»Thomas Knüwer 26. Juni 2007, 14:29 Uhr

Das Blog – der Blog

Seit die Duden-Redaktion meinte, Blödsinn veranstalten zu müssen, bekommen wir es nicht mehr aus der Welt, dieses schwachsinnige “der Blog”. Vielleicht aber sollte man “der Blog” anders definieren als “das Blog”. “Am heutigen Montag (25. Juni 2007) um 10 Uhr startet das Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI) den “IT-Gipfelblog”.” Selbst dort also grassiert die Der-Blog-Seuche.

Dabei kommt Blog nun mal von Weblog und das kommt von Logbuch und das ist ein Das Logbuch. Auch die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” ignoriert – ausgerechnet im Wissen-Teil – diese Wortherkunft:
“…Deshalb haben wir einen sogenannten Weblog eingerichtet”, kündigt sie den Start des Wissenschaftsblogs Planckton an. Vielleicht erklären sie uns dann mal, wieso Journalisten meinen, ständig alles sogenannt nennen zu müssen – wenn es nicht so genannt würde, würde es schließlich nicht so genannt.

Aber zurück zur Kernfrage. Da der Duden, eine der letzten großen deutschen Institutionen, leider “das Blog” und “der Blog” erlaubt, wie wäre es mit einer Feinjustierung? In Kombination mit der Frage, was bloggen eigentlich ausmacht?
Ich stelle also zur Diskussion:

Das Blog: Weblog, dessen Besitzer nicht nur Texte ins Internet schreiben, sondern aktiv und authentisch kommunizieren.

Der Blog: Weblog, dessen Betreiber in der Form eines klassischen Sender-/Empfänger-Modells Texte ins Internet setzt.

Somit würde das IT-Gipfelblog “der IT-Gipfelblog” heißen. Nur der sogenannten “FAS” müssten wir das noch beibiegen. Die ersten Plancktonen nämlich sind gar nicht so übel geraten…

»Thomas Knüwer 26. Juni 2007, 14:29 Uhr

    63 Kommentare zu “Das Blog – der Blog”


  1. BLICKWERFER sagt:

    Also mein Blog ist ein “der”! Ich finde diese Diskussion ziemlich überflüssig. Blog kommt von Weblog. Blog ist aber auch keine Abkürzung von Weblog, denn dazu müsste man eine Abkürzungsregel angewandt haben, was hier nicht der Fall ist. Es scheint sich bei “Blog” um eine neue Wortschöpfung zu handeln und deshalb ist es unerheblich welchen Artikel sein Ursprung hat. Übrigens darf man laut Duden auch das Log-in und der Log-in sagen. Ich warte nur noch darauf, dass bald gemeckert wird warum man zu “Kaugummi” ebenfalls der und das sagen darf.

  2. Maik sagt:

    Ich finde auch: Richtig ist, was am häufigsten benutzt wird!

  3. Björn sagt:

    Ach ja.. Ich nutze ab sofort den Diminutiv von Blog: “das Blögchen”. Dann ist es eindeutig und ich umgehe solche Diskussionen.

  4. Der Dudenverlag hat mit seiner Entscheidung in seinem neuen Wörterbuch beide Formen, nämlich ‘Blog, der’ und ‘Blog, das’ als korrekte Schreibweise zuzulassen, die wissenschaftliche Ebene verlassen und sich dem Mehrheitswillen (Wiki-Prinzip) gefügt, um potentielle Käufer des Buches auf beiden Seiten zu befriedigen. Rechtschreibung entsteht aber nicht durch Mehrheitsbeschluss der Öffentlichkeit sondern nach Gesetzmäßigkeiten, welche die sprachliche Herkunft eines Wortes wissenschaftlich regeln. Blog kommt von ‘Logbuch, das’,’Log, das’. Etymologisch betrachtet ist es daher sächlich. Es heißt: ‘Das Blog’. Der Dudenverlag beginnt die Deutungshoheit über die deutsche Sprache zu verlieren!

  5. ba sagt:

    “blog” von “weblog”, schön und gut. aber kommt “weblog” wirklich von “logbuch”? könnte es nicht auch von “logdatei” kommen und würde so zu “die blog” führen?

    fragen über fragen…

  6. marci patati sagt:

    ich denke auch, dass es einfach leicht liegt “der” zu sagen, da der block einfach geläufig ist. auch wenn es vom ursprung her “das” heißen müsste, muss man aber auch gestehen (und wenn man in deutschland geboren ist, dann ist das eine erlernte tatsache), dass das blog auch einfach (zitat: tknuewer) “schwachsinnig” klingt;) “eingedeutschte” wörter müssen meiner meinung nach nicht immer nach dem wortursprung ihr geschlecht bekommen, manchmal muss man einfach nach dem klang gehen. kein grundschulkind würde heutzutage auf die idee kommen das blog zu sagen, wenn es ihm nicht von irgendwem eingetrichtert wurde. und gerade kinder gehen ja fast nur nach dem richtigen klang bei fremden wörtern.
    kritisiert ruhig, dafür schreibt man ja seine meinung

  7. [Iro] sagt:

    Das spannende ist ja, dass auch Blogger, zu denen ich mich ja nunmal auch zähle, sich immer wieder vertun. Ich erwische mich ab und zu, wie diverse Blogs männlich mache. Kann man davon ausgehen, dass der Deutsche an sich alles was mit schreiben zu tun hat in einen Schreibblock steckt? Geht die männliche Variante deshalb so flüssig von der Zunge? Fragen über Fragen, und keiner kann sie alle beantworten. Aber dann haben wir ja auch nix mehr zu diskutieren, gelle?

  8. karla sagt:

    Es ist nich tegal, denn es tut weh. Kann diese Ignoranz und das Desinteresse bezüglich der Herkunft des Wortes Blog nicht verstehen – es müsste doch zumindest nach dieser Recherche endlich jedem klar werden, dass es DAS heisst und sich DER nur auf Grund von Unwissenheit einschleichen konnte.

    Ich habe gerade eine Recherche sämtlicher großen Foren in Deutschland hinter mir – eines fällt auf: Der Blog wird von so vielen Seitenbetreibern benutzt, dass der nicht versierte Nutzer dem bisher unbekannten Medium BLOG zum ersten Mal mit dem Demonstrativpronomen DER begegnet und es von da an für DER BLOG hält. Inzwischen muss man wohl die Hoffnung aufgeben, dass DAS BLOG noch in den allgemeinen Sprachgebrach einzieht.

    Wer entwickelt eigentlich an solchen Foren wie goFeminin mit? Da wurde man am häufigsten darauf hingewiesen, dass man doch sein eigenes DER BLOG einrichten kann.

    “Erstellen Sie Ihren Blog kostenlos.” Auch gut gefällt mir “konsultieren Sie einen Blog”

    Das Blog als Arzt ;-)

    Noch mal meine Frage an Leute, die an sowas mitgearbeitet haben: Ist sowas eine strategische Entscheidung, extra DER BLOG zu nehmen um es mit einem gefühlt richtigen Sprachgebrauch dem wahrscheinlich als unterbemittelt angesehenem Zielpublikum so leicht wie möglich zu machen endlich so einen EIGENEN BLOG zu haben?

  9. just4ikarus sagt:

    Also: Laut deiner Definition wäre mein Blog sächlich. Doch ich rufe ihn nur beim männlichen Namen. Der Blog. Schon seit jeher.

    Und die Frage bleibt: Ist es nicht egal?

  10. Siegfried sagt:

    Bin etwas spät hierauf gestoßen, dennoch: http://www.rorkvell.de/news/2008/ar0808T092113

    Die Verbindung des Artikels mit Kommentaren oder nicht Kommentaren ist aber Blödsinn. Der Kapitän eines Schiffes lässt in seinem Logbuch auch nicht kommentieren, da schreibt er ganz alleine rein. Also ist ein Weblog ohne Kommentare immer noch ein Weblog, wenn auch nicht Web 2.0.

    Meines ist übrigens aus technischen Gründen ohne Kommentarmöglichkeit, da ich auf meinem Webspace kein php (oder Sonstwas) habe. Und das wird so bleiben, bis ich wieder Arbeit habe und Geld rein kommt.

  11. um die sache ein für allemal zu klären habe ich im buch der bücher nachgeschaut. das grimmsche wörtbuch band 2 (”biermör.” bis “dwatsch”) erklärt:
    “blocken = schwere arbeit thun: er blockt wie ein klotz”. “blocken”, aus dem in der mittelhochdeutschen lautverschiebung später “bloggen” wurde, kommt wie das wort “block” laut grimm eigentlich von “bloch”, denn “bloch ist wie loch n. (sc. sächlich) und empfängt den plural blöcher, ahd. pilohhir, wie loch löcher, ahd lohhir.” und weiter verweisen die grimms auf luther, der schreibt: “solche werk der reu und gnaden kennet mein lieber bapst weniger, denn der grosze bloch, der da ligt”. übrigens in kleinschreibung. nur weil der papst heute ein bayer ist, braucht man wirklich nicht das gute alte bloch zu “der bloch” verballhornen. ist doch wahr! by the way ist damit auch geklärt was der plural von blog ist: “die blögger”. ich verweise hier im grimmschen sinn nochmals auf “die löcher”.

    im übrigen sei zu dieser debatte auf folgendes blog verwiesen: http://www.czyslansky.net/?p=23. und damit hat sichs dann aber auch.

  12. Youngster sagt:

    Meine Vermutung war nur, dass Webblog (bzw. Web-Blog) für Außenstehende “leichter” zu lesen ist, da Weblog (bzw. Web-Log) für die meisten dann keinen Sinn ergibt/etwas anderes heißt. Allerdings liefert Google für “Weblog” 169 Mio Einträge, für “Webblog” nur rund 7 Mio. – müsste also stimmen. ;-)

  13. @hm: Wenn es zum Gähnen ist – einfach nicht lesen.

    @Youngster: Webblog ist kompletter Humbug. Da sind sich dann mal alle einig, denke ich.