Die USA verlieren den Glauben

Das ist ein Schreck: Das Konsumklima in den USA ist im Juni kräftig eingebrochen. Der Verbrauchervertrauensindex des Forschungsinstituts Conference Board fiel gleich um zehn Punkte auf 52,9. Das ist ein weiteres deutliches Zeichen dafür, dass die Konsumenten in den USA den Glauben an die Haltbarkeit des Aufschwungs verloren haben. Die Kalkulation der US-Regierung, mit großzügigen Konjunkturspritzen die Schwächephase zu überbrücken und ihren Bürgern allzu schmerzhafte Anpassungen zu ersparen, scheint nicht aufzugehen. Schon die Einbrüche auf dem Häusermarkt nach dem Wegfall staatlicher Stützen haben in den vergangenen Wochen darauf hingedeutet, dass sich die tiefgreifenden strukturellen Probleme nicht so einfach zukleistern lassen. » weiterlesen

Das transatlantische Missverständnis

Das sitzen Sie nun nebeneinander, und jeder schaut in eine andere Richtung. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble und sein amerikanischer Kollege Timothy Geithner. Das Bild von der gemeinsamen Pressekonfernez in Berlin hat Symbolkraft. Zeigt es doch, dass Europäer und insbesondere Deutsche die Welt ganz anders sehen als die Amerikaner. Wo hierzulande eiserner Sparwille gepredigt wird, fürchtet man jenseits des Atlantiks um den Aufschwung und fordert deshalb staatliche Konjunkturhilfen. » weiterlesen

Griechenland ist nicht allein

Einen hervorragenden Überblick über die globale Schuldenkrise gibt der Chefvolkswirt der Citigroup, Willem Buiter, in seiner neuen 66-seitigen Studie “Sovereign Debt Problems in Advanced Industrial Countries”.  In seinem früheren Leben als Professor an der London School of Economics und FT-Blogger war er für markige Sprüche und zuweilen apokalyptische Warnungen bekannt, jetzt steht die sachliche Analyse im Vordergrund. Und die spricht einige wichtige Punkte an, die in der aktuellen Debatte öfter mal unter den Tisch fallen. Zum Beispiel den, dass die Euro-Zone insgesamt in einer stärkeren fiskalischen Position ist als Großbritannien, die USA und Japan, und dass auch diese Länder bald “von den Märkten getestet” werden könnten. Der fiskalische Konsolidierungsbedarf sei in Japan und Großbritannien größer und in den USA ähnlich groß wie in den PIIGS-Ländern der Euro-Zone. » weiterlesen

Die neue Normalität

Im Moment wird viel gesprochen über die Rückkehr zur Normalität. Die neue Normalität wird sich jedoch von der alten vor der Krise erheblich unterscheiden. Wie sehr, dass hat der UBS-Chefökonom Andreas Höfert diese Woche am Beispiel der USA erläutert. Das Trendwachstum könnte von zuvor 3,5 auf nur noch zwei Prozent sinken. Die Inflation könnte sich von vormals 2,5 Prozent mehr als verdoppeln. Die Stabilität der Finanzmärkte dürfte sich dank der strikteren Regulierung zwar erhöhen. Die Investoren zahlen das jedoch mit geringeren Renditen. Und zugleich müssen wir uns darauf gefasst machen, dass wir statt regelmäßiger Finanzkrisen wieder mehr Konjunkturschwankungen erleben werden. Höfert stellt die interessante These auf, dass es einen trade off zwischen finanzieller und markroökonomischer Stabilität gibt. Für die meisten europäischen Länder gilt im Prinzip das gleiche Szenario, wenn auch weniger ausgeprägt als in den USA.

Wann müssen wir mit der neuen, tristen Normalität rechnen? Höfert meint, ab Mittte 2010. Dann laufen sowohl die staatlichen Konjunkturprogramme als auch der Lagerzyklus aus, die Notenbanker werden die Zinszügel langsam anziehen und die Konjunktur muss auf eigenen Beinen stehen. Die Effektivität der staatlichen Anschubhilfe wird nach Meinung von Hilfert ohnehin überschätzt. So hätten die Amerikaner mit der Verdoppelung der Notenbankgeldmenge ihre Wirtschaftsleistung gerade einmal auf das Niveau von vor zwei Jahren gehoben. Ein bescheidenes Ergebnis mit einem riesigen Inflationspotenzial.