Unternehmensberatungen aller Art sind schwach in ihrer Pressearbeit. Personalberater, die von Berufs wegen eher schweigend anzutreffen sind, ohnehin. Deshalb kann es nur kontraproduktiv sein, wenn Heidrick & Struggles, unbedingt noch nachlegen will, wenn alles schon gesagt ist.
Es gibt so manche Meldung, die Vorstände nicht gerne lesen. Meist ist diese Nachricht dann ziemlich nah an einer für das Unternehmen wenig schönen Wahrheit. Dann bestellt der Vorstand seinen Berufskommunikator ein und macht ihn lang. Aber so richtig. Wie denn das passieren könnte, fragt er ihn drohend. Welche Sau denn das rausgelassen habe. Und warum er, der Berufskommunikator, das nicht verhindert habe. Ist schließlich sein Job. Oder besser: war sein Job. Nach dem Gespräch nämlich. Vorher allerdings solle er das noch richtig stellen.
Vorgestern wurde bekannt, dass Jürgen Mülder, einer der Granden der deutschen Headhunter-Szene, Heidrick & Struggles verlässt, einen der großen Namen der Branche. An die US-Beratung hatte Mülder sein eigenes Unternehmen vor acht Jahren verkauft. Dort aber grummelt es ganz mächtig, Mülder ist nicht der einzige, der dort geht, wenn auch der hochkarätigste.
Mülder zu erreichen war nicht schwer, meine Kollegin Maike Telgheder sprach mit ihm. Dabei sagte er auch einiges über die Stimmung bei seinem Ex-Arbeitgeber:
?Heidrick & Struggles ist eine andere Company geworden?, sagt Mülder. Sie werde immer ?amerikazentrierter?. Regionale Belange spielten eine immer geringere Rolle."
Und weiter heißt es:
"Hinter Mülders Rückzug steckt letztlich der Kulturkonflikt zwischen Beraterpersönlichkeit und straff geführtem, börsennotierten Konzern. Hatte man Mülder Anfangs noch viel Selbstständigkeit eingeräumt, wurden die Grenzen zuletzt immer enger gesteckt, sagt ein Insider. Deutschlandchef Kracht sagte dem Handelsblatt, man wolle Mülder anbieten, in beratender Funktion weiter für das Unternehmen tätig zu sein."
Tja, US-Unternehmen in Deutschland, das ist nie ganz einfach, da kracht es gerne mal, so was kommt vor. Die Geschichte wäre auch in der Szene relativ schnell vergessen gewesen – wenn nicht Heidrick & Struggles nachgelegt hätte.
Über seine Berufskommunikatoren Zenhäuser schickt Heidrick Mülder jetzt nämlich in Rente. Schon der Betriff der Mail lässt unfreundliches ahnen:
"Heidrick & Struggles Deutschland: Stellungnahme zum Abgang von Dr. Jürgen Mülder"
Wer in Frieden geht, der bekommt einen Abschied, so ist das halt. Wer dagegen einen Abgang macht, den mag man nicht mehr. Lesen wir also weiter:
Dr. Jürgen Mülder geht mit 68 in Pension
Hamburg.- Dr. Jürgen Mülder, seit 1997 Senior Partner bei Heidrick & Struggles, vollendet per Ende September 2005 sein 68. Lebensjahr und geht in Pension. Heidrick & Struggles hat Herrn Dr. Jürgen Mülder ein attraktives Angebot für eine zweijährige Vertragsverlängerung unterbreitet, das er sehr positiv aufgenommen, jedoch unter privaten und familiären Vorzeichen sowie aufgrund des Lebensalters nicht angenommen hat.










Ein Kommentar zu “Si tacuisses, Heidrick & Struggles”
Wie ist Dr.Mülder erreichbar?