Ein Unternehmen hat einen großen Wurf vor. Doch statt sich abzukapseln lädt es Branchenkenner ein und diskutiert es – auch auf die Gefahr, dass die Ideen nach außen gelangen.
Macht keine Firma in Deutschland? Doch. Und noch dazu eine, die als verstaubt bis -knöchert gilt: die “Waz”-Mediengruppe.Ich muss mir Sorgen um meinen Ruf machen. Echt. Wenn mich jemand einlädt zu einer Diskussion, ich nur einer von rund 30 Anwesenden bin, aber es heißt: “Wir freuen uns auf Ihre Anregung und auf ihre Kritik. Dafür ist ja Herr Knüwer da.” Wenn dann auch noch darauf hingewiesen wird, ich würde ja doch immer gegen den Gastgeber schießen, obwohl ich das nur einmal getan habe.
Jener Gastgeber also, “Waz”-Geschäftsführer Bodo Hombach, hat mir das nicht übel genommen, sondern hat sich sogar darüber gefreut, “dass jemand im Internet meine Rede bemerkt hat”. Und mein Hinweis, dass er über Dinge geredet hat, von denen sein Haus keine Ahnung hat, kann nun auch nicht mehr stehen bleiben. Denn bei der “Waz” tut sich was.
Passiert ist mir dies gestern Mittag, als ich gemeinsam mit anderen Damen und Herren der Weblog-Podcast-Internet-Szene geladen war zum 1. Strategischen Dialog der “Waz” in Sachen Internet. Dass Bloggerin und Journalistin Katharina “Lyssa” Borchert Online-Chefredakteurin der “Waz” wird, war ja schon am Wochenende durchgesickert.
Bemerkenswert aber: Sie wird damit auch stellvertretende Chefredakteurin der “Waz” selbst – eine bemerkenswert hohe Verankerung. Und die zeigt: Die “Waz” meint es ernst.
Das machten Bodo Hombach und “Waz”-Chefredakteur Ulrich Reitz auch deutlich: Man werde Borchert alle Steine aus dem Weg räumen, auch die Gesellschafter, die ja bekannt sind für Streitigkeiten und den Abzug liquider Mittel, stünden hinter dem Projekt.
Rund fünf Stunden lang wurde gestern also diskutiert, sehr offen, sehr abwechslungsreich. Details des Konzeptes sollen nicht veröffentlicht werden, ist der Wunsch der Gastgeber und daran werde ich mich auch halten. Alles, was derzeit aber vorstellbar ist, tauchte auf – ein großes Rad für einen Verlag, dessen Online-Aktivitäten bisher im homöopathischen Bereich ablaufen. Mehr zum gestrigen Nachmittag gibt es auch bei Heiko Hebig, im Wortfeld, im Bamberg-Blog und bei Print-to-Internet.
Absolut erstaunlich aber ist sicher die Tatsache, dass diese Diskussion überhaupt stattfand: Ein Konzept offen mit externen Menschen zu besprechen, die nicht als Berater vertraglich zum Schweigen verpflichtet sind, ja von denen einige sogar für andere Firmen in der Branche arbeite – das dürfte es selten zuvor gegeben haben. Hut ab, für die Erkenntnis, dass eine offene Diskussion mehr bringt, als das verschwiegene Köcheln im eigenen Hirnsud.
Nachtrag vom 5.7.: Die schönste Zusammenfassung des “Waz”-Nachmittags hat Herr Ix geschrieben.










16 Kommentare zu “Gestern bei Wazens”
Danke, lieber Peter Turi. Wir wissen ja beide – lieber rechtzeitig eine Entschuldigung als dann etwas später eine durch Verblendung ausgelöste Bankrotterklärung.
@ Don Meyer: Entschuldigung angenommen.
Also von mir aus kann Thomas ruhig Kommentare in meinen Kommentar einfügen. Er hat’s ja auch als Kommentar gekennzeichnet.
Hauptsache, er macht’s nicht wieder wie vor vier Wochen. Da hat er einen Kommentar von mir einfach weggelöscht. Er hat es aber nicht böse gemeint, er wollte nur zwischen Herrn Meyer und mir Frieden stiften.
So kommentiere ich ja auch sonst. Das Problem: Ich kann keine Kommentar zwischen zwei vorhandene schieben.
@Thomas:
Kannst Du Dich nicht einfach als “Gast” auf der Seite bewegen und einen Kommentar dazu schreiben, nach dem Motto:
Zum Beitrag von x um y Uhr folgende Anmerkung:
Bla blub
Müßte doch ohne Probleme gehen – halt ggf. nicht als “Thomas Knüwer”, sondern vielleicht als “Blogadmin”, “Cheffe” oder sonstwas.
Ja, hier werden Kommentare editiert. Selten, aber das ist überhaupt nichts Neues. Lieber würde ich einen Kommentar dazwischen schieben, das lässt die Blogg.de-Technik aber nicht zu.
Außerdem werden beleidigende, dümmliche oder nichts zur Diskussion beitragende Kommentare verändert oder gelöscht.
Wieder etwas Neues über Blogs gelernt; es ist mit der entsprechenden Berechtigung offenbar möglich, einen Kommentar zu editieren. Ist das eine übliche Vorgehensweise? (Oder vielleicht hat Herr Turi den Hinweis auch selber eingefügt?)
Ich beziehe mich auf:
***Hinweis: Der Kommentator, der den Artikel als “ausgeruht” lobt, ist gleichzeitig der Verfasser des Stücks. Thomas Knüwer***
Lieber Peter Turi,
wie konnte ich es nur wagen, auf eine solche Petitesse hinzuweisen, deren Nichtbeachtung zu banalen, geradezu lachhaften Ergebnissen wie Insolvenzen führen. Dass Du – wie viele Visionäre – über solchen Ergebnissen verfehlter Geschäftspolitik stehst, habe ich doch glatt vergessen.
Pardon.
@50hz:
Als Leser von Lokalzeitungen hat man ja in BO keine Alternative mehr. Oder wann wird nochmal die RN dort eingestellt?
Ich werde diese ganze Dingens auf jeden Fall zum Anlass nehmen wir die Wazens mal (noch) genauer anzuschauen. Mehr dazu in Kürze bei mir.
@Jens:
Vermutlich ist es schwierig. Aber irgendwann muss man einfach mal loslaufen. Und eventuell grossartig scheitern. Theorie ist öde.
Wenn ich mich nicht ganz täusche, gibt es in Häusern wie der WAZ Controller, die über das krude Thema “Umsatzrendite” nachdenken. Die liegt bei der WAZ bei 20%. Das ist das Ziel. Mit Blogs und Communities wird das ein grosses Vergnügen.
Kennt hier jemand einen Bloganbieter oder eine Community, die auf 20% Umsatzrendite kommt? Es ist nämlich so, dass Abteilungen, die signifikant darunter bleiben und strukturell nicht zwingend nötig sind, nicht allzu lang überleben. Nach Willen dieser komischen Controller da.
@Sascha:
An der Umsetzung könnte es scheitern, denn das ganze ist natürlich (siehe auch den etwas ausführlicheren Bericht im Bamblog) sehr ambitioniert.
Ich muß dem Don insofern zustimmen, als daß die WAZ bisher meines Wissens nicht gerade aufgefallen ist, daß sie defizitäre Beteiligungen lange hält (war die WAZ nicht auch an tv.nrw beteiligt?).
Ooops, nicht genau gelesen, sorry, im Kern bleibt es aber bei der Aussage.
Woran erinnert mich das nur. Das hab ich doch schon mal… genau, das war beim Jetzt-Magazin, das auch ganz gross werden sollte und als Marke mehr wert war als die Süddeutsche…
“alle Steine aus dem Weg räumen, auch die Gesellschafter”
Da fehlen der WAZ und dem Bodo noch ein paar Erfahrungen, glaube ich. Gesellschafterfamilien haben die unangenehme Eigenschaft, sich nicht einfach so aus dem Weg räumen zu lassen, wenn man auf Dynamit und Zyankali verzichtet. Im Zweifelsfall liegt der neue Ferrari für den Sohn den Gesellschaftern weitaus näher als das Durchfüttern eines Projekts, das nach 6 Monaten immer noch Kosten verursacht, die man mit dem Abmurksen von 8 Aussenstellen eingespart haben wollte.