gemeint, oder was…
Doch!
Man muss den Jörges ernst nehmen.
Denn wenn man den aktuellen STERN-Titel sieht, dann versteht man gut, ja sogar sehr gut, warum H.U. Jörges eine so immens große Angst vor “Dreck von unten” hat, der durch “Scheißhäuser nach oben kommt”.
Anders gesagt: Der STERN ist anfällig, auch mit Jörges in hervorgehobener Stellung, und zwar für so manchen Dreck. Dass Jörges in dieser schlimmen Situation eine schon fast zur Hysterie gesteigerte, generalisierte Angst vor Dreck hat, das muss ihm hoch angerechnet werden!
Ein guter und erfahrener Soldat hat Angst vor dem Krieg. Eine Dialysepatient hat Angst vor Hepatitis C. Und Jörges: Hat als Journalist und in Kenntnis eigenen Schafffens eine große unbezwingbare Angst vor dem Dreck, der ihm sogar “aus Scheißhäuser” entgegen kommt.
Ja, das muss so sein.
Muß/kann man Jörges noch ernst nehmen? Wohl kaum. Er, der mitverant-wortlich ist, für dens enkrechten Fall des Stern in die schreibende Gosse, sollte einfach den Mund halten. Einfach. Ernst nimmt den ehemaligen “großen Bewunderer” der Kanzlerin niemand. Henry Nannen würde sich darob im Grabe umdrehen.
Kein “Sex auf Grönland”? Dabei ließen sich doch alte Inuit-Bräuche so schön reißerisch beschreiben.
stern is for porn
Eine Stern-Parodie aus den 80ern hieß nicht umsonst LüStern. Das war die Edition, die auch den Dr.Spiegel, den Bauernkurier und die Quark (für Quick) herausbrachte.
SPAM hat die Satire schon besorgt.
Du hast den “Sex in Israel”-Artikel kritisiert? Gleich kommt der Broder vorbei und redet mal Tacheles. Alles Antisemiten.
dann sind wir ja schon mindestens beim dritten aufwasch der serie. qualität setzt sich durch.
Nö, Thomas, der Stern hat schon einmal versucht, der Praline Marktanteile abzujagen. Das war Anfang der Neunziger, bin da ganz sicher.
Das Thema ist uralt:
Ich liebte ein Mädchen am Südpol,
was selten da geschieht wohl.
Ich liebte ein Mädchen in Österreich,
für die war ich der grösste gleich.
Ich liebte ein Mädchen auf Elba,
die liebte lieber sich selber.
…
Interburg & Co 1968
insterburg-und-co.de/Ich_liebte_ein_Madchen.htm
Die erste Staffel lief allerdings nicht in den 90ern, sondern vor zwei Jahren, glaube ich.
@Jens:
Und weil die Serie so erfolgreich war gibt es sie jetzt noch einmal. Aber wohl ohne Grönland @Chat Atkins.
Der Horizont rückt näher,
und was keiner weiß,
jeder denkt das eine,
doch dafür ist´s zu heiß!
Sex! Sex in der Wüste!
Sex! Sex in der Wüste!
Auf ‘Sex auf Grönland’ wäre ich gespannt.
sex in [land der woche] gabs beim stern schon mal irgendwann anfang der neunziger.
Der Stern war schon immer Mittelstandsmagazin und Revolerblatt .
Das ist doch journalistisch ein 1a Ansatz. Man kann die Serie Sex in … bei 193 Staaten auf der Erde problemlos mehrere Jahre durchhalten und “zeigt” den Lesern immer wieder was neues.
Bei mir hieß das: “Stern auf dem Weg zum Coupé”. Spätestens mit der unvermeidlichen Serie über Hausfrauensex macht der Stern dann auch der Praline (gibt’s die noch?) Konkurrenz.
Ach herrje, wieder ein lauer, muffiger Wind aus Richtung eines B-Promipöblers. Prosecco in Dosen.
er hat doch aber gar nicht behauptet, daß er mit den “guten redaktionen” die des stern gemeint hat.