Marcel Fratzscher als DIW-Chef – eine gute Wahl

Das DIW hat heute abend bekannt gegeben, dass der EZB-Volkswirt Marcel Fratzscher erste Wahl für die Leitung der Berliner Denkfabrik ist. (Hier unser ausführlicher Artikel zu der Personalie.) In einer gerade verschickten Pressemitteilung heißt es:

“Marcel Fratzscher ist der Kandidat, der dem Kuratorium des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)  für die Nachfolge an der Spitze des Instituts vorgeschlagen wird. Dies hat die Findungskommission unter Leitung des Vorsitzenden des Kuratoriums, Bert Rürup, heute einmütig beschlossen. (…)

„Marcel Fratzscher ist ein hervorragend ausgewiesener Wirtschaftswissenschaftler, von dem neue Impulse für einen Ausbau der makroökonomischen Kompetenz des Instituts wie für die  theoriegeleitete und empirisch fundierte  Politikberatung zu erwarten sind“, begründet Rürup die Empfehlung der Kommission.”

Marcel wer?

Das werden sich jetzt viele Leute fragen, auch Ökonomen. Denn Fratzscher ist der breiteren Öffentlichkeit bislang nicht bekannt. Ich habe ihn 2009 im Rahmen unserer Proträt-Serie “Jugend forscht” getroffen und für das Handelsblatt porträtiert. Fratzscher war uns früh aufgefallen, weil er im Handelsblatt-Ökonomenranking ganz weit vorne lag.

Im aktuellen  Handelsblatt-Lebenswerk-Ranking liegt er auf Platz 38 von 250. Seit 2007 haben nur drei Volkswirte häufiger in Topjournalen veröffentlicht als er.

» weiterlesen

Die Arge spielt Sommertheater

Diese Pressemitteilung, die am heutigen Montag versendet wurde, hat absurde Züge. Dort heißt es:

Prof. Dr. Dr. h.c. Ulrich Blum wurde am 5. September 2011 von der Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft deutscher wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute e.V. (ARGE-Institute) als Nachfolger von Prof. Dr. Klaus F. Zimmermann zum Vorsitzenden der ARGE-Institute gewählt.

Warum absurd? Weil Ulrich Blum bereits einen Tag nach der Wahl, die laut der heutigen Pressemitteilung bereits am 05.09. war, sein Amt als Chef des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zur Verfügung gestellt hat. Am Abend des 06.09. wurde bekannt, dass die in Halle erscheinende Mitteldeutsche Zeitung berichten werde, IWH-Präsident Blum habe wie auch der Geschäftsführer Frowin Gensch dem Vorstandsrat des IWH seinen Rücktritt angeboten. Das Wirtschaftsministerium habe das mit Respekt zur Kenntnis genommen. Der Grund: Das Institut war seit Jahren in der Kritik der Leibniz-Gesellschaft, die über die Vergabe der Fördermittel entscheidet.

Blum hat die Schwierigkeiten seinen Institutskollegen bei der Arge-Sitzung keineswegs verschwiegen, er hat ihnen reinen Wein eingeschenkt. Auch das geht aus der heutigen Pressemitteilung hervor:

Im Vorfeld der Wahl hatte Prof. Blum auf die schwierige Diskussion am Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) verwiesen und die damit verbundene Möglichkeit eines Amtsverzichts ebendort thematisiert.

Unmittelbar nachdem Blum dennoch das Vertrauen der Arge-Kollegen ausgesprochen bekam, ist aus der “schwierigen Diskussion” ein endgültiges Aus für den IWH-Chef geworden - Blum wird nur noch bis zur nächsten Vorstandssitzung Mitte Oktober in Halle im Amt bleiben.

Seinen neuen Job bei der Arge dürfte er damit freilich auch schnell wieder los werden. Die schreibt heute vielsagend:

In Anbetracht der öffentlichen Diskussion nach dem Angebot dieses Amtsverzichts als Präsident des IWH hat Prof. Blum den stellvertretenden Vorsitzenden erneut für den persönlichen Vertrauensbeweis gedankt. Nach ersten internen Überlegungen soll im Januar 2012, im Anschluss eines ohnehin geplanten Treffens der ARGE-Institute, auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung ein Nachfolger bestimmt werden.

Besonders absurd ist das Hickhack auch deswegen, weil die Arge – dahinter verbergen sich die sechs großen Wirtschaftsforschungsinstitute der Leibniz-Gemeinschaft sowie 20 weitere Forschungseinrichtungen – just am 05.09., also am Tag der Mitgliederversammlung, auf der Blum gewählt wurde, zu einer Pressekonferenz in Frankfurt eingeladen hatte. Am Rande der Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik hatten einige Institutsleiter im Gespräch mit Journalisten erklärt, auch künftige, gemeinsame Stellungnahmen zu wichtigen Themen für möglich zu halten – um ihnen so mehr Gewicht zu verleihen. Die Erklärung, was genau die Arge ist und will, war difus. Auf ihrer Internetseite schreibt sie über ihren Zweck:

Zweck des Zusammenschlusses ist die gemeinsame Bearbeitung von wirtschaftswissenschaftlichen Gutachten sowie der Informationsaustausch in wirtschaftspolitischen und wirtschaftswissenschaftlichen Fragen.

Wenn es der Arge noch nicht einmal gelingt, einen Vorsitzenden zu finden, der die Perspektive hat, länger als wenige Wochen im Amt zu bleiben – wie will sie sich dann Gehör verschaffen?

Auf ihrer Internetseite nennt die Arge übrigens noch ihren alten Vorstand:

http://www.arge-institute.de