»Thomas Knüwer 09. September 2005, 12:18 Uhr

Will Google Reuters kaufen?

Es klingt absurd. Vollkommen neben der Spur. Und doch würde es einiges aus den vergangenen Wochen erklären: Es gibt Gerüchte, Google wolle die Nachrichtenagentur Reuters kaufen. Es wäre die endgültige Rückkehr des New-Economy-Wahnsinns.

Irgendwas tut sich bei Google, da sind sich ja irgendwie alle sicher. Heute nun ein Gerücht bei Silicon Beat, dem Weblog der "San Jose Mercury News", der Hauszeitung des Silicon Valley:

"We don’t usually traffic in unfounded rumors, but apparently the buzz among Wall Street traders is that Google wants to buy London-based Reuters. That’s according to someone who spends a fair bit of his time talking to traders. Which maybe ties into this. Or maybe not. So there you go. Add it to the rumor pile."

Nur ein weiteres Gerücht? Diesmal zumindest eines, das Sinn macht.

Schon seit einiger Zeit wird spekuliert, ob Google nicht nur Inhalte durchsuchen will – sondern auch welche erstellen. Doch Reuters ist, was der normale Mensch außerhalb der Finanz-Gemeinde oft nicht realisiert, mehr als eine Nachrichtenagentur, die andere Medien beliefert.

Groß geworden ist der Konzern mit Terminals, die weltweit Nachrichten an Banken und Börsenhändler liefern – aufwändige Datenbanken mit Unternehmensinformationen inklusive, also ein wenig näher an Googles Kerngeschäft. 90 Prozent des Umsatzes kommen aus diesem Bereich, zu dem auch das Finanzmarkt-Handelssystem Instinet gehört.

Reuters allerdings würde – so ich gerade richtig gerechnet habe – 8,5 Milliarden Euro kosten. Googles Kriegskasse enthält derzeit 5,5 Milliarden. Reicht also nicht. Doch was, wenn Google gar nicht alles von Reuters möchte? Es wäre ein typisches Spiel: Wir behalten, was uns interessiert, der Rest wird verkauft oder an die Börse gebracht. Über die Zwischenfinanzierung muss man sich angesichts der Google-Euphorie an der Wall Street keine Gedanken machen.

Doch so oder so: Reuters passt nicht zu Google. Nur stören wird das niemand. Die New Economy ist wieder da und mit ihr der Irrsinn. Anders ist auch das Interesse von Ebay an Skype nicht zu erklären. Und natürlich läuft wieder die gleiche dümmliche Argumentation wie 1999: Das Geld ist da, Wachstum ist nicht mehr, Profitabilität interessiert nicht.

"Für Ebay liege der Reiz des Geschäftes auf der Hand: Die Auktionsplattform habe großes Interesse daran, in neue Märkte wie die Internettelefonie zu expandieren, sagt Roberts. Nach Jahren exorbitanter Wachstumsraten hat sich zuletzt das Geschäft in den Ebay-Kernmärkten USA und Deutschland mit einem Umsatzplus von etwa 20 Prozent mäßiger entwickelt. ?Die Investoren machen jetzt sehr viel Druck?, sagt Roberts."

Willkommen zurück, liebe Totgeglaubte. Auf zum neuen Spiel, das enden wird wie das alte: mit einem tiefen Fall für viele und kräftigen Gewinnen für wenige. Übrigens: Reuters kauft seit Tagen eigene Aktien…. 

»Thomas Knüwer 09. September 2005, 12:18 Uhr

    8 Kommentare zu “Will Google Reuters kaufen?”


  1. m-pax.de says:

    Thomas Knüwer berichtete über gerüchte, nach denen Google die Nachrichtenagentur Reuters kaufen wolle. Nach seiner Rechnung würden dazu noch 3 Milliarden Euro in der Kriegskasse fehlen. Heute meldet heise nun, dass Google sein Kapital erhöhren wir…

  2. Alphager says:

    Ach du Scheisse; Ebay hat Skype gerade gekauft: 3,4 Mrd ?….

  3. Simon says:

    “Umsatzplus von 20% [..] mäßiger” – “Investoren machen Druck”?
    Erde an Investoren: Endloses Wachstum ist nicht möglich! Aber selber Schuld wer sich in Abhängigkeit von solchen Leuten begibt, die sind fein raus wenn der Laden in die Brüche geht. Und das Beste ist: Niemand kann was dagegen tun sobald die einmal das Steuer in der Hand halten. >:-(

  4. Björn Eichstädt says:

    Warum soll Skype nicht zu Ebay passen? Ebay sammelt Daten über Einkäufe, Kreditkarten und Bankverbindungen, Einkäufe und Präferenzen. Skype sammelt Daten über Verbindungen über das Netz. Das könnte man durchaus als “Social Bookmarking” im großen Stil verstehen. Oder sehe ich das ganz falsch?

  5. Alphager says:

    @Hara:
    ?!?!?
    QUelle ?

  6. Hara Babura says:

    Ich glaub nicht daran. Soweit ich weiss, darf niemand die Mehrheit der Reuters Aktien besitzen, somit auch Google nicht.

  7. Alphager says:

    Reuters würde zu Google passen. Und für Google würde sich der Deal auf alle Fälle lohnen (am besten noch mit Eintausch der eigenen Aktien):
    Der Absturz von Google kommt noch; Google ist definitiv nicht mehr wert als DaimlerChrystler. D.h. Google muss sein Geld jetzt in feste Ware umtauschen. Reuters Datenbanken passen zum Geschäft und sind 100%ig gewinnbringend.
    -
    Was ebay und Skype angeht:
    DAS ist Neweconomy-blödsinn. Null synergien, eine endlose Hype und Null echten Wert (Skypes Technologie kann jederzeit kopiert werden und erfordert minimalen Kapitaleinsatz).

  8. jo says:

    google und yahoo sehen sich doch längst als medienunternehmen…