Ende vergangener Woche sorgte eine interne E-Mail von Jean-Remy von Matt für mächtig Wirbel im Internet. Das Image von Jung von Matt ist mächtig verbeult. Doch nun zeigt von Matt Nehmerqualitäten: Er hat mir gerade eine Mail geschickt.Irgendwann, wenn der Koller abgeklungen ist, zeigt sich doch der Profi in Sachen Kommunikation: Jean-Remy von Matt hat mir – und einer Reihe anderer Blog-Autoren – gerade geschrieben:
“Liebe Blogger,
meine Mutter hat mir noch mehr beigebracht.
Zum Beispiel: Wer einen Fehler macht, sollte sich entschuldigen. Oder auch: Wer austeilt muss auch einstecken können.
Aber zunächst zu mir und meiner Entschuldigung:
Es ist mir sowohl klar, dass es das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung gibt, als auch, wie wichtig dieses Recht ist. Es ist mir insbesondere klar, wie viel die Weblogs für die Verwirklichung dieses Rechts tun – vor allem in Ländern, wo Meinungsfreiheit nicht selbstverständlich ist.
Insofern tut es mir leid, dass ich dieses Recht unbedacht in Frage gestellt habe.
Ich hatte mich halt aufgeregt! Und eine Mail an meine Mitarbeiter geschrieben, die durch die berechtigte oder unberechtigte Kritik an einer Kampagne, an der sie monatelang hart gearbeitet haben, verunsichert waren und Zuspruch verdient hatten.
Vielleicht klang auch etwas Neid auf Euch durch, da die Form von Meinungsäußerung, die ich als Werbetexter seit über 30 Jahren betreibe, alles andere als frei ist: Jedes Wort wird vor der Veröffentlichung lange abgewogen, mit Auftraggebern verhandelt und dann noch repräsentativ auf seine Wirkung getestet.
Aber! Auch wenn die meiste Kritik an meinem Text konstruktiv und ernsthaft war, empfinde ich es als kommunikativen Hausfriedensbruch, dass eine interne Mail wie eine Sau durchs Dorf ?Kleinbloggersheim? getrieben wird.
Sollte es neben der Freiheit, eine Meinung zu verbreiten, nicht auch die Freiheit geben, eine Meinung nicht verbreitet zu wissen? Gilt beim Artikel fünf des Grundgesetzes nur Absatz eins, der das Recht auf Meinungsfreiheit definiert, und nicht Absatz zwei, der dieses Recht einschränkt, wenn die persönliche Ehre verletzt wird?
Kennt die Blogosphäre etwa keine Privatsphäre?
Viele von Euch schreiben, ich hätte mit meiner Mail ein Eigentor geschossen. Okay, eins vielleicht. Aber wie viele Eigentore schießt ihr gerade, indem Ihr mein Schlagwort ?Klowände des Internets? teils empört, teils genüsslich aufgreift im Sinne eines Agenda Setting verbreitet? Bei Technorati.com war der Suchbegriff zeitweise auf Platz 3!
Die Klowand-Debatte erinnert mich übrigens an Münteferings Heuschrecken-Debatte: In beiden Fällen gab es Kritik, dass ein Sachverhalt mit einem plakativen Bild unzulässig verallgemeinert wurde.
Die Heuschrecken waren ein Symbol für das Abgrasen und Weiterziehen. Die Klowände sind ein Symbol für das Anpinkeln und Verpissen ? für Meinungsäußerung im Schutz der Anonymität.
Natürlich haben viele Investoren ethisch einwandfreie Ziele. Und natürlich haben viele Weblogs einen ernsthaften Ansatz. So haben mich die meisten Eurer Beiträge sehr inspiriert und mir die virale Kraft dieser Medienform bewusst gemacht.
Vergesst aber nicht, dass auch die Kommentare den Content eines Weblogs bestimmen. Und vor allem dort habe ich einiges gefunden, was meinem Vorurteil neuen Schub gab: Leute, das war teilweise unterste Klowand!
Aber wie sagte noch mal meine Mutter: Wer austeilt, muss auch einstecken können.
Euer Jean-Remy von Matt”
Und so kommt mir ein Satz von Eliot Spitzer, dem Generalstaatsanwalt von New York in den Kopf:
“Newer write when you can talk. Never talk when you can nod. And never put anything in an e-mail.”
Nachtrag vom 25.1.: Für einen Artikel im gedruckten Handelsblatt habe ich bei Jung von Matt um ein Telefonat mit Jean-Remy von Matt ersucht. Keine Chance: Herr von Matt sei auf Wochen ausgebucht. Sein Entschuldigungsbrief sei die Einladung zum Dialog gewesen, mehr habe er derzeit nicht zu sagen. Womit das ganze ja ein sehr, sehr schneller Dialog war…










84 Kommentare zu “Jean-Remy von Matt entkollert”
Spitzers Zitat ist Quark. Für derart viele Situationen unzutreffend, dass es nicht mal als gröbere Daumenregel taugt. Wer so etwas festen Glaubens sagt, der verrät damit mehr über seine zweifelhaften Nutzungsgewohnheiten von E-Mails, als eine sinnvolle Norm auszudrücken.
Er hat gar nicht versichert, daß er Familienvater ist.
Ansonsten habe ich alle Kohl’schen Platitüden gefunden.
O, Interesting idea. Yes,
you are a philosopher.
Ein dreiviertel Jahr später ist es raus:
Herr von Matt hätte sich gar nicht zu entschuldigen brauchen. Er hat recht.
was sollte eigentlich die Empörung gegen den Vorwurf von Jean-Remy von Matt, Blogs seien die Klowände des Internet? Stimmt doch! Sogar sog. A-Blogger http://www.poodlepop.net/sehr-geehrte-a-blogger
wie MC Winkel hier
http://www.whudat.de/?p=565
Wirres.net hier
wirres.net/article/articleview/3833/1/6/
und Maingold (…?)
http://www.maingold.com/2006/08/07/optimal-kontrollierter-anpressdruck/
machen mit.
Ich nicht.
Also: Locker bleiben!
MfG TF
“Post” von “Sidney”: Der spammt das ganze Netz zu. Ich erhalte den selben Blödsinn bis zu 50 mal pro Tag per email, von wechselnden mailadressen. Über die Seiten findet man nichts, kann man irgendwie herausfinden, wie man dem das Handwerk legen kann?
Für unsere Kommunikation mit Freunden und Geschäftspartnern nutzen wir zunehmend E-Mails – das geht schnell, ist fast so locker wie ein Telefonat und reiÃ?t mein Gegenüber nicht aus seinen Aktivitäten.
Aber gerade der sorglose – in vielen Fällen e…
Herr von Matt ist traurig. Traurig ist er, weil er sich total viel Mühe gegeben und richtig was auf die Beine gestellt hat (für umme!), aber keiner es ihm dankt. Er ist so traurig (mit Weinen), dass er mal ein wenig Dampf ablassen musste. Des…
Hurra, es ist überstanden!
Die Kampagne "Du bist Deutschland"
mit Plakat- und Fernsehwerbung von allen Seiten ist jetzt vorbei.
Zumindest vorerst. Denn was sich die Initiatoren der Kampagne als
nächstes ausdenken, um Deutschland bi
Die “Entschludigung” hätte anders aussehen müssen: Sorry für die Du-bist-Deutschland-Propaganda, mit der wir Euch zu willenlosen Schafen umerziehen wollten.
In mehreren Blogs habe ich mittlerweile gelesen, Herr von Matt habe sich in seiner E-Mail an die Blogsphäre ja nun entschuldigt und damit sei die Sache ja eigentlich gegessen.
Alleine schon aufgrund des Echos sollte man sich die E-Mail genauer anseh…
Hallo zusammen,
ich arbeite selbst in einer PR-Agentur (nicht in der von Jung von Matt). Ich fand die Geschichte des Herrn von Matt auch sehr interessant. Und ich habe mich gefragt, was ich meinen Kunden in einem solchen Fall empfohlen hätte. Ich bin zu keinem Entschluss gekommen. Im Prinzip hätte ich ihm auch zu einem Brief geraten, in dem er sich entschuldigt, weil er über das Ziel hinausgeschossen ist – freilich ehrlicher als das hier oben. Aber andererseits hätte Herr von Matt doch in jedem Fall bissige Kommentare geerntet.
Was also würden die Blogger unter Euch/Ihnen sich von Herrn von Matt (oder ähnlichen Fällen) wünschen? Ehrliche Reue? Oder sollte er sich die Reaktion sparen, weil Ihr ihm ohnehin nicht glaubt.
Ich würde mich sehr über Rückmeldung freuen!
Christian
Diese These wirft jedenfalls blog age auf.
Erst einmal den Hintergrund zu den “Klowänden” im Internet:
Vor kurzem bezeichnete der bekannte Werber Jean-Remy von Matt die Blogs als “Klowände des Internets”. Warum? Weil in den …
Neben den recht unterschiedlichen Ansichten über die Medien?Kampagne “Du bist Deutschland” gibt es mittlerweile seriöse Forschung dazu. Das Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften Leipzig (KMW) sich genauer mit dem Phänomen “Du bist Deuts…
Jean Rémy von Matt und die Blogosphäre.
Sucht man per Suchmaschine nach dem Begriff “Klowand”, findet man mehr als hundert Blogeinträge, die sich an der Kritik des Werbemachers Jean-Rémy von Matt (Jung v. Matt) an Weblogs abarbeiten….
Insgesamt ein grosses Fiasko.
Alle Regeln gebrochen – und am Ende
auch noch entschuldigt.
Wäre wohl souveräner gewesen
das eben nicht zu tun.
- IMHOregierung.
Jean Remy von Matt hat seine Lektion offenbar gelernt. Und aus der Situation auch die richtigen Schlüsse gezogen. Das zeigt sein offener Brief an T. Knüwer
Und die Reaktionen der Blogger ist nicht ausgeblieben…
…
…wir rauben und wir morden,
wir waschen uns nie:
Sankt Pauli! *skandier*
Ich reiss hier gleich die H
“Liebe Blogger, meine Mutter hat mir noch mehr beigebracht. [...]” – “Du bist Deutschland”-Miterfinder sorgt weiter für Stoff.
Immer die Mutter
Um Jean-Remy von Matt, dem Erfinder von “DuBiD(e)u” (“Du bist Deutschland”), gehen die Diskussion…
Ich muss schon sagen, da ist mal einer über seinen Schatten gesprungen.
Jean-Remy von Matt, der Klappspatenpreisträger der letzten Woche,
hat anscheinend eingesehen, dass er weit über’s Ziel hinausgeschossen ist.
Es ist mir sowohl…
Diese Provinz-Agentur wirds wohl nicht mehr lange machen. Recherche schlecht (die Nazis hätte man kennen müssen!), inhaltlich wirr (dieser Text ist total nebulös), schlecht gemacht (welchen Bezug haben die prominenten zum Thema – ähh – was ist eigentlich das Thema). Und sich hinterher beim nicht-empfangsbereiten Zelpublikum beschweren, dass es nicht gut findet, was man ihm da auftischt, resp. hinrotzt. Von wegen “ein Eigentor” – das waren mind. 20.
Ok. Der Spott wirkte sehr jung. aber eben auch ziemlich matt. Diese handwerklichen Schwächen mögen
ja bei Proll-Webrekampagnen wie für die Bildzeitung nicht weiter ins Gewicht fallen. Aber eine Kampagne die sich an ganz Deutschland wendet? Nicht jeder liest Bildzeitung… Ist ja auch ziemlich zynisch, einerseits Werbung für das Meckermedium nr. 1 zu machen und dann gegen die allgemeine Meckerei. Und dann selber meckern. Offensichtlich haben die Herren von “Kommunikation” auch nicht viel Ahnung. Wenn der Laden nicht Pleite geht…
Was heißt hier eigentlich:
Er hat sich entschuldigt?
Er hat doch “nur” gefragt
“Was berechtigt eigentlich jeden Computerbesitzer, ungefragt seine Meinung abzusondern?”
Ok, der Kontext riecht schon etwas übel, aber dementsprechend heftig sind ja auch die Antworten ausgefallen:
Kleinbloggersdorf verweist auf Art. 5 GG. Den muss ein Schweizer ja nicht unbedingt kennen.
Immerhin:
Kleinbloggersdorf ist auch Deutschland
Jean Remy von Matt hat reagiert und ausgewählten Bloggern einen elektronischen Brief geschrieben: Jens Scholz, Thomas Knüwer und Alexander Endl zählen zu den Adressaten. Der Brief enthält unter anderem eine artige Entschuldigung und andererseits eine …
Jean-Remy von Matt (unter Anderem) verdanken wir die tolle Du bist Deutschland Kampagne. Als aber tausende Blogs darüber abgelästert haben, war Matt wohl beleidigt, und hat eine eigentlich interne eMail geschrieben, in der er Blogs als die Klowände des In
Profi-like geantwortet, genau wie erwartet. Was habt Ihr denn gedacht? Das er nichts macht? Er musste doch reagieren!!!
Jean Remy von Matt hat eine Email das handelsblatt blog geschrieben und sich entschuldigt: Jean-Remy von Matt entkollert [Indiskretion Ehrensache]
Nur der Vollständigkeithalber. Und weil ich es gut finde, dass, und sympathisch, wie er sich entschuldi…
So Herr Jean-Remy von Matt. Der Mann hinter der “Du bist Deutschland”-Kampagne. In einer internen Mail an seine Mitarbeiter hat er seinen Frust abgelassen. Darüber, dass seine tolle Motivations-Kampagne nicht angekommen ist. Im Abschnitt …
Nein,
Die Reaktionen auf seine Bloggerbeschimpfung scheinen den Werber Jean-Remy von Matt doch ein wenig überrascht zu haben und naturgemäÃ? wenig zu freuen. Kein Wunder, denn wer unter Google nach Jean-Remy von Matt sucht, erhält unter den ersten zehn Treff…
Die Sau durchs Dorf treiben?Da beschwert sich so ein schweizer Marketing- und Werbefritze zugegebenerma�en schlecht gelaunt über die bösen Blogger und schon fällt die deutsche Blogger-Gemeinschaft über sie her. Klar, der Typ hat eine schlechte Kampag
Endlich wieder einmal ein “Lebenszeichen” der Du bist Deutschland – Kampagne, die sich, ganz gleich, wie fragwürdig und diskutabel sie inhaltlich ist, immer mehr zu einem unterhaltsamen Dauerbrenner entwickelt, der uns einige interessante…
Gerade rechtzeitig, bevor bei Technorati der Begriff “Klowand” wieder durch “Bin Laden” verdrängt wird (momentan steht die “Klowand” auf Platz 8 der Suchanfragen), bringt sich Jean-Remy von Matt wieder in Erinnerun…
Nachdem seine interne email f
Ich bin der Meinung, der wesentliche Denkfehler der Kampagne wurde bislang überhaupt noch nicht angesprochen:
JvM hat Recht mit der Grundidee, der Zielgruppe – den Deutschen bewusst machen zu wollen, dass SIE es sind, die etwas bewegen können.
Nur eben nicht direkt. Das ist der Denkfehler. Zu viele Probleme sind vom Einzelnen überhaupt nicht zu lösen. Stattddessen sollte die Kampagne WIRKLICHEN Mut zeigen und fordern:
JAMMERT NICHT WENIGER, SONDERN MEHR.
Das ist die Stärke der Demokratie.
Erst lauter und breiter Ungehorsam an der Basis hat genügend Kraft, an der Spitze echte Veränderungen auszulösen.
naja, er ist halt ein profi. wer weiß warum er er sich entschuldigt, schätze zu fast 90% wegen dem schaden, den er sich selber zugefügt hat.
ich finde es eher “erschreckend” wie professionell man da seine meinnug ändert. aber eines hat er anscheinend nicht bei seiner mutter gelernt, nämlich das sich der wahre charakter erst dann zeigt, wenn man unter stress steht!