Irgendwann versuchen sie alle zu bloggen. Zum Beispiel auch die Redakteurinnen der “Freundin”. Das Ergebnis hat den Touch eines Groschenromans.Hubert Burdas Lieblingsankündigung ist die einer Weblog-Offensive. Alle Blätter des Hauses sollen Blogs bekommen, alle Leser Blogs bei Burda führen. Das sollte schon bis März Wirklichkeit geworden sein, anscheinend läuft aber auch in München nicht immer alles so, wie man es gerne hätte. Eventuell brauchte Hubert Burda aber auch mehr schwäbische Teigwaren, als geplant. Schließlich sagte er kürzlich laut DPA:
“Sie werden ja verrückt, wenn Sie den ganzen Tag nur mit Hightech zusammenhängen… Da will man auch raus, nähen, einkaufen, Spätzle machen.”
(Gefunden bei Turi2)
Nun also gibt es Leser- und ein Redaktionsblog bei der “Freundin”. Die “Freundin”-Leserin an sich könnte durchaus Zielgruppe sein, schließlich gibt es reichlich Blogs von jungen Müttern, Großstadtfrauen, und “Freundin”-Leserinnen, die feststellen, dass die “Freundin” lügt.
Doch was ist das für eine merkwürdige Blog-Plattform der “Freundin”? Die Redaktion schreibt Geschichten, zu denen sie gleich die Fotografin mitbringt (wie spontan). Obwohl das Leben der “Freundin”-Redaktion schon toll und glamourös sein muss bei dieser Selbstbeschreibung:
“Unter Freundinnen
Beim Interview mit George Clooney, bei Bogner backstage: Einblicke in die Arbeit der freundin-Redaktion”
Immerhin: Es gibt auch nette Ansätze wie die Blogs der Wohn-Redaktion (obwohl schwachsinnige Decknamen wie “Deko-Diva” und “Lucy Living” wie aus dem ersten Frauen-Roman geklaut scheinen, in dem eine Single-Frau übers Bloggen ihren Traummann kennenlernt (Nein, das Werk gibt es noch nicht, ist aber nur eine Frage der Zeit). Und Steffi Müller sollte sich fragen, ob ihr Koch-Blog sich nicht entwertet mit Sätzen wie aus dem lokalen Anzeigenblättchen abgeschrieben:
“In ihrem Koch-Blog verrät die Küchenfee, welche Köstlichkeiten vom Markt oder Supermarkt Sie sich nicht entgehen lassen sollten.”
Aber das alles muss sich wohl erst zurecht rütteln. Wirklich merkwürdig kommen mir aber die Weblogs vor, die zu sehr nach einem Groschenroman klingen. Nach auf den Zeitgeist gewendeten Herz-Schmerz-Kurzgeschichten. Wie, ja eben wie bestellt geschrieben.
Offiziell klingt es so:“,Die Blogs spiegeln viele Aspekte aus der Lebenswelt moderner Frauen wider’, so Ulrike Zeitlinger, Chefredakteurin FREUNDIN. ,Jede Userin kann in unseren Blogs Geschichten und Situationen finden, die sie selbst erlebt hat. Identifikation und Authentizität sind für uns wichtig, wir wollen unsere FREUNDIN-Community neugierig machen, uns mit ihr austauschen.’”
Da gibt es die beiden Freundinnen, die sich streiten, die Fernbeziehung oder die “cool Mama”. Immer jedoch ohne Foto, ohne Namen, und stilistisch zu ähnlich, um nicht den Verdacht zu haben, dass jene Geschichten das Frauenmagazin-Äquivalent zum Borderline-Journalismus sind.
Ach ja, Leserinnen dürfen auch mitmachen. Die Aufforderung, die Zeitlinger gegenüber Turi2 formuliert, klingt aber wenig einladend:
“Diese sollten bereit sein, sich, so Zeitlinger, “für erstmal no pay zu committen, mindestens dreimal pro Woche” über ein bewegendes, menschlich-persönliches Thema zu bloggen, z.B. über eine Affäre oder Schwierigkeiten mit Männern etc. Als Belohnung gibt’s erstmal nur ein Freiabo der “Freundin”, aber “wenn’s gut läuft und Geld reinkommt, geben wir natürlich gern auch was ab”, sagt Zeitlinger.”
Ja, wenn’s gut läuft. Aber vielleicht brauchen ja auch “Freundin”-Leser manchmal ein wenig Ruhe, ein wenig Abstand von PC und Internet. Um zu nähen. Oder Spätzle zu produzieren. Dann braucht es zumindest keine Blog-Polizei.










57 Kommentare zu “Anonyme Freundinnen”
Einst schrieb eine Mitarbeiterin einen Kommentar auf Don Alphonsos “Profiblogsâ? – gnihihi – und ihre billigen Bildertricks” über die Bezahlung der “Freundin“-Bloggerinnen:
“So wird fürs Bloggen nicht etwa nur die Hälf…
Die gute Nachricht: Endlich kommen all die arbeitslosen Journalisten von der StraÃ?e – und schätzungsweise 19.785.482 weitere Bundesbürger ohne Job können auf Redakteur umsatteln. Denn:
Die Netzeitung sucht 20 Millionen Redakteure
Die schlechte Nach…
Wie klappt es eigentlich mit dem Verlinken?, habe ich schon hier gefragt. Trackback, ja, aber wann, oder Pingback oder was?
Nun liefert die Bloggosphäre wieder eine Steilvorlage, und ich kann nicht widerstehen:
Die Freundin bloggt, und – wie Björn Ha…
Hey cool, dem erste freundin-Blog hat endlich mal hierhergelinkt!
…hat auch nur über eine Woche gedauert…
Das Problem kannte ich bisher nur von Liebesbriefen: Ich schreibe sie gern und leider auch gerne gut, denn ich kann dabei nie vermeiden, daß neben sehr viel Herz auch ein gutes Stück Handwerk mit drin steckt. Dazu bin ich zu sehr Journalist. Wie soll’…..
@Martina Oetting: Dass war mehr eine Insider-Anspielung. Wir waren mehr so eine Art Feindbild für die StudentInnen des Asta. Und für andere Fakultäten…
In einer Comedy-Sendung ging einst alle paar Minuten die Tür auf und eine hohe Stimme fragte: “Guten Tag, ich bin Primarstufenstudentin, ist das hier die UB?” Junge, Junge, war das ein geharnischter Brief, den wir anschließend von der Fachschaft Primarstufe bekamen.
Also große Is haben wir nur in Glossen und Witzen gesprochen. Das aber gerne…
@jörg
Zwischen Überheblichkeit und dem Versuch die Dinge ausgewogen zu sehen und von möglichst vielen Seiten zu betrachten, ist imho doch ein Unterschied.
Und besser weiß ich diesem Fall mal gar nichts, ich äußere hier einfach meine Sicht der Dinge. Dafür von Ihnen Überheblichkeit unterstellt zu bekommen ist mehr als absurd.