»Thomas Knüwer 28. January 2005, 16:10 Uhr

Wie alles beginnt…

Wohin eine Silvesterparty und der Kulturpessimismus eines Mitt-Dreißigers führen können. Sie kommt bestimmt, die Frage. Auf jeder Silvesterparty. Irgendwann, wenn mehr leere denn volle Weinflaschen den Raum füllen und die Fähigkeit zur klaren Sprache im alten Jahr verloren gegangen scheint. In einem der Momente, in denen ein wenig Schweigen eintritt und jedem Gast eigentlich klar sein müsste, dass der Moment, da es am Schönsten war und man dementsprechend hätte gehen sollen, eine halbe Stunde zurück liegt. Dann fällt sie, die Frage: "Uuuund… Welche Vorsätze hast Du fürs neue Jahr?" Die Damen am Tisch haben es etwas leichter. "Ich will abnehmen/mehr Sport treiben" zieht immer. Für die Singles im Raum geht das Auffinden der ultimativen Lebensabschnittsbegleiter durch. Ich aber stotterte und wählte die langweiligste und dämlichste aller Varianten: "Och, Du, eigentlich keine." Am nächsten Tag packte mich die Reue. Schließlich ist das Neujahrsvorsatz doch eine hübsche Tradition. Und Traditionen gibt es immer weniger, da in der Bundesliga schon ein Team aus Wolfsburg (mal ganz ehrlich: Wer will den VFL Wolfsburg sehen? Den Zuschauerzahlen zufolge anscheinend nicht mal die Wolfsburger) mitkicken darf und die Tagesthemen demnächst um 22.15 ausgestrahlt werden. Selbst Bleigießen zu Silvester wird immer seltener (OK, man hat ohnehin nie erkannt, was die entstandenen Metallklumpen darstellen könnten). Nun komme ich mir ziemlich alt vor, im Alter von 29 (zugegeben, zum sechsten Mal), über verlorene Traditionen zu jammern. Also verbinden wir doch Kulturkonservatismus mit Hightech-Hoffnungsträger. Jawohl, mein Vorsatz für das Jahr 2005 lautet (mit etwas Verspätung vorgetragen): Ich will ein Blog starten und regelmäßig, möglichst täglich, bestücken. Drehen soll es sich um das Alltagsleben in Redaktionen und dem, was daraus ensteht: Zeitungen, Magazine, Radio- und Fernsehprogramme. Vor allem aber um das immer skurrilere Verhältnis von PR und Journalisten. (Das Wort "skuril" impliziert, dass dieser Bereich maßgeblich für den Unterhaltungswert sorgen soll.) Der Name "Indiskretion Ehrensache" entstammt dem gleichnamigen Buch meines Lehr-Herrn Professor Ferdinand Simoneit, dem langjährigen Leiter der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Leider ist das lesenswerte Werk nur noch gebraucht zu bekommen. Und nu ist Schluss mit Vorrede: Let’s blog!

»Thomas Knüwer 28. January 2005, 16:10 Uhr

    10 Kommentare zu “Wie alles beginnt…”


  1. Hero says:

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  2. Ugugu says:

    Ha, Ha, Ha, Blogg, Bloggg, Bloggg!

    Sie entschuldigen die Schadenfreude ;-)

  3. selbr.de says:

    Wenn der Herr Netzjournalist schon stänkert, unsere Rubrik Wörtersee solle sich endlich des so genannten Unterschichten-Bloggings annehmen – schreibt doch der von uns sehr verhehrte [13:05, d. Red.] Kollege in Indiskretion Ehrensache das da: Nun gibt es…

  4. Tanja Aschenbeck says:

    Du hast wie immer Recht! Ich werde es weiter verfolgen!

  5. PR Blogger says:

    Gar nicht gern werden einige PR-Leute das neue Handelsblatt-Blog

  6. Nico says:

    Mario, bring die Leute heir nciht auf doofe Gedanken, Blogg wird immer noch mit Doppel-g geschrieben. :)

  7. Tknuewer says:

    Ups, wird korrigiert…

  8. JoeH says:

    Hallo Herr Knüwer,
    einen Stammleser mehr haben Sie bereits. Lustigerweise haben wir im gleichen Alter den gleichen Vorsatz fürs neue Jahr: Let´s blog. Allerdings unterscheiden sich unsere Inhalte ziemlich, ich beschränke mich auf Drums und Musik.
    Grüße
    Joachim Heinz
    P.S. Danke an Hr. Roell für den Linkeintrag

  9. Mario says:

    Wie wäre es denn mit einem zweiten guten Vorsatz? Zum Beispiel “Blog” künftig richtig zu schreiben? Mit einem einzigen “g” nämlich ;-)

  10. blundstone says:

    ich bin schon gespannt, was sie hier alles an “indiskretionen” bloggen werden! das erste sieht ja recht vielversprechend aus momentan.

    gestoßen bin ich auf ihr blog übrigens über das e-business weblog von martin röll.