Die unglaubliche Unverschämtheit von Bundestagsabgeordneten

Dienstag, 19.08.2008

Dienstreisen sind in Zeiten, da in vielen Unternehmen das Grummeln der Wirtschaftskrise einsetzt ein Luxus. Mitarbeiter versuchen so wenig wie nötig unterwegs zu sein, schauen ein wenig genauer auf die Ausgabenseite.

Beim Deutschen Bundestag sieht das anders aus. Dort wird weiter fröhlich gruppengereist - und das im Stil von Kolonialherren und -damen.

Die Loungemusik der Olympischen Spiele

Montag, 18.08.2008

Mit den Olympischen Spielen ist es bei mir immer gleich. Am Anfang scheinen sie gar nicht so interessant, die ersten Tage zappe ich mal rein, nur mäßig begeistert. Irgendwann aber schleichen sie sich in den Kopf, ich stehe früher auf, um Sportarten zu beobachten, die mir sonst so egal sind wie umfallende Reissäcke in China. Gerade habe ich Wasserball geschaut, nun freue ich mich auf das Tischtennis-Finale.

Und je mehr ich schaue, desto mehr fallen mir einige Dinge in Sachen Berichterstattung auf. Kleine Dinge, die doch irgendwie symbolhaft sind, für das Fernsehen und das Internet in diesen Tagen.

Die Selbstdekonstruktion des Josef Joffe

Freitag, 15.08.2008

Wenn jemand mit aller Macht in eine Richtung diskutiert, dabei aber Argumente verwendet, die seinen eigenen Logiksträngen unterwandern, so ist dies bei intelligenten Menschen einfach pure Ironie. So funktioniert oft auch Kabarett.

Auf der Seite 1 der aktuellen "Zeit" findet sich ein Text von Josef Joffe, bei dem genau das passiert. Es geht um die "Zukunft des gedruckten Wortes" und wie das Internet, genauer gesagt die Huffington Post, jenes bedroht.

Ich fürchte jedoch: Joffe meint das nicht ironisch - er sieht das wirklich so.

Apple wertvoller als Google

Donnerstag, 14.08.2008

Es ist etwas bemerkenswertes passiert, unbemerkt von den großen Medien: Apple hat seit gestern eine höhere Marktkapitalisierung als Google, wie die Kollegen von AllthingsD bemerkt haben.

Eigentlich ist dieser Vergleich höchst unsinnig, denn die beiden Firmen betreiben völlig unterschiedliche Geschäfte. Doch ist Googles Börsenwert eben zur Messlatte geworden, will man die digitale Wirtschaft in Beziehung setzen zu alt eingesessenen Konzernen.

Egal, was man von Apples Produkten hält: Wie sich dieses Unternehmen gewandelt hat von Hoffnungsträger über den Etrinkenden zum Nischenprodukt und nun zur Ikone - das nötigt Respekt ab.

Die armen Säue des Tages: Infineons Presseabteilung

Mittwoch, 13.08.2008

Es gibt Menschen, die beneidet man wirklich nicht um ihren Job. Zum Beispiel am heutigen Tag die Unternehmenskommunikatoren des Chipherstellers Infineon. Denn sie werden gerade in Sachen Iphone böse angeschossen und dürfen nichts sagen.

Wenn Journalisten über Journalisten journalisten

Dienstag, 12.08.2008

Wir Journalisten können eklige Plagegeister sein, wenn wir recherchieren. Da werden potenzielle Gesprächspartner genervt mit unverschämt direkten Fragen. Oder man schickt am Nachmittag eine E-Mail oder ein Fax mit der Bitte um Stellungnahme - aber bitteschön innerhalb von zwei Stunden.

Es sind Maßnahmen, die oft aus der Erfahrung heraus entstehen, dass ohne Druck keine Information zu bekommen ist. Lässt man dem Gesprächspartner Zeit, wird man niemals eine Antwort bekommen.

In einem Fall, aber, mögen wir gar nicht reden. Empfinden es gar als Majestätsbeleidigung, wenn da jemand recherchiert. Dann, nämlich, wenn Medien selbst über andere Medien recherchieren. Wahlweise pendelt die Reaktion zwischen Schweigen und Unverschämtheit.

Süß, die Kollegen von der "Frankfurter Rundschau"

Dienstag, 12.08.2008

Heute berichtet die "Frankfurter Rundschau" über ein neues Audio-Angebot zur Bundesliga. Es heißt 90elf und ist so eine Art "Sport und Musik" (Historienwitz für Generation-Golf-NRWler) ohne Musik.

Die "FR" erwähnt zwar nicht, dass es mit dem Liga-Radio ein solches Angebot schon gibt und erzählt auch nicht, was aus dem nun wird. Sie gibt aber einen Einblick in ihre ganz eigene Welt des technischen Verständnisses:
"Wer Fußball live hören will, braucht also einen Zugang zum Netz, was den Empfang auf der Wiese im Park zumindest bislang auf wenige WLAN-Nutzer beschränkt."

Ja, dieses Wlan - da könnte noch mal was draus werden. Irgendwann.

Ich schreib dann mal ab

Montag, 11.08.2008

Wenn Kai Diekmann einen besonders weltfremden Moment hat, behauptet er, "Bild" sei ein Qualitätsmedium. Und vielleicht muss man als Mitarbeiter des Handelsblatts ihm zustimmen, wenn man merkt, dass Diekmanns Redaktion vom Handelsblatt komplette Geschichten umschreibt, kürzt aber mit keiner einzigen neuen Information versieht.

Die Raubkopierer vom "Spiegel"

Montag, 11.08.2008

Die neueste Ausgabe des "Spiegel" fragt "Macht das Internet dumm?" Nun, man könnte auch fragen, ob Zeitschriften dumm machen oder zu viel Bücher lesen oder einfach überhaupt zu viel Information. Aber irgendwie wäre die Behauptung, viele Informationen machten dumm ein wenig... merkwürdig.

Immerhin zeigt uns das Internet dann ja doch, dass der "Spiegel" in weiten Teilen abschreibt, vom "Atlantic Monthly", nämlich, und sogar die Idee für das Titelbild klaut. So was nennt man im Internet übrigens Raubkopie, da es aber leicht verändert ist, wird der "Spiegel" sich auf ein Mashup berufen.

Ach so, die Frage "Macht das Internet doof" ist ja auch schnell beantwortet: Nicht mehr als die Lektüre des "Spiegel".

Und nächste Woche wird er uns sicher mal wieder eine Titelgeschichte präsentieren, die selbst recherchiert und exklusiv ist. Ich denke, sie wird von Hitler, der Bibel, Horoskopen oder menschlichen Körperfunktionen handeln. Das verkauft sich immer besonders gut.

Mario Garcia bloggt

Donnerstag, 07.08.2008

Deutsche Firmenchefs, auch von kleineren Unternehmen, mögen nicht bloggen. Der eine sagt, er sei zu alt, der nächste will keine Firmengeheimnisse verraten und alle haben ohnehin überhaupt keine Zeit.

Manchmal bin ich sogar geneigt das zu glauben. Und dann entdecke ich wieder ein neues Weblog einer älteren Führungskraft aus Übersee, die anscheinend doch genug Zeit hat und genug Fingerspitzengefühl, um keine Geheimnisse rauszulassen.

Jüngstes Beispiel: Mario Garcia, der wohl berühmteste Zeitungsdesigner der Welt.
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