»Thomas Knüwer 05. April 2007, 13:41 Uhr

Rechnung für Coty-Koten und Calvin-Klein-Schwänze

Grundsatzurteile, gefeuerte Viralmarketing-Deppen, miese Presse – wenn es so richtig hart, kommt wird es beim Duftwasserhersteller Coty, dem Produzent der Calvin-Klein-Parfüms, bald mächtig stinken.Gelegentlich schauen hier ein paar Halbdebile rein und glauben mit ihren Kommentaren Werbung für eigene Produkte machen zu müssen. Handelt es sich um offensichtlich kleine Firmen, gebe ich ihnen eine zweite Chance, lösche den Mist und schreibe eine E-Mail mit dem Hinweis, beim nächsten Mal Kosten für Online-Werbung zu berechnen.

Sind es dagegen mittlere oder größere Firmen, oder sind es Buden, die mir besonders blöd kommen, gibts auch eine Mail – und einen veränderten Kommentar wie im Fall der Künstlerbetreuungundplattenmachenwirgleichmitklitsche RAD, der hiermit ein baldiges Ende der Geschäftstätigkeit an den Hals gewünscht sei.

Nachdem ich aber gerade die Kostennote von Herrn Sixtus gelesen habe, werde ich doch über ein härteres Vorgehen nachdenken. Immerhin kann auch die Verlagsgruppe Handelsblatt jeden Euro brauchen.

Worum es geht, nochmal kurz erklärt. Der Dufthersteller Coty, dessen Calvin-Klein-Produkte sich nach meiner Erfahrung vor allem durch extrem schnelle Verflüchtigung und damit hohen Verbrauch auszeichnen, schleimt sich an die Freunde des Internet ran wie Sigmar Gabriel an Knut. Sein Duft In2U, dessen Namensherkunft hier ja bereits geklärt wurde, wird anscheinend systematisch über werbliche Kommentare in Weblogs auf pseudohip getrimmt. Die Rolle der kleinen PR-Agentur am Rande der Stadt übernimmt dabei die Frankfurter Tanja-Anja-Armee DKD. Und die scheint derzeit noch nicht zu ahnen, was über sie hereinbricht.

Die Idee ist so platt, dass ich den Lenkern dieser Kommunikationspleite schon den Koks in die Nase wünsche – vielleicht wirds dann kreativer. Derzeit können sie sich wahrscheinlich nur In2U nasal verabreicht leisten. Details zu den Machenschaften liefert eine schöne Geschichte im Wortfeld.

Dabei liefert “Glamour”, das schon nicht durch journalistische Elemente verunstaltete Laifschteil-Blatt aus dem Hause Condé Nast (ja, das sind die mit dem Jahrmarkt der Gähnigkeit namens “Vanity Fair”) eine hübsche Blog-Plattform für die angebliche Stewardess (So dürr und Stewardess? Würde mich überraschen), die so wahnisnnig In2U ist. Was man ja, sorry, mieser Witz, eher von Männern erwarten würde, also dass die In2… aber lassen wir das.

Sie droht: “Und wie geht es jetzt weiter?
Werde ich weiterbloggen?
Trotz derzeitigem Gefühlschaos ist diese neue Dimension in meinem Leben zu spannend um einfach damit aufzuhören.”
Aber vielleicht haben wir Glück und der Druckausgleich saugt sie beim nächsten Diensttermin in den blauen Himmel ab.

So weit, so schlecht. Da der Herr Alphonso auch eine Rechnung tippt, ist davon auszugehen, dass die Affäre rund um Coty erst ganz am Anfang steht. Bleiben Sie auf Sendung…

Nachtrag 15:20: Gerade macht mich Marco Maas auf Teil zwei der Geschichte aufmerksam.
Derweil geht Nerdcore In2Business. Und die Rechnung von Herrn Alphonso ist auch raus.

»Thomas Knüwer 05. April 2007, 13:41 Uhr

    11 Kommentare zu “Rechnung für Coty-Koten und Calvin-Klein-Schwänze”


  1. Spam wird hier relativ regelmäßig weggearbeitet. Im Minutentakt geht das nicht, aber insgesamt versuchen wir einigermaßen schnell diesen Müll wegzuhebeln.

  2. compuccino says:

    :-)

    wegen der Spam-Einträge, die mich hier vorhin noch anlachten … touché …

  3. Wieso genau sollte ich hier aufräumen?

  4. @Michael Finger

    Nun, da sind wir dann eben unterschiedlicher Meinung. Werbung ist in erster Linie eine Konsumenteninformation. Ich als Konsument werde darüber informiert, dass ein neues Produkt / Parfüm existiert. Nicht mehr und nicht weniger.
    Wenn ich dann bei Douglas stehe, muss ich immer noch daran schnuppern & mich der von irgendeinem Duftwässerchenhersteller bezahlten Douglette erwehren, die sich völlig sicher ist, dass das von ihr zu bewerbende Produkt das Richtige für mich ist.
    Natürlich hilft es, wenn man ein Fläschchen/Namen wenigstens von aussen kennt. Aber die Nase entscheidet. Und wenn ich unterbewußt auch noch etwas negatives damit verbinde, bleibt das Fläschchen unter Garantie im Regal stehen.

    Zur Verbreitung:
    Wie schon so schön gesagt: In Blogs.

    Wenn man sich mal ein klein wenig aus dieser doch in sich vergleichsweise verschworenen Gemeinschaft derer, die sich für Blogcharts und die dazugehörigen Blogs interessiert, herausbewegt und sich dann realistisch die Anzahl derer ansieht, die sich damit beschäftigen, dann ist das für mich eine vergleichsweise geringe Anzahl Menschen für den Aufwand, den diese merkwürdigen Figuren da betrieben haben.

    Ich denke, sogar im Second Life wäre der “Erfolg” größer gewesen, nachdem die Schleichwerbung aufgeflogen wäre. Allerdings spreche ich da nicht aus Erfahrung, ich bin zu faul, mir solch eine zweite Identität zuzulegen.

  5. Daniela, ich bin zwar nicht der Marketing Experte, aber ich habe gelernt, das alleine das man im Gespräch ist schon für eine Marke wichtig ist und wenn ich das so richtig bis jetzt verfolgt habe, steht die jetzt in gut 10 Blogs mit einem Artikel. Wobei das alles keine Unbekannte Blogs sind, das ist schon vom Marketing her eine Leistung.

  6. @Michael Finger

    Ich halte es für ein riesengroßes Gerücht, dass es reicht, ins Gespräch zu kommen, egal ob positiv oder negativ. Abgesehen davon – was genau ist denn passiert? Eine vergleichsweise kleine Gruppe von deutschen Bloggern ärgert sich über eine strunzdumme Marketingkampagne für ein Parfüm, es gab den einen oder anderen Artikel – zumeist online – darüber, und das wars. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für das Erzeugen von Heerscharen von DSDS-geschädigten Teenies, die nun die Parfümerien überschwemmen werden.

    Mit dieser Kampagne sollten meiner Meinung nach nicht die Blogger zum Kauf animiert werden, sondern der Auftraggeber davon überzeugt werden, dass man etwas “total crazy neues” veranstalten würde.
    Da hat jemand ganz deutlich am (gewünschten) Endverbraucher vorbei gedacht und bekommt nun die Quittung – bzw. die eine oder andere Rechnung.
    Für Coty sind es vielleicht nur ein paar Kröten aus der Portokasse, aber es wird hoffentlich ein Zeichen sein, mal nachzudenken, WEN man WIE ködert.

  7. Oh, aus versehen auf die Entertaste gedrückt und noch nicht fertig geschrieben.

    Von daher erst mal abwarten wie man sich jetzt so aus der Sache zieht, ohne das es zu negativ wird für den Hersteller. Wenn die das schafen, haben sie die beste Werbung, die sie haben konnten, ohne viel arbeit und mit sehr hohem Erfolg

  8. Michael Finger says:

    Ich befürchte ja das sie wussten das die Sache auffliegt und hofften das sie so Werbung in die Blogs bekommen, was sie ja auch geschafft haben, es gibt in den bekanntesten Blogs einen Artikel zu der Sache. Wenn das jetzt nicht zu sehr ins Negative geht, aber die Leute darüber reden und ist das Produkt bekannt und was wollen Werbeleute erreichen, das man über ein Produkt redet und das möglicht stark und das es sehr bekannt wird. Das haben sie mit der Werbung zu mindestens geschafft, das Produkt ist in aller Munde und man redet über das Produkt.

    Die Frage ist ob es jetzt nicht zu sehr ins Negative geht, so wie das mal bei so Klamotten Hersteller war, der dann sogar Geschäfte schlissen mußte. Mir fällt jetzt nur nicht der Name des Herstellers ein, aber es war Werbung auf Plakaten.

  9. mutant says:

    trainierte affen (parfumierte affen?) tun es auch. in bremen gibts keinen joe ;-)

  10. Don Alphonso says:

    Klar steht dahinter irgendwo eine natürliche Person. Jemand muss den Krempel auch getippt haben. Damit gibt es also die Person, die ich anzeigen und abmahnen kann, dass die Schwarte kracht. Was man halt so tut, wenn man auf Spammer und Schleichwerber zugreifen kann. Und der Junge ist sicher das kleinste Rädchen.

  11. marco says:

    und “joe” behauptet, dass es ihn wirklich gibt. bin gespannt, hab ihm jetzt angeboten, ein interview mit ihm zu führen – dafür fahre ich gern am wochenende mal nach bremen ;-)