Ex-Wirtschaftsweiser schreibt offenen Brief an Hans-Werner Sinn

15 Jahre lang, von 1970 bis 1985, war er Mitglied des Sachverständigenrates, neun Jahre davon als Vorsitzender: Olaf Sievert, emeritierter Professor der Universität Saarbrücken, war einer der einflussreichsten deutschen Ökonomen der “alten” Bundesrepublik – und einer der profiliertesten Fürsprecher einer angebotsorientierten Wirtschaftspolitik.

Auch im Ruhestand hat sich der heute 78-jährige nicht aus der wirtschaftspolitischen Debatte verabschiedet. Jetzt hat er sich in die Debatte um die Target2-Salden eingeschaltet – in einem bemerkenswerten offenen Brief an Hans-Werner Sinn, den er im Blog “Wirtschaftliche Freiheit” veröffentlicht hat.

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Die mysteriöse Target2-Kehrtwende der Bundesbank

Die Debatte über mögliche Milliarden-Risiken in den Bilanzen der Bundesbank und anderer Notenbanken des Euro-Systems hat in der vergangenen Woche eine bemerkenswerte Wende genommen.

Offenbar bereiten die massiven Ungleichgewichte im Target2-Zahlungssystem des Euro-Raums  Bundesbank-Chef Jens Weidmann nun plötzlich doch Sorgen.

Wenn das wirklich so ist, widerspricht Weidmann damit nicht nur der Linie der EZB, sondern auch der Argumentationslinie, die die Bundesbank selbst seit einem Jahr öffentlich vertritt.

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Herr Riecke schießt über das Ziel hinaus

Im Handelsblatt vom 2. März kritisiert Torsten Riecke scharf die EZB und die Euro-Länder („Europas Kanoniere schießen über das Ziel hinaus“, online: “Weidmanns Mahnung ist richtig”).

Bei ihren Rettungsmaßnahmen hätten sie „jedes Maß verloren“. Herr Riecke errechnet als Beleg eine Gesamtsumme des Europäischen Hilfsvolumens von 3000 Mrd. Euro. Es lohnt sich, seinen Rechnungen auf den Grund zu gehen.

Zunächst einmal zählt Herr Riecke die beiden Long Term Refinanacing Operations (LTROs) aus den Monaten Dezember und März als Hilfspaket. Tatsächlich handelt es sich aber um Kredite, für die Sicherheiten gewährt werden. Über die Qualität dieser Sicherheiten lässt sich trefflich streiten, aber man sollte sie nicht unerwähnt lassen. » weiterlesen

Ein Zombie kehrt zurück

Zur Target2-Debatte ist meiner Meinung nach schon lange alles gesagt – nur noch nicht von jedem.

Gestern haben die Ökonomen  Aaron Tornell (UCLA) und  Frank Westermann (Universität Osnabrück) die Debatte wieder ausgegraben – mit einem seltsamen Beitrag bei Voxeu.org.

Leider haben FT Alphaville und  Felix Salmon das Stück aufgegriffen und den Thesen von Tornell und Westermann viel internationale Aufmerksamkeit verschafft. Auch die “Deutschen Mittelstands-Nachrichten” sind auf die Argumente von Tornell und Westermann eingestiegen.

Dankenswerterweise hat der Dubliner Ökonom Karl Whelan mir diesmal die Arbeit abgenommen – er zerlegt die Argumentation von Tornell und Westermann haarklein.

Sein Fazit ist vernichtend:

“this piece has even less to add (and more to subtract, if believed) to the stock of useful knowledge than Sinn’s various pieces”

Ich habe dem nichts hinzuzufügen.

Allerdings kann man sich wirklich fragen, wie manche Akademiker arbeiten. Hätten Tornell und Westermann einen Blick in den Bundesbank-Montasbericht von März (S. 34ff) oder in den Oktober-Monatsbericht der EZB (S. 35) geworfen, hätten sie eigentlich merken müssen, dass sie argumentativ auf dem Holzweg sind.

Auch hier bin ich vollkommen bei Whelan, der argumentiert:

“The crazy thing is that the Euro area is undergoing a real crisis and there is a huge need for an informed public debate on potential solutions. We don’t need academics making up fake crises and stirring intra-European resentments based on a misunderstanding of central bank arcania.”

Wer sich selbst in das Thema einlesen möchte – ich habe hier mal eine Leseliste zu Target2 zusammengestellt.

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EZB widerspricht Sinn bei Target2

Für alle Target2-Aficionados ist der heute vormittag erschienene Oktober-Monatsbericht der Europäischen Zentralbank Pflichtlektüre.

Auf fünfeinhalb Seiten werden dort ab Seite 36 die Target2-Salden der Zentralbanken diskutiert.

Ohne Hans-Werner Sinn namentlich zu nennen, widerspricht die Zentralbank dort den zentralen Thesen des Ifo-Chefs auf ganzer Linie.

Update: Das Ifo-Institut hat heute eine interessante Pressemitteilung zum EZB-Monatsbericht herausgegeben – mit der Überschrift “Keine sachlichen Differenzen zwischen ifo und EZB über Target-Salden”. (Leider scheint die Presse-Sektion auf der Ifo-Webseite derzeit abgestürzt zu sein, so dass ich derzeit nicht auf die Pressemitteilung verlinken kann.

Irgendwie lese ich den EZB-Bericht anders – in mindestens sechs Punkten widerspricht die EZB Sinn deutlich. Ich habe einige diametral unterschiedliche Ausagen beider Seiten dieser Tabelle gegenübergestellt.

Es fängt bei einfachen technischen Dingen an, so schreibt Sinn zum Beispiel immer wieder, die Bundesbank leihe den Krisenstaaten Geld über Target2 – die EZB dagegen betont, dass Geld von den Notenbanken der Krisenländer geschöpft wird, und es über Target2 nur in andere Länder transferiert wird. (Interessanterweise macht Sinn diesen Fehler nur in seinen populärwissenschaftlichen Aufsätzen. Im wissenschaftlichen Papier, das er gemeinsam mit Wollmershäuser geschrieben hat, wird dieser Aspekt richtig dargestellt: Dort heißt es, dass das Geld von den Notenbanken der Krisenländer geschaffen wird.)

Diametral anderer Meinung sind Sinn und EZB bei der Einschätzung der Gefahren, die mit Target2 verbunden sind  und ob man die Target2-Verbindlichkeiten deckeln sollte. Auch mit Blick darauf, wie das Zahlungsverkehrsystem in den USA organisiert ist, werden ganz unterschiedliche Positionen deuetlich).

Hier eine Übersicht über die zentralen Argumente der EZB (alle Hervorhebungen durch mich).

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Target2-Unsinn ist nicht zu stoppen

Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, meine knappe Lebenszeit nicht weiter für die Target2-Debatte zu verschwenden. Nachdem Hans-Werner Sinn aber seine objektiv falschen Thesen  über angebliche Kredite der Bundesbank an die Peripheriestaaten und das vermeintliche “Crowding-out” der Kreditvergabe in Deutschland unermüdlich weiter verbreitet, erkläre ich auf “Ecnomics Intelligence” abermals, warum der Ifo-Chef falsch liegt: “GIPS Euros” vs. “German Euros” – Debunking Hans-Werner Sinn, Vol. II

Mein Fazit:

Hans-Werner Sinn fritters away his reputation as a serious academic and has entered the domain of populists that make biased and flawed arguments.

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Update der Target2-Leseliste

Es war längst überfällig: Meine Leseliste zur Target2-Debatte musste dringend überarbeitet werden – in den vergangenen Wochen ist jede Menge neue Literatur dazu erschienen. (Ich selbst habe ehrlich gesagt langsam ein bisschen die Lust an dem Thema verloren…)

Die Target2-Aficionados mögen mir daher die Verzögerung verzeihen, aber jetzt endlich ist es soweit. Ich habe das neue Material in den alten Blogpost eingebaut und liste es hier nochmal gesondert auf.

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Neuer Lesestoff für Target2-Aficionados

Der  anonyme, aber offenbar durchaus  kenntnisreiche Blogger “Rebeleconomist” hat einen langen Text zur Target2-Debatte veröffentlicht: “Right on Target”.

Lesenswert – und zumindest teilweise überzeugend, obwohl ich seine Schlussfolgerung, Sinn habe Recht, nicht ganz nachvollziehen kann.

Im Grunde sagt der Rebellenvolkswirt das, was ich auch die ganze Zeit vertrete: Dass die Target2-Ungleichgewichte die Folge des nach wie vor nicht funktionierenden Interbankenmarktes sind – keiner traut den Banken in der Peripherie über den Weg, daher können sie sich am Interbankenmarkt nicht refinanzieren. Die Target-Salden sind die Folge.

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Target2-Defizite auf dem Rückzug

Eine der  aus meiner Sicht interessantesten Botschaften der neuen Studie von Hans-Werner Sinn und Timo Wollmershäuser, die am Freitag unter dem Titel “Target-Kredite, Leistungsbilanzsalden, und Kapitalverkehr: Der Rettungsschirm der EZB” erschienen ist, diskutieren die beiden Verfasser gar nicht weiter:

Offenbar sind die Ungleichgewichte im Target2-System deutlich auf dem Rückzug.

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Hans-Werner Sinn und ein “übermäßig aktiver Blogger”

Vorbemerkung: Nach meinen Posts hier und in meinem englischen Blog sowie einer Email an Hans-Werner Sinn hat dieser schnell reagiert und mir Recht gegeben. Die entsprechende Passage in seinem Paper wurde geändert, und es wurde eine Klarstellung in die Fußnote hinzugefügt. Ich bin Herrn Sinn für diese schnelle Reaktion dankar und freue mich, dass der Vorwurf, ich hätte ihn falsch zitiert, aus der Welt ist. Ich habe daher den Titel meines englischen Blogs ergänzt und hier in der Überschrift den Verweis auf  ”schmutzige Tricks” entfernt.

— Ende der Vorbemerkung

Ich habe in den vergangenen zehn Jahren immer wieder  mit Hans-Werner debattiert. Ich habe ihn dabei stets als hart in der Sache, aber fair und intellektuell ehrlich wahrgenommen. Bis jetzt.

In der ersten Fassung der englischen Version seines neuen Target2-Papiers behauptet Sinn, ich hätte ihn in meinem englischen Blogpost missverständlich vom Deutschen ins Englische übersetzt. Fakt ist, dass ich gar nichts übersetzt habe. Ich habe ausschließlich Original-Stellen aus seinem englischen Artikel “The Stealth Bailout” zitiert.

Ausführlich beziehe ich dazu in meinem englischen Blog Stellung: “The dirty tricks of Hans-Werner Sinn (or why it looked like this, at least”.

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