»Thomas Knüwer 05. January 2007, 10:27 Uhr

Daylife – die Zukunft von Nachrichten im Internet?

In Deutschland kaum beachtet, in den USA seit Monaten heiß diskutiert: Daylife ist an den Start gegangen. Ein Startup, das die Welt der Nachrichten im Internet revolutionieren will. Nach einem ersten Blick würde ich sagen: Yep, könnte klappen.Es gibt in der Geschichte des Journalismus einen Satz, den ich gern geschrieben hätte. Er stammt aus dem Jahr 1974 von Jon Landau. Für den “Rolling Stone” schrieb er: “I have seen the future of rock and roll, and its name is Bruce Springsteen”.

Gut, im Alter von 5 Jahren wären mir solche Sätze nicht gelungen. Pech gehabt. Deshalb schreib ich mal den hier, durchzogen mit ein wenig Übertreibung:

“Ich habe die Zukunft der Nachrichten im Internet gesehen und ihr Name ist Daylife.”

Im November traf ich in New York Jeff Jarvis, einen meiner Lieblings-Weblog-Autoren. Er entpuppte sich nicht nur als scharfzüngiger Medienkritiker von hohem Wissensgrad, sondern auch als extrem angenehmer Mensch. Damals wollte er noch nicht so richtig viel verraten über das Startup, das er seit einem Jahr berät. Und was er erzählte, war schwer zu begreifen ohne es online zu sehen.

Nun ist Daylife, finanziert von einer Menge Geldgeber, darunter der “New York Times”, online. Beta, natürlich, das gehört heute dazu. Nach der ersten halben Stunde Testsurfen bin ich ziemlich begeistert. Es ist in der Tat eine erheblich modernere Art, Nachrichten aufzubereiten als alles, was uns die klassischen Medienunternehmen im Netz bieten.

Allerdings glaube ich, dass die Optik auch weiterhin zu sehr die Gewohnheiten von Internet-affinen Menschen anspricht. Ich bin überzeugt, dass es innerhalb der kommenden zwei Jahre in diesem Punkt eine Revolution geben wird.

Bis dahin aber ist der nun folgende Satz so gemeint und ohne Übertreibung:

“Ich habe die Zukunft der Nachrichten im Internet gesehen und ihr Anfang ist Daylife.”

Nachtrag: Co-Investor Michael Arrington sieht die Sache anders:

“After quickly reviewing the launch product, I am unhappy to report that I am underwhelmed by what Daylife has to offer.”

Ich denke, eine weitere Beschäftigung mit Daylife wird interessant werden.

Nachtrag II: Ein sehr kluger Kommentar, wie ich finde, von Dave Weinberger zum Thema.

»Thomas Knüwer 05. January 2007, 10:27 Uhr

    11 Kommentare zu “Daylife – die Zukunft von Nachrichten im Internet?”


  1. nrq says:

    Hm… wenn ich mich jetzt hinsetze und das Konzept kopiere, könnte ich dann ein alando/studivz hinlegen? Oder waren die Samwer Brüder wieder schneller? ;-)

  2. Armin says:

    “Allerdings glaube ich, dass die Optik auch weiterhin zu sehr die Gewohnheiten von Internet-affinen Menschen anspricht.”

    Tut sie das?

    Ich wuerde mich als Internet-affinen Menschen bezeichnen, aber ich finde das total ueberladen und viel zu kompliziert. Wenn ich auf die Top Stories Seite gehe werde ich foermlich erschlagen. Ein Riesenhaufen Links, Bilder die sich mir nicht sofort erschliessen, irgendwelche aus dem Zusammenhang gerissene Zitate, wo soll ich denn da klicken und weitergehen?

    KISS. Kann ich hier nur leider nicht finden.

  3. 7an says:

    hm, weiß net. sieht komisch aus. die hp ist noch ganz interessant, aber das ist mir alles zu verquer. und deutliche ladezeiten nehme ich bei einer 16 mbit-leitung nicht hin.

  4. hjfried says:

    Naja, den Satz
    “Ich habe die Zukunft der Nachrichten im Internet gesehen und ihr Anfang ist
    Daylife.”
    heb ich mir auf. Vielleicht läßt er sich ja noch einmal verwenden. So wie
    “640 kb Speicher sollten für jede Anwendung reichen”

  5. hape says:

    “You must have Javascript and Flash version 8+ enabled to see this content.” bekomme ich zur Strafe, wenn ich auf die Seite gehe, weil ich eine alte Flash-Version installiert habe; Javascript ist hingegen eingeschaltet. Beta oder nicht, die installierte Flashversion darf bei einer Nachrichtenseite nicht der Maßstab für den Zugang sein. Das ist nicht die Zukunft, sondern die schreckliche Vergangenheit à la “Optimiert für Internet Explorer 4.0″.

  6. schaefchen says:

    Ich habe die Zukunft gesehen, aber Daylife ist es garantiert nicht. Völlig schwachsinniges und überholtes Konzept. SO wiird kaum jemand News lesen wollen. Auch der Verweis auf Beta tröstet mich nicht. Das im vorigen Kommentar mit “Bayer” beschriebene Problem wundert mich nicht.

  7. Lilo says:

    Je mehr Info kommt, desto mehr kann Entscheidendes unter den Tisch gekehrt werden.

  8. Sascha Stoltenow says:

    Derrida meats Hearst! Daylife ist die Zukunft, und nicht nur die des NachrichtenLesens, sondern auch des NachrichtenErstellens. Natürlich ist es noch nicht fertig, aber die Idee wird sichtbar. Daylife verknüpft Nachrichten, Themen und Akteure. Vor allem das Ausweisen von Zitaten ist eine geniale Funktion. Ich greife jetzt mal ganz hoch: Daylife ist die erste dekonstruktivistisch gedachte Nachrichtenmaschine. Die Technologie dahinter, wird das redaktionelle Arbeiten nochmals beschleunigen und grundlegend verändern.

  9. Marcel says:

    ich versteh das neue auch nicht so ganz. ist halt ein nachrichten aggregator, ähnlich zu google news mit etwas anderer aufmachung. zumal mir die aufmachung auch nicht wirklich gefällt.

  10. metrohead says:

    Hmm, ich kann die Innovation auch nicht sehen. Google-News in bunt, oder?

  11. Timo Heuer says:

    Ich kann mir da anhand der “Tour” etc. nichts so wirklich drunter vorstellen… Ist das eine Art “Sammelstelle” für Nachrichten aus dem Internet mit eingebautem Del.icio.us? ;-)