Kauft die EZB Staatsanleihen auf?

Die Schlinge zieht sich zu. Das Hilfspaket für Griechenland hat trotz üppiger Summen und harter Auflagen nicht die erhoffte Beruhigung der Finanzmärkte gebracht. Es scheint so, als sei es überholt, noch bevor es überhaupt beschlossen ist geschweige denn Geld fließt. Dafür einfach verantwortungsloser Spekulation die Schuld zu geben, greift zu kurz. Es gibt ja ausreichend gute Gründe, griechische Staatsanleihen zu verkaufen. » weiterlesen

Griechenland ist nicht allein

Einen hervorragenden Überblick über die globale Schuldenkrise gibt der Chefvolkswirt der Citigroup, Willem Buiter, in seiner neuen 66-seitigen Studie “Sovereign Debt Problems in Advanced Industrial Countries”.  In seinem früheren Leben als Professor an der London School of Economics und FT-Blogger war er für markige Sprüche und zuweilen apokalyptische Warnungen bekannt, jetzt steht die sachliche Analyse im Vordergrund. Und die spricht einige wichtige Punkte an, die in der aktuellen Debatte öfter mal unter den Tisch fallen. Zum Beispiel den, dass die Euro-Zone insgesamt in einer stärkeren fiskalischen Position ist als Großbritannien, die USA und Japan, und dass auch diese Länder bald “von den Märkten getestet” werden könnten. Der fiskalische Konsolidierungsbedarf sei in Japan und Großbritannien größer und in den USA ähnlich groß wie in den PIIGS-Ländern der Euro-Zone. » weiterlesen

Die Schelte der Notenbanker

Die europäischen Notenbanker sind stinksauer. Dass Bundeskanzlerin Merkel in der Griechenland-Krise jetzt den Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Hilfe ruft, hat in Frankfurt blankes Entsetzen ausgelöst. Von einem “Dammbruch” ist die Rede, der den IWF zum Zahlmeister von Schuldensündern machen würde. Darüber hinaus fürchten die Währungshüter, dass die Notkredite für Athen die Geldmenge in der Euro-Zone aufblähen und so die Inflation anheizen. Bleibt der IWF seiner bisherigen Zuteilung von Darlehen treu, können die Griechen jedoch allenfalls mit etwa 13 Mrd. Euro rechnen. Selbst wenn es 20 Mrd. Euro werden sollten, wie die Investmentbank Goldman Sachs behauptet, ist das verglichen mit der eng definierte Geldmenge M1 weniger als ein Prozent.

Griechenland allein kann also nicht zum Inflationstreiber werden. Ob das Argument der Notenbanker stichhaltig ist, hängt von zwei Bedingungen ab: Andere Länder müssten dem Beispiel Griechenlands folgen und der IWF müsste sich zum dauerhaften Finanzierer von Haushaltslöchern hergeben. Beides ist unwahrscheinlich.

Dass der Canossa-Gang der Griechen nach Washington zur Nachahmung einlädt, ist angesichts des damit verbundenen Reputationsverlusts kaum vorstellbar. Sicher aber ist, dass ein Bittgesuch beim IWF hochverschuldeten Staaten wesentlich schwerer fallen dürfte als ein Solidaritätsappell an die Euro-Partner. Mit anderen Worten: Würde nicht der Währungsfonds, sondern würden die EU-Länder den Griechen mit Finanzmitteln beispringen, wäre die Gefahr eines “Dammbruchs” ungleich größer.

Hinzu kommt, dass eine vom IWF kontrollierte Sanierung des Staatshaushalts in höchstem Maße deflatorisch wirken würde. Die bereits mit Hilfe des Fonds beschlossenen Maßnahmen führen in Griechenland zu einem massiven Ausfall gesamtwirtschaftlicher Nachfrage. Das Land muss sich gesund schrumpfen. Da den Griechen als Mitglieder der Euro-Zone der Ausweg über eine Abwertung versperrt ist, können sie auf diesem Weg und bei einer weiterhin stabilitätsorientierten Geldpolitk der Europäischen Zentralbank kaum Inflation importieren.

Man sollte die Befürchtungen der Notenbanker nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ein Einsatz des IWF ist nicht ohne Risiken. Die Gefahren sind jedoch weitaus geringer als bei einem europäischen “bail out” oder einem Staatsbankrott.

Die griechische Verschwörung

Ich bin ja kein Freund von Verschwörungstheorien, aber manche Zufälle sind doch einfach ein bisschen zu zufällig. Am Montag gelingt es der griechischen Regierung trotz vieler Unkenrufe für acht Milliarden Dollar fünfjährige Staatsanleihen zu verkaufen – weil sie einen ordentlichen Zinssatz bietet,  bekommt sie sogar dreimal so viele Angebote wie benötigt. Durchatmen also. Doch das passt den Spekulanten, die seit Wochen mit griechischen Bonds zocken, natürlich gar nicht in den Kram. » weiterlesen