»Thomas Knüwer 20. July 2005, 11:24 Uhr

Neuer Online-Chef für die “Zeit”

Die "Zeit" leistet sich künftig einen Online-Chefredakteur. Die Besetzung des Postens dürfte für einigen Wirbel sorgen.

Denn Gero von Randow ist seit einigen Wochen kein Unbekannter in der Weblog-Szene. Die "Zeit" nämlich hatte einen Weblog-Preis ausgeschrieben. Die vorgeschlagenen Autoren aber gefielen von Randow nicht. Und so schrieb er:

"Die eingereichten Artikel – nun, da ist sicherlich noch Raum für Qualitätsverbesserungen, IMHO. Die Blogs selbst spiegeln die Vielfalt der Szene bereits wider. Viele sind verspielt und selbstverliebt (also ähnlich dem Dings, das ich mit "Megawatt" drehe). So richtig relevant und ansprechend und humorvoll und anregend zugleich – eigentlich keines, bis auf IT&W vielleicht…."

Die "Zeit" hielt dies trotzdem nicht davon ab, die Preise zu vergeben. Schade, dass die Preisträger nicht als erste informiert wurden, aber dafür wurde bei der "Laudatio" (oder besser: Malation?) auch noch mal betont, wie schlimm es doch um die Qualität deutscher Blogs bestellt ist.Autor übrigens: Gero von Randow:

"Deutsche Blogs können qualitativ mit dem, was aus den USA kommt, nur in Ausnahmefällen mithalten. Das mag statistische Gründe haben. Je mehr vernetzte Menschen, desto mehr Blogger, desto breiter und höher die Spitze. Die Erklärung ändert aber an dem Umstand nichts, dass wir noch viel zu lernen haben. Megawatt stimmt in den Ruf ein: Blog on!"

Megawatt, das sei ergänzt, war das Weblog von von Randow. Dieses machte er kurz nach der Preisverleihung dicht und verweigerte sich somit der Kärrnerarbeit einen Beitrag zur Qualitätsverbesserung germanischer Internet-Tagebücher zu leisten. Zuvor bestand es vor allem aus rudimentären Kurzbeiträgen mit Interpretationspotenzial.

Nun also ist der Chef von "Zeit"-Online. Und ich bin mir sicher, dieser Positionswechsel wird genauso heftig diskutiert werden, wie der Blog-Preis der "Zeit" und ihr Umgang mit den eingereichten Beiträgen.

Nachtrag: In den Wirren des Chefwechsels scheint auch die Preisvergabe an die Preisblogger untergegangen zu sein.


    6 Kommentare zu “Neuer Online-Chef für die “Zeit””


  1. Jim Knopf says:

    Was von Randow meint, ist doch egal. Wichtiger ist: Was macht jetzt eigentlich Melanie Rupprecht?

  2. Lichtwesen says:

    hmmm.. mal oT: irgendwie scheint es mit dem Trackback-Link auf diesen Artikel nicht zu klappen. *grummel*

  3. Don Alphonso says:

    Ach was, der genetzalsterte Ostelbier ist auf dem letzten Führerposten angelangt, auf den es die Ostelbier nach 1945 zieht, Ziel erreicht, Ende.

  4. Die Zeit-Online hatte sich ja in den letzten Monaten schon sehr stark geändert. Sei es, dass mehr Werbung vorhanden ist – vorher fragte ich mich immer, wie das Angebot finanziert wird, oder die allgemeine Struktur.

    So sind die Artikel jetzt nicht mehr in voller Länge auf einer Seite zu sehen, sondern standardmäßig in mehrere Seiten unterteilt, was nicht zuletzt die Anzahl der Pageviews für die Werbung und damit die Einnahmen erhöht.

    Dann wird am Ende der Artikel ausführlich auf andere Artikel verwiesen, um den Leser auf der Seite zu behalten. Und es wurde mit einer Änderung der Frontpage der Versuch unternommen mehr Fokus auf die starken Themen zu lenken.

    Mal sehen, ob dieser für die Zeit positive Weg weitergegangen wird.

  5. marcc says:

    Vermutlich steht in den Vertragsvordrucken für Online-Chefredakteuere aus dem Bürobedarfsladen der Passus, dass man mindestens einmal im Jahr irgendwas zu Blogs sagen muss.

  6. Lichtwesen says:

    Naja… Herr G.v.R. hat ja heere und lichte Ansprüche. Mal sehen, ob er sich selbst genügt?

    Liebe Grüße
    {Lichtwesens Variationen}