Die Kluft wächst eigentlich schon lange

Heute morgen fiel mein Blick auf die Schlagzeile meines Kollegen Dirk Heilmann: „Die Kluft in der Euro-Zone wächst“. Darin nennt er die neuesten Wachstumszahlen der Euro-Zone – und zeigt, dass sich die einzelnen Staaten zuletzt sehr ungleich entwickelt haben. So war das vierte Quartal in Frankreich den Umständen entsprechend stark, in Italien, Portugal und Griechenland dagegen deprimierend lausig.

Ich habe mich gefragt, seit wann diese Kluft denn eigentlich wächst. Ist die größer werdende Ungleichheit nur eine Begleiterscheinung der Krise – oder ein Dauerphänomen?

Dafür habe ich einmal bei Eurostat die Pro-Kopf-BIP-Zahlen der zwölf Länder herausgesucht, die als erste den Euro als Bargeld eingeführt haben. Das Ergebnis ist erschreckend: Nach dem Euro-Start 1999 ist der Wohlstand der einzelnen Staaten praktisch immer ungleicher geworden (siehe blaue Kurve). Eigentlich hatte man den Euro ja auch deswegen erfunden, um das Zusammenwachsen Europas zu fördern. Doch beim Wohlstandsniveau scheint das nicht funktioniert zu haben –  im Gegenteil.

Sicher, mein Ungleichheitsmaß ist ziemlich grob (ich habe berechnet, um wie viel Prozent die Pro-Kopf-BIPs der einzelnen Länder im Schnitt vom durchschnittlichen Pro-Kopf-BIP aller zwölf Länder abweichen). Aber eine gewisse Aussagekraft hat es sicherlich.

Dass Währungsunionen als solches die Ungleichheit fördern, sollte man daraus aber bitte nicht schlussfolgern. So zeigt die schwarze Kurve eine entsprechende Berechnung für die Westafrikanische Währungsunion, die aus acht Staaten besteht, deren Bürger seit 1994 mit „CFA-Franc“ bezahlen. Sie ist seitdem stark gefallen.