»Thomas Knüwer 11. April 2006, 10:20 Uhr

Blogburst oder Blogwurst?

Mit diesen, sag schon, Weblogs muss sich doch Geld machen lassen, oder? Und deshalb grübeln derzeit viele Dotcom-Blasen-Profit-Träumer über Geschäftsmodellen, die beweisen, dass Menschen eben nur begrenzt lernfähig sind.Irgendwie war doch klar, dass die Idee zu Bloxbox nicht originär sein konnte. Zur Erinnerung: Kürzlich verschickte ein Unternehmen dieses Namens an Weblog-Autoren die Meldung, sie seien nun bei Bloxbox aufgenommen, wo sie tausende von Nutzern lesen könnten, auf dass die Menschheit vergesse, dass es Google gibt.

Nach reichlich Prügeln aus der Szene gab Bloxbox die Methode auf, sämtliche Artikel einfach Volltext online zu stellen. Viele der Vielgelesenen deutschen Blogs haben Bloxbox aber auch untersagt, Anreißer in das Angebot aufzunehmen. Denn absehbar ist: Bloxbox will daraus ein Geschäft machen – und Werbung allein wird das Ding nicht tragen.

Wie es wohl laufen soll, zeigt Blogburst, beschrieben von Intern.de. Turi2 nennt den Dienst vorsorglich schon mal Blogwurst, womit die richtige Wortwahl getroffen sein dürfte.

Denn Blogburst transferiert Weblog-Artikel an die Online-Auftritte großer US-Medien. Somit sollen die Blogger mehr Klicks erhalten, was ihnen Werbeeinnahmen bringen könnte. So gut, so flach gedacht. Denn natürlich will Blogburst dafür Geld von den Verlagen sehen und befindet sich rein monetär auf der sicheren Seite. Im Gegenzug selektiert eine Redaktion des Unternehmens nicht nur, welche Weblog-Artikel die Ehre haben, weitergereicht zu werden – sondern redigiert diese auch noch. Somit hat sich das grundlegende Prinzip von Blogs bereits erledigt. Und: Wie viele Nutzer werden noch auf das Blog gehen, wenn sein Text in voller Länge bereits auf der Homepage der “Washington Post” zu finden ist?

Somit wird Blogburst schnell zur Plattform der Träumer. Derjenigen, die davon träumen, dass ihre Artikel auf der Homepage der Zeitung so viele Klicks generieren, dass jenes Medium sie einkauft wie jüngst “Time” den Daily-Dish-Autor Andrew Sullivan.

»Thomas Knüwer 11. April 2006, 10:20 Uhr

    3 Kommentare zu “Blogburst oder Blogwurst?”


  1. 24stunden.de says:

    Okay, wer sich redaktionell an 24stunden.de beteiligt, arbeitet auch für lau. Schön, die Werbefläche im oberen Drittel sichert den Erhalt des relativ groÃ?en Webpakets, das mit den Hirngespinsten von Herrn Schwaner einhergeht, desöfteren ein Projek…

  2. Der Blogbote says:

    Ein neuer Service wird seit heute in der Blogosphäre diskutiert: BlogBurst transferiert Weblog-Einträge in die Online-Auftritte groÃ?er US-Medien. Das soll mehr Traffic und damit Werbeeinnahmen für findige Blogger bringen. Kostenlos ist der Service …

  3. DonDahlmann says:

    Ächz, das ist ja wieder genau so ein Angebot, dass einem nur Arbeit macht, weil man lange Mails schreiben muss, in denen man die Nutzung der Texte untersagt. Im Prinzip dürfte ein Anbieter in Deutschland sowas wegen Urheberrecht nicht. Selbst wenn ne CC Erklärung in den Blogs steht. Aber die untersagt jedwege kommerzielle Nutzung der Texte. Ich hab schon ganz bewußt die CC Copyrighterklärung von meiner Seite genommen. Zum einen, weil es ein paar Fälle gab, in denen andere Blogger sich einfach mit meinem Content eingedeckt haben, zum anderen, weil es etliche kommerzielle RSS Volltext Anbeiter meinen Feed abgegriffen haben. So schön die CC Nummer ist, manche Anbieter meinen, dass allein das Logo auf der Seite reicht, um ungefragt Inhalte abgreifen zu können.