»Thomas Knüwer 22. November 2006, 11:01 Uhr

Der Verbraucher schlägt zurück

Wenn die USA den deutschen Landen immer einige Jahre voraus sind, dann lohnt sich vor allem für verbrauchernahe Konsumgüterhersteller, Händler und Dienstleister ein Blick in die Weblog-Szene – zur Krisenprävention.Am Wochenende sagte mir jemand, der sich mit Weblogs gut auskennt, er sei ja sehr pessimistisch, was deren Entwicklung in Deutschland betreffe. Blogs boomten hier zu Lande nicht so, wie in anderen Gegenden.

Stimmt. Ich glaube aber, das wird sich schlagartig ändern, sobald Deutschlands Verbraucher Blogs als Mittel zur Gegenwehr gegen Abzocke, schlechten Service und miese Produkte erkennen.

So wie in den USA. Dort gibt es zum Beispiel den Consumerist – mit dem schönen Untertitel “Shoppers bite back”. Und nun auch noch mit Aircomplane ein Weblog, um sich über Fluglinien aufzuregen. Wenn ich die Geschichten von viel fliegenden Freunden höre, dann gibt es da viel zu erzählen, glaube ich.

Solch eine Verbraucherberichterstattung in Blogs dürfte bei Google rasant nach oben klettern, wie ich selbst mit meinen Artikel über Prada und die Deutsche BA erlebt habe. Und dann dürften auch die klassischen Medien schnell aufspringen. Erst recht, wenn die Blogger entdecken, dass sich ja auch mit Videos eine Menge inszenieren lässt…

»Thomas Knüwer 22. November 2006, 11:01 Uhr

    9 Kommentare zu “Der Verbraucher schlägt zurück”


  1. Webtopf says:

    Guten Tag auch :-)

    wie ich hier die Kommentare so lese,
    kann man ja fast froh sein, wenn man einen Einkauf beim Supermarkt mit Kritik ohne Anwaltskosten unbeschadet übersteht. Nein, so schlimm ist es nicht ganz ^^.
    In einem Blog allerdings ist man doch sehr transparent und gläsern, auch wenn man es mit vielen gemeinsam ist.
    Ich finde finde generell diese Abmahnungen eine Einschränkung der freien Meinungsäußerung.
    Schämen muss man sich in diesem Land, wo wir doch anderen Ländern zeigen wollen, wie tolle Rechte wir Bürger doch haben (sollten).
    Diese Abmahnungen sollen wohl eine Art Bestätigung des zu Kritiesierenden sein, da er sich wohl angesprochen fühlt. ^^
    Einige Gewerbetreibende solllten sich mal überlegen, von wem sie denn das Geld für ihren Lebensunterhalt und die Firma bekommen, ja, von den Verbrauchern ;-)

    greetings…Webtopf

  2. Fallout Boy says:

    @Robert:
    Ich dachte da mehr an eine “Blog-Quote”.
    20%-x% aller Printmedien- , TV- und Rundfunkbeiträge müssen zwangsweise aus der Blogosphäre stammen.

    Dann wird aus dem Dorf, durch das das Schweinebild…bzw. die Sau getrieben wrid, eine größere Stadt.

  3. Robert says:

    @fallout boy
    vielleicht sollte man die blogeinträge zur verbreitung einfach als kettenmail mit ‘nem schweinebild losschicken… :-D

  4. Fallout Boy says:

    Das mit der Potenzierung des schlechten Rufs wird sich im Komma-Bereich abspielen, solange Blogs für das Gros der Deutschen ein Fremdwort sind, dass Ihnen von Presse und Rundfunk mit “Tagebuch” übersetzt werden muss.

    Solange wird die Bloggerszene – auf die Einwohnerzahl dieses Landes – ein Sturm im Wasserglas bleiben.

    Ich persönlich habe den Zeitpunkt, an dem sich ein anerkennenswert großer Teil der Deutschen mit Blogs ernsthaft auf breiter Basis auseinandersetzt, noch nicht am Horizont ausgemacht.

  5. flatter says:

    Zittern die deutschen Blogger schon alle vor den Billigsäuen der Anwaltsszene? Man kann sich das auch anders vorstellen: Daß sich nämlich der abgemahnte deutsche Blogger sehr genau überlegt, was er schreibt, es auf den Punkt und die Spitze treibt und so zu Urteilen über Waren, ihre Produzenten und Vertreiber kommt, die viel schmerzhafter sind als ein frei herausgenörgelter Frust. Ebenso wird der schlechte Ruf gerade derjenigen potenziert, die glauben, sich durch Drohungen Kritiker vom Hals zu halten. Blogger werden durch den Abmahnwahn viel mächtiger, als sie ohne ihn wären. Und das wiederum macht Bloggen attraktiv.

  6. Fallout Boy says:

    Ich sehe die Sache genauso wie Robert und marcc:
    In den USA darf man wohl sagen, was einem sauer aufstößt. In Deutschland dagegen hat man sofort teure Post von Anwaltskanzleien im Briefkasten.
    Als Privatperson macht man das maximal einmal mit, danach wird man sich – um den Zeitaufwand, Ärger und finanziellen Schaden bei meist keinem Gegenwert – das mit den negativen Meinungen gehörig überlegen.
    Und der andere Teil der Bevölkerung lässts aus Faulheit gleich ganz bleiben “ins Internetz zu schreiben” oder meidet das Risiko von Abmahnungen, die mit überzogener Kostennote versehen sind, gleich gänzlich indem einfach keinerlei Meinung – egal ob positiv oder negativ – öffentlich verfolgbar im Internet abgegeben wird.

    Und weil das Ganze nicht vom Justizministerium zur Zufriedenheit der Masse (=Volk, nicht GELD-Masse = Wirtschaft und Unternehmen) gelöst wird, wird Deutschland zumindest bei DIESER Sache in absehbarer Zeit nicht auf US-Pfaden wandern.

    PS: Die geplante 50 Euro-Gesetziniative zu Abmahnungen stellt in meinen Augen keine Lösung dar. Das Ganze MUSS dringend dahingehend geändert werden, dass zuerst kostenlos mit ausreichend Reaktionszeit “ermahnt” werden darf und erst nach Ablauf dieser Zeit und keiner erfolgten Änderung, darf kostenpflichtig abgemahnt werden.

    Vorher wird sich der absolute Großteil lieber nicht die Finger an Negativmeinungen verbrennen wollen…

  7. marcc says:

    Ich bin mir da nicht so sicher. In den USA – so glaube ich – fallen viele Dinge unter freie Meinungsäußerung. Bei uns schreiben Anwälte – natürlich als “Organ der Rechtspflege” – dann anmaßende, die Wirklichkeit verzerrende, einschüchternde Briefe und Drohen mit Abmahung. Und alles mögliche Aufheben, nur um einen kritischen und eigentlich längst vergessenen Blogeintrag von vor fünf Jahren beweisen zu können? Das wird viele abschrecken.

  8. TRACKBACK: Aircomplane ist ein englischsprachiges Weblog, in dem Flugreisende ihre Erfahrungen austauschen können. Thomas Knüwer meint dazu in seinem Weblog “Indiskretion Ehrensache”: “Wenn ich die Geschichten von viel fliegenden Freunden höre, dann gibt es da viel zu erzählen, glaube ich.” Gibt es eigentlich schon ein deutschsprachiges Pendant zu diesem Meckerblog?

  9. Robert says:

    na dann wird das jurastudium auch wieder interessant, so viele anwälte werden benötigt, um die ganzen abmahnungen zu schreiben….