2011 ist nicht 2008; 2012 wird nicht wie 2009

Viele reden in diesen Tagen davon, dass sich die Ereignisse des Winters 2008/09 zu wiederholen drohen.

Damals rauschte die Weltwirtschaft nach dem Schock der Lehman-Pleite in eine tiefe Rezession – die Banken hörten auf, Geld zu verleihen, die Unternehmen hörten auf, zu investieren und die Menschen begannen aus Angst mehr zu sparen.

Die Ausweitung der Euro-Schuldenkrise von der Peripherie der Währungsunion in den Kern hat zweifellos das Zeug, eine neue Finanzkrise auszulösen, aber noch sind wir nicht so weit. Außerdem hat sich die Euro-Krise hinreichend langsam entwickelt, so dass auch Menschen, die nicht regelmäßig den Wirtschaftsteil lesen, sich allmählich an den Ernst der Lage gewöhnen konnten.

Das ist ein Faktor, der dazu beiträgt, dass es außerhalb der besonders hart von Sparprogrammen betroffenen Länder keine schockartigen Auswirkungen auf die Realwirtschaft zu geben scheint. Ein anderer Faktor ist, dass die Unternehmen ganz offensichtlich aus den Erfahrungen von 2008 gelernt haben und ruckartige Anpassungen an die verschlechterten Aussichten vermeiden, um nicht zu der Rezession beizutragen, die sie fürchten.

Zwar haben die Banken begonnen, ihre Kreditvergabe einzuschränken, aber die Unternehmen investieren weiter und die Menschen konsumieren weiter - das zeigt sich in Deutschland in diesen Wochen ganz deutlich.

Der Konsum und die Unternehmensinvestitionen haben im dritten Quartal den Export als Wachstumstreiber abgelöst und das scheint auch in das vierte Quartal hinein zu tragen. Drei Hinweise darauf sind heute: Der weitere Rückgang der Arbeitslosenzahlen im November, der unerwartet kräftige Anstieg der Einzelhandelsumsätze um real 0,7 Prozent im Oktober und der nochmalige, wenn auch nur einprozentige Anstieg der Aufträge im deutschen Maschinenbau.

Auch in den USA haben die Pessimisten ein weiteres Mal mit ihrer Ankündigung eines Double-Dips nicht recht behalten, Japan erholt sich nach den Katastrophen des Frühjahrs und China und andere Schwellenländer halten starke Wachstumsraten aufrecht. Das alles sieht nicht danach aus, dass 2012 so wird wie 2009.

Und das sind wiederum gute Nachrichten für die deutsche Wirtschaft. Sie wird zwei, drei schwache Quartale erleben, aber die Indikatoren lassen uns die Hoffnung, dass eine Rezession trotz der Probleme in der Euro-Zone noch vermeidbar ist.

Dass dies alles unter dem Vorbehalt steht, dass die Währungsunion nicht auseinanderfällt, versteht sich von selbst.

Die US-Geldpolitik und der Rest der Welt

Ist die nach wie vor lockere  Geldpolitik in den USA ein Irrweg oder genau richtig? Mein Kollege Dirk Heilmann, unser Chefökonom, und ich sind bei dieser Frage uneins. Dirk kritisierte den Kurs der Fed in einem Leitartikel hart, worauf ich den armen Ben ein bisschen verteidigt habe.

Dirk und  das Wirtschaftsblog Lost Generation haben mit ähnlichen Argumenten auf meinen Blogpost reagiert. Eines ihrer Kernargument ist, dass die importierte Inflation in den USA letztlich gar nicht importiert sei, weil die expansive Geldpolitik der Amerikaner in Boom in China anheize, der die internationalen Rohstoffpreise und damit die Inflation in den USA  beflügelt.

Bei Dirk liest sich das  so:

Das Problem ist eben, (…)  dass Bernankes extrem lockere Geldpolitik weltweit über spekulative Zuflüsse amerikanischen Anlagekapitals in die Rohstoffmärkte und manche Immobilienmärkte der Schwellenländer die Inflationsraten vor allem in den wachstumsstärksten Ländern in die Höhe treibt. Diese Inflation importieren die USA vor allem über die Energiepreise.

Lost Gen schreibt:

Die USA importiert keine Inflation, sondern exportiert netto welche – un zwar nach China. Das ist genau der Grund, warum die massiven Konjunkturprogramme wenig Auswirkungen auf das nominale BIP haben. China absorbiert einen großen Teil der frisch gedruckten Dollars mit frisch gedruckten Yuan. Die Inflation, welche die Fed erzeugen wollte, entsteht so in China statt in den USA.

Mir kommen dazu zwei Dinge in den Sinn.

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Bernankes “richtigen Weg” hatten wir schonmal – an den Folgen leiden wir noch heute

Nachdem sich mein lieber Kollege Olaf Storbeck veranlasst sah, meinem Leitartikel im Handelsblatt zu Inflation und Geldpolitik wortreich zu widersprechen, kann ich mir meinerseits eine Replik nicht verkneifen. Olafs Argumente, warum Ben Bernanke doch auf dem richtigen Weg sei, haben mich nämlich wiederum nicht überzeugt.

Sie hätten mich nachdenklicher gestimmt, wenn die USA eine Insel wären. Aber das sind sie bekanntlich nicht. Sie sind ein maßgeblicher Bestandteil der globalen Wirtschaft und die Heimat der größten Kapitalmärkte. Darum führt es am Kern des Problems vorbei, die Wirkungen der US-Geldpolitik nur auf die US-Wirtschaft zu betrachten. Das Problem ist eben, wie ich im Leiter beschrieben habe,  dass Bernankes extrem lockere Geldpolitik weltweit über spekulative Zuflüsse amerikanischen Anlagekapitals in die Rohstoffmärkte und manche Immobilienmärkte der Schwellenländer die Inflationsraten vor allem in den wachstumsstärksten Ländern in die Höhe treibt. Diese Inflation importieren die USA vor allem über die Energiepreise. Das schwächt wiederum den privaten Konsum, weil die Amerikaner mehr Geld an den Zapfsäulen lassen müssen. Ausgerechnet die durch diese Wirkungskette verursachte Dämpfung des US-Wirtschaftswachstums wird nun als Argument herangezogen, dass Helikopter-Ben die Geldpolitik noch nicht straffen dürfe. Das ist pervers.

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Ben Bernanke ist auf dem genau richtigen Weg

Mein geschätzter Kollege Dirk Heilmann,  Chefökonom des Handelsblatts, geht in seinem  heutigen Leitartikel hart mit der Zinspolitik der Federal Reserve Bank ins Gericht. Dirk bezeichnet die Niedrigzinspolitik der Fed als “riskante Wette”:

Weltweit steigen die Preise, und wer das als vernachlässigbare Folge eines Rohstoffpreisschubs abtut, der ist leichtsinnig. Im zweiten Jahr eines globalen Aufschwungs ist es höchste Zeit, dass die extrem lockere Geldpolitik beendet wird, die im Kampf gegen die schwerste Wirtschaftskrise seit den dreißiger Jahren begonnen wurde.

Die Entscheidung der EZB, die Leitzinsen anzuheben, betrachtet Dirk als wegweisend:

Unter den traditionellen Industriestaaten steht die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer Leitzinserhöhung vom 7. April einsam da. Sie musste sich für ihre zarte Anhebung von 1,0 auf 1,25 Prozent viel Kritik anhören. Doch der Handelsblatt-RBS-Inflation-Live-Index, der für Herbst eine Inflationsrate von drei Prozent in der Euro-Zone voraussagt, bestätigt die Entscheidung für die Zinswende.

Ich sehe es aus mehrern Gründen genau anders als Dirk. Ich bin fest davon überzeugt: Ben Bernanke handelt genau richtig,  und die EZB ist auf dem Holzweg.

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