Ein Kurzfilm zweier amerikanischer Journalisten zeichnet ein düsteres Bild über die Zukunft der Medien. Was sie vergessen: die Faulheit der Menschen.
Nehmen Sie sich mal acht Minuten Zeit. Und dann schauen Sie sich diesen Kurzfilm an mit dem Titel "2015". Entstanden ist er eigentlich schon vor einiger Zeit (was Spiegel Online nicht so richtig bemerkt) als "2014", "2015" ist die aktualisierte Fassung mit einem etwas weniger düsteren Ende. (mehr Details zur Entstehung gibt es hier)
Grundthese: Die klassischen Nachrichtenbeschaffer und -erzeuger sind bald am Ende, Maschinen können Nachrichten verbreiten, die von jedermann in die Welt gesetzt werden. Zeitungen dagegen werden nur noch von einer Elite und von Älteren gelesen.
Neu ist die Diskussion eigentlich nicht. Schon als die ersten Internet-Portale in jener scheinbar so weit entfernten Zeit des Web-Goldrausches personalisierte Nachrichten Seiten boten, zitterten die Pessimisten, dass Yahoo künftig bestimme, welche Nachrichten die Menschen erhalten.
Doch wie viele nutzen tatsächlich My Yahoo als ausschließliche Nachrichtenquelle? Wer nutzt allein Google News? Ich behaupte: Nicht allzu viele.
Solche einstellbaren Informationsangebote haben nämlich zwei große Nachteile:
1. Scheuklappenblickerzeugung
Ich sehe nur das, was mir bekannt ist, nichts neues. Nehmen wir an, ein Finanzanalyst nutzt solch ein Angebot. Er beobachtet einen Textilhersteller. Wird er dann sein Portal so einstellen, dass er Nachrichten über die politische Lage in Kambodscha bekommt, weil dort dieser Textilhersteller produziert? Wenn ja, wird er vielleicht unüberschaubar viele Informationen bekommen, wenn nein möglicherweise entscheidendes verpassen. Da hilft nicht einmal ein Annährungsalgorhythmus à la Amazon: Denn es gibt vermutlich nicht genügend Finanzanalysten, die sich mit diesem Unternehmen beschäftigen.
2. Faulheit
Ein personalisierter Dienst hat ein großes Problem: Man muss ihn personalisieren. Und egal, wie einfach das ist – es ist trotzdem zeitlich eine Menge Arbeit. Wie viele Menschen nutzen all die schönen Personalisierungsfunktionen ihres Handys, ihres PC, ja sogar ihres Videorekorders? Der Großteil der Menschen will Einfachheit und Vorgefertigtes, nicht ständige Frickelei an der Technik – das wollen nur die Freaks.
Vielleicht ist gerade der vielleicht schockierendste Gedankengang von "2014/2015" der spannendste: Die "New York Times", stellen sich die Macher vor, zieht sich vollständig aus dem Internet zurück und wird zum gedruckten Nachrichtendienst der Elitären und Älteren.
Aber ist das schlecht? Zum einen hat die Elite die Macht und das Geld, zum anderen wollen viele Menschen zur Elite gehören, selbst wenn das gar nicht möglich ist. Sie alle sind bereit dafür zu zahlen.
Eine mutige Überlegung: Warum nicht sich aus der Masse lösen -soll sie doch verdummen und daherwabbeln – und sich hinwenden zu jenen, die Geld und Macht haben? Wer sich dort etabliert ist schwerer zu verdrängen als bei jenen, die fiebrig durch das Netz zappen und denen Glaubwürdigkeit und Tiefe einer Informationsquelle ohnehin egal sind.









