Erfolg kann zu Kopf steigen. Vor allem, wenn der Besitzer des Kopfes auf ein paar Lebensjahre mehr zurückschauen kann. So wie die hohen Herren des Fußball-Weltverbandes Fifa.Das Organisationskomitee der Fußball-Weltmeisterschaft droht uns Zuschauern als Dauerberieselung ja nicht nur die Altherren-Lieblinge Il Divo an. Nein, das WM-Motto-Lied handele von dem “spezifischen Gefühl, welches von dem Ereignis auf die Menschen ausgeht“.
Das dürfte dann Marschmusik sein, bei der das rhythmische Hämmern des Kopfes gegen die Wand die Pauke ersetzt und der Text aus einem Vortrag des Bürgerlichen Gesetzbuches besteht.
Die Vorfreude auf das Ereignis wird immer stärker gedämpft durch einen Kick-Weltverband, der freier Meinungsäußerung ungefähr die gleiche Bedeutung beimisst wie die Regierung Nordkoreas.
Jüngste Volksbelustigung ist eine Beschränkung der Bildberichterstattung auf fünf Fotos pro Spiel. Bemerkenswert dabei die Begründung: Sponsorenrechte sollen geschützt werden. Nach langläufiger Meinung aber werben Sponsoren an Banden oder Trikots gerade um möglichst häufig in Medien abgebildet zu werden.
Wer aber so darauf bedacht ist, wie über ihn geschrieben wird, der glaubt, dass es auch anderen so ginge: Coca-Cola will wahrscheinlich gar nicht, dass sein Logo so oft irgendwo auftaucht.
Schließlich pocht die Fifa ja auch darauf, dass Fußball-Weltmeisterschaft mit TM versehen wird – falschschreiberisch sollen die Medien sogar “Fussball” tippen (nachzulesen in den Medienrichtlinien).
Da ist es eine schöne Idee, ein Alternativ-Logo zu entwerfen und es kostenlos zur Verfügung zu stellen. Das versucht die Werbe-Fachzeitschrift “W&V” – nur leider in trauriger Inkonsequenz.

Denn zum Herunterladen muss man sich registrieren, offensichtlich gab es auch keine Kontaktaufnahme zu alternativen Medien, um die Verwendung des noch dazu grauenhaft langweiligen Signets voranzutreiben.
Gut, dass unsere Rechtsabteilung vorausschauend arbeitet. Sie verschickte schon mal eine paar Bemerkungen, was erlaubt ist und was nicht:
“1. Fifa-Sprachregelung
Die Fifa wünscht, dass im Rahmen der Berichterstattung nur die ,offiziellen Titel’ verwendet werden. Eine rechtliche Pflicht, diese zu verwenden, besteht jedoch nicht. Die Redaktionen sind in ihrem Sprachgebrauch frei und können die Veranstaltung frei benennen. Insbesondere bedarf es nicht des Zusatzes “FIFA” und des Zeichens “TM”.
2. Marken:
Wortmarken: die Verwendung der vorgenannten Bezeichnungen ist im Rahmen der redaktionellen Berichterstattung zulässig. Dies gilt selbstverständlich auch für kritische Berichterstattung.
Wort-/Bildmarken:
Wird das Maskottchen Goleo oder das Logo der Fifa zur Fußball-WM 2006 im Rahmen redaktioneller Berichterstattung verwendet, liegt kein markenmäßiger Gebrauch vor. Die Verwendung der Marken zu dem Zweck, dem Leser den Gegenstand des Berichts leicht erkennbar zu machen ist daher zulässig. Eine Lizenzierung durch die Fifa ist nicht erforderlich! Die Grenze des Zulässigen wird erst überschritten, wenn die Marke z.B. zum Zwecke der Bewerbung oder Vermarktung von eigenen Waren oder Dienstleistungen verwendet wird.
Zulässig ist daher, insbesondere im Rahmen der redaktionellen Berichterstattung grundsätzlich:
- die Verwendung im Titel oder auf der ersten Seite
- die Wiedergabe von Teilen der Marke, sofern dadurch der Gesamteindruck nicht verfälscht wird
- Abbildung des Maskottchens Goleo in anderer Form als von der Fifa dargestellt (z. B. durch eigene Fotografien), sofern der Gesamteindruck dadurch nicht verfälscht wird.”
Wenn Justitiare vor einem öffentlich zugänglichen und beworbenen Ereignis solche Briefe verschicken müssen, dann passt das Motto “Zu Gast bei Freunden” so gut dorthin wie über die Eingangstür einer Folterkammer.
Nachtrag vom 24.3.: Die Fifa kuscht und hat der “Taz” bescheinigt, dass sie Fußball-WM schreiben darf und kritisch berichten darf.










13 Kommentare zu “FUSSBALL nicht Fußball”
Ja, ja, jetzt spammt auch schon der nordische Fondsanbieter Nordea. Finanzfirmen, die sich zu solchen Methoden gezwungen sehen, um ihre Produkte zu verkaufen, sollte man vielleicht sein Geld eher nicht anvertrauen.
lustige sache: http://www.nordea-arena.de
Bei eBay heißt es “eBay Fußball-Zentrale 2006 ” und man meidet das Wort Fußballweltmeisterschaft. Bei Karstadt habe ich die Webung mit Fußballmotiven gesehen, aber auch kein Wort von Fußballweltmeisterschaft.
Wenn ich mich recht erinnere, hat die FIFA ihren Hauptsitz in der Schweiz. Da darfst Du mit Fußball aber nun wirklich nicht kommen, da ist das rucksackscharfe SZchen schon lange über die Wupper gegangen…
Entgegen den Ausführungen der Rechtsabteilung verbietet die FIFA die Nutzung des Logos auf Titelseiten, dort wird nur die Verwendung der Textmarke eingestanden. Ich hoffe die Rechtsabteilung hat recht und die FIFA wird mal in die Schranken gewiesen. Der Laden nervt nur noch, das ist doch Kommerzgeilheit pur. So werden die ganzen Spiele völlig abgewertet.
Vorschlag: Bitte einmal alle (TM)-Worte in der Zeitung auch mit (TM) kennzeichnen, oder mit (Ges.gesch.), das ist deutlicher und stört den Lesefluss stärker. Am Besten in der ganzen Printausgabe.
Schließlich möchte ich einmal wissen, welche Wörter ich besser nicht allzu zwanglos verwenden sollte.
Jaja. Mit Marken- und Urheberrecht kennen die sich beim Handelsblatt aus. Wir Medienbeobachter müssen dass immer mal wieder schmerzlich erfahren. Aber wie man sieht, kann es auch sein gutes haben. Schön, dass mal klar gestellt wurde, dass die Fifa sich manches wünschen kann, die Qualitätspresse sicher aber nicht zwanghaft drauf einlassen muss. Hoffentlich hilft’s. Auch außerhalb des Handelblatts.
Der letzte Takt verklingt, farbige Spots gleiten geradezu liebkosend über die Zuschauermassen. Tosender Applaus. Der Künstler verneigt sich und wirft eine freihändig gefangene Rose in das Publikum zurück. Er tappst langsam zum Pult der Jury.
(Frenet…
Die Welt ist zu Gast bei Zensoren und Diktatoren ™. Als Weltherrscher ™ bin ich natürlich Glücklich über so viele Einschränkungen, Vorgaben und Bestimmungen. Ich finde ja, nur so kann die Welt ™ endlich besser werden, nur so wird̵…
Und die Alternativschrift ist auch nicht zu erreichen.
Nicht, dass ich die Originalschrift unbedingt mag, vielleicht ist die Andere einfach lesbarer, hat ein vernünftiges Kerning?
Aber es scheint mir im Augenblick so, als hätte sich hier eine (Fußball-, Medien-, Markt-) Macht durchgesetzt. Ohne Rücksicht auf Verluste, auf das Recht auf freie Meinungsäußerung, meinetwegen auch auf Satire.
Gab’s schon mal. “Wenn die Leute kein Brot haben, sollen sie halt Kuchen fressen” War der Anfang einer fruchtbaren Demokratiebewegung…
Ergänzung: Wenn man bei google nach “Non-branded Plüschprodukte” sucht, fragt google: Meinten Sie: “Non-Branded Fleischprodukte”? Diese Lizenz fehlt eigentlich noch…
Ulrich Tekniepe: Wenn man den Vergleich nicht versteht, sollte man vor den Fingern an der Tastatur, evt. erst das Hirn bemühen. Es kann passieren, dass sich dann der Einsatz der Finger erübrigt.
Der Brief der FIFA[tm] klingt so, als ob einfach nochmal ohnehin gültige Regelungen wiedergekäut werden sollen.
Bei solchen Freunden möchte ich jedenfalls nicht zu Gast sein.