Die europäischen Notenbanker sind stinksauer. Dass Bundeskanzlerin Merkel in der Griechenland-Krise jetzt den Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Hilfe ruft, hat in Frankfurt blankes Entsetzen ausgelöst. Von einem “Dammbruch” ist die Rede, der den IWF zum Zahlmeister von Schuldensündern machen würde. Darüber hinaus fürchten die Währungshüter, dass die Notkredite für Athen die Geldmenge in der Euro-Zone aufblähen und so die Inflation anheizen. Bleibt der IWF seiner bisherigen Zuteilung von Darlehen treu, können die Griechen jedoch allenfalls mit etwa 13 Mrd. Euro rechnen. Selbst wenn es 20 Mrd. Euro werden sollten, wie die Investmentbank Goldman Sachs behauptet, ist das verglichen mit der eng definierte Geldmenge M1 weniger als ein Prozent.
Griechenland allein kann also nicht zum Inflationstreiber werden. Ob das Argument der Notenbanker stichhaltig ist, hängt von zwei Bedingungen ab: Andere Länder müssten dem Beispiel Griechenlands folgen und der IWF müsste sich zum dauerhaften Finanzierer von Haushaltslöchern hergeben. Beides ist unwahrscheinlich.
Dass der Canossa-Gang der Griechen nach Washington zur Nachahmung einlädt, ist angesichts des damit verbundenen Reputationsverlusts kaum vorstellbar. Sicher aber ist, dass ein Bittgesuch beim IWF hochverschuldeten Staaten wesentlich schwerer fallen dürfte als ein Solidaritätsappell an die Euro-Partner. Mit anderen Worten: Würde nicht der Währungsfonds, sondern würden die EU-Länder den Griechen mit Finanzmitteln beispringen, wäre die Gefahr eines “Dammbruchs” ungleich größer.
Hinzu kommt, dass eine vom IWF kontrollierte Sanierung des Staatshaushalts in höchstem Maße deflatorisch wirken würde. Die bereits mit Hilfe des Fonds beschlossenen Maßnahmen führen in Griechenland zu einem massiven Ausfall gesamtwirtschaftlicher Nachfrage. Das Land muss sich gesund schrumpfen. Da den Griechen als Mitglieder der Euro-Zone der Ausweg über eine Abwertung versperrt ist, können sie auf diesem Weg und bei einer weiterhin stabilitätsorientierten Geldpolitk der Europäischen Zentralbank kaum Inflation importieren.
Man sollte die Befürchtungen der Notenbanker nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ein Einsatz des IWF ist nicht ohne Risiken. Die Gefahren sind jedoch weitaus geringer als bei einem europäischen “bail out” oder einem Staatsbankrott.