Die Ökonomie des Fußballs II: Geld setzt sich durch

Vor zwei Wochen schrieb mein Kollege Olaf Storbeck an dieser Stelle über die EM-Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).  In einer statistischen Studie hatten die Forscher gezeigt, wie eng der Marktwert eines Fußball-Teams und dessen Erfolg zusammenhängen – und deshalb vorhergesagt, dass das Finale Spanien (mit 658 Mio. € das teuerste Team) gegen Deutschland (das zweitteuerste Team, 459 Mio. €) sein wird. Genauso hatten die Volkswirte von UniCredit argumentiert.

Im bisherigen Verlauf der EM hat sich der Mechanismus, dass die Mannschaften mit dem höchsten Marktwert am weitesten kommen, wieder einmal klar bestätigt, wie DIW Berlin-Chef Gert Wagner, Michael Mutz und Jürgen Gerhards (beide: FU Berlin) nun zufrieden in einem Zwischenfazit feststellen. Hätte man tippen sollen, wer jeweils das Viertelfinale erreicht – man hätte sich pro Gruppe nur die beiden jeweils teuersten Mannschaften herauspicken müssen und in sieben von acht Fällen richtig gelegen.

Einzige Ausnahme: Die Griechen, die beim Marktwert mit schlappen 83 Mio. auf dem vorletzten Platz liegen, und deren 23 Spieler zusammen gerade einmal so viel kosten wie das Duo Gomez/Schweinsteiger. Sie sind der einzige verbliebene David, der Strohhalm Hoffnung für all die, die – wie ich – am Fußball vor allem das Underdog-Dasein lieben; die ein Zweitligaspiel im Morast einer Business-Lounge vorziehen; die lieber alle zwei Jahre auf- und absteigen als sich als Serienmeister zu langweilen; die nichts dagegen haben, ein 1-0 mit einer schnurgeraden 9er-Abwehrkette nach hause zu schaukeln; und die Anfang Juni zehn Euro auf Griechenland als Europameister gesetzt haben, weil es dafür den 116-fachen Gewinn gibt. Schade nur, dass die Griechen dafür jetzt ausgerechnet die Deutschen aus dem Turnier kegeln müssten…

Auch die DIW-Forscher hoffen, dass der Grundsatz “Geld gewinnt” am Ende nicht eins-zu-eins zutreffen wird, damit die Deutschen die Spanier vielleicht doch noch einmal schlagen:

Was aber für einen nicht prognostizierten Europameister spricht, ist die vergleichs-weise große Rolle des Zufalls. Im Vergleich zu anderen Sportarten werden im Fußball insgesamt sehr wenige Tore geschossen, so dass ein Treffer schon den Sieg bedeuten kann; eine Fehlentscheidung des Schiedsrichter wie die im Spiel England gegen die Ukraine oder ein auf Grund schlechter Platzverhältnis-se versprungener Ball kann eine Partie entscheiden. Mit etwas Unterstützung durch den zwölften Mann namens „Zufall” hat die Mannschaft von Jogi Löw also eine gute Chance.

Die Ökonomie des Fußballs: Spanien ist Top-Favorit

Eigentlich hatte ich mir nach meiner peinlichen Pleite beim Champions League-Finale ja fest vorgenommen, von öffentlichen Fußball-Prognosen tunlichst die Finger zu lassen.

Jetzt kann ich allerdings doch nicht widerstehen – denn  heute haben die drei Berliner Wissenschaftler Jürgen Gerhards, Michael Kurz (beide: FU Berlin) und Gert Wagner (DIW) eine ökonomisch fundierte Prognose zur Fußball-EM veröffentlicht. Grundlage dafür ist der Marktwert der Teams, die ab morgen in Polen und  der Ukraine gegeneinander antreten.

In den vergangenen Jahren hat sich dieser Ansatz zumindest bei internationalen Turnieren als treffsicher erweisen: Bei den beiden Weltmeisterschaften 2006 und 2010 sowie bei der EM 2008 lagen die Wissenschaftler mit ihren Vorhersagen jeweils richtig.

Nimmt man den Marktwert der Mannschaften als Indikator für ihre fußballerische Qualität, dann hat Spanien erneut die besten Karten, als Sieger nach Hause zu fahren. Auch für Deutschland sieht es nicht schlecht aus – das Team ist vor England und Frankreich was zweitwertvollste. England jedoch hat in der Vorrunde ein echtes Handicap: Stürmerstar Wayne Rooney – 65 Millionen Euro wert – ist in den ersten beiden Spielen wegen einer roten Karte gesperrt. » weiterlesen

Vor dem Champions-League-Finale in München: Wirtschaftswunder Bundesliga?

Wer mir bei Twitter folgt, konnte es live miterleben:  Als eingefleischter Schalke-Fan habe ich das DFB-Pokalfinale am Samstag in Berlin mit sehr gemischten Gefühlen gesehen, zumal ich vor einem Jahr beim Schalker Pokalgewinn selbst in der Kurve stand.

Aber ich muss gestehen: Es war ein tolles Fußballspiel, und am Ende siegte bei mir die Schadenfreude über die Blamage Bayern Münchens über den Missgunst eines weiteren Erfolgs für die Mannschaft unserer Lokalrivalen aus Lüdenscheid-Nord.

Nächsten Samstag findet in München das nächste Spitzenspiel statt, Bayern tritt im Champions-League-Finale im eigenen Stadion gegen Chelsea an. Die wirklich  schwierige und immens wichtige Frage, wen ich als Schalke- und Arsenal-Fan an dem Abend unterstütze, will ich hier nicht weiter diskutieren. Sondern die Frage, ob die Begegnung auch ein Aufeinandertreffen von zwei verschiedenen Geschäftsmodellen des Profifußballs ist.

Auf der seinen Seite stehen die vergleichsweise solide wirtschaftenden Bundesliga-Vereine, in denen dank der “50 plus 1-Regel” Investoren nicht die Mehrheit übernehmen können – auf der anderen Seite die Premier-League-Clubs, die das Hobby- und Prestigeprojekt gelangweilter Oligarchen (Chelsea) und Ölscheichs (Man City) sind. » weiterlesen