»Thomas Knüwer 03. April 2005, 16:14 Uhr

Vorstandschef Franz K.

Bob Lutz, Chef von General Motors, hat ein Weblog. Ein richtig eigenes. Heißt es zumindest. Anscheinend hat er auch Lust es zu nutzen, um mal richtig draufzuhauen.

Vor einiger Zeit schrieb ich einige Zeilen über bloggende Manager. Bisher befürchtete ich, solche Weblogs seien von der Presseabteilung verfasste Unternehmensbulletins. Der jüngste Eintrag von Bob Lutz aber lässt mich an dieser Meinung zweifen. Derart auf die Presse einzuhauen hat ihm mit Sicherheit nicht die Kommunikationsabteilung geraten.

Ich zitiere:
But I must draw a line between legitimate coverage and manipulating facts to create "news." Which is what happened when remarks I made in answer to a question at an analyst conference in New York last week were taken out of context and twisted just enough to cause panic among a lot of good people.

Erstmal Chapeau, Mr. Lutz: Endlich mal ein Manager, der anscheinend seine Meinung sagt. Der Haken: Dass andere Führungskräfte dies nicht tun, hat zu einem problematischen Verhältnis zwischen der Manager-Kaste und Journalisten geführt.

Denn der CEO von heute spricht gern in vorsichtigst formulierten Orakel-Sätzen, die schwerer zu interpretieren sind als Kafka und Joyce. Vieles davon kann man seinen Lesern beim besten Willen nicht zumuten. Das Fernsehen hat sich deshalb schon verabschiedet: Denn sendbar sind die merkwürdigen Schachtelsätze und Watteweich-Formulierungen noch viel weniger.

Ergebnis: Alles muss interpretiert werden, krampfhaft wird nach der Nachricht gesucht – und dabei kann auch was rauskommen, was mit der Intention des Sprechers nichts mehr zu tun hat.

»Thomas Knüwer 03. April 2005, 16:14 Uhr

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