Der Mensch ist an sich kein so kompliziertes Wesen. Es sei denn, er hat es zu etwas gebracht. Zum Manager, zum Beispiel. Oder zum Star. Dann wird alles sehr, sehr komplizierter.Und nicht nur der Mensch wird schwieriger – vor allem die Kommunikation. Früher, da hat der Werbeblogger ganz recht, war alles einfacher:
“Als das gerade entdeckte Feuer in der Höhle prasselte, das befellte Weib ein paar Mammutsteaks auf den Rost knallte und der Höhlenmann nach getaner, wenn auch meist recht eintönigen Arbeit, mit der Keule auf der linken, dem erlegten Tier auf der rechten Schulter, zufrieden knurrend durch das Höhlenspalier trottete. Konflikte gab es eigentlich so gut wie keine und wenn, wurden diese auf recht einfache und schnelle Art gelöst.
Zack! Gabs einen mit der Keule. Wie? Du willst an mein Fresschen? Zack! Ruhe! Deine Höhlenmalerei verunglimpft meine Wandkunst aufs Übelste. Zack! Schon war das Problem erledigt, niemand machte sich mehr über die Kritzelei eines anderen (es sei denn, er hatte gerade die größere Keule greifbar) lustig.”
Damals hätte Franz Beckenbauer sein WM-OK zusammengerufen, die Keulen verteilt und dann hätte es blutige Schädel in der Stiftung Warentest gegeben. Aber so einfach gestrickt sind die Menschen ja nicht mehr. Und seit der Begriff Hygiene erfunden wurde, haben die meisten auch die Nase voll davon, ständig das Blut wegwischen zu müssen nach dem erfolgreichen Erlegen des Gegners.
Würden die Leute wenigstens noch Rüstungen tragen. Dann könnte man sie erschießen, das Leben entwiche einigermaßen reinlich in den Metallpanzer blutend und das ganze könnte recht schnell entsorgt werden. Aber Rüstungen tragen die Leute nicht mehr – eben um jenen Kugel ausweichen zu können.
“Mist”, denkt sich Beckenbauer.
Also müssen Worte her um den Sieg zu erringen. In Zeiten guter Manieren und ständig nach neuen Themen suchender Medien, ließe sich der Gegner sogar leicht zur Strecke bringen. Das lernt man in jedem Nachwuchsführungskräfte-Seminar: Erst so tun, als habe man Verständnis, als akzeptiere man die Kritik – so wird der Angreifer ruhig gestellt. Und dann kehrt man seinen Schwung um und stellt ihn ruhig, fast wie im Judo.
Franz Beckenbauer aber ist ein altmodischer Mensch. Vermutlich hat er auch nie solch ein Seminar besucht. Außerdem kommt er aus Bayern, einem Land, in dem schon die bevorzugten Beinkleider den Vornamen “Krach” tragen. Also poltert er los - und macht das Thema Stadionsicherheit erstmal richtig groß. Sein Vize Horst Schmidt tut es ihm nach: “Die Stiftung Warentest muss ihr Urteil revidieren.”
Tut sie aber nicht, dumm gelaufen. Es wäre so einfach gewesen, das Thema abzustellen. Die WM-Organisatoren hätten nur einmal tiefe Überraschung heucheln müssen und dann die Stiftung Warentest zum Gespräch einladen. Bis das geführt und ausgewertet gewesen wäre, wäre das Thema für die Medien nicht mehr interessant gewesen. Aufgebrühter Kaffee schmeckt nicht, aufgekochte Themen auch nicht – einmal gelesen, dann erlischt das Interesse bei den meisten Lesern.
Günther Klum hätte es auch so machen können. Hätte er nach der ersten Empörungswelle im Internet die Arme für den Werbeblogger geöffnet – das Feuer wäre erstickt.
Vielleicht erinnert sich auch noch jemand an ein Aufeinandertreffen von Norbert Teufelberger, Co-Chef von Betandwin, sowie dem Marketing-Chef von Oddset, Wolfgang Feldner im “ZDF Sportstudio”. Weil dort alles immer harmonisch enden soll, lud der Moderator beide ein, sich doch an einen Tisch zu setzen. Klare Ansage Feldner: “Nein”. Das kommt echt sympathisch rüber vor einem Publikum, das zu 100 Prozent zur Kernzielgruppe gehören dürfte.
Oder die Werber von Jung von Matt. Die mahnen derzeit eine Karikatur ihrer “Du bist Deutschland”-Kampagne ab (gefunden beim Werbeblogger). Nun kann man von dieser Gegenaktion halten, was man will – doch durch eine Abmahnung wird sie nur aufgewertet. Auf den Gegner zu gehen, und das öffentlich, ihn zum Diskurs einladen, umarmen und ihm dabei die Luft nehmen bis die Rippen krachen – schon wäre das Thema tot und der Gegner röchelnd am Boden. So aber wird das Thema noch munter durch das Internet kursieren und seinen Weg wohl auch noch in die klassischen Medien finden.
Kommunikation kann so einfach sein. Doch zwischen einem Kommunikationserfolg und einem Manager steht meist ein großes Hindernis: sein Ego.










12 Kommentare zu “Was Franz Beckenbauer, Günther Klum und Jung von Matt gemeinsam haben”
In meiner persönlichen Klowand heute: Zwei Menschen, ein Thema… Kritik und die Reaktionen.
Darsteller 1: Jean-Remy von Matt
Story: Der Herr ist beleidigt, denn die Kampagne “Du bist Deutschland” zieht viel zu negative Kritik auf sich. Viele “Able…
sagt Thomas Knüwer (wenn auch eher so en passant):
Auf den Gegner zu gehen, und das öffentlich, ihn zum Diskurs einladen, umarmen und ihm dabei die Luft nehmen bis die Rippen krachen – schon wäre das Thema tot und der Gegner röchelnd am Boden.
Wer mitr…
@Gerold – noch´n Spruch … (und ich hol den von Clausewitz raus).
@Frank – das ist wohl wahr. Aber Nicolo Paganini ist doch erst 100 Jahr tot, oder so.
Ich möchte Herrn von Matt von Herzen danken. Durch sein Statement hat er uns endlich die so lang ersehnte Klarheit verschafft. Wir brauchen nun keine uralten Führer-Bildchen oder aufgebrachte Autoanzünder mehr, die uns sagen, was an der Du-bist-Deutsch…
“Man muß sich daher merken, dass man die Menschen entweder mit Freundlichkeit behandeln oder unschädlich machen muß; denn wegen geringfügiger Kränkungen nehmen sie Rache, wegen schwerer Schädigungen können sie es nicht. Wenn man also jemand schlecht behandelt, dann muß dies in einer Weise geschehen, daß man nicht seine Rache zu fürchten braucht.”
Das hat Nico schon vor fast 500 Jahren aufgeschrieben.
Sollte es weitere Abmahnungen geben, wäre das wohl der berühmte Schuss ins eigene Knie: Denn ab zwei Abmahnungen, spätestens aber der dritten, wird das Thema in den Nicht-Internet-Medien landen – und dort mächtig Wellen schlagen.
Ach interessant, da gab es eine weitere kritische Website zu “Du bist Deutschland”?
Ich befürchte aber, dass letztendlich am Ende alles und jeder abgemahnt wird, der einen mehr oder wenig prominenten Begriff auf seiner Website nennt, weil er angeblich versucht damit einen Markennamen auszubeuten. Und wenn man dann noch Werbung auf seiner Site laufen hat, dann kann man ja fröhlich behaupten, man würde den Markennamen ja nur deswegen erwähnen, weil man hofft via Google und andere Suchmaschinen Leser anzulocken. Die dann zum Nutzen für den Websitebetreiber dessen Partnerprogramme (Amazon, Google Ads) anklicken.
Man hätte vielleicht einfach die Füße still halten sollen. Bis gestern kannte ich “Wieder Deutschland” nicht mal, heute sind sie mir schon sehr sympathisch….
Also Blogger: Auf in die nächste Folge “Gute Werbung, Schlechte Werbung”!
Beckenbauer und die WM-Stadien, Heidi Klum und ihr Papa, Jung von Matt und die Kampagne – im Moment gibt’s alle paar Tage einen PR-GAU zum Zuschauen und mitlachen. Handelsblatt-Redakteur Thomas Knüwer bringt es in seinem Blog auf den Punkt: wer…
In Anlehnung an den Anhalter könnte man auch sagen: “Here I am, an ego the size of a solar system…”
Ich hätte es nie in so treffende Worte kleiden können, aber dem, was Thomas Knüwer (der ja bekanntlich auch schon als Aushilfe tituliert wurde) heute schreibt, kann ich nur zustimmen. Ich fürchte nur, dass sich die Manager seine Worte nicht zu Herze