Die Nationalität des EZB-Führungspersonals hat messbaren Einfluss auf die geldpolitischen Entscheidungen der Notenbank, zeigt eine neue Studie. Die Ergebnisse sind so brisant, dass die Forscher wichtige Details der Arbeit unter Verschluss halten.

Der neue EZB-Chef Mario Draghi (EZB-Pressebild, Fotograf: Dirk Michael Deckbar)
Heute ist der erste Arbeitstag des neuen EZB-Chefs Mario Draghi. Neben Draghi sind ab heute zwei weitere Italiener im EZB-Rat, dem wichtigsten Führungsgremium der Bank, vertreten: Lorenzo Bini Smaghi und Ignazio Visco, Draghis Nachfolger an der Spitze der italienischen Notenbank,
Keine anderes Land der Euro-Zone hat damit derzeit so viel Einfluss auf die geldpolitischen Entscheidungen wie Italien – pikanterweise ausgerechnet das Land, das im Mittelpunkt der Schuldenkrise steht.
Mein “Welt”-Kollege Holger Zschäpitz schrieb dazu gestern auf Twitter:
“Ab morgen wird #EZB von 3 Italienern und damit jenen dominiert, die monetäre Rettungstruppe aus FFM am meisten brauchen.”
Welche Rolle spielt die Nationalität der Entscheidungsträger für die Geldpolitik in Europa tatsächlich? Gar keine – das zumindest ist die offizielle Lesart der EZB. Die Mitglieder des EZB-Rates würden in ihrem Amt ihre Pässe gedanklich abgeben und hätten nur noch das Interesse der gesamten Euro-Zone im Blick.
Aber stimmt das?
Die beiden Ökonomie-Professoren Harald Badinger (Wirtschaftsuniversität Wien) und Volker Nitsch (TU Darmstadt) sind dieser Frage in einer bemerkenswerten Studie nachgegangen – und entlarven eine Lebenslüge der EZB. Denn die Nationalität der Entscheidungsträger spielt sehr wohl eine Rolle für ihre geldpolitischen Entscheidungen, zeigen die Forscher.
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