Drei weitere Lichtenthaler-Aufsätze zurückgezogen

Drei weitere Fachzeitschriften haben in den vergangenen Tagen Arbeiten des Mannheimer BWL-Professors Ulrich Lichtenthaler wegen schwerer Fehler zurückgezogen: Das “Journal of World Business”, das  “Strategic Management Journal” (SMJ) und das “Journal of Management Studies”.

Die SMJ-Retraction ist unter anderem deswegen besonders frappierend, weil es sich um eines der neuesten Papiere von Lichtenthaler handelt – der Aufsatz, den er gemeinsam mit seinem Doktorvater Holger Ernst von der WHU geschrieben hat, ist erst 2012 erschienen.

Damit ist die Zahl der Aufsätze von Lichtenthaler, die seit Anfang Juni offiziell “retracted” wurden, auf sechs gestiegen. Forscher, die  Details des Falles kennen, sagen mir, dass in den nächsten Wochen und Monaten noch eine Reihe weiterer seiner  Arbeiten, die  in anderen Fachzeitschriften erschienen sind, zurückgezogen werden. Mindestens zwei weitere Retractions stehen unmittelbar bevor. Lichtenthaler hat nach meinen Informationen auch von sich aus noch bei noch deutlich mehr Fachzeitschriften um den Widerruf von problematischen Artikeln gebeten. » weiterlesen

Uni Mannheim prüft Vorwürfe gegen Ulrich Lichtenthaler

Nachdem der  Rektor Hans Wolfgang Arndt die nötigen Kollegen aus dem Urlaub geholt hat, tagte heute an der Universität Mannheim die Kommission, die die  Vorwürfe gegen den Mannheimer Betriebswirten Ulrich Lichtenthaler untersucht.

Sie hat beschlossen, externe Gutachter einzuschalten und verspricht eine “schnellstmögliche, sorgfältige Aufklärung der Vorwürfe “.

Die Universität veröffentlicht dazu folgende Pressemitteilung:  » weiterlesen

Schwere Vorwürfe gegen Mannheimer BWL-Professor Ulrich Lichtenthaler

Als erstes haben zwei englischsprachige Wissenschaftsblogs  vor einigen Tagen über den Fall berichtet: Zwei Fachzeitschriften haben seit Anfang Juli drei Aufsätze des Mannheimer BWL-Professors Ulrich Lichtenthaler zurückgezogen. Zwei waren in “Research Policy” erschienen, einer in “Strategic Organization”.

Ich habe heute im Handelsblatt – und, noch ausführlicher, in meinem englischen Blog – über die Vorwürfe berichtet.

Die Herausgeber von “Research Policy” haben auf ihrer Webseite eine ausführliche Begründung ihrer Entscheidung veröffentlicht. Demnach gab es drei unterschiedliche Probleme:

  1.  Eigenplagiate: Querverweise zu sehr ähnlichen Arbeiten fehlten. Hätte es diese Verweise gegeben, wären die Artikel wohl nicht zur Veröffentlichtung akzeptiert worden, weil nicht originell genug. Dieser Aspekt des Vorgangs erinnert an die Bruno-Frey-Affäre des vergangenen Jahres.
  2. Ungereimtheiten beim Umgang mit Variablen: Die Argumentation in den jeweilgen “Schwesterpublikation” ist nicht stimmig, sondern widersprüchlich. Variablen, die in einer Arbeit als wichtig erklärt werden, werden in der anderen igoniert und umgekehrt. Das stellt nicht nur die Ergebnisse der beiden Reseach-Policy-Paper in Frage, sondern auch vier weitere Arbeiten, die in “R&D Management”, dem “Journal of Product Innovation Management”, “Strategic Organization” und in “Organization Science” erschienen sind.
  3. Fehler in der Statistik: Ergebnisse, die nicht statistisch signifikant waren, wurden dennoch als solche ausgegeben. Auf dieses Problem, das nur bei einem der beiden Research-Policy-Paper besteht,  hat Lichtenthaler die Herausgeber selbst hingewiesen. Der gleiche Fehler führte dazu, dass das Paper in “Strategic Organizsation” zurückgezogen wurde.

Von mehreren Leuten, die mit den Details der Vorwürfe gegen Lichtenthaler vertraut sind, habe ich gehört, dass all das nur die Spitze es Eisbergs sei. Eine Reihe von weiteren Journalen stehe kurz davor, Aufsätz von ihm zu widerrufen, unter anderem wohl  “Industrial and Corporate Change” und  “Strategic Management Journal” .

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